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Mittwoch, den 26. Februar
frauenliebe.
Roman von Horst Bodeme r.
(Nachdruck' verboten.)
1. Kapitel.
Mer letzte Tag' vom Kaisermanöver war's", die Entschci- dung nahte. Die Mittagszeit kam heran, glühend- brannte die Sonne vom Himmel, als wollte sie nach beit an* strengenden Tagen die letzte Probe aus die Manneszucht der kämpfenden Parteien machen.
Nur noch einige hundert Meter lagen die Schützen- zöge einander gegenüber, das Kleingewehrfeuer knatterte ohne Unterbrechung, die Reserven traten mit fliegenden Fahnen unter den Klängen der Regimentsmusik zum Sturme an. Ein kurzes Signal lief die Reihen entlang: Seitengewehr pflanzt auf! - " ,
Bon den Höhen donnerten die Geschütze, von ferne grollte es tote Gewitter. Das kam von den schweren Haubitzen, die unsichtbar mehrere tausend Meter entfernt, ihren tiefen Bast sangen. ,
Einige Feldbatterien preschten nach vorn, dicht an den Schützenlinien protzten sie ab, um von dort aus den letzten Granateuhagel in die Feinde zu schleudern. Die Luft und der Erdboden schien zu zittern, ein Getose war's, daß man kaum sein eigenes Wort verstehen konnte.
Auf einem Hügel, den eine Feldbatteris krönte, stand der Hauptmann mit seinem Oberleutnant zwischen den Geschützen; sie 'beobachteten den Fortgang der Schlacht durch die Glaser.
„Gott sei Dank, Herr Hauptmann, dag ivir uns die Geschichte von hier oben ansehen können, denn unsere Pferde sind arg mitgenommen. Wenn wir auch 'ran müßten an die Schützenlinie der Infanterie, könnten uns die alte Senta und der Torrero liegen bleiben."
„Die werden ja ausrangiert," erwiderte der Batteriechef und sah durch das Glas rechts seitwärts. Dann.kommandierte er: „Schnellfeuer!"
„Jungens, rin mit den letzten Wanöversärtuschen,! rief der Oberleutnant.
Das ließen sich die Kanoniere nicht zweimal sagen. Ein rasendes Feuer wurde auf der ganzen Front eröffnet, die Sturmkolonueu hatten die Schützenlinie» erreicht, die sich mit aufgepflanztem Seitengewehr erhoben, sobald die geschlossenen Verbände heran waren.
Der Hauptmann ergriff den Oberleutnant beim Arme. „Sehen Sie da rechts" seitwärts!"
Aus einer breiten Talsenkung brachen Mei Regimenter Kavallerie hervor, Husaren und Dragoner. Der Hufschlag von Tausenden von Pferden lieh den Boden erzittern, denn hinter diesem ersten Treffen spie die Mulde Regiment auf Regiment aus.
„Herr Hauptmann, da, vor unserer glorreichsten Brigade die Kaiserstandarte!"
Der Kaiser führte mit gezogenem Pallasch — er, trug Knrassieruuiform — die acht Regimenter starke Kavallerie* division gegen den Feind.
Deutlich waren die Signale hörbar. In gestrecktem Galopp, mit eingelegten Lanzen, fegten die Reiter auf den Gegner. Die Sturmkolonnen der Infanterie erreichten ihn mit der Kavallerie fast M gleicher Zeit. Mit Hurra hatte man den ganzen Angriff bis auf hundert Meter herangetragen. Da ertönte das Signal: Das Ganze halt!
Rach und nach schwieg der Geschützdonner, zu letzt bei den schweren Haubitzen.
Gleich darauf ein neues Signal: Offiziersruf.
Die Offiziere sprengten nach" dem Hügel, auf welchem die gelbe Kaiserstandarte mit dem Reichsadler wehte, unk die Kritik anzuhören. Bei den Mannschaften aber war im Nu alle Müdigkeit, die Anstrengungen der letzten Tage vergessen, sie saugen Reservelieder.
-„Wer treu gedient hat seine Zeit,
Dem sei ein volles Glas geweiht!"
Roch während der Kritik, nach kurzer Ruhe, ertönte», bereits wieder Kommandos: An die Geivehre! —- An die Pferde! — Au die Geschütze!
Die durcheinandergekommenen Verbände wurden wieder hergestellt, denn ein großer Teil der Truppen mußte noch heute mit der Eisenbahn verladen werden; nur die berittenen Waffengattungen und die in der Nähe stehenden Jnfanterieregimenter benutzten die Bahn nicht zur Erreichung ihrer Garnisonen.
Die Kritik dauerte lange. Zu beiden Seiten der Land« straste, auf welcher der Kaiser mit seinen Gästen und dem glänzenden Gefolge die bereitstehenden Automobile bestieg, hielt abgesessen die Kavalleriedivision, die er zur Attacke geführt. In langen Linien standen sie, die Offiziere der einzelne» Regimenter kamen nach Schluß der Kritik angesprengt, übergaben ihren Bursche» die Pferde und setzten sich in den Straßengraben, um den letzten Rest des Früh-; lings zu verzehren. . ■
Da erschollen, brausende Hurras, der Kaiser kam int Schritt angeritten, zu seinen Seiten der Generalfeldmar- schall Prinz Georg von Sachsen und der österreichische. Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand. Beide trugen die Uniform ihrer Ulanenregimenter.
Der Kaiser wandte sich an den Erzherzog und zeigte auf die Ulanen und Kürassiere. „Meine eiserne Brigade. Ihr war der Sieg von Vionville zu verdanken."
Prinz Georg ritt zu seinem Regimente, den Ulanen, um von ihnen Abschied gut nehmen. Ruch der Kaiser rief den Reitern zu: „Adieu! Ulanen!"
„Adieu Majestät!" schallte es zurück.
Das Offizierskorps der Kürassiere stand au der Straße. Alle überragte ein blonder, bildschöner Hüne. Des Kaisers Blick ruhte mit Wohlgefallen auf ihm.
„Adieu, Kürassiere!"


