Ausgabe 
27.1.1913
 
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Prächtig! Freilich billig werden die Pferde nicht M haben sein."

Bah Geld spielt keine Rolle. Ich habe mich euü- schlosseu/einen Rennstall zu gründen, es ist meine einige Leidenschaft warum sollte ich sie nicht befriedigen?

Selbstverständlich. Haben Hoheit schon mit Sr. Durch­laucht Abmachungen getroffen?"

Nur im allgemeinen. Vorläufig ist die Sache, wie ge­sagt, noch strengstes Geheimnis. Wenn ich mich entschließe und halb und halb bin ich es schon dann brauchte ich vor allem einen zuverlässigen Mann, der seine Sache ver­steht und mir bei Kauf und Einrichtung an die Hand geht.

Reinsperg machte eine kleine Pause und betrachtete seine Nägel, dann richtete er den Blick auf Montelli, der mit klopfendem Herzen dasaß.

Ich habe Ihnen bereits angedeutet, was mein Wunsch wäre, lieber Montelli. Jetzt ist der Moment da, wo Sie sich endgültig entscheiden müssen. Wollen Sie die -suche tlber- nehmen?"

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"Reden wir ganz ofseii," fuhr der Prinz rasch fort. Dopolanyi, wo ich den Stall uuterbringcu will, ist ein angenehmer Aufenthalt auch für Damen. Das ganze Schloß würde Ihnen zur Verfügung stehen mit Ausnahme von drei Zimmern, welche ich mir für gelegentliche Besuche reserviere. Was die pekuniäre Seite anbelangt, so biete ich Ihnen ein Jahresgehalt von zehntausend Gulden. Wäh­rend der Rennen steht Jhiien für sich und Ihre Familie eine Wohnung in meinem Wiener Palais zur Verfügung haben Sie sonst noch Wünsche, werde ich Ihnen gern entgegenkommen. Ich mache nur eine einzige Bedingung auf dieser allerdings muß ich fest bestehen."

Und worin bestünde diese Bedingung, Hoheit?"

Daß Sie mir Ihr Ehrenwort geben, nie mehr zu spielen! Weder mit Karten, noch am Turf. Sie wissen, daß es schon einmal der Grund war, weshalb ich Sie damals als Ihr Vorgesetzter im Dienst ans meiner Nähe entfernen mußte. Ich hasse jede Art von Spiel. Wenn Sie Ihr Wort nicht halten würden, müßte ich unsere Be­ziehungen sofort und ohne weitere Kündignng als gelöst betrachten."

Montelli atmete auf. Er hatte vielleicht eine andere Bedingung erwartet. Aber der Prinz war ja durch und durch Kavalier natürlich Montelli begriff jetzt selbst nicht, wie er hatte fürchten können und nicht spielen nur das! Wie leicht konnte er das versprechen! Seit zwei Kahren hatte er keine Karte berührt.

Hoheit, ich gebe mein Ehrenwort und werde es halten." Much der Prinz atmete auf.

Gut. So sind wir also einig."

Ja. Wann -fahren wir nach, dem Narotinschen Gestüt?"

Morgen schon, wenn -es Ihnen recht ist. Ich möchte keinen Tag verlieren. Aber noch eins: wird Ihre Frau Ge­mahlirr mit unseren Abmachungen einverstanden sein? Wenn ich nicht irre, verhielt sie sich bisher ziemlich ablehnend meinen Plänen gegenüber."

Meine Frau ist kein Hindernis, Hoheit. Ich bürge dafür, daß sie gern nach Dopolanyi übersiedelt."

Wollen Sie nicht vorher doch noch Rücksprache mit ihr nehmen?"

Nein. Es ist nicht nötig."

Als Montelli eine halbe Stunde später dem Hotel zu­schritt, in dem er mit Meta sein Heim provisorisch aufge- schlagen hatte, stiegen ihm doch Bedenken auf, was Meta yi der Sache sagen werde.

Wer er verscheuchte sie bald.

Sie mußte sich eben fugen. Und wenn sie ihm anfangs auch Vorwürfe machen sollte bah, er wußte mit Frauen umzugehen. Mit ein wenig Liebe und Zärtlichkeit würde er sie schon beruhigen.

Montelli fand Meta am Bett ihres Kindes, ganz blaß vor Angst. Konradchen fieberte heftig. Das neue Kinder­fräulein Fräulein Olga war entlassen, da Montelli sie nicht mochte und zu anspruchsvoll fand saß ratlos und ein wenig schuldbewußt daneben.

Sie hatte keine Liebe für das geistig zurückgebliebene Kind und blieb nur der guten Bezahlung wegen in der Stellung. Als Meta vorhin heimgekeh'rt war, fand fie Fräulein Minna schwatzend mit dem Zimmermädchen am Korridor und das Kind unruhig fiebernd im Zimmer.

Es hatte heftige Worte gegeben, die mit einer Kündi­gung endeten. Fetzt erwartete Meta den Arzt.

Montelli trat bestürzt näher. Er wußte, toie Meta an dem Kinde hing und las die Qual in ihrem Gesicht.

Was ist mit Konradchen? Doch hoffentlich nichts Ernstes?"

Ich weiß es nicht. Ach, wenn doch- der Arzt käme...! Sieh nur, wie -es glüht, das arm-e Kind!"

Man wird Eis benötigen. Bitte, Fräulein Minna, sehen Sie nach, ob im Hotel selbst welches zu haben ist, sonst senden Sie in eine Apotheke darum!"

Fräulein Minna entfernte sich, froh, daß sie aus dem vorwurfsvollen Blicke ihrer Herrin kam.

Meta blickte unruhig zu Montelli auf.

Ich hätte nicht fortg-ehen f offen. Schon morgens! kam mir das Kind so matt vor. Als ich nach Hausei kam, fand ich es ganz allein."

Ah! Das ist doch"

Ja. Minna ist ganz unzuverlässig. Ich habe ihr gekündigt. Ach, hätten wir doch Olga nicht entlassen...! Aber du ließest ja nicht nach"

Weil ich ihr vertrauliches Wesen unerträglich sand! Sie beanspruchte ja beinahe, deine Freundin zu sein!"

Hatte sie dazu nicht ein Recht? Sie ist jahrelang um mich gewesen und hat schwere Zeiten mit mir durch­gemacht. Für das Kind war sie wie -eine zweite Mutter sie hätte -es nie allein gelassen!"

Entschuldige ich will Minnas Nachlässigkeit gar nicht verkleinern, aber sie kann doch nicht die Ursache von Konradchens Erkrankung sein!"

Das nicht. Wer das Kind ged-eiht überhaupt nicht unter Minnas Hand. Erinnere dich, welche Fortschritte es in Brioni machte unter Olga! Seitdem ist in dieser Hinsicht ein Stillstand eingetreten."

Daran ist sicherlich nur die Unruhe des Reisens, der ewige Ortswechsel schuld- Kinder brauchen Ruhe und Ord­nung. Wenn wir erst wieder mal seßhaft sind und uns ruhig in Dopolanyi -eingerichtet haben, wird alles gut sein."

Meta hob mit einer jähen Gebärde den Kopf. Sie blickte ihren Mann -groß, fast entsetzt an.

In Dopolanyi?"

Ja."

Montelli ging langsam int Zimmer auf und nieder.

Ich habe heute den Antrag des Prinzen endgültig angenommen. Er läßt dir die Hände küssen. Morgen fahre ich mit ihm nach Trebinten in das Narotinsche Gestüt und in vierzehn Tagen übersiedeln wir auf Reinspergs. Gut Dopolanyi."

Außer sich sprang Meta auf.

Wir wir?" stieß sie heftig heraus.Du tust ja gerade, als wäre ich -eine Sache, die du nach- Belieben daj oder dorthin legen könntest!"

Durchaus nicht. Aber du bist meine- Frau und diese gehört nun -einmal dorthin, wo der Mann ist. Du wirst mich nicht zwingen wollen, von meinem Rechte Gebrauch zu machen."

Sie war sehr bleich geworden.

Das ist... das ist ja Sklaverei," stammelte sie, immer noch außer sich.

(Fortsetzung folgt.)

Abenteuer der Brigadier Gerard.

Bon C. Doyle.

(Fortsetzung.)

Wie der Brigadier in England Triumphe feierte,

Sie wissen, mes amis, wie ich die Engländer auf der Fuchs- tagd geschlagen habe, als ich das Tier so ungestüm verfolgte/ daß selbst die Meute der trainierten Hunde nicht mehr mit­konnte, und es dann mit einem einzigen Säbelhieb in zwei Teile zerlegte. Sie glauben vielleicht, daß tch diesem kleinen Abenteuer zu viel Bedeutung beilege, aber ich kann Ihnen die Versicherung geben, meine Herren, der Sieger im Sport entpsindet noch mehr als der Sieger in -einer Schlacht, beim im Feld teilen Sie Ihre Erfolge mit Ihrem- Regiment und Ihrer Armee, aber im Sport ernten Sie Ihre Lorbeeren ganz allein, weil Sie sie auch ganz allein erworben haben. Tie Engländer sind uns darin voraus, daß sich alle Bevölkernngsklassen für Sport in jeder Form inter­essieren. Mag es nun daher kommen, daß sie mehr Geld oder weniger zu arbeiten haben, ich war jedenfalls überrascht, als ich als Gefangener drüben war, wie kolossal verbreitet dieser Hang war, und wie er das ganze Tun und Denken der Leute in hohem