Ausgabe 
25.8.1913
 
Einzelbild herunterladen

527

Minute, ihr selbst in seinen Endfolgen noch verborgen, aber entschmdend über ihr ganzes Sein.

Was sollte sie dem Manne da vor ihr erwidern, dessen ertvartungsbange Blicke sie fühlte?

Wohl war sie dem lieben jungen Geschöpf da drunten n herzlicher Neigung zugetan. Aber wenn sie ehrlich gegen rch war, nur Stehe zu Gefallen würde sie den folgen- chweren Schritt nicht tun. Aber da stand etwas anderes laueben mit geheimem, brennendem Locken. Um ihn sollte sie immer sein, stets ihm zur Seite als treue Kameradin rnt stillen, traulichen Haus wie draußen auf seinen Wegen, bei seiner Arbeit ihm, dem Verdüsterten, sollte sie freundliches Licht ins Leben tragen!

(Fortsetzung folgt-!

Zum hundertjährigen Todestag Theodor Körners.

26. August 1813.

'In dem an geschichtlichen Erinnerungen so reichen Jahre 1913 tritt uns am 26. August die Gestalt des begeisterten Sängers Und Streiters der Freiheitskriege, des Heldenjünglings Theodor Körner wieder lebhaft vor die Seele. Wie svirknugsvoll war doch sein begeisterterAufruf" in die Deutschen Lande hineingeschaUt, als 'es galt, die Ketten zu brechen, die der korsische Tyrann geschmiedet:

Es ist kein Krieg, von dem die Kronen wissen, Es ist ein Kreuzzug, 's ist ein heilger Krieg! Recht, Sitte, Tugend, Glauben und Gewissen Hat der Tyrann aus deiner Must gerissen;

Errette sie mit deiner Freiheit Sieg!"

Theodor Körner Wad einer der ersten, die sich dem Lützowschen Freikorps anschlossen, jener.schwarzen Schar", die sozusagen die Blüte der gebildeten deutschen Jugend unter ihren Fahnen sammelte.

Ich 'will Soldat werden, will das hier gewonnene glückliche Und svrgenstcie Leben mit Freuden hinwerfen, nm, sei's auch mit Meinem Blüte, mir ein Vaterland zu erkämpfen. Zum' Opfer- tode fstr die Freiheit und für die Ehre seiner Nation ist keiner tzu gut, wohl aber sind viele zu schlecht dazu." So lautete der Mief, den er von Wien aus an seinen .Vater schrieb.

Mm 27. März 1813 fand in der Kirche Rvgau in Schlesien die feierliche Einsegnung des Freikorps statt, zu der er das Lied gedichtet hatte:

Wir treten hier im Gotteshaus

Mit frommem Mut zusammen.

Uns ruft die Pflicht zum Kampf hinaus, Und alle Herzen flammen.

Denn was uns mahnt zu Sieg und Schlacht, Hat Gott ja selber angefachl.

Dem Herrn allein die Ehre!"

Er selbst schrieb von der Einsegnungsfeier:Bei dem All- mächUgen, es war ein Augenblick, wo in jeder Brust die Todes­weihe flammend zuckte, wo alle Herzen Heldenmütig schlugen."

Und nun hinaus zum Kampf für Freiheit und Vaterland. Nach den Anweisungen des' Generals Scharnhorst sollten die Witzower möglichst unabhängig vom' großen Heerkörper die vom Feinde besetzten Gebiete durchstreifen, feindliche Transporte ab- schneiden, kleine Kolonnen .überfallen, Magazine zerstören und Überall zur einmütigen Erhebung des Volkes aiuffordern. Durch diesen Auftrag geriet das Freikorps in eine ganz besondere Stellung, die es aber von den großem Ereignissen des Krieges mehr fern hielten. Den ihnen zugewiesenen Platz aber füllten sie tüchtig aus, getragen von der Ueberzeugung, daß die Zukunft Deutschlands an ihre Hand gelegt. Immer wieder von neuem wurde diese weihevolle Begeisterung mit Heiligem Ernste geschürt durch den jugendlichen Dichter Körner, dessen Lieder so be­geistert von Herz Herzen gingen. Wieder war den Lützowern am 25. August ein feindlicher WagenzUg gemeldet worden. Am nächsten Morgen sollte der Angriff auf die Transportkolonne unter­nommen werden. In Körners Quartier hatten sich befreundete Offiziere am Abend zum traulichen Gespräche ein^efunden. Hofs- nungsfrohe Stimmung erfüllte die.Herzen der jungen Helden, Aumal die Nachricht von Bulons Sieg bei Groß-Beeren schon ein­getroffen war. Da öffnete Körner das im Zimmer stehmde Klavier, Und hinaus in die stille Nacht erklang sein Schlachtgebet:

Vater int, segne mich!

Sn deine Hand befehl ich mein Leben, u kannst es nehmen, du hast es gegeben;

Zum Leben, zum Sterben segne mich!.

Vater, ich preise dich!"

Zum Sterben hatte sich der tapfere Held am Llbend noch mit diesem Liede gesegnet, zum Sterben sollte ihm die Morgensonne des 26. August leuchten. Froh und kampfesMutig war er am Morgen mit der tapferen Schar ausgezogen. Ms sie in einem Wäldchen bei Gadebusch in Mecklenburg. auf dm Feind lauerten, schrieb' Körner sein herrlichesSchwertlied":

siTu Schipcrt .an meiner Sinter, Was soll dein heiteres Blinken? Schaust mich so freundliche an. Hab' meine Freude dran.

, Hurrah!"

Wenige Stunden war er mit seinerEisenbraut" vermählt, t ^wzett im weiten Himmelsdome. Der erwartete

leinouche Wagenzug kam näher. Körner stürmte in seiner Kampses- Ierdenichaft als einer der ersten gegen den Feind heran und setzte, da derselbe ichon die Flucht ergriffen hatte, ihn mit ein paar J}ettecn in das tiefe Waldesdickicht nach. Plötzlich krachte hinter einem Baumstamme hervor ein Schuß, und der kühne Reiter wurde von der tödlichen Kugel in den Unterleib getroffen. Dem ihm zu Hilfe eilenden Oberjäger Felsritz ruft er noch zu:Da Habe ich eins; es ,a;adet aber nichts!" Tann sinkt er vom Pferde herab, dein treuen Kameraden in die Arme. Der Tod war so plötzlich eingetreten, daß feine Gesichtszüge keine Spur des Schreckens over schnierz.es zeigten. Die Leiche wurde nach Wöbbe- «n, dem Standorte der Lützower Infanterie gebracht und dort zunächst auf einem strohbedeckten und mit Eichenlaub geschmückten jEifcge aufgebahrt...Der Schmerz," so erzählt ein Augenzeuge, "lag auf aller Geiichle. Jeder drängte sich zu der teueren Leiche Mit Eichenlaub und Blumen."

©eine, Ruhestätte sand er auf einem freien Platze unter einer großen Eiche. Wegen der Nähe !des Feindes mußte die Ehren- salve unterbleiben. Schluchzend und unter gedämpftem Trommel­schall trugen die Lützower den schlichten Sarg mit dem geliebten Leichnam hinaus.Vater, ich rufe dich," erklang es über dem Grab. Und mit dem Liede vonLützows wilder, verwegener Jagd" nahmen sie dann tiefergriffen Abschied von dem so jäh aus dem Leben geschiedenen Helden.

, Gerade weil ein so früher Tod ihn von seiner Heldenlaufbahn abrief, ist Körners Name heute noch mit bem Reize ewiger Jugend verklärt. Uns aber, den Erben jener großen Zeit, die wir uns jetzt .der Güter , freuen können, für die rinst unsere Vorfahren so begeistert kämpften und ihr Leben opferten uns müssen die frischen, hellen Töne seinerLeier" und die tapferen Tatenseines Schwertes" zur ernsten -Mahnung werden, wie er sie selbst in seinemAufruf" ausgesprochen hat:

Doch stehst du bann, mein Volk, begränzt vorn Glücke,

In deiner Vorzeit heil'gem Siegerglanz:

Vergiß die treuen Toten nicht und schmücke 'Auch unsere Urne mit bem Eichenkranz!"

Bler.

Marschall Vorwärts an der Katzbach.

Blücher will immer vorwärts und hält mich für zu behutsam; Langeron und Yorck zerren mich wieder zurück und halten mich für einen verwegenen Unbesonnenen" so schreibt Gneisenau an Clausewitz in seinem Bericht über die Schlacht an der Katzbach (26. August 1813). Blücher wollte in der Tat immer vorwärts, und das hatte sich schon gezeigt, als der alte Haudegen den Ober­befehl übernommen hatte. Dem General Barclay de Tolly hatte er nämlich erklärt:Tie Künste eines Fabius cnnctator sind mir von jeher fremd gewesen. Ein anderer wird sich da viel besser herausziehen. Ich versiehe nun einmal nichts anderes, als darauf loszugehen. Bin den Souveränen dankbar für das Zutrauen, muß aber das schwere Kommando abkehuen, das mich so streng an die Defensive bindet. Mag nicht hinter die Schanzen von Neige kriechen und jedem Vorstoß ängstlich ausweichen. Geht gegen meine Natur, - Basta!"

Der alte Haudegen hatte aber dennoch den Oberbefehl über­nommen und sich dem Befehle gefügt, so gut ober schlecht es ging. Daß Blatt hat sich wider gewendet (so schreibt Blüctzer am Tage vor der Katzbachschlacht an seine Frau), der Kaiser Napoleon hat mit seiner gangen macht mich 3 tage angegriffen und alles ver­sucht mich zur Schlacht zu bringen ich habe alle seine Projecte glücklich vereitlest, gestern abend ist er umgekehrt ich vollge ihm sogleich und hoffe, daß nun Schlesien gerettet ist... . ich bin ge­sund und sehr vergnügt daß ich dem großen man eine naße an- gedreht habe, er soll wüttend fein, daß er mich nicht zur Schlacht hat bringen können, es hat ttf beide Theile Menschen gekostet."

Am folgenden Tage, als Napoleon schon seine Truppen m Schlesien verlassen hatte, wurde bann die berühmte Schlacht an der Katzbach geschlagen, wo Blücher wirklich nach Herzenslust darauf losgehen konnte, die Schlacht, wo wegen des Regens bald die Ge­wehre versagten und ein Kampf Mann gegen Mann ausgefochten wurde, der allmählich in lauter kleine Einzelgefechte zerfiel. Die Franzosen kamen wider Erwarten auf die Hochfläche an den Ufern der Katzbach und der wütenden Neiße, die steilen Ufer empor. Blücher, der über die Flüsse hatte gehen wollen, änderte sogleich den Befehl und schickte seine Adjutanten an die verschiedenen Korps- fommanbanten. Yorck ließ er sagen, er möge so viele Feinde auf das Plateau herauflassen, als er glaube schlagen zu können, und Yorck antwortete dem Adjutanten:Reiten Sie hin und zählen Sie, ich kann bei dem Regen meine eigenen Finger nicht mehr zählen." Sacken, der russische Kommandierende, sagte dagegen dem Adjutanten:Bringen Sie dem General Blücher zur Antwort von mir einHurra "I" Sacken zu Ehren ist bann auch die Schlacht, die sich der Ausdehnung nach hauptsächlich an der Wütenden Neiße