Ausgabe 
26.11.1913
 
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Schreibfehler.

Geschehnisse des Lebens gehorchen Gesetzen und nichts geschieht sinnlos und zufällig. Auch die Fehler, die wir beim Ab- Mid Nachschreibcn begehen, sind keine Zufälligkeiten, so sehr sie auch danach aussehen. Sie sind auch nicht Anzeichen eines Mangelhaften Intellektes, da sie auch von den Gebildeten gemacht werden. Viel­mehr werden sie dilrch einige wenige psychische Akte bedingt. Die Er­kenntnis dieser Tatsache ist ja nicht neu, dennoch bleibt es ein großes Verdienst Jakobs Stolls, sie durch interessante Versuche, die er tn Marbes Fortschritten der Psychologie soeben zufamMen- faßend veröffentlicht hat, in «ins helleres Licht gesetzt zu haben. Der Untersncher ließ eine Gruppe von Seminaristen, also sprachlich nnd orthographisch durchgebildete Leute, vier vorgelegte Sej-fe nach­schreiben. Bon diesen war der eine aus sinnlosen Silben zusammen­gesetzt. Es durfte nichts verbessert werden. Bei diesem Verfahren ergaben sich auf 44 533 Silben 1308 Fehler, d. s. 2,94 Proz. Dabei war die Güte der Leistung annäherird die gleiche, ob es sich uM angsanr oder schnell Schreibende handelte. Die Schreibfehler be- tandcn nach der Stollschen Einteilung in Auslassungen, Zusätzen, Umstellungen von Worten oder Wortteilen und in Fälschungen, bei denen ein weiteres Wort oder ein anderer Laut anstelle des be­treffenden Textes gesetzt wurde. Auslassungen und Fälschungen waren die häufigsten Fehler.

. Während» jedoch in dem sinnvollen Text die 45 Proz. Aus- vor 35 Proz. Fälschungen standen, übertrafen diese mit >3,5 Proz., die 25 Proz. Auslassungen im sinnlosen Texte. Was rnd nun die Ursachen dieser Fehler? Zunächst'rühren einige wenige Irrtümer von einer sog. reproduktiven Nebenwirkung her, auch Mischwirknng beim Versprechen genannt. Der Mechanisinus ist der, daß zugleich mit der Auffassung des Textwoctes ein ähnlich klingen­des einfällt, das dann mit ersterem verschmolzen wird. So etwa, wenn aus der Vorlage Intuition durch Dazwischenkommen von Institution Jnstuition loird. Eine viel ausgiebigere Quelle ür Schreibfehler stellt die Tendenz unserer Psyche dar, geläufigere Vorstellungen und Assoziationen anstelle weniger geläufiger, sel­tenerer zu setzen. Die entstandenen Worte sind die sprachhäufigeren, wie aus dem Vergleiche im Häufigkeitswörterbuch festgestellt werden konnte. In 70 Proz. der Fehler handelte es sich hier um den Ersatz

Vermutung geäußert, es begänne nördlich der ostsibirischen Küste lenserts des Rerseweges, der unglücklichenJeanettes-Expedition, 'Vf -x5nf d6iru&, die ostwärts nach jrnm erwähnten arktischen Archipel hütuberreiche und vielleicht den Weg' darstelle, auf dem, dre amerikanischen Eskimovölker aus dem asiatischen Osten ein­gewandert feta Knuten.

Es ist f4on einmal der Versuch zur Lösung dieses von Harris anfgeworfmen Problems unternommen worden, nämlich im April 1907 durch den dänischen Polarforscher Mikkelsen, der kürzlich durch ferne abenteuerlrchen SchiÄsale in Ostgrönland allge­meiner bekannt geworden ist. Zn dem Zweck ging Mikkelsen Eals mit Hundeschlitten von der Nordküste Alaskas über das Meereis in genau nördlicher Richtung vor. Aber er kam infolge, ungünstiger, Eisverhältnisse nur bis 72 Grad n. Br., d. h. rn der, Liiftlinie nur etwa 170 «Kilometer weit, und daß X?? war freilich, -richt weiter wunderlich.

Kurz vorher war aber durch Peary eine Nachricht gekommen, dre durchaus der Annahme Harris entsprach. Peary glaubte narnlrch 1906, als er an der Nordküste von Grantland nach Obsten wanderte, tn der Ferne, etwa unter 103 Grad n. L. Und 83 Grad n Br. ein neues gebirgiges Polarland zil sehen, von des,en Existenz er überzeugt war, und das' er Crockerlaird nannte. Al>o erschien in der Tat! weit außerhalb der amerikanisch- polaren Landmassen ein anderes Polarland zu liegen. Cook sah allerdings spater das, ,Crvckerland nicht: aber eine andere Be- obachtung,, die er cheiter nördlich gemacht zu haben behauptet, J. jptnt gleichfalls Harris Theorie zu stützen. 'Cook berichtet näm­lich, dort an einer Stelle über Landeis, d. h. über das Eis einer offenbar nur ganz schwach über dem Meere emporragen­den Landoberslache gefahren zu sein. Eine merkwürdige Einzel- v»t, aber gerade darum vielleicht ein Zeichen für Cooks Glaub­würdigkeit.

. ± Augenblicklich find nun zwei Expeditionen unterwegs, diesen intercssanteii Dingen auf den Grund zu gehen: eine ameri­kanische unter Pearys früherem Begleiter Mac Millan, «die es auf das Crockerland und seine Nachbarschaft abgesehen hat/ dabet vermutlich in die Lage kommen wird, auch'Cooks Be­obachtungen zu prüfen, und den gegenwärtigen Winter in Etay Smithsunde zubnngt: und eine zweite, kanadische unter Ste­fan ss o n, einem früheren Gefährten Mikkelsens, der sein Augen­merk saiuf die hypothetischen Länder im Westen beS1 Parryarchi- bat Und noch ein drittes großes Unternehmen steht ja für den nächsten Sommer bevor, die neue Reise Amund'- sens, der zwar in erster Linie ozeanographische Forschungen im Nordpolarbecken vorhat, aber sicherlich nicht versäumen wird/ durch Schlitten- !uud Flugzeugrekognoszierungen zu beiden Seiten seiner Route nach unbekanntem' Land Ausschau zu halten Man wird hieraus ersehen, daß, es am Nordpol noch keineswegs an lohnenden, Entdeckungsmäglichkeiten fehlt, und ton den nächsten röhren wichtige geographische 'Aufschlüsse über eines der dunkel­sten Gebiete der Erde erhoffen dürfen.

EMeSrmgzmöglWerten am Nordpol.

Von H. Singer, i

,, Dm vergangenen Spätsommer hat der russische Kapitän Wil- Ei t s k i rm Polarmeer vor der NoEste Asiens eine ganz uuer- wartete und wichtige geographische Entdeckung gemacht: er hat

Kap Tscheljuskin fast 400 .Kilometer nord nordwestlich twetdjCTtbe Külte, die des Kaiser Nikolaus-Landes, aufgefunden ' Ammnd dort km entferntesten hat vermuten ^^klich m einheitliches Polarland ist, das dann möglicherweise den Umfang Islands erreichen könnte, oder ob wvn eine neue große polare Inselgruppe vor sich hat, ist noch s5,-er ^te wit Sicherheit zu erwartenden weiteren rus-

Mchen Expeditionen werden das vermutlich mit Hilfe von Schlitten­fahrten schon in nächster Zeit feststellen.

hat also niemand dort vermutet. Es gab überhaupt MäLflr rt die Geographen und Polarforscher es für ziemlich ausgefiylofien hielten, das; es im Nordpolarmeere noch Länder ton nennenswerter Ausdehnung .geben könnte, die sich unserer Kenntnis entzögen. Diese Annahme oder Ueberzeugung mar die Folge der großen Treibfahrt Nansens von 189396. Nansen hatte damals im Norden der Alten Welt überall ein tiefes Meer datz es ihm mit seinen twch unvollkommenen'

Ootmaschuien nicht überall möglich gewesen war, den Meeresgrund Ku erreichen. Landmassen aber, oder auch kleinere Inseln so man an, könnten sich nicht, wie ettoa eine Dolomitenwand,

Unvermittelt herausheben, sondern entsprängen auf breiter, aus weiter Entfernung allmählich ansteigender Grundlage, auf sog mCntra CU S"ckÄn. solchen war aber Nansen nicht auf die

S m n. ta» n011,117'01' 0 il^ubte der große Forscher auch mit Be­stimmtheit Vorauvsagen zu können, daß der damals nodj unbe-

Nordpol inmitten eines tiefen Meeres läge und durch rein Land bezeichnet würde. , '

ir,m seitdem hat Peary Len Nordpol erreicht, und wohl schon vor ihm wie jetzt immer wahr,cheinlicher wird, der so schlecht behandelte Pool, und was sie ermittelt, bestätigt Nansens Voraussage dnrch- ^ -zA^ry tzat am Nordpol auch eine Lotung vorgenommen und bei 27y0 Mater dann verlor er die Leine Feinen Grund gefunden. Mithin stand Nansens Theorie fester da, denn je Und nun erfahrt man von Wilkitskis Entdeckung! Nur wenig von seinem fernsten Punkt an der Küste des Nikolaus-Landes.war Namen.von, November 1894 bis Marz 1895 mit dem Fram" E Eise getrieben und Nansen hatte dabei nicht nur keine Spur

'^ckdeckt, sondern sogar Tiefen von 33503450 Meter, dio auf weite Strecken die Nähe von Land ausgeschlossen erscheinen ließen. Daher die Ueberraschung, die Wilkitskis Ent­deckung ausgelojt hat.

. _ N"ter diesen Umständen aber wird man annehmen dürfen, daß das Becken des Nordpolarmeeres, das A m u n d s e n jetzt aufs Ec durchqueren will, für uns noch manche ähnliche Ueberraschung m Bereitichatt halt.Neues Land" ist es nun einmal, das die Polarforscher am meisten gereizt hat und noch reizt, nnd so wird noch oft nach solchem Lande gesucht werden. Uebrigens hat Nansen, der als vorbildlicher Mann der Wissenschaft an vorgefaßten Mei­nungen durchaus nicht llebt, neuerdings eingeräumt, daß feine Worte immerhin auch Ausnahmen vertrage. Es gibt Beispiele oag gerade in der Nähe sehr tiefer Meeresteile sich unvermittelt uniogebiete erheben, so aus dem sog. Sundagraben des Indischen Ozeans die ^nsel Java, und aus den tiefsten Stetten des Großen Ozeans die Philippinen. Warum sollten derartige Fälle nicht auch tnt Polarnteere Vorkommen? Nansen selbst mar vor sechs Zähren zuzugeben geneigt, daß östlich vom Franz-Josefiand Inseln vorhanden sein konnten, also gerade dort, nm. nun Wilkitski das große Nikolaus-Land entdeckt hat.

, , Wenn min aber auch vor der Nordküste Asiens größere un­bekannte Polarlander nicht vermutet wurden, so doch für andere Gegenden des Polavmeeres. Vornehmlich hat zum ersten Mal vor jetzt neun Jahren und später noch wiederholt R. A Harris von der amerikanischen Küstenvermessung auf Grund scharfsin­niger Schlüsse aus den Gezeitenerscheinungen an der Nordküste Amerikas die Meinung verfochten, es müsse sich nördlich von der Beringstraße und ton Alaska und westlich der arktischen Inseln Amerikas eine kontinentale Landmasse von 1250 000 Quadrat­kilometer oder doch eine Gruppe enge beieinander liegender sehr großer 3nicht finden und dem Nordpol nahe kommen. Harris meint nämlich: Tie Verhältnisse tnt Eismeer seien mit Bezug auf die gezettenbildenden Kräfte derart, daß die halbtägigen Ge­zeiten nicht dort, sondern entweder im Atlantischen ober tnt Gro- ton Ozean ihren Ursprung nehmen müßten. Aus' dem Großen Ozean aber kamen ste nicht, dazu sei die Beringstraße zu schmal Und zu seicht. Sie kamen also in der Hauptsache aus dem Atlantik und bewegten sich nordwärts durch das weite und tiefe Tor zwi­schen Norwegen und Grönland. Gäbe es nun im Arktischen Osean kein anderes Land, als das, das unsere Karten verzeich- neten, so wurde die atlantische Gezeitenwelle hindernislos über den Nordpol fegen und ziemlich rechtwinklig auf die Nordküste ton Alaska stoßen. Tatsächlich aber sei das nicht der Fall; sie tarne von Westen, fast parallel jener Küste, und das sei nur da- parch erklärlich, daß sie dgirch große Landmasfen, einen dichten Archipel oder Untiefen westlich tom Parryarchipek abgelenkt würde, ^n der geographischen Diskussion hierüber wurde außerdem die