Ausgabe 
26.3.1913
 
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Rampe!"

(Fortsetzung folgt.)

Lerdinand Avenariur.')

Von Georg Muschner.

Ter Kunstwart koimte jüngst fein 25jähriges Bestehen feiern.- Dieses Jubiläum ist ein Markstein der deutschen Publizistik. T«v Kunstwart ist A'venarius und Avenarrus ist der Kunstwart. Eg ist ganz in der Ordnung, daß bei dieser Gelegenheit der bedeutend«

*) Tie Lese bringt soeben eine Avenariusnuminer l-eraus. Es ist Wohl noch nie dagewesen, daß ein Literaturblatt den Her­ausgeber eines andern so weitherzig und anerkennend würdigt.- Wir finden in dieser Apeimrius-Lese sogar die Aussubrungen, des Wvenarius überEin Bierteljahrhuichert Kunstwart" geschrieben hat. Weniger konkurrenzängstlich kann die LesegenPinde der Kunst- wartgemeinde gegenüber nicht iein. Freilich litmmt der Heraus- geber- der Lese - Georg Muschner in München - sich auch das

da hatte er ordentlich laufen miissen.

Püchkow- schlug Hans-Wilhelm vergnügt (tuf den Rücken.

Hast du eigentlich als junger Ehemann schon mal. dein Glück im Spiel gründlich auf 'die Probe gestellt? Willst du die Bank übernehmen?"

Ich denke nicht daran, Püchkow."

Na, höre man"

Hab' nur hundert Mark einsteckeii uni); dann weißt doch: Glück in der Liebe Unglück im Spiel!"

Bloh so 'ne dumme Redensart, Hans-Wilhelm!"

Schon möglich, aber ich habe kein Geld; bei mir,"

Mit 'nem Hunderter laßt sich freilich lischt viel an- ferneren!"

Düsedau brachte schon einen Skatblock nut Bleistift fjcxbei. ____

Mit der Baiik ist es freilich vorläufig Essig, aber mithalten tust du doch? Du inalst die Zahlen hier schon auf Papier, Kredit räumen wir dir ein auf -dreimal mer- undzwanzig Stunden nicht wahr, meine Herren?"

Die waren zum größten Teil schon ungehalten über dieZeitverplemberei". .

Natürlich natürlich!" rief man. Wer halt drei

Bank?" . c. ... . ,

Jochen Düsedau übernahm sie vorläufig mit -drei­tausend Mark.

Man spielte Baccarat.

Goldstücke lagen auf dem Tisch, nur Hans-Wilheint setzte einen Taler. Man rih Witze darüber. Mit solcheml Krepelzeug" kriegte man doch Düsedau nicht klein.

Herrschaften, keine langen Neckereien," rief der,die!

Scheine kommen von ganz allein!" . ,

' Hans-Wilhelm war binnen kurzem fünfzig Mark los; Notenbank räuberte bereits mit Hundertmark,cheinen den Bankhalter an.

Düsedau lachte: _ ,r,

Bor dir hab' ich noch lange keine Angst. Du spuckst mein Geld schon wieder aus! Aber seht mal den. Anits- gerichtsrat an, der wird gefährlich. Pocht er mit ner Krone los, verliert er, setzt er höher, zieht er ein!

Der hat Nase," meinte Rittmeister Rembrecht und! zog seinen langen, dünnen Schnurrbart durch die Fauste« Püchkow! nannte ihn immerPandur".

Hans-Wilhelm legte das erste Goldstuck neben den Ein­satz des Amtsgerichtsrats, der hatte zum ersten Male einen Fünfzigmarkschein aus den Tischgebrezelt". Aber Düse- dau gewann. , , t' r ,

Röpke zuckte gleich mutig bte Achseln. ,

Noch ist es zu früh; also werden wir wieder bescheiden!" u , ,a.

Nach einer Stunde wär Hans-Wilhelm sein Geld los; er setzte nicht mehr« . ,

Nanu," meinte Rittmeister von Herlingen, eut Kaval­lerist stoppt doch nicht vor der Attacke ab?"

Ich bin pleite, Herr Rittmeister."

Dort liegt Papier und Bleistift," rief Dusedau, de« gerade die Karten ausgab.

Aber Hans-Wilhelm wollte nicht. ..

Lernt sich noch, wenn die Flitterwochen vorüber sind, sagte Röpke trocken.

Man lachte. _ ,

Da stieg dem jungen Ehemann das Blut zu Kopf, der Spielteufel erwachte in ihm. ,-Hundert Mark. Bcoreth, schrieb er aus einen Zettel und warf ihn neben den -Latz! Ides Oberförsters Ullmann.

Er gewann. . , ,

Das Lachen hatte Hans-Wilhelm gereizt, dem Sekt wurde auch heftig zugesprochen, und als es Mitternacht war, hatte er Düsedau ausgeraubert. Zweitausendfüns-! hundert lagen ungefähr vor ihm.

Herrschaften," sagte Jochen mit einem tiefen Atem- ,Uqe ° ich gebe die Bank ab. Arbeiten und nichts ver­dienen', ist nicht nach meinem Geschmack, nun kann sich ein anderer mit dem Kartengeben abplagen."

Moreth ist am höchsten, im Gewinn also au dch

Hans-Wilhelm ftMt sich aLgestoßeu.

-'Lieber Düsedau, ich liebe diese Art zu sprechen.

Himmelwetter, muß die Ehe sensibel machen! -Na, Mu bist wieder bei ihr, wenn der nächste Morgen tagt.

>'Sei^kn? Fros^ Heute sind wir nur vernünftige Leute bei Püchkow, da wird ein anständiger Schoppen ge-

Hans-Wilhelm entgegnete nichts, aber er nimmt sich vor, spätestens nm Mitternacht nach Hause zu fahren.

Die Jagd war sehr amüsant; er schoß drei Conen, einen Fuchs, einundzwanzig Hasen, öwer Bocke und vier Rebhühner. Mit weitem Vorsprung wurde er Jagdkonig.

Der Amtsgerichtsrat meinte vergnügt:

Das Schießen haben Sie tu der Ehe nicht ver­lernt." / .

^Fa^wenii^alle so pudelten wie Sie, da käme der Gast- | geb er nicht auf seine Kosten!" , .

Der kleine dicke Nöpke, der ganz! gegen feine Gewohnheit sehr viele Löcher in die Lust geschossen hatte, nahm a6eiSnVie mal von früh bis' abends hinter den ver­dammten Akten das geht über die Augen, und s Asthma | kriegt man auch davon!" , .. i . . I

Nee," meinte der lange Rittmeister von Rotenstein, I das" kömmt vom Suff!"

Das sollen Sie heute abeni> bereuen! _ I

Drohend erhob der Amtsgerichtsrat den Finger. Er aalt für den ruhigsten und zähesten Spieler weit und breit.

Warten wir ab," sägte Rotenstein.Sie tragen so Wie so vom vorigen Herbste noch 'nen Tausender von mir spaziereti."

Ach, du lieber Gott!" Püchkow lachte aus vollem Halse.Den hat er längst in Burgunder angelegt."t

Und Burgunder gab es bei dem Jagdessen in Hülle und Fülle.

Rotenstein, der Amtsgerichtsrat, Düsedau und Püch­kow erzählten Schnurren dazu, die man bei der Anwesen­heit von Damen bei sich behalten mußte.

Hans-Wilhelm streckte seine langen Beine unter dem Tisch aus und hatte ein lustiges Lächeln um den hübschen Münd. Selbst beteiligte er M nie an solchen Erzählungen. Gr war in feinen Leutnantsjahren wahrhaftig kein Hei­liger gewesen, aber es lag ihm nicht, solchen Dingen bei.- $u treten. Eine gewisse Scheu hielt ihn davoii ab.

Man trank ihm zu, als sei es eine stille Verabredung und er mußte ein Glas' nach dem andern durch die Kehle tagen. Was wollte er auch machen, wenn mau ihm zurief:

Auf Ihre reizende, junge Gemahlin!"

Es war doch eigentlich ganz fcharmant, mal wieder son Tischgespräch im Kreise fröhlicher Genossen und dann hatte er heute einen tollen Dusel gehabt, das beste und stärkste Wild- wär ihm vor die Büchse gelaufen. Ueberhaupt, der Drilling von seinem Schwiegervater wurde sehr be­wundert. Mit Recht! Kaum sechs Pfund schwer, mit allen Schikanen gebaut, hahnlos, der gefaxte Mechanismus am Pügel kurz, ein Meisterwerk der neuesten Erfiiidnugen. Püchkow meinte, er wäre unter Brüdern gut und! gerne zweihundert Taler wert. ,

Aber auch das längste Jägd'essetr nimmt einmal ein Ende. Hans-Wilhelm wußte: nun geht die Spielerei los und zwar bei Püchkow eine gepfefferte. Mithalten mußte er schon, aber er iiahm sichtzvor, in den allerbescheWen- sten Grenzen zu bleiben. Der Kops war ihm vom vielen Trinken schwer geworden, die Jägd in dem hohen Schnee hatte auch große Anforderungen an die Körperkräfte ge­stellt, sein Stand war auf dem äußersten Flügel gewesen.