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drei der Jnnenräume waren halb ansgestattet. Die Stadt Hannover beriet, um den begonnenen Ban womöglich nach modernen Kunst- anschaunngen erträglich zu 'machen, den Professor Halmhuber aus Köln. Berief ihn mit dem ausgesprochenen Zluftrag, möglichst viel von bem zn verwischen, tuns sein Vorgänger geschaffen hatte. Vor allein sollte Halmhuber die innere Ansstattung des Baues nenzeit- lich gestalten und unserer Knnstgewerbebewegung dabei Rechnung tragen. Heute, nachdem das Werk vollendet ist, muß man zugeben, daß Halnthnber den aus ihn gesetzten Erwartungen entsprochen hat. Vor allem hat sich natürlich das Können Halmhnbers in den Fest- nnd Repräsentationsränmen des Rathauses gezeigt, die sich um die Mittelachse des Bauwerkes gruppieren.
Hier sind hervorragende Werke der Malerei, der Plastik rind des Kunstgewerbes zrr fiuben, die dem neuen Ralhanse der Stadt Hannover bewrindernde Freunde nicht nur in Dentschland ver- schasfen rverden. Der Hartpieingaiig zn diesen Festsälen befindet sich cm der Nordseite des Rathauses. Unter drei Krertzgewölben einer offenen äußeren Borhalle hindurch gelairgt man zn den drei Portalen, die drrrch schmiebeeiferne, vergoldete Gitter verschließbar sind. Die Symphonie des Innern beginnt mit dem schlichten Wohllaut des Nebelgrau nird Mattengelb der Vorhalle. Sie leitet den eigentlichen feierlichen Eröffnungssatz, die Zentralhalle ein, zu der der hochüberkuppelte Mittelhof der Rathausanlage au§- gebant ist. In dieser Halle dominiert eine majestätisch geschwungene Freitreppe, um die Halinhuber einen großgefügten Marmor» und Muschelkalkboden mit weitem Treppenvorplatz gelegt hat. Die Freitreppe führt direkt ins Obergeschoß zu bem Vorraunr der eigentlichen Festsaalgrnppe, der sich >rach rechts unb links zrr zweischisfigen Vorsälen erweitert. Hier bereichert sich zunr ersten Male bie Wanb mit bilblichem Schmnck. Hübsche Prlltensriese in Golbplattenmalerei bekränzen bie Bogen und Säulen der Schiffe. Auf diesen vorbereitenden bildlichen Schmuck folgt der große farbenreiche Hanptfestsaal, ans den bie mähliche farbige Steigerung ber vorherigen Räume hinführt. In biesem Saale befinden sich drei große, lebhaft farbige Wandbilder vvii Fritz (Stier, die bas Leben in einer altgernlnnischeir Nieberlassniig, bie Zerstörring einer mittelalterlichen Zwingburg unb Bautätigkeit unb Verkehr einer modernen Stadt barstellen. Alles Holzwerk an Türen, Frustern unb Täfelungen erglänzt in bem kräftigen Rot bes Pabuckholzes. Die Schmalseiten bes Saales soivie bie Decke enthalten in hell- aetöntem, teilweise vergolbetem Stuck noch mancherlei schmückenbe Plastik. Die acht Breitenleile der Längsivänbe zeigen Flachreliefs, in denen boppeltlebenbgroße Figuren die Bürgertugenben verkörpern. Sie stammen von bem tüchtigen Hannoveraner Professor Georg Herting. Die Farben bes Saales sinb gut zueinanber abgestimmt und ber ganze Raum ist burch Halmhnbers geometrischen Schmuck zu einer sicheren Einheit verbunben worden. An den großen Festsaal schließt sich gen Osten ein Saal in grünem Kunstmarmor an, der durch versilberte Zierleisten unb versilberte Sluckreliefs belebt ist. Die brei Lünetten gegenüber den drei Fenstern des Saales schmücken farbig ausgezeichnete Glasmosaike, bie einen Handwerkerfestzug barstellen. Die Kartons bazn hat I u l i u s D i e z ent- warfen. An biefen Saal schließt sich ein viereckiger Raum mit abgestumpften Ecken an, ber in poliertem Mahagoni mit Intarsien ausgesührt, als Damenzimmer gebucht ist. In diesem Zimmer befinbet sieh ein Wanbgemälbe von Abolf Hengeler „Die musikalische Hnlbiaung an ben Frühling". Westlich an ben großen Kestsaal schließt sich ein Saal in blau unb weiß an, in bem Halm- y-»ber burch gute Abtönungen des Holzes und des Stuckes und durch schöne Profilierungen eine hervorragende Wirkung erzielt. Der künstlerische Clou des Rathauses ist zweifellos düs große Gemälde von Ferdinand Hodler, das sich im gemeinschaftlichen Sitzungssaal der städtischen Kollegien befindet und den Treuschwur der Stabthannoverschen Bürger zur Sache der Reformation barstellt. In ber Mitte bes Gemälbes steht ein Mann auf einem Podium und schwört in feierlicher Haltung den Treuschmur. Zu seinen beiden Seiten auf ebener Erde und hinter ihm haben sich die Bürger postiert. Der zu Ellipse verkürzte Kreis, in bem sie sich um den Verschwörer scharen, kommt in ber Komposition zur Geltung. Der Wirkung bes Gemälbes, bas viel farbiger ist, als Hodler sonst zu sein pflegt, kann man sich kaum em'ziehen; ein feierliches Gelübde steigt gen Himmel, eine ernste, schwere Verpflichtung wird übernommen. Wie ein Wall von Speeren ragen bie Arme und Hänbe senkrecht empor, ein gutes halbes Hundert. Es dürfte schwer sein, im Anblick unb unter dem gefühlmäßigen Eindruck etwas gegen seine Ueberzeugnng zn sagen.' Mehr noch als bas große Wanbbild Hodlers in Jena wird dieses größere Werk in Hannover die Freunde des großen Schweizer Meillers unb bie Anhänger moderner Kunst begeistern." Außer ben Fest- unb Parlamentsränmen hat Halmhuber noch die Zimmer beS Stadt- direktors unb Stadtsyndikus prächtig ausgestattet. ES ist dem Professor gelungen, jebent ber vielen Säle einheitlichen Charakter j und .geschlossene Raumwirkung zu geben nnd bie Kunstwerke ber Architektur und die Architektur ben Kunstwerken bienen zn lassen. Er hat rebem einzelnen Raum Stimmung nnd Rhythmus gegeben unb bas ganze Orchester ber Räume unb Werke zn harmonischer Sym- I phonie birigierf, in ber jeher Abschnitt seine geistigen Beziehungen zum andern besitzt. So ist beim bas Innere' bes Rathauses ein Zeugnis ber t)ofy>n Blüte unseres heutigen Kunstgewerbes und >
unserer heutigen Mqlevei, während das Aenßere des Bauwerke- m der Unruhe unb Unsicherheit seiner Gestaltung zeigt, daß es in der Wende zweier Knnstanschannngen erbaut ist.
Das neue Rathaus Hannovers hat eine herrliche Lage. Wo noch heute bie Altstadt an Wiesen grenzt, an ber aus der Wende des achtzehnten Jahrhunderts stammenden Promenade au der Friedrichstraße strahlt die goldene Spitzlaterne des Knppeltnrmes gen Westen in die Anlagen des nahen städtischen Kestnermnsenms, gen Osten in das Promenadengrün vor dem benachbarten preußischen Proviiizialmnsenm, gen Norden hoch über bie alte, jetzt indnstriereiche Stabt an ber Seine hin, gen Silben über See und Park ber neuen Rathausanlagen bis weit ins grüne Meer ber herrlichen Maschwiesen. Nicht leicht mag solch ein grüner Kranz bichler Anlagen um ein Rathaus gefunden werden. Mit den deiiachbarteii Kunst- unb Staatsgebänben bildet ber trotz feiner Ungeschlachtheit festliche Ban bes neuen Rathanses ein hannoversches Forum im Grünen. H. Kaiser.
Vermischtes»
K.-K. Künstliche Eisbereitung für ben H äug' halt- Einige Rezepte für Kältemifchungen werden unseren Lesern für bie Sommermonate gewiß willlommen sein. Wir entnehmen sie bem neuesten Hell ber naturwissenschaftlichen Volkszeitschrtft „Mußestunden" (Franckh, Stuttgart). Wie beim Schmelzen, so verbrauchen feste Körper auch bei ihrer Auflösung in Wasser oder in einem anderen Lösungsmittel eine gewisse Wärme, sogenannte Lösnngsmärme, bie sie ihrer Umgebung entziehen, woburch sie sich bann wieber sehr stark unter ben Gefrierpunkt abkühlen. Wird statt Wasser Eis ober Schnee als Lösungsmittel verwenbet, so ist Sie Temperaturerniebrigung noch bebcutenber, ba Eis unb Schnee auch noch Schmelzwänne verbrauchen. Auf diese Weise entstehende Halte- Mischungen dienen u. a. auch in Konditoreien zur Herstellung von Speiseeis. So ergibt beispielsweise eine Mischung von 1 Teil (z. B. 1 Pfunbj Kochsalz und 1 Teil Eis eine Temperatnrerniedrignng bis — 180 C. Stellt man in eine solche Eis-Kochsalz-Mischung ein Gefäß (nicht aus Glas!) mit Friichtsall ober bergleichen, so wird man nach kurzer Zeit „Gefrorenes" erhalten. Hat man gerade kein Eis zur Hand, tun folgende Mischungen ebenfalls gute Dienste:
5 Salmiak, 5 Salpeter, 10 Wasser — 10° 0.
3 Glaubersalz, 2 verdünnte Salpetersäure — 12° 0.
1 verdünnte Salzsäure, 1,5 Glaubersalz — 16° 0.
1 Wasser, 1 salpetersaures Ammoniak — 15° 6.
1 salpetersaures Ammoniak, 1 kohlensa ires Natron
1 Wasser - 11° 0.
* Sein '91 m t. „Nanu, IHK Abreißkalender zeigt ja immer noch ben vorigen Monat an?" —-. Buchhalter: „Unser Lehrling ist schon seit einiger Zeit krank."
Schach-Auftz'ade.
Schwarz.
8
3
6
6
5
5
M
3
3
2
Weiß.
Weiß setzt mit bem dritten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer.
abedefgh
Auflösung des magischen Zalstenauabrats in voriger Nummer: 31 '220l443l302
302,443220, 34
2_)0,34,302,443
j4431302, 34 ,220
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, 9i. Lange, Gießen.


