Ausgabe 
26.6.1913
 
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W3 Nr. -8

Donnerstag, den 26. Juni

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Dre Lismmenzeichen rsuchrn. Roman aus dem Jahre 1813 von Micüx Karl Böttcher-Chemnitz.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

7. Teil.

Deutschland in Waffen in heiliger Begeisterung! Ueberäll glimmte und gärte eS, überall empfand man des Korsen harte Hand als untragbaren, schändlichen Truck. Durst, glühender Durst nach Freiheit loderte in jedem Deutschen, vom Fürsten bis zum letzten Häusler und'ld- ler. In den Kämpfen bei Großgörschen und bei Bautzen behaupteten zwar die Franzosen noch das Feld und drängten ihre Gegner zurück. Aber die Kraft des Selbstbewußtseins, das Vertrauen auf sich selbst und auf die eigene Stärke machte die Freiheitskämpfer zu heldenmiitigen Fechtern. Mut, Mut und nochmals Mut, zäheste Ausdauer und Kampfeswut, das waren die Zeichen, unter denen jetzt gefochten ivnrde.

Auch Napoleon schien das zu empfinden, und eine leise Ahnung, daß seinem bisher unüberwindlichen Kriegsglück ein Markstein gesetzt sei, mochte ihn ergreifen und einen stolzen, fürstlichen Trotz in ihm erwecken.

Nicht ein Dorf soll von dem französischen Kaiserreiche mit -allen seinen einverl-eibten Provinzen gerissen werden!" erklärte er in hochmütiger Vermessenheit. Aber er wußte gar wohl, daß er nur siegen könne, wenn er den helden­mütigen, deutschen Kriegern ungeheure Massen seiner Söld­ner und erzwungenen Soldaten entgegenstellen konnte. Menschen, Menschen nichts als Menschen brauchte er, die ja für ihn und seine teuflische Ehrgier nichts als Stofs, als Vorrat, notwendig zur Kriegsführung, waren.

Er mußte Aushebungen in den Heimatlanden und er­preßten Provinzen und Anwerbungen in fremden Gauen an­ordnen, uni neuen Zuzug zu bekommen. Das kostete Zeit und Geld. Geld hatte er ja genug erpreßt, aber Zeit mußte er gewinnen. Der Waffenstillstand vom 4. Juni sollte den französischen Truppen Zeit zur Auffrischung geben.

*

Da saß einer tief im Bahernwald in einer Schenke, spielte auf seiner Geige und hatte ein gutes Schock Zu­schauer und Bewunderer. Und er spielte nicht schlecht, der fahrende Musikant, und die Bauern und Hölzler lauschten seinen Weisen und rückten an ihren Geldbeutelchen und raubten dem alten Leder verstohlen noch einen Groschen, vielleicht den letzten, den ihnen ihre -Opferwilligkeit für das Vaterland gelassen hatte. Und immer wilder, immer heißer klangen die Töne von den Saiten, immer heftiger wurden die Bewegungen des Künstlers, und aus seinen Augen schien wildes Feuer zu springen.

Zwei Männer mit großen Mänteln, gelben Stulpen an den Stiefeln, mit Schlapphüten auf dem Kopse und einer riesigen Geldkatze um den Leib geschlungen, am Hosenledex zwei langhalsige Pistolen, traten in die Schenke. Und draußen hielten vier Pferde, gesattelt und betreut von zwei andern Männern, zwei jüngern. An der Tür stand ein Tisch. Dorthin setzten sich die Fremden, bestellten sich einen Schoppen Wein vom besten und für die beiden cm den Pferden draußen ein Kirschwasser, aber kräftig. Dann lauschten sie den Tönen des Musikanten.

Als er geendet hatte und die Hörer in Lob und Bei­fall ausbrachen, trat der eine der Fremden zu dem Spieler. Hört, junger Herr, schon manches Land durchquerte ich, unb schon mancher Musikant erfreute mein Ohr, aber noch keinen hört' ich, der so rein, so feurig spielte, wie Ihr. Darf ich Euch zu einem Schluck Roten bitten?"

Der junge Spieler lachte:Ob Ihr das dürft? Nein, Herr, nicht dürft! Ihr sollt und müßt mich tränken,! das ist das Recht des Künstlers!" Er nahm seine Geige unter den Arm und nickte einem Hörer zu und setzte sich zu den beiden Fremden an den Tisch.

Was seid Ihr für ein Landsmann, junger Herr?" forschte der mit der Geldkatze.

Kein Preuß, kein Bayer, kein Böhm, kein Sachs! Was weiß ich, wo meine Wiege stand? Ich bin ein Mensch die Erde ist meine Heimat. Wo mir einer einen Humpen schenkt, wo hundert meiner Fiedel lauschen, da bin ich daheim!"

Warum kämpft Ihr nicht mit gegen den Korsen?" fragte nun lauernd der and're.

Was soll ich kämpfen? Mit dem Fidelbogen schlägt man keine Schlacht, und meine Faust ist nicht zum Morden geschaffen!"

Hm, mein Freund, haßt Ihr denn nicht den Bona­parte ?"

Haßt man einen Menschen, den man nie gesehen, Und der einem nichts getan hat?"

Ha, nichts getan? Hat er Euch nicht das Vaterland beschimpft und beraubt und die Heimat verwüstet und den Bruder getötet und den Vater unb hat die letzte Kuh gestohlen?"

Da lachte der Fiedler grell auf und schrie:Ihr seid lustig! Nicht der Korse hat mir die Heimat geraubt und verleidet, nein, mein eigen Blut war es, mein Er­zeuger, der mich vom Vaterhause stieß, der mir mein sorglos lustig Leben nicht -gönnte, der in jedem meiner Streiche, die, ich muß es gestehen, toll waren, ein Ver­brechen sich und um dieses Vaters willen, um des Elternhauses Wilken sollte ich kämpfen?! Nie, Freund nie! Der Vater, der harte, der ^Philister, der nie aus feinem Dorfe und von seinem Herrenschloß gekommen, ließ mein hitziges, lustiges Musikantenblut nicht gelten einen Schulmeister wollte er aus mir machen Herr,