Ausgabe 
26.6.1913
 
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idealistischen Freiheitsbegriff Schillers und Fichtes erfährt der Leser nichts. Flüchtige» Sprunges eilt Perris zu Nietzsche, dessen Lehre voin Ueberinenseheu in der noch vor zehn Jahren üblichen, heute durch nichts mehr entschuldbareil Verzerrung skizziert wird.

In der gleichen Oberflächenmanier wird die Literatur abgetan. Goethe allerdings wird alssupreme genius bezeichnet (aber auch als Deutschlands undeutschester Dichter), Lessing als tapferer Streiter gepriesen; aber Deutschland hat trotzdem de» Voltaire, Diderot (!) und Rousseau keine ähnlich belreienden imb iortschsittlichen Geister entgegenznstellen. Herder existiert nicht. Selbst Schiller ist mir einer von Vielen. Die romantische Bewegung ist eine wüste Orgie, deren hervorragendste Leistung die Uebersetzung von Dante, Shakespeare und Cervantes bildet. Als seinen Gewährsmann zitiert der Verfasser ausgiebig Heine. Und mit diesem letzten Großen ssinkt die deutsche Literatur in den Staub. Kleist, Grillparzer, Hebbel, Ludwig, Keller, Raabe, Storm sie alle werden totgeschwiegen. Zwischen Heine und Hauptmann scheine» nur Spielhagen, Auerbach und Freytag erwähnenswert.

Solchergestalt also ist das Bild, das sich heute nicht etwa ein Durchschnittsmensch, sonder» ei» hervorragend begabter, gelehrter und anständig denkender Engländer vom deutschen Geistesleben der letzten anderthalb Jahrhunderte macht. Er glaubt allen Ernstes, daß Mittelmäßigkeit, knechtische Gesinnung, mittelalterliche Schwärmerei in Deutschland herrsche; daß es nur i» materiellen Dingen vorwärts gehe; daß nur ei» gründlicher Umsturz eine deutsche Kultur herbeisühren könnte, die der Englands und Frank­reichs ebenbürtig wäre.

In ivelcher Uiilenntnis imb Verachtung beulsche» Wesens muß die englische Jugend auswachsen, wenn solche Bücher möglich sind! Und da wundert man sich über gewisse politische Konstellationen. Ein neuesDe lAUemagne ist dringend notwendig und wichtiger als manches Schlachtschiff. O. E. Lessing.

Vermischte».

* Für B l u inen l i e b h a b e rl Mancher Blumensreund hat zu feinem Bedauern seine Lieblinge dahinsiechen sehe», trotzdem er sich in ihrer Pflege die allergrößte Mühe gab. Der Grnnd des Absierbens der Pflanzen liegt meistens im unzweckmäßigen Be­gießen. Viele Leute begießen täglich ihre Blitmen, und trotzdem bekommt der größte Teil der Wurzel» Woche» lang kein Wasser. Bei der sommerlichen Hitze bildet die Erde einen festen Ballen, und zwischen ihr und dem Tops bleibt ein tzohlraum, durch den das Wasser sickert und aus dem Loch am Boden des TopseS hinaus- länst, während der Erdbällen und damit die Wurzeln trocken bleiben. Um nun diesem Ucbelstand abzuhelseu, läßt man hin und wieder, je nach Art der Pflanze und der Witterung, die Erde ein­mal trocken werden, stellt dann den Tops mit dem Stock in einen Eimer mit Wasser, so daß das Wasser etwa zwei Finger breit über dem Tops steht. Die Erde ivird numnehr gleichmäßig mit Feuchtigkeit durchtränkt. Nachdem man dann wieder etwa acht Tage lang in üblicher Weise begossen hat, kann mau das eben ge­schilderte Verfahren wiederhole». Ma» darf mir dann die Blumen gießen, wenn die Erde tatsächlich trocken ist, denn hierbei ist das Zuviel säst noch schädlicher als das Zuwenig. Klopft man mit dem Finger gegen den Blumentopf und er klingt dumpf, so enthält die Erde »och genügend Feuchtigkeit, klingt der Tops jedoch allein, also hohl, so ist die Erde ausgetrocknet. Man sorge auch dafür, daß die Sonne nicht unmittelbar ans die Erde brennt; bedecke sie also mit Blätter», Gras ober bergt. A. L.

kf. Unsichtbare Fische. Die Fische sind trotz des pracht­vollen Farbenspieles, das manche Arien zeigen, im Wasser gesehen unsichtbar, wenn man sie so betrachtet, wie "es die Wassertiere tu», so behauptet Dr. Francis Ward, der das Leben der Wasser­bewohner »ach einer neuen Methode untersucht und hierüber jüngst in der Royal Institution in London einen interessante» Vortrag gehalten hat. Die Naturforscher pflegen, wenn sie Wassertiere im Freien beobachten wollen, sich ans Wasser zu begeben und von oben hinein zu sehen. Dann heben sich die Fische, wie die anderen Wasserbewohner, von dem Untergründe gut ab. Im Wasser selbst ist es ganz anders: betrachtet man eine» schwimmende» Fisch von unten, so ist er kaum sichtbar; die silberglänzende Unterseite hebt sich von der Grenze zwischen Lust und Wasser nicht ab, die wegen der Totalreflektion ebenfalls silberglänzend aussieht. Dr. Ward konnte seiner Zuhörerschaft während des Vortrages die Beweise dafür liefern, daß Fische im Wasser unsichtbar sind, beim er hatte Wassergefäße aufgestellt, die man ebenso von unten betrachten konnte, wie er das Lebe» dec Wasserbewohner in seiner Versuchs­station in Port Erin von einer Kammer unter Wasser aus be­trachtet hat. Dr. Ward befestigte zunächst, um die rein physikalische Seite der Erscheinung aufzudecke», ein Stück weißes Glanzpapier an einem roten Stabe und tauchte diesen dann ins Wasser. Das Licht fiel von oben ins Wasser, wie es auch im Freien der Fall ist. Bei der Betrachtung von nuten sahen die Zuhörer und Zu­schauer in dem Gefäß, dessen Boden und Seitenwand grün gefärbt waren, von den eingetauchten Gegenständen nur eine trübe schwarze Linie. Das Glanzpapier reflektierte nämlich alle Lichtstrahlen und sah infolgedeffen so grün aus wie seine Umgebung, während der rote Stab mit dem grünen Farbenreflex zichammen schwarz er­

schien. Durch diesen Versuch allein glaubt Dr. Ward seine Theori« von der Unsichtbarkeit der Fische schon beweisen zu können, imb bte Beobachtung der Tatfache gibt ihm ziemlich recht: silber- glanzende Fische erscheinen grün, rot ober wie ihre Umgebung sonst gefärbt ist, und sind baher für ihre Feinde im Wasser fo gut wie unsichtbar. Tics gilt nicht nur für Fische, fonbern auch für viele andere Wasserbewohner. Ein besonders gutes Beispiel ist die Wafferspinne, die von oben gesehen schwarz aussieht, aber bei der Betrachtung von unten her sich von dem Silberglanz des Wasser­spiegels nicht abhebt, weil wegen der mitgeriffenen Luftblasen an ihrer Haut vorzügliche Reflektion eintritt und sie zwischen den Wasserpflanzen grün ans sieht. Dr. Ward setzt feine Versuche und Beobachtimgen noch fort und wird auch weitere Vorträge darüber halten.

Mode-Rundschau.

Einiges über Kleidung zu m Tennis - o b et; GvlssPiel. Hier ist es dasboating"-- oderYachting"-Kostüm, das eine erste Rolle spielt. Unverrückbar behauptet sich seit Jahren und Tagen als einzig wirklich elegante Farbeweiß". Natur­gemäß finden die plissierten oder in Falten gelegten Röcke, welche die Bewegungsfreiheit nicht hindern, am meisten Anwendung. Ein kleines Schlitzchen bei jenen Schoßen, die nur seitwärts einige Falten eingelegt haben, .oder rückwärts gibt die Pikante Note. Für j)ie Bluse ist die Kimonoform mit den angesetzten Aermeln. Als Stoffe für die Blusen nimmt man Frotte, Leinenbatist ober Pikee. Tie elegantesten Sportblusen verzichten momentan auf jedweden Spitzen- oder Stickereiau.fpntz. Stets bleibt der .Hals frei und wird eingerahmt von einem Umlegkragen, der manchmal tief herzförmig ausgeschnitten ist. Schuh und Strumpf sind weiß. Man wählt eine rote Gummisohle oder eine Chromsohle, und niedrige breite Absätze.

vüchertisch.

Richard Platten st einer: Peter Rosegger. Eine Volksschrift. Mit farbigem Umschlag und Titelbild von Alfred Mailick. Broschiert 25 Pf.; 30 Heller. Seit langen Jahren ist Dr. Richard Plattensteiner unermüdlich tätig, durch Veranstaltung vonRosegger-Abenden" in vielen Hunderten von reichsdeutschen und österreichischen Städten den großen steirischen Volksdichter und seine Werke bei der breiten Menge des Volkes einzuführen. Seine Vorträge haben ihm stets außerordentliche Erfolge und Ehrungen eingetragen. Peter Rosegger selbst hat Dr.. Plattensteiner als dentreuen Apostel seiner Bestrebungen" bezeichnet und seinem Wirken höchste Anerkennung gezollt. In schlichtem, warmherzigem Ton und in knapper, anschaulicher Weise werden in der vorliegenden Schrift die Grundlinien des Lebens und Wirkens von Peter Rosegger aufgezeigt und in echter, volks­tümlicher Darstellung eine klärende und fesselnde Einführung tu die Werke des Dichters gegeben. Gerade, wo der 70. Geburtstag des großen steirischen Poeten im Sommer bevorsteht, und der Umstand, daß Rosegger seineGesammelten Werke" erscheinen läßt, die sein Lebenswerk in endgültiger Form bringen, machen die kleine Schrift noch besonders aktuell. Reizvoll äusgestaitet und außerordentlich loohlfeil, bietet der populäre Roscggerfnhrer von Plaitettsteiner eine nicht hoch genug zu veranschlagende Äolks- schrift ersten Ranges für die allerweitesten Kreise.

Krau Hempels Tochter. Bon Alice B e h r e n d. Fröhliche Geschichten pflegen überall gern gesehene Gäste zu sein. Tas kamt man auch von dem neuen RomanFran Hempels Tochter" sagen, der von Alice Verend geschrieben wurde und jetzt den mit so großem Beifall aufgenommenen RomanLotte Lore" von W. Heimburg in derGartenlaube" ablösen wird. Er ist ein eigenartiges Gegenstück zu dem gleichzeitig in der Gartenlaube" erscheinenden RomanTie Krafft von Jllzach" von Hermann Stegemann. Während dieser sich wirkungsvoll von einem großen historischen Hintergrund abbebt,.berfefct uns jener in das Berliner Leben der Gegenwart. Es sind echte, prächtig gesehene und wirkungsvoll zur Darstellung gebrachte Typen der Bewohner der Reichshauptstadt, die nichts gemein haben mit dem, was man sonst gewöhnlich an den Berlinern auszusetzen hat. Im Gegenteil, ein fröhlicher, sonniger Humor, der über dem Ganzen ausgebreitet ist, wird die Gestalten umFran Hempels Tochter" dem Herzen der Leser näherbringen und sie ihnen lieb und wert machen. ____

Geographische? Vrrschiedrätsei.

Mexiko Kuba Habana Haiti Florida Jamaika.

Vorstehende Name» sotten derart uutcreiimnber geschoben werde», daß eine Buchst abemeihe, von oben nach unten gelesen, den Namen einer Insel ergibt.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.

1. a 7 a 8 wird Läufer K f 7 f 8

2. b 7 - b 8 D f- K f 8 f 7

3. L a 8 d 5 t und Matt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jche» Universitäts-Buch- und Steindruckerei, 91. Lange, Gießen.