Ausgabe 
27.1.1913
 
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MsnLag, Sen 27. Januar

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Von Frühling ju Frühling.

Roman von Erich Ebenstein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

IX.

Ich bin ganz deiner Ansicht, liebe Meta, daß dieses ewige Herumreisen ein Heidengeld kostet und unsere Ver- hälrnisse überste igt, überhaupt mit 'den lumpigen achttausend 'Gulden, die uns zu Gebote stehen, läßt sich nichts Vernünf­tiges anfangen. '®u bist verwöhnt und ich bin's zweite Klasse gibt's nicht für uns also muß man an etwas anderes denken."

Meta blickte erschrocken auf.

Ja, ja," lachte Montelli, nervös die Spitzen seines Schnurrbarts drehend,es nutzt nichts, Schatz man muß den Dingen mal gerade ins-Ange schauen. Es war schänd­lich von Niki, dich so knapp zu stellen. Er, der sonst so nobel war! Er muß dich in der letzten Zeit damals, als er das Testament machte direkt gehaßt haben."

Sie wurde blaß und sah gequält vor sich hin.

Du weißt es doch, Viktor," murmelte sie,und ich habe dir wahrlich nichts verschwiegen vor unserer Heirat. Weshalb kommst du immer wieder darauf zurück?"

Er warf ihr einen langen Blick zu. Tief im Hinteri- grund seiner schwarzen Augen blitzte ein geheimer Groll auf.

Warum? Weil... weil es eben schändlich boshaft von Petermaun war. Und weil es nicht hätte sein müssen, wenn du klüger gewesen wärest! Eine schöne Frau vermag sehr viel... freilich muß sie verstehen, Welt und Menschen zu nehmen, wie sie sind! Diese Weisheit hast du leider noch immer nicht begriffen, sonst würdest du dich nicht so lächer­lich prüde verhalten gegen den guten Prinzen Reinsperg, mit dem uns der Zufall hier so glücklich zusammenführte."

Sie waren dreiviertel Jahre verheiratet und saßen auf der Brühlschen Terrasse in Dresden, als dieses Gespräch stattfand.

Bei Montellis letzten Worten sprang Meta empört auf.

Viktor! Wie kannst du... ?"

O, sei nur nicht gleich wieder die beleidigte Tugend! Ich will ja gar nichts, als daß du klug bist. Eben noch sahst du vollkommen -ein, daß wir mit unserem -Einkommen nicht auskommen."

Ja, aber"

Und weißt, daß Reinsperg mit der Idee umgeht, mich zum Leiter seines Rennstalles zu machen. Das wäre eine -ebenso angenehme als lukrative Stellung."

Die du aber durchaus nicht deinen Verdiensten ver­danken würdest!"

Nein. Wenn im Grunde haßt und verachtet mich der gute Joachim genau so, wie -er meine schöne Fran liebt und verehrt."

Und doch wolltest du..."

Warum nicht? Daß feine Verehrung immer in den mir genehmen Grenzen bleibt, dafür würde ich schon sorgen. Ich liebe dich und bin sehr eifersüchtig. Aber ich sehe nicht ein, weshalb deine Schönheit, welche sozu­sagen das einzige Kapital ist, was dn mir zugebracht haft, nicht in erlaubten Grenzen Zinsen tragen soll?"

Meta blickte ihren Gatten wie erstarrt an. Dann über­zog dunkle Röte ihr Antlitz und sie warf hochmütig bett Kopf zurück. Waren denn wirklich alle Männer so unsäg­liche gemein?

Wenn das dein Ernst ist. . . dann. . . dann habe ich keine Silbe mehr darauf zu erwidern."

Sie schritt, ohne ihn weiter zu beachten, fort.

Montelli machte eine Bewegung, als wolle er ihr folgen, besann sich dann aber und blieb mit finsterer Miene sitzen.

Sie hatten ja mit Prinz Reinsperg verabredet, einan­der hier zu treffen. Montelli sah auf die Uhr. Eigentlich hätte er schon hier sein können . . .

Dann dachte er an Meta. Hatte er zu viel gesagt? Wollte er denn wirklich etwas Erniedrigendes von ihr? Lächerlich. Da kamen ganz andere Dinge vor in der Welt . . . ihr Hochmut und ihre Prüderie in solchen Fällen waren einfach kindisch. Sie müßte doch begreifen, daß es ihre Pflicht war, ihm vortvärts zu helfen! Ja, wenn sie Petermanns Erbin gewesen wäre, dann allerdings hätte sie mit königlicher Verachtung auf alles blicken können, das wie Berechnung aussah. Aber so . . .

Wie so allein, Montelli?" sagte plötzlich die Stimme Prinz Joachims mit einem deutlichen Unterton von Ent­täuschung.Ich hoffte, daß Ihre Frau 'Gemahlin"

Montelli sprang auf.

Guten Abend, Hoheit! Ich bitte tausendmal um Ent­schuldigung in Metas Namen, aber sie hatte Kopfschmerz und ist soeben nach Hanse gegangen."

Reinsperg lächelte säuerlich.

Kopfschmerz? Freilich, freilich, ich habe mich ver­spätet, und schöne Frauen sind nicht gewöhnt zu warten. Aber es ging eben nicht anders . . ." Er setzte sich nieder und bestellte eine Erfrischung.Wissen Sie, wer mich aufhielt? Fürst Narotin. Er will seinen Rennstall aust lösen tvas sagen Sie dazu?"

Ah? Wirklich? Alles verkaufen? Auch denBluff" ?"

Ja. Er geht in den Orient auf lange Zeit. _ Ich glaube, eine Expedition -oder so etwas. Ein komisches Zusammentreffen, nicht wahr? Er will Pferde verkaufen und ich suche welche."

Montelli war wie elektrisiert.

Hoheit, da ließe sich viel machen! Fürst Narotin hat außerBluff" noch Narenta" undKitty". Dazu die besten Trainer und Henderson, den Jockey par excellence. . . . Die Nachricht wird Sensation machen auf allen Tursplätzen!"

Nun, vorläufig weiß ich nur darum. Er will mir dio Vorhand lassen."