Montag, den 25. August
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Firnenrsulch.
Roman von Paul Gr ab ein.
'Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Langhin fielen die Bergschatten über die geröllbesäte Halde, wo Mischen Blöcken und Schutt noch fetzt kärgliche Grasreste sich zeigten. Es war eine Stätte trostloser Verwüstung, der Tummelplatz der vernichtnngsfrohen Bergdämonen; in der Mitte der Mulde, im Schutze eines Felsvorsprungs, lag das niedrige, roh aus ©teilten gefügte Gebäude.
„Früher eine gute Schasweide; aber der kolossale Bergsturz vor 15 Jahren hatte eine Wüstenei daraus gemacht," erklärte Malmort im Nähergehen. „Run um so besser für uns. So brauchen wir die Streu nicht mit blökenden Hausgenossen zu teilen. Bitte —" er machte die morsche Holztür des Stalls auf und lieft sie eintreten — „hier unser Hotel!"
„Großartig!" Gottliebe lachte fröhlich auf. „Mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet — bis auf die fehlende elektrische Beleuchtung."
Sie vermochte int Halbdunkel des niederen Raums noch gar nichts zu erkennen.
„Bitte, auch das hier!"
Er ließ scherzend seine kleine elektrische Taschenlampe spielen, und der blendend weiße Lichtkegel irrte üwr Boden und Wände, hinten in der Ecke neben einer primitiven, rauchschwarzen Feuerstätte ein weiches Heulager zeigend.
„Nun, hab' ich zuviel versprochen?"
„Nein, wahrhaftig nicht. Wir sind tadellos aufgehoben."
Malmort lieft das Licht wieder erlöschen; statt dessen Meft er einen kleinen hölzernen Fensterladen nahe dem Herde auf, so itaft nunmehr ein dämmeriges Licht in dem Raum entstand.
Gottliebe hatte indessen schon abgelegt und sich dem Herd zugewandt, bereit, dort ein Feuer zu machen.
„Ein warmer Tee wird uns gut tun, denke ich."
„Ohne Zweifel," bestätigte er und wollte ihr beim Feuer- gmnachen zu Hand gehen, aber sie wehrte ihn energisch ab.
„Das ist, Frauenarbeit — nur Ihre Streichhölzer, bitte!"
„Sehen Sie, Sie können ohne uns Männer nun doch einmal nicht fertig werden, wie gern Sie es auch möchten!" neckte er.
„So? Möchte ich das?" gab sie ihm mit heiterem Augenblitzen zurück, während sie hurtig an ihrem Herd weiter hantierte. „Wie kommen Sie übrigens darauf?"
Er hatte sich inzwischen au der Rückwand auf eine Art Bank niedergelassen, ein über zwei Steine gelegtes Brett. Die Hände um die Knie geschlungen, saft er dort
behaglich und sah ihr bei ihren frauenhaft anmutigen Bewegungen zu.
„Nun, Sie schätzen die Männer doch nicht übermäftig hoch ein — gestehen Sie es nur ruhig."
„Im allgemeinen allerdings nicht," gab sie zu und blies energisch ins Feuer.
„Aha! Mso doch im Ausnahmefall?"
„Man muß nie zuviel fragen!" gab sie ue-ckend zurück, aber'fie sah ihn dabei nicht an.
Schweigend verfolgte er weiter ihr emsiges Hantieren. Es war ihm eine Freude, ihr bloß so zuzusehen. Wie ihr alles so glatt und schnell von der Hand ging, Erinnerungen stiegen ihm auf aus frühesten Kindertagen, wo er träumerisch, in friedevollem Behagen, der toten Mutter auch so beim häuslichen Schaffen zugeschaut hatte.
„Ich hätte Ihnen diese Talente gar nicht zugetraut," gestand er nach einer Weile. „Ich glaube, Sie gäb>en sogar eine ganz famose Hausfrau ab."
Sie lachte hell auf; aber es klang doch ein leises Zittern aus dem Ton.
„Ach du lieber Gott! Ich intfr Hausfrau. Der arme Mann! Der würde schnell davonlaufen."
„Das wäre doch sehr die Frage!" Mit Nachdruck entschied er es, und dann kam es ganz unvermittelt von,seinen Lippen:
„Warum heiraten Sie eigentlich nicht?"
Die Büchse mit dem Tee, auf die sie gerade toterer den Deckel setzen wollte, klirrte leicht in ihrer Hand. Ganz betroffen starrte sie ihn an. War das ein Scherz? Wer nein! Er sah sie ganz ernst an.
„Bitte — verstehen Sie mich nicht falsch! Meine Frage ist keine plumpe Taktlosigkeit. Wenn eine Frau wie Sie teilten Mann gesunden hat, so ist doch das natürlich nur Ihr Wunsch und Wille so gewesen. Nun würde ich das verstehen, wenn Sie ein Blaustrumpf oder ein rechtes Mannweib wären, -aber so —"
Sie wandte sich ihm jetzt schnell zu:
„Sie vermuten demnach in mir die gefrorene brave, deutsche Hausfrau — die kein höheres Ziel kennt, als ihrem Manne Strümpfe zu stopfen und Kinder zu schenken?"
Spöttelnd warf sie es ihm hin, aber sein unwillig aufblitzendes Auge, sein tiefernster, strafender Blick lieft ihr plötzlich das spottende Lächeln ersterben.
„Das Wort hätte ich lieber nicht von Ihnen hören mögen — Schade darum."
Langsam erhob er sich und ging hinaus vor die Hütte.
Gottliebe blieb zurück, eine Beute von Scham und Trotz. Wie kam er dazu, sie so zu schulmeistern? War sie denn ein unreifes junges Ding? War denn nicht vielmehr, was sie eben gesagt, der Ausdruck fester Ueberzeugung', gewonnen aus tiefblickender Beobachtung des Lebens? Warum hatte sie ihm also nicht scharf ablehnend geant*f wortet?


