der Erdatmosphäre Al erklären. NüteMa hat dreUnter,nchungen fortgesetzt itnb ist zu dem Ergebnis gekommen, die Erde sei wirklich von einer leuchtenden Aurora umgeben und jungst hat, wie „Le Radium" mitteilt, Abbot diese Untersuchungen fortgesetzt. Nach seiner Aiisicht ist Yntemas Theorie vom Leuchten der .oberen Luftschichten richtig. Wie das Leuchten entsteht, glaubt «Abbot nun herausgefunden Kl haben: es dringt fortgesetzt ganz feiner kosmischer Starck in die Erdatmosphäre ein. Man weiß längst, daß aus der Atmosphäre dauernd -ein ganz feiner Regen von Staub auf die Erde herniederrieselt. Mbot hat nun durch Rechnungen herausgefunden, daß eine Geschwindigkeit von 42 Kilometern nt der Sekunde bei diesen Staubteilchen genügte, um das Leuchten zu erklären. Es wären dann allerdings drei Kilogramm kosmischen Stallbes in der Sekunde nötig. Wenn die Staubkörnchen in die atmosphärische Lust mit der angegebenen Geschwindigkeit Eindringen, erhitzen sie sich so stark durch die Reibung, daß sie glühend werden und anfangen zu leuchten. Diese Erklärung Abbots hat manches für sich, allein man kann sich nicht mit ihr zufrieden geben, weil eine Staubmenge von drei Kilogrammen der Sekunde das Dreifache von denk ist, was die Astronomen allgemein an- nehmen. . „
* Einfluß der Leibesübung en aus bte Lungen. Im Winter stocken meist alle wohltätigen gesmrdheitlichen Ein- wirkungen, welche der Sommer anslöst. Auch die Gesundheitspflege des Menschen friert gleichsam ein. Das Gegenteil aber sollte eintreten. Gerade im Winter müßte der Mensch durch eigenes Handeln, durch systematische Körperpflege zu ersetzen suchen, was ihm an wohltätiger Wirkung der Natur verkürzt ist. Ein solches Ersatzmittel sind systematische Leibesübungen, in frischer Luft oder, wenn int Zimmer, dann bei offenem Fenster. Welchen wohltätigen Einfluß solche systematischen Leibesübungen beispiels- tveise auf die Lungen ausüben, das stellte Professor Dr. Schmidt in Bonn bei den Teilnehmern der dortigen Turnkurse (Lehrer und Studierende int Alter von 20—30 Führen) fest, ©ne Reihe von Jahren hindurch wurde die Fassungskraft der Lungen mit dem Spirometer (einem dazu bestimmten Mcßapparat) gemessen. Sie betrug im Mittel 3388 Kubikzentimeter. Nach den halbjährigen Kursen stieg sie auf 3803 Kubitzentimeter. ..Irr Stuttgart betrugen die betreffenden Zahlen 3833 und 4290. In diesen Ziffern spricht sich vor allem die infolge des Turnens erhöhte Fähigkeit des Brustkorbes aus, tiefste ©n- und Ausätmungs- bewegnngen zu machen.
"Folgenschwere Küsse. Verklungen sind die, schonen Tage, da Erasmus seinem Frermde Fausttls mit der Fröhlichkeit des wahren Weisen schrieb: „Es gibt einen Brauch in England, der nie warnt genug empiohlen werden kömtte. Wohin btt auch gehest, von alleit wirst du mit einem Kusse empfange» ; wenn du eine Reise antrittst, so ivirst du mit einem Kusse verabschiedet; btt kehrst heim: itnb Küsse werden getauscht, Wirklich, wohin btt gehst, überall gibt es nur Küsse." Das ivar noch in jener schönen Zeit, btt der Herr, der ritterlich die schöne Dante zum Tanze führte, nach gutem Brauche einen Kuß beanspruchen bitrite. Int schönen England ist, wie eine Londoner Wochenschrift ausführt, dieser schöne Brattch dahin, Cronttvell und die strengen Puritaner ntachten dieser Sitte ein Ende und setzten au! alle Küsse so schtvere Strafet:, daß selbst junge Liebende einander kaum noch ihre Zuneigung ztt zeigen ivagteit, so lange auch nur die geringste Möglichkeit bestand, daß ein Dritter das sehen köiutte. Und die Londoner Chronik aus jenen Tagen erzählt als abschrcckettdes Beispiel die harte Strafe, die das Gericht über einen gewissen Jakob Martine und Sarah Tuttle verhängte, weil Beamte sie erwischt hatten, „dietveilen beide beisammen mtf einer Kiste saßen, tvobei der Jakob Martine seinen Arm um ihre Taille und die Sarah Tttltle ihrett Arm atts feine Schulter oder tun seinen Nacken gelegt hielt itnb beide in dieser sündigen Stellung wohl eine halbe Stunde lang verhärten, in welcher Zeit' er sie küßte und sie ihn küßte und sie sich gegenseitig küßten, wie das die Zeugen kundgetan." Pessimisten freilich behaupten, daß schon früher, später itnb überall das Küssen bisweilen auch folgenschwere Schattenseiten gezeigt habe, seit den Tagen, da der erste Ton Juan unter den Höhlenbetvohnern die Gattin oder Tochter seines Nach- barn küßte und sich dafür seinen Schädel einschlagen ließ Selbst ein Kronprinz von England hat einst erfahren müssen, daß es mißlich fein kamt, „nicht weise, doch zu gut" zu küssen. Tas war der Herzog von Clarence, der spätere Wilhelm IV., der auf seiner Reise durch Kanada der hübschen jungen Frau eines Barbiers, der ihn rasiert hatte, einen Kuß stahl. „Da, so," so sagte der Prinz ein wenig selbstbewußt, „erzähle deinen Schwestern, daß der Sohn des Königs von England der Frau eines Bankee- Barbiers einen königlichen Kuß gegeben." Doch kaum war das Wort seinem Munde entflohen, so hatte der wütende Barbier, der anscheinend ent guter Sportsmann war, den hohen Gast mit einem mächtigen Fußtritt auf die Straße befördert, welche Prozedur er mit der Bemerkung begleitete : „Da, so, nun erzähle deinen Landsleuten, daß ein Vankce-Barbier dem Sohne des Königs von England einen königlichen Tritt gegeben hat." In tutseren Tagen milderer Sitte enden die Kußränber auf der Anklagebank: und die Richter sind streng, trotz des heroischen Bekenntnisses eines Angeklagten, der kürzlich in einem Londoner Gerichtssaale nach seiner
Verurteilung mit dem Stolze eines Galiläi rief: „Meine Herren, verurteilen können Sie mich, aber den Kuß ausrotten, das können Sie nicht!", Er kam besser davon als der irsiche Bauer, der in einem Gemüseladen ohne Umschweife die hübsche Ladenbesitzerin umarmte und küßte: der Gerichtshof von Dublin verurteilte den allzu Galanten ohne Gnade zu 2400 Mark Strafe. Derartige Urteile, wenn auch vielleicht nicht in solcher Strenge, sind in Amerika an der Tagesordnung; man braucht nur die Listen der jüngsten amerikanischen Gerichtsurteile durchzublättern, sie führen eine beredte Sprache: Hartman Van Piper 10 Dollar, weil er Frau Marie Lehmann küßte; Marshall Me Daniels 27 Dollar, weil er Frau Viola Dias küßte. Und unter zahllosen ähnlichen Urteilen finden wir auch die Geschichte des armen George Butler, der einen gestohlenen Kuß mit 30 Tagen Haft recht bitter büßen mußte.
— Der „I u n g g e s e 55 en a b s chi e d" d er Br a u t. Aus Neiv Bork ioirb berichtet: Die jungen Amerikanerinnen, die auf der Schwelle von ihrer Mädchenzeit zum Eheleben stehen, wollen künftig die Jnnggesellen, die vor ihrer Hochzeit ihren unverheirateten Freunden ein Mschiedsessen zu geben Pflegen, nicht mehr zu beneiden brauchen. Eine junge Brant aus der besten New Norker Gesellschaft hat jetzt den Anfang gemacht und feierlich ihre Freundinnen vor ihrer Eheschließung zu einein Abschiebsessen geladen, zu einem Jungfern- oder eigentlich zu einem Junggesellenessen, denn sowohl die junge Gastgeberin wie alle ihre Gäste erschienen zu diesem Mschiedsessen in Männerkleidern, die sich die jungen Damen von ihren Brüdern geliehen haben mochten. Es war ein seltsamer Anblick, als tnan zur beftintmten Stunde den vorfahrcnden Wagen merkwürdig graziöse und zierliche junge Herren entsteigen sah, deren rosiger mädchenhafter Teint nicht recht zu den Mänteln und Zylindern zu Passen schien. Aber im übrigen unterschied sich die Gesellschaft dieser 20 jungen Damen in Frack und iveißer Binde dprch nichts von einem echten Junggesellenessen, durch nichts, — mir durch den Umstand, das kein Herr der Schöpfung an der Feier teilnehmen durfte.
* Das Interesse des Fachmanns. Maud: „Der Herr da sieht dir aber tief in die Augen." Marnie: „Ja, und das hat mir so lange geschmeichelt, bis ich hörte, daß er Augenheilkunde studiert. 'Dieselbe Enttäuschung erlebte ich bei einem Herrn, der sich die größte Mühe gab, mich zum.Lachen zu bringen. Er war Zahnarzt."
viichrrtisch.
— Heft 3 der Münchener Wochenschrift „Zeit iM Bild" bringt dem kunstlicbenden Publikum eine kritische Betrachtung über das künstlerische Wirken des großen Schweizer Malers Albert Welti aus der Feder von Professor Albert Geßler, geschmückt mit den hervorragenden Reproduktionen der bedeutendsten Gemälde des Böcklinschülers. Der „Bedeutung des Architekten im modernen Kulturleben" ivird Georg Steinlein gerecht. Die Verführungskünste eines „Don Inans", denen schließlich selbst eine Herzogin nicht widerste'tzt, schildert in elegantem Dialog Franz Evers. Manfred Berger bespricht in einem Aufsatz über „Berliner Theater" die Erstaufführung der „Fiorenza" von Thomas Mann in den Kammerspielen und des letzten Sudermannschen Dramas „Der gute Ruf", das am Deutschen Schauspielhaus kürzlich einen äußeren Erfolg erlebt Hat. Durch Wort und Bild veranschaulicht 'Dr. I. Spier allen Freunden des Sports die Kunst und Technik des Eishokeys. „Karneval einst und jetzt" von Eva Gräfin von Baudifsin, „Grenzbetrachtung" von Dr. Alfons Goldschmidt, Hierzu eine hervorragende Zeichnung von Th. Weidenschlager, die Geheimrat Wilhelm Herz barstellt, „Die türkische Feldherrnkunst im Balkankriege" von Richard Äaedke, ferner interessante Ausführungen über die Pariser Eiuöma von Leo G. Lery vervollständigen die reichhaltige Nummer.
Skat-Aufgabe.
Mittelhand sagt Grand an im Besitz folgender Karlen:
Ist es möglich, das Spiel zu verlieren, wenn die Wenzel verteilt sitzen? — Wie müßte alsdann gespielt werden?
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Nichts ist höher zu schätzen, als der Wert des Tages.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießem


