Ausgabe 
27.3.1913
 
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Donnerstag, den 21 März

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jfrauenliebe.

Roman von Horst B o d e m e r,

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Moreth hatte sich zwar borgctionintett, jetzt nach Hause zu fahre,!, aber mit einem solchen Geivirrn konnte man als anständiger Mensch unmöglichkalte Füße" bekommen. Und dann saß er nicht in -einer Glücksperiode schon seit vorigem Herbste? Er müßte ja ein Esel sein, wenn er die Ehance nicht benutzte. Freilich, Eva wartete, die war immer auf gebtieben, bis er zurückkam; aber ein schlechter Geist redete ihm ein: sie wird sich schlafen legen. Mitter­nacht ist ja schon vorüber.

Ais die Uhr fünf schlug, hatte Hans-Wilhelm nicht nur seinen Gewinn opfern müssen, sondern noch zweitausend Mark in Schuldscheinen verloren.

Man machte Schluß und rechnete ab. Düsedau war mit einem blauen Auge davongekommen, dreihundertfünfzig Mark mußte er sitzen lassen, alle übrigen hatten von Hans- Wilhelm beträchtliche Summen zu fordern, am meisten der Ämtsgerichtsrat Röpke -- fast tausend Mark.

Püchkow versuchte ihn zu trösten.

Alles kann man nicht auf einmal haben? Uebrigens geben wir dir gern Revanche nicht wahr, Röpke?"

Das versteht sich!"

In, stillen dachte -er: Wie will Moreth gewinnen, wenn -er so hitzig spielt?

Hans-Wilh-elm tat ganz gleichgültig, er war das Ver­lieren gewöhnt.

Aber ich bitte, was tut das?"

Auf der Heimfahrt bekam er schlechte Laune, der Jam­mer stellte sich ein. Die anstrengende Jagd, die tolle Trin- kerei, das Spielen die Nacht durch und noch dazu mit Verlust ging über die Nerven. Und nun machte sich auch noch ein eisiger Wind auf, der das Nahen der Dämmerung an­kündigte und blies ihm ins Gesicht, daß ihn die Haut jucktet Einen üblen Geschmack hatte er im Munde, .Sekt auf Burgunder bekommt schlecht, die schweren Zigarren trugen auch nicht zum Wohlbefinden bei freilich beim Spiel beruhigten sich die Nerven.

Als er in den Hof einfuhr ärgerte ihn das Schellen­geläute der Pferde; ein Hofhund schlug auch an, und in Evas Zimmer brannte noch Licht. Warum wär er zu Püchkow gefahren? Und da fiel ihm auf einmal ein, daß ihn gerade zu dieser Jagd sein Frauchen hatte ungern gehen lassen. Natürlich, daß er das auch nicht früher bemerkt hatte! Und nun war sie womöglich noch wach! Auf keinen Fall durfte sie von seinem Verluste erfahren, koste es, was es wolle!

Er warf dem Diener die Zügel zu, und mit einem Satze war er aus dem Schlitten.

Gut abreiben die Pferde verstanden?"

Zu Befehl, Herr Leutnant," erwiderte der Kutscher verschlafen.

Drei Stufen nahm Hans-Wilhelm immer mit einem Satze, er riß die Tür auf, sein Weib- stand mitten im Zimmer.

Aber Eva, warum hast du dich denn nicht schlafen gelegt?"

Du weißt doch, Hans-Wilhelm, ich warte immer auf Dich."

Beschämt sieht er zur Seite.

Wahrhaftig, ich wollte um Mitternacht aufbrechen, aber ich konnte beim besten Willen nicht weg. Sei mir nicht böse."

Ich. bin dir nicht böse, Hans-Wilhelm, aber ich bange mich um dich!"

Da nimmt er sie in seine Arme und küßt sie.

Närrische kleine Frau!" ,

Sie schließt die Augen, denn aus seinem Munde strömt der Geruch von Wein und Zigarren.

Da er nichts erzählt, fragt sie nicht; aber sie weiß, er hat verloren. Sie hofft, -er wird ihr, wenn er ausge- schlafen hat, die Summe sagen.

Zwölftes Kapitel.

Röpke kam erst gegen Mittag nach Hause. Er hatte bei Püchkownochmal rumgefchlafen", wie er sich aus­drückte; in Wahrheit wollte er mit klarem Kopfe zu Haus« erscheinen, denn er hatte einen heillosen Respekt vor seiner Frau. Mittags sieht das Heimkommen weit ungefährlicher aus, als morgens um sechs.

Die Fäuste in die Hüften gestemmt, empfing ihn seine rundliche Frau.

Ich wollte. eben öffentlich ausklingeln lassen, man sollte dich auf dem Wege nach Ossendorf in den Straßen­gräben gegen gute Belohnung suchen!"

Der Amtsgerichtsrat nahm die Predigt seiner besseren Hälfte sehr freundlich auf.

Das zeigt mir nur, wieviel ich dir inert bin, meine liebe Emma!"

Aber da kam er schlecht an.

Eine Schande ist's! Alle Welt weiß, daß du gestern beim Morgengrauen zur Jagd gefahren bist, und am näch­sten Tage," wenn die Glocken zum Nachmiktagstzottesdienst läuten, kommst du heim! Woher sollen die Leute nur den Respekt vor dem ersten Beamten 'des hiesigen Amtsgerichts hernehmen?"

Aber mein liebes Emmchen!"

Da fuhr sie ihm ganz gehörig über den Mund.

Hat sich was, liebes Emmchen! Ich laß? dich nicht wieder zu diesem Püchkow fahren! Und der Wagen kostet ein Heidengeld so reich sind wir nicht!"

Gott, Kindchen ich wäre ja viel früher wiedergekom­men, aber ich konnte absolut nicht weg."

Natürlich nicht, weil Ihr gespielt habt!"