Ausgabe 
26.2.1913
 
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bin ich glücklich verheiratet. Ihre Mütter bat mich, iHv nicht gram zu sein; sie könne nach Hans Moreth keinem anderen gehören, aber wachen möchte ich über ihren wilden Jungen. Ich glaube, bis heute habe ich meine Pflicht erfüllt. Als ich soweit war, ein Regiment zu bekommen, fragte mich der Kaiser eines Tages:Nein, Seinsheim, haben Sie besondere Wünsche?" Und ich antwortete:Majestät, wenn ich das Regiment kommandieren dürfte, mit dem ich bei Bionville geritten." Ich habe diese Bitte nicht allein um' meiner selbst willen getan, obgleich ich natürlich mit jeder Faser meines Herzens an unserem glorreichen Regiments hänge, sondern auch weil Sie, Hans-Wilhelm, bei ihm stehen und" mir Ihre Mutter mehr wie einmal Ihren Leichtsinn schriftlich geklagt hat, denn gesehen haben wir uns seit jener Zeit nicht wieder. Daß, eines Tages die Schlinge schon ziemlich fest um Ihren Hals lag, wissen Sie wohl noch?"

Der -Oberst sah seinem Schützling in die Augen. Der war über und über rot geworden.

Na, reden wir nicht weiter darüber, nur Ihr Ge­dächtnis muß ich auffrischen, Haus-Wilhelm! Also, ich wurde mit der Führung dieses Regiments, als es frei wurde, beauftragt; drei meiner Vordermänner mußten warten, bis andere Truppenteile ihre Kommandeure _ wechselten. Das war einer von den vielen schönen Zügen unseres kaiser­lichen Herrn, mich hat er dadurch doppelt verpflichtet, und Sie, Hans-Wilhelm, sollten ihm auch recht dankbar sein, denn ob ein anderer Storni!taub cur so viel Nachsicht mit Ihrem Leichtsinn gehabt hätte, erscheint mir mehr wie zweifelhaft. Sie fröhnen der gefährlichsten Leidenschaft den Karten! Ihre Verhältnisse sind mir bekannt, durch Ihre Passion ist Ihr väterliches Gut, das noch dazu Ihren Namen trägt, mit Hypotheken überlastet. Sie haben ja Glück gehabt mrd tragen jetzt ungefähr zwauzigtausend Mark in der Tasche herum, die Sie einem Gutsbesitzer abgenommen haben, der sie, Gott sei Dank, missen kann."

Herr Oberst"

.Herr Oberleutnant von Moreth," erwiderte der Kom­mandeur sehr scharf,bitte unterbrechen Sie niich nicht und beschwören Sie nicht von neuem meine Zweifel herauf, ob ich als Ihr Vorgesetzter oder als Freund Ihres Vaters handeln muß. Sie haben mein Gewissen mehr als einmal in heftige Konflikte gebracht."

Der junge Offizier biß sich aus die Unterlippe. De« Kvmmandenr schwieg, als müsse er erst mit seinem Herzen einen Kampf anssechten. Schließlich fuhr er auf.

Der Teufel soll reinfahren, wenn Sie nicht endlich! Vernunft annehmen, Hans-Wilhelm! Als ich das letzte­mal in Berlin war, traf ich im Kaiserhof mit dem Bruder Ihrer Mutter, Herrn von Korsing, dem Landtagsabgeord­neten, zusammen."

Moreth sah seinen Kommandeur erstaunt an.

Ha, Sie wundern sich wohl, daß ich Ihnen davon nichts erzählt habe? Hatte seine gute Gründe. Hente,- nachdem Sie einen fünfundvierzigtätigen Urlaub in der Tasche haben ich habe mich selbst dafür verwendet bei der Division will ich Farbe bekennen. Also, Herr von I Korsing sagte mir, daß auf dem Nachbargut eine gervisse Komtesse Eva Relendorff lebe, die Sie, Hans-Wilhelm, ob­gleich Sie es gar nicht verdienen, ins Herz geschlossen! hat, daß sie Korb über Korb austeilt und auf Sie wartet, wenn Sie auch niemals die geringsten Anstrengungen ge­macht haben, der bildhübschen und schwerreichen Komtesse den Kopf zu verdrehen. Ich bin der allerletzte, der Sre in eine Geldheirat hineintreiben möchte, mein lieber Hans- Wilhelm, aber ich meine, ein hübsches reiches Mädel, das ihre Fehler kennt und Sie dennoch liebt, wird nicht alle Tage für den Oberleutnant von Moreth in der Weltcherum- laufen. Deshalb ist mirs lieb, daß Sie den langen Urlaub bekommen haben. Prüfen Sie sich, Hans-Wilhelm, ein gutes Weib ist das beste, was uns unser Herrgottschenken! kann, und denken Sie an Ihre Mutter!" t.

Der Oberst reichte ihm die Hand.

Moreth war ganz benommen, er legte nach flüchtigem Händedruck die Hand an den Helm und trabte zu seiner« Schwadron zurück, ohne mehr wie einen kurzen Dank ge­stammelt zu haben.

^Fortsetzung folgt.) - -<

Adieu, Majestät!"

Bitte einen Moment um Verzeihung." Mrt diesen Worten wandte sich der Kaiser an den Erzherzog.Oberst von Seinsheim!"

Majestät!" '

Im Nil schwang sich der Kommandeur der Kürassiere, eine hagere, hohe Erscheinung, mit schwarzem, am Kinn ansrasiertem Vollbarte, in den Sattel und setzte über den Straßengraben.

Wie heißt dort der große Offizier?"

Oberleutnant von Moreth, Majestät."

Moreth? Moreth? Den Namen habe ich doch schon gehört!" . , r .

Sein Vater siel mit der Standarte tn der Hand bei der Attacke von Bionville." -

Richtig! Ich bin zufrieden gewesen, Herr Oberst. Im Frühjahr auf Wiedersehen, wenn Sie sich 6ei mir als Brigadekommandeur melden!"

Gnädig reichte ihm der Kaiser die Hand. Der Oberst öegab sich zu feinem Regiment zurück.

Das glänzende Gefolge ritt an den Kürassieren vor­über, die berühmtesten Generale der Armee, jüngere Gene- ralstabsoffiziere, denenine Zukunft gehörte", die Militar- attachees der fremden Staaten, Russen, Türken, Franzosen, Chilenen, Oesterreicher, Nordamerikaner, Italiener, Eng­länder, Spanier, Bulgaren, Portugiesen, Japaner. Alte waren abkommandiert, nm von den deutschen Manövern zu lernen.

Die Kürassiere waren nur fünfzehn Kilometer von ihrer Garnison entfernt. Sie traten sofort den Heim­marsch an, nachdem bas kaiserliche Gefolge die Straße freigegeben hatte.

An der Spitze ritt der Oberst mit seinem Adjutanten. Hinter ihnen erklangen fröhliche Lieder. Aber des Kom­mandeurs Gesicht blieb ernst. Scharf hob sich von seinem Koller das eiserne Kreuz erster Klasse ab, die braunen Augen Blickten starr geradeaus, die Flügel der großen Adlernase zitterten leise. Eben noch war der Kaiser, so gnädig.zu ihm gewesen, und doch schien Sorge auf ihm zu lasten.

Lieber Graf," wandte er sich an seinen Adjutanten, torufeit Sie Moreth zu mir und lassen Sie mich, bitte, mit Hm allein!"

Zn Befehl, Herr Oberst!"

Der Adjutant warf das Pferd herum und sprengte zur Britten Schwadron.

Zwei Minuten später meldete sich der Oberleutnant Bon Moreth gehorsamst zur Stelle.

Der Oberst legte einen Finger der rechten Hand an den Helm unb schwieg.

Der lange Moreth schien lebt gutes Gewissen zu haben, demt er warf seinem Kommandeur einen flüchtigen Blick aus seinen blauen Augen zu, strich seinen hohen Braunen Lber die Mähne, klopfte ihm dann den Hals und rückte auch «och den Helm zurecht. Kein Wunder, daß er dem Kaiser ausgefallen war. Denn er war eine männliche Erscheinung, Aewachsen wie eine Tanne, das Gesicht ebenmäßig und braungebrannt, das Kinn breit, über deut kleinen Mund lag ein dtrzgehaltener Schnurrbart. Eine richtige Heldenfigur.

Endlich brach der Oberst das Schweigen.

Hans-Wilhelm, ich muß mit Ihnen ein ernstes Wort Krechen. Sie wissen, ich bin lein Kommitzsoldat, habe es rmer für meine Pflicht gehalten, jeden meiner Offiziere »individuell zu behandeln. Und da muß ich weit ausholen, damit Sie mich ganz verstehen, auch auf Ihnen Bekanntes zurückareifen. Ich spreche jetzt zu dem Sohn meines besten Freundes. Als Ihr Vater den Heldentod starb, war er erst wenige Monate verheiratet. Wir hießen im Regiment dieUnzertrennlichen". Minmts Wunder, daß ich im Hause Ihrer Eltern verkehrte wie ein Bruder? Als Sie das Licht der Welt erblickten, deckte Ihren Bater die? kühle Erde schon wochenlang; nach ihm wurden Sie Hans, nach unserem Könige Wilhelm getauft. Im Jahre dreiundsiebzig wars, da trat ich vor Ihre gute Mutter, mit der ich in steter Verbindung geblieben, wenn sie auch droben in Pommern auf dem Gute still ihrer Pflicht, Sie zu einem tüchtigen. Menschen zu erziehen, lebte, und bat um ihre Hand. Ich habe mir einen Korb geholt, Hans-Wilhelm undchabe lange daran zu tragen gehabt. Mm, Sie 1 viffen, seit zehch Jahren