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Und allmählich kam es Wer M'etä wie ein großes Erwachen. Sie staunte, wieviel Empfänglichkeit in ihr war. Sie freute sich, daß sie endlich wieder einmal plaudern konnte lute in alten, lang vergangenen Zeiten, Harm- los, anregend, fröhlich.
Ihr, der Einsamen, tat die zarte ritterliche Huldigung, welche man ihr entgegenbrachte, plötzlich wohl.
Mehr und mehr ward sie sich ihrer Jugend bewußt. Mehr und mehr wich der Druck, der sie so lange im Bann gehalten hatte, und ihre Seele totirbe weit und frei.
Sv wurde der Heilige Abend zu einem der schönsten, die sie je verlebte.
Als sie spät abends ihr Lager aufsuchte, fuhr es ihr wohl durch beit Sinn, daß es eine -eigentümliche Situation war, in welcher sie sich hier befand als Mittelpunkt einer zum größten Teil aus Männern bestehenden Gesellschaft.
Aber sie tröstete sich leicht darüber hinweg. Sie hatte ja niemand gerufen und fort konnte sie doch nun einmal nicht.
Sie drehte die -elektrische Lampe ab neben ihrem Bett und lag lauge wach, mit offenen Augen in die Dunkelheit starrend.
Morgen würde sie Montelli fragen, fie wußte es bestimmt.
Was sollte sie ihm antworten?
Das Leben lag vor ihr, -ein langer, länger, einsamer Weg. Sein Ziel — der Tod, von keinem liebenden Händedruck gemildert, von niemand betrauert. . .
Ihr schauderte. Nein, nein — sie hatte es kennen gelernt, was einsam leben hieß — jetzt und früher. Nur ganz große Frauenseelen konnten es ertragen. Sie nicht.
Sie wollte „Ja" sagen, um eine Seele neben sich zu haben, um -endlich zu wissen, wohin sie gehörte.
Aber ohne Liebe? Denn, sie liebte ja Montelli nicht . . sie liebte -einen anderen, der ihrer längst nicht mehr gedachte . . .
Münsters -ernstes Antlitz tauchte vor ihr auf. Das kleine Häuschen mit den grünen Läden nnd dem Wald dahinter. Eine stille, friedliche Gemeinschaft, in der alles Licht und Segen war. . .
Nein, fie wollte „Nein" sagen, sie mußte „Nein" sagen. Sie konnte nicht -eines Mannes Weib werden, mit dem -Bilde eines anderen im Herzen. Natürlich mußte sie „Nein" sagen. . .
Und dann? Wieder schauderte ihr. Zwischen ihr und Münster war ja nichts! Es war -ein. Traum gewesen, den nie Morste zum Leben -gerufen hatten.
Draußen wurde der Sturm sanfter. Das Donnern der Brandung verklang allmählich, ging über in sanftes Rauschen, das seltsam -einschläfernd wirkte. Durch das Fenster, welches sich in »ratter Helle von der Finsternis abhob, sah man ein weites Stück Himmel.
Die düsteren Wolken, welche tagelang schwer auf ihm gelagert hatten, lösten sich in zarte Nebelschleier- die gespenstig durcheinander huschten. Ein blasser Stern wurde sichtbar. Ein einziger. Wie -ein Auge blickte er untrer» verwandt auf Meta nieder und sie konnte den Blick nicht von ihm wenden.
Ob -es ihr Stern war? Heller würde sein Schimmer. Funkelnder, -als wollte er ihr -ein Zeichen geben. . . ihr Mut einflößen.
Als Meta am anderen Morgen ziemlich spät erwachte, stand die Sonne am Himmel und der Himmel w-ar wolkenlos. Friedlich plätscherte das Meer, als wisse es nichts von Sturm und Brandung.
Und Nachmittags, während sie auf Montellis Bitten mit ihm einen Spaziergang nach Bal cateua zu den römischen Ruinen machte, bat -er sie wirklich um ihre Hand.
Sie ging lange schweigend neben ihm her, ohne Antwort. Dann, ander kleinen stillen Bucht mit dem Neptuns- tempel, bli-eb sie stehen und sagte: „Nein, ich kann die Ihre nicht werden; denn ich trage das Bild eines anderen in mir."
Unvermittelt und schroff kam -es über Melas Lippen, als wolle sie jede weitere Diskussion damit niederschlagen.
-Wer auch Montelli war stehen -geblieben', und während ein bitteres Lächeln seinen Mund umspielte und er einen Schatten blässer würde, sagte er ruhig:
„Ich weiß -es, Met«. Und ich- hätte nicht gesprochen, wenn jener aider-e — frei wäre. Aber Münster ist seit
einem halben Jähre mit der Witwe des Grafen Pieutak verlobt."
Ihre Augen öffneten sich -weit und ein Zittern lief durch ihre Gestalt, aber sie brachte kein Wort heraus.
Sanft zog Montelli ihren Arm in den seinen und führte sie weiter.
„Sie wußten -es nicht?" fragte er leise.
Nun schüttelte sie den Kopf.
„Ja, es kam vielen überraschend. Sie war seine Jügeudlieb-e... vielleicht war es das. Oder... genug, er verlobte sich mit Radino v. Hientak. Ihr Mann verum glückte auf der Jagd, kurz -ehe ich meinen Abschied nahm. Ich wußte -es damals noch nicht. Gegenwärtig ist die Gräfin wieder in Wien. Im Frühjahr soll die Hochzeit sein. Und nun. Meta — ich will Sie nicht drängen..., Sie wissen, daß ich Sie liebe vom ersten Tag, an welchem- ich Sie sah. Ich habe lange gewartet nnd werde weiter warten, solange Sie -es selbst wünschen. Nur die Hoffnung lassen Sie mich mitnehmen von hier, daß Ihr „Nein" nicht das letzte Wort ist!"
In Metas Seele tobte -ein verzweifelter Kampf. Das also war es! Darum hatte -er so beharrlich geschwiegen. Weil die anders die Jugendliebe — ihr Bild in. ihm ausgelöscht hatte! Während sie sich in Sehnsucht verzehrte, war er glücklich! Sie hätte schreien mögen vor Schmerz nnd lachen in bitterem Hohn. So töricht, so kindisch war sie gewesen. Wirklich?
Dann schüttelte sie ein wilder Trotz. Wie erbärmlich die Männer waren, alle, alle, o, wie erbärmlich! Warum, wenn er die andere noch liebte, hatte er ihr die Seele vergiftet, damals im Stein-achtal!
Und plötzlich sagte sie mit -gänzlich veränderter, fremder Stimme zu Montelli: „Wozu warten.? Wenn Sie's wagen wollen mit mir, ohne Liebe, wie ich bin... ich- bin bereit!"
So Verlobten sie sich. Er sprach sehr viel und eifrig in sie Hinein von feiner Lieb-e und der Zukunft — Meta hörte schweigend zu.
9hir einmal, als sie schon in die Nähe des Hotels kamen, unterbrach sie ihn, halb -erschrocken, daß es ihr jetzt erst -einfiel:
„Eines muß ich Ihnen noch sagen: wenn Sie mich für -eine reiche Frau halten ... mein verstorbener Mann hat sein Vermögen völlig auf das Kind übertragen. Auch wenn... wenn Konradchen nicht am Leben bliebe, hätte ich nur ein Jahreseinkommen von sechstausend Gulden."
Ein Schatten glitt über Montellis Gesicht. Das hatte er allerdings nicht geahnt!... Aber er faßte sich rasch, drückte ihren Arm fester an sich und sagte ruhig:
„Ich liebe dich, Meta. Das Geld spielt dabei keinerlei Rolle."
Sie hatte seine Enttäuschung nicht bemerkt und die Worte taten ihr wohl.
Und überhaupt — trostloser als jetzt konnte das Leben doch nicht mehr werden.
(Fortsetzung folgt.)
Was Mutter vack dem Kaifer schenkte...
Skizze zum 27. Januar von Käte Lubowski.
lieber das Runzelgesicht der ältesten Einwohnerin dieses kleinen Armenlstinsleius schlich ein Lächeln, als die lose Tür aufdringlich in den Angeln schrie und die beiden stolzen, strammen Gestalten zu ihr über die Schwelle traten.
Langsam stand fie auf, legte das alte Bibelbuch, in dem- fie Heute zu ihres Kaisers Geburtstag einen Psalm gelesen, hin und ging den Besuchern entgegen. Dabei zwinkerten ihre immer noch Hellen, fröhlichen Augen, als habe ein lustiger Somm-erwind eine Handvoll wirbelnden Staub hineingetragen.
„Schön willkommen, Karl. -Guten Tag, Willent. Seid ihr da? Haben sie euch denn Heut an Kaisers Geburtstag freigegeben? Aber freilich, wenn die Schwester Heiratet, geht das' ja wohl nicht anders. Setzt euch ein bißchen nieder."
Mer dazu Hatten sie heute keine Zeit.
„Wir wollten bloß mal sehen, wie es dir geht, -Mütter Back," sagten sie zu der Alten, die einst in dem stattlichen Schulzenhof ihre ersten Schritte behütet hatte und- ihnen mehr als die treue Magd gewesen. „Sonst Haben wirs eilig. Ist das ein Gerenne vom Hof zum Gasthof! Bei uns wird gegeffen, aber im roten Krug ist nachher der Ball. Ta muß eine Menge rübergeschafst werden. Wir helfen feste mit."
„Freilich, freilich," nickte die Alte. „Ihr habt ja für zwei Kräfte. Gelt, tut mal erzählen, wird's Krieg geben mit den Herrn Türken?"


