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abspielte, die Schlacht von der Katzbach getauft worden. ^Blücher erreichte, was er wollte: die Franzosen tarnen zwar die Steilufer heran», allein man ließ ihnen nicht Zeit, sich zu entwickeln. Die Geschütze begannen gegen sie zu spielen, und der alte Blücher rief: „Jetzt, Kinder, jetzt habe ich genug Franzosen herauf, die wollen wir umkrempeln, daß alle rückwärts Kobolz schießen." (In Wirklichkeit drückte sich Blücher übrigens noch etwas drastischer aus.) Dann rückte das Fußvolk vor, und in Blücher erwachte der alte Haudegen so lebhaft, daß er den Säbel zog, sich an die Spitze der Reiterei setzte und mit „Vorwärts" und „Hurra" auf die Feinde losbrauste. Tie Franzosen wurden zurückgedrüugt, die Steilufer hinunter und in die reißenden Flüsse getrieben. Die Schlacht währte bis gegen Abend und hatte, wie Gneisenau sich auSdrückt, ganz das Ansehen einer antiken. „Das Feuer während derselben schwieg gegen Ende des Tages ganz, bis wir durch den durch- weid)t'eit Boden wieder Geschütze herbeirufen konnten. Nur das Geschrei der Streitenden erfüllte die Lust; die blanke Waffe entschied."
Am Abend des Kampfes erhielt Blücher von Langeron die Hiobsbotschaft, der Feind sei ihnen in den Rücken gefallen, woraus Blücher seelenruhig die klassische Antwort gab: „So? In den Rücken, das ist der nächste Weg, uns — sonst einen Gefallen zu tun. Vorwärts, vorwärts I Mit denen hinter uns wollen wir dann schon fertig werden." Der Steg war um die Zeit übrigens längst entschieden, freilich wußte Blücher selbst, wie er ehrlich gestand, kaum, weswegen er gesiegt hatte. „Tie Schlacht hätten wir gewonnen," so sagte er damals zu Gneisenau, „das kann uns niemand abstreiten. Nun soll mich man verlangen, wie wir es anfangen werden, es den Leuten begreiflich zu machen, wie wir alles so klug angestellt haben."
Der Eduard Meyer.
Eine wahre Schmugglergeschichte.
Heute ist er königlicher Jagdausseher, der verwegene Bergsührer Eduard Meyer, ein braver und harmloser „Gamshirt", vorausgesetzt natürlich, daß keiner in seinen Revieren zu wildern versucht. Das getraut sich auch niemand mehr, denn der Eduard ivar selber noch vor kurzem der gefährlichste Wilderer.
Und war er mal gerade nicht Hinterm Wild her, vielleicht weil der alte Jagdaufseher Philipp ausnahmsweise an der richtigen Stelle aufpaßte, so schmuggelte er, daß es eiue Art hatte, lauter einträgliches Zeug, wie Zucker, Kaffee, Saccharin, kurz alles, was einen schönen Gewinn einbringt, wenn man es aus der Schweiz „zollfrei" nach Oesterreich importiert. Ter Oberrespizient (Wachtmeister, Postensührer) der Finanzer halte zwar geschworen, ben Eduard Meyer abzusassen, aber es glückte ihm nie. Ein einziges Mal hatte er ein corpns delicti gefunden, einen halben Sack Kaffee. Aber der erzählte ihm nicht, wer ihn hierher gebracht hatte, und wenn der Oberrespizient auch überzeugt war, daß der Eduard der Schuldige wäre, beweisen ließ sich das nicht, zumal der Delinquent mit rührender Seelenruhe erklärte, diesmal könne er es unmöglich gewesen sein, er habe die letzte Zeit bloß gewildert!
An einem schönen Augusttage war es. Ich war schon früh von Brand aus zum Lünerse (2000 m) gestiegen, nur mit einem Stock „bekleidet", und saß nun am Ufer dieses herrlichsten aller Alpenseen auf der Terrasse vor der Donglashütte. Die Sonne schien so warm und spielte in tausend blitzenden Funken auf dem tiefblauen Wasser, der „Terlaner" glühte wie ein Topas, und den Kaiserschmarrn hatte die niedliche Tiroler Köchin für mich besonders gut und reichlich gemacht. Behäbig blickte ich auf das Cavalljoch, den Uebergang nach der Schweiz, und beobachtete einen Mann, der gerade über den Paß gekommen war.
Nach einiger Zeit erkannte ich durchs Fernglas den Eduard Meyer und Stunden später war er bei der Hütte. Aber statt sich, wie gewöhnlich, gleich zu mir zu fetzen, hatte et erst ein kurzes und eindringliches Gespräch mit dem Führer Clemens, der gerade von Brand heraufgekommen war.
Dann erst kam er an meinen Tisch. Plötzlich fragte er mich, ob ich ihm nicht einen sehr großen Gefallen tun wolle. „Aber gerne", sagte ich. Er habe sich die Schulter wund gerieben und solle noch zwei Touristen auf die Scesaplana führen, ob ich ihm nicht den Rucksack hinunter tragen wolle, ich sei ja ohne Gepäck. Am Abend würde er ihn bei mir wieder abholen. Mit Freuden willigte ich ein, hatten wir doch gemeinsam manche für unmöglich gehaltene Tour ausgeführt, auf Gipfel wie durchs — Hammer- fensterl, ganz abgesehen von manchem Gamsrücken, den er mir „abgetreten" I
Der Rucksack war „sakrisch" schwer, und schon auf dem Sattel schwitzte und schimpfte ich gründlich. So war ich froh, daß ich am Bosen Tritt dem Oberrespizienten und zwei Finanzern begegnete, mit denen ich mich ein Weilchen unterhalten konnte. Aber ganz gegen ihre Gewohnheit hatten sie es sehr eilig, so daß wir uns nur schnell für den Abend zu einem Jassen, bem hier wie in der Schweiz üblichen Kartenspiel, verabreden konnten. Ich fuhr über beit Schotterkegel ab, überschritt die Wiesen der Laggant und kam endlich in die Kühle der Alvierbachklamm, wo ich mich an einer Quelle niederließ. Während ich den Rucksack öffnete, um nach
einem Becher zu suchen, dachte ich: „Nach dein Gewicht zu ur teilen muß der Eduard Proviant für drei Monate drin haben I"
Ich hätte ruhig sagen können: für ein Jahr, vorausgesetzt, daß der Eduard nur von Saccharin gelebt hätte. Etwas anderes war nicht im Rucksack.
Es waren eigentümliche philosophische Betrachtungen, die ich anstellte, während ich mich mit seiner süßen Last heimwärts trollte. Etwas von Dummheit und Packesel kam darin vor, auch Worte wie „Bazi" und „Mistviech" waren nicht selten. Schließlich mußte ich aber doch lachen. Der Oberrespizient hat halt kein Glück 1
Emanuel Kremnitz.
Zur„Gruinmetsaissn".
Mr den Laubmanu durchaus kein unwichtiger Teil der Ernt« ist die zweite Schur der Wiesen, die das „Grummet" ergibt ober; das „Emb", wie man in Südbeutschland unb der Schweiz sagt. „Bei einer guten Grummet-Ernte," lautet ein Sprichwort, „kann man eine schlechte Heu-Ernte vergessen." Denn einwanbsrrics Grummet kann bem Heu sogar insofern überlegen fein, als es zarter ist unb weniger Holzfaser besitzt. Außerbem hat es aber auch verhältnismäßig mehr Eiwrißstoffe, ist also nahrhafter. Man gibt darum das Grummet auch mit Vorliebe den Kühen rind Masttieren.
Um Wirklich gutes Grummet in die Krippen zu bekommen^ muß Uran es aber natürlich auch rechtzeitig einbring en. Dey 24. M ugust, der Bartholomäustag, gilt vielerorts als der Termin, an dem man fertig sein soll mit dem „Enden", bem1 Eruiert der zweiten Schur. Darum heißt es auch:
„Bartholomä
Mäht Emd Und Klee," .
oder:
„Bartholomai
Legt 's Emb aufs Heu."
Gewöhnlich setzt man auch hinzu:
„Unb wer sich noch sperrt,
Kann Warten, wie er's dörrt!"
Außer bem „Euch" kommt aber bei dreischürigen Wiesen noch ein „Emdlein" in Betracht, die dritte Mahd, das „Aftergrummet" ober „Aberemb". Sowohl „Grummet" als „Emd" — ober Oehmb, Wie !es auch heißt — sind eigentlich zwei Bezeichnungen, bei denen wir uns „nichts denken" könnten, Wenn die Wortforschung uns ihren Sinn nicht aufgebecht hätte: Tie im Süden unseres Landes gebrauchten Ausdrücke Emb, Oehmd, Ohmet, Ornat unb Aumahb führt man zurück auf das althochdeutsche ämät, bas ungefähr so viel besagte wie „übrige Mahd", denn das Partikelchen ä hat die Bedeutung von „übrig". S&ißer ämät gab es noch ein anderes althochdeutsches Wort für Grummet, es hieß uomät, das Wäre mit „Nachmahb" zu übersetzen. Was nun aber das „Grummet" anbetrifft, so will man darin eine Zusammenziehung von „Grün" Und „Mahd" erblicken. Das Grummet soll die grüne, b. -h. bie unreife Mahd sein int Vergleich zum Heu. Aeltere Formen des! Wortes wie „Grummath, Grüamat, Grümat oder Grnomat" sind uns allerbings auch bekannt. Mer auf ein althochdeutsches „grou- mät", das Har und deutlich unserer „Grünmahd" entspräche und über den Sinn, der im Grummet steckt, feinen Zweifel mehr ließe,- sind Wir noch nicht gefloßen. Skeptische Leute betrachten barnnt diese Grummetfrage als noch nicht ganz gelöst.
Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachverein;.
"Demselben zufolge. „Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht. Demselben zufolge trat der Verein am 2. August in sein sechstes Lebensjahr." Herrliches Kanzleibeutsch, bem man noch immer, wenn auch nicht mehr allzu häufig, begegnen kann. Weshalb denn nicht: „Nach ihm" ober: „Danach", ober deutlicher: „Aus ihm (diesem) ergibt sich (ersehen wir), daß . . ? Denn offen unb ehrlich: ist der Jahresbericht die Ursache ober Veranlassung, daß der Verein in fein sechstes Jahr getreten ist? Man merke sich doch endlich einmal, daß „derselbe" sowohl wie „zufolge" gar zu leicht lächerlich wirken können.
Logognph.
Mit „H" sind wir ein Kleidungsstück, Aus Leinwand gefertigt oder aus Tuch; Mit „R" dagegen werden wir Blumen, Die dich erfreuen durch Wohlgeruch.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummert Es gab’ noch mehr der Zähren In dieser trüben Welt, Wenn nicht die Sterne wären Dort an dem Himmelszelt;
Wenn sie nicht niederschauten In jeder klaren Nacht
Und uns dabei vertrauten, .
Daß einer droben wacht. Martin Greis.
Rednktion: I. V.: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Univerfitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, ®ießeit»


