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Art zu bezeugen. Tieß Mhc Glück ward uns heute Nachmittag 5*4 Uhr usw."

Wenu der Verfasser des hier im' Auszüge mitgeteilten Leit­artikels geahnt hätte, wie oft Napoleon noch die Kriegsfackel! Über Europa schwingen^ und welche Opfer an Gut und Blut die Eroberungssucht des Korsen fordern würde, hätte eine^ solche Verherrlichung Napoleons als Friedensstifter wohl schwerlich statt­gefunden.

Kaimt war der Krieg gegen Preußen und Rußland beendet, als Napoleon schon wieder die Hilfe der Rheinbundstaaten gegen die Spanier in Anspruch nahm'. So sah sich denn auch Frank­furt zu neuen Rüstungen gezwungen. Tas Frankfurter Bataillon tn einer Stärke von 860 Mann verließ am 26.. August 1808 unter dem Major von Welsch die Stadt, wurde in Mainz ge- tnustert und am 6. September in Meß. mit französischen Ge­wehren bewaffnet. Es durchzog Frankreich, ging am 19. Ok­tober über die Bidassoa und kam am' 22. nach Durango ins Haupt­quartier des vierten französischen Armeekorps. AM 31. Oktober nahmen die Frankfttrter Truppen an der Schlacht bei Zornosa teil. Später bewegten sie sich über Valladolid nach Madrid. In den Gebirgsgegenden hatten sie unter Hunger unb den Angriffen der Guerillas viel zu leiden. Seit dem 17. Dezember bildete das Frankfurter Bataillon einen Teil der Besatzung von Madrid. Tort wurden die Frankfurter in der ehemaligen Kaserne der spanischen Wallonengarde schlecht genug cinquartiert, elend ver­pflegt und zu einem beschwerlichen Wachtdienste verwendet. Sie verloren durch Meuchelmord zahlreiche Leute, die teils auf dein! Posten erschossen, teils in abgelegenen Straßen überfallen und niedergestoßen wurden.

Nach seinem Abzüge von Madrid, am 8. Januar 1809, nahm das Frankfurter Bataillon noch an verschiedenen Schlachten teil, in denen cs größte Verluste erlitt. Nur einem geringen Häuflein war es vergönnt, die Heimat wiederznsöhen.

Tie Frankfurter Truppen waren aus Spanien noch nicht znrückgekehrt, als Napoleon znnt Feldzuge gegen Rußland rüstete und neue Heeresdienste von dein Rheinbündstaat Frankfurt ver­langte, der inzwischen unter Vereinigung mit anderen Gebiets- teileir zum' Großherzogtunr erhoben worden war. Im Februar 1812 marschierten zwei Bataillone der Großherzoglich Frank­furter Truppen in Stärke von je 900 Manu unter dem Befehl des Obersten Horodam zunächst nach der Ost- und Nordseeküste ab. Im Spätsomnier schlug das Regiment Frankftrrt die Rich- tung nach Rußland über Danzig, Königsberg und Wilna ein bis in das Städtchen OsMiana, wo ein Rasttag gehalten werden sollte. Kaum hatten jedoch die Truppen die Quartiere bezogen, als der Kaiser Napoleon am 6. Dezember nachts 12 Uhr in einem sechsspännigen Reisewageu von der großen Armee zurück­kam rind in größter Eile das Städtchen passierte. Napoleon ließ den Befehl zurück, daß die Division Loison, zU der die Frank­furter Truppen gehörten, alsbald den RückzUg nach Wilna an­treten sollte. Unter Beschwerden und Mühen aller Art wurde dieser Befehl sofort ausgeführt. Ta eine außerordentlich! große Kälte herrfchte, erfroren viele Leute. In Wilna wurde zwei Tage gerastet. Tie Offiziere erhielten den Bnehl, das Beste und Notwendigste von Wäsche und Kleidungsstücken aus ihren Mantelsäcken holen zu lassen und anzUziehen. lieber den Rückzug hat sich ein Teilnehmer des Feldzuges, der Frankfurter Oberst Hosfmänn, wie folgt ausgelassen:

Ta vermutet wurde, baß, die Gepäckwagen wegen des hohen Schnees nicht mit den Truppen fortkommen könnten, so wurde bestimmt, daß dieselben den Wend vor unserem Abzug aüs Wilna abzugehen hätten. Als wir den folgenden Morgen (9. De­zembers zum Tor hinaus marschierten, hatten die Russen bereits eine Batterie von leichten Kanonen auf Schlitten ausgefahren/ sowie auch einige Schw'ädronen und Kosaken ausgestellt. Kaum war die französische Tivision außerhalb der Stadt und in Kolonnen aufmarschiert, so begann die russischje Artillerie ein lebhaftes' FeUer auf Uns, welches wir nicht erwidern konnten, da !vir keine Ge­schütze mit uns führten. IM Borübergehen sahen wir das von den Russen in Brand gestockte sämtliche Gepäck in Hellen Flammen brennen; alles Eigentum! der Offiziere, die Regimentskasse sowie sämtliche Kompagniebücher gingen auf diese Weise zugrunde. Später tourbeit regimentsweise Vierecke gebildet und mit solchen bis gegen Wend zurückgegangen. An diesem' Tage verloren wir sehr viele Leute, welche teils vor deM Feinde blieben, teils erfroren. Die Nacht hindurch lagerten die Truppen im Freien.

Ta es an den nötigen Transportmitteln fehlte, so mußte deu anbereu Morgen ein großer Teil ber Mannschaft krank, ver­wundet oder mit erfrorenen Gliedern zurückbleiben, welche in russische Gefangenschaft gerieten. Tie noch übrige marschfähige Mannschaft setzte nun ihren Weg nach! Königsberg fort, welches uns als Sammelplatz angewiesen war. Dort verweilten wir einige Tage und erhielten dann den Befehl, uns nach Danzig zu benebelt. _ Es war den Abend um 6 Uhr, am 5. Januar 1813, als Nur Königsberg mit dem Rest des Regiments verließen, worauf unmittelbar der russische Vortrab in die Stadt einrückte, weshalb' auch schon, während wir durch die Straßen marschierten, die Häuser erleuchtet waren. Auf btitt! Zuge von Königsberg bis Danzig stellte sich uns kein weiteres Hindernis in den W!eg, und fo wurden wir, daselbst an gekommen, alsbald zum Festnngs- unb

Vorpostendienst verwendet. Tic Belagerung Danzigs dauerte fast ein Jahr. Die Festung wurde, durch Vertrag vom 18. November 1813, am 1. Januar 1814 übergeben- wobei den deutschen Truppen ein ehrenvoller Abzug mit klingendem Spiel bewilligt wurde. Bon den 1800 Mann, welche von Frankfurt ausmarschiert waren, kamen nicht mehr als 60 Mann zurück."

Scr. unglückliche Ausgang des Feldzuges nach Rußland war der Beginn zum Sturze Napoleons von seiner stolzen höhe herab. avK. 1813 war der Aufruf von Kalisch au das deutsche

Volk ergangen. Napoleon machte erneut Anstrengungen, um die rm 'Feldzuge gegen Rußland fast gänzlich vernichtete große Armee durch neue Streitkräfte zu ersetzen. Da die Wehrkraft Frank- retchs durch die langjährigen Kriege außerordentlich gelitten hatte. Müßte Napoleon teilweise noch sehr junge Leute zum Kriegsdienst heranztchen. Tie Bürger von Frankfurt sahen schwächliche Knaben, die zur Armee nach Sachsen förmlich getrieben wurden, mit wunden Füßen und vom Marsche erschöpft, in deu Straßen der Stadt lagern. Zu dem Mitleid mit diesen unglücklichen Ge­schöpfen gesellte sich bei den Frankfurtern die Ueberzeugung, daß dre Mittel des gefürchteten Korsen nahezu erschöpft seien.

' Noch sollten aber der Stadt zu den bisherigen Leistungen! neue schwere Opfer auferlegt werden, lieber die Ausgaben der Stadt in jenen Kriegsjahren mögen hier noch einige ziffernmäßig« Angaben folgen. .Vom 19. August 1806 bis Ende 1810 hatte die Stadt für ftauzösische Truppen an Berpflegungs- und Hospital- kosten, Hauptquartierfuhren usw- 823 578 Gulden 38 Kr., an Kriegskosten 342 828 Gulden 2 Kr., zusammen 1 166 406 Gulden 40 Kr. gezahlt. Im Jahre 1812 verausgabte Frankfurt für Lazarette, Fuhrwesen und Fourage 100 600 Gulden. Im Februar 1813 wurden von der Stadt 200 Pferde im Werte von 55 000 Gulden requiriert. Ferner Mußte die Stadt am 10. Juli 1813 als Beitrag zur Landes-Kriegsanleihe eine Zwangsanleitze iW 836 400 Gulden aufnehmen.

Gegen Ende des Jahres 1812 wurden in Frankfurt Hospitäler für das französische Militär errichtet. Unter den Soldaten herrschte nämlich der Kriegstyp'Hus. Napoleon verbot in der Absicht, den Franzosen die schreckliche Wahrheit über den Ausgang des russi- scheir Feldzuges zu verheimlichen, daß die kranken Kriegsteil­nehmer über den Rhein gebracht würden. Infolgedessen häuften sich die Kraulen in den Lazaretten so sehr an, haß diese trotz ihrer großen Zahl dem Bedürfnis nicht genügten. Deshalb wurden an Typhus^erkrankte Soldaten auch in Bürgerhäuser gelegt. Ties hätte zur Folge, daß auch unter Seit Bürgern der Typhus aus^ brach und zahlreiche Opfer forderte.

Inzwischen hatten sich große Ereignisse zugetragen. Tie Völ­kerschlacht bei Leipzig war am 16., 18., und 19. Oktober 1813 geschlagen worden und hatte mit einer völligen Niederlage der französischen Heere geendet. Bis zum 27. Oktober war es den französi'chcn Behörden in Frankfurt gelungen, das Schicksal bet französischen Armee den Bürgern zu verheimlichen. Erst an! diesem Tag erblickten sie in einer von dem französischen General Pröval getroffenen Maßnahme die Furcht vor einem Angriff. Pröval, der die Stadt mit 3 bis 4000 Manu besetzt hielt, ließ nämlich die beiden mit Balken belegten Lüchen auf der Main­brücke abdecken, so daß der Verkehr zwischen Frankfurt |unb Sachsenhausen nur für Fußgättger möglich blieb.

(Schluß folgt.)

Das neue Rathaus in Hannover.

Nach saft zwölsjähriger Bauzeit ist der Zwölfmillionenbau des neuen Rathauses in Hannover auch im Innern vollendet, so daß die endgültige Einweihung durch den Kaiser in Hannover erfolgen konnte. Das Rathaus in Hannover ist ein beachtens­wertes Zeugnis von der großen Wandlung unseres Zeitgeschmackes innerhalb der kurzen Frist von 15 Jahren. Die Pläne' zum Rat­haus in Hannover stammen von Oberbaurat Eggert, der auf Grund eines Wettbewerbes im Jahre 1898 den Bauauftrag erhalten hat. Eggert baute in den Formen der deutschen Renaissance. Seine gewaltige Baumasse ist in deu großen Verhältnissen nicht übel abgewogen. Ein an die hundert Meter hoher Kuppelbau, der über den initiieren Hof der Gesamtanlage errichtet ist, krönt ein 129 Meter breites Hauptgebäude. Int Detail des Riesenbaues aber hat Eggert fast vollkomuren versagt. Ueberhäufung mit Schmuck, die allzu große Verschiedenheit der Materialien er verwendete in der Hauptfront schon im Rohbau dreierlei ©teine und eilte überaus unruhige Linienführung in den Gesimsen, Giebeln und Türmen geben der Nordirout jenes Aussehen, daS der Volksmund mitZuckerbäckerarchitektur" bezeichnet. Man kann Eggert nicht absolut verantwortlich macheit für seinenBeamtenstil". Er ist eilt Kind seiner Zeit mit diesem Bau, und diese Zeit hat allgemein wenig Empfindung gehabt für Rhythmus, sinnvoll verteilten Schmuck, ruhig geführte Simen und handwerksmäßig durchgearbeitete Pro­filierungen. Das alles wurde erst in den letzten zehn Jahren wieder erobert, und Eggert, der sich diesen Wandltmgen unserer Kunst- anschnuuugen nicht anschließeu tvollte oder konnte, verlor durch den Ansturm von neuen Kunstbewegungen seine Stellung. Sein Geschick ist bitter, ja fast tragisch zu tietmen. Er mußte, zwar hoch entschädigt, int Jahre 1908 von seinem Posten zurücktreten. Mitten aus der Arbeit heraus. DaS Haus war im Rohbau fertig und