Samstag, den 25. Januar
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Bon Frühling ?u Frühling.
Roman von Erich Eb enstein,
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Herr von Montelli! Sie?"
Es klang etwas wie Enttäuschung hinein in die Wieder- sehensfrende.
„Ja, wie kommen Sie denn nach Brioni?"
„Per Torpedo. Es ist dit Glück, wenn man hier und da zu rechter Zeit auf -einen Freund stößt. Diesmal hatte ich dies Glück! Aber ich -glaube, ich wäre lieber durch dieses verdammte Meer geschwommen, als heute nicht ge- koinmcn. Haben Sie meinen Brief aus Triest erhalten?"
„Wir sind seit vier Tagen ohne Post. Ueberhaupt von der Welt abgeschnitten."
„O!" Eine ärgerliche Falte bildete sich auf seiner Stirn. „Dann wissen Sie auch nicht, weshalb ich Fant; und ich muß nun mündlich von Anfang beginnen."
Er brach ab, ohne indes den Blick von ihr zu wenden. Meta^wurde plötzlich rot bis unter die Haarwurzeln.
Sie brauchte nur zu lesen, was ihr ans seinen schwarzen Augen entgegenleuchtete, nm zu wissen, was Montelli hergetrieben hatte. Sie erschrak. Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen.
Seine teilnehmende Freundschaft — die häufigen Briefe r— das Interesse für Konradchen.
Und heute war der erste Jahrestag ihrer Witwenschaft.
All das fuhr ihr blitzartig durch den Kopf.
Dann sagte sie etwas ungeschickt: „Wie wird sich Fräulein Olga freuen... lind Konradchen —"
„Und Sie, Frau Meta?"
Noch tiefer tauchte sein Blick in den ihren.
„Auch ... selbstverständlich. Aber Sie haben es recht ungünstig getroffen auf Brioni! Der Kurort ist erst im Werdeit — man hat nicht genügende Verbindungen und so setzt ilns so ein andauerndes Unwetter schon in Proviantverlegenheit. Ich fürchte, Sie werden nicht sehr zufrieden sein."
Meta hatte hastig gesprochen. Montelli lächelte.
„O, als ehemaliger Soldat bin ich an alles gewöhnt. Wir wollen eine Boivle brauen und Weihnacht feiern, wenn Sie niich nur nicht fortschicken, dann ist alles gut!"
„Ich will Olga rufen," murmelte Meta unsicher unter seinem forschenden Blick, „und das Kirid. Sie werden staunen, wie es sich entwickelt hat! Seit acht Tagen kann es schon allein aufrecht stehen."
Währerrd sie langsam an Montellis Seite dem Ausgang zuschritt, folgten ihr die bewundernden Blicke von sechs Augeirpaaren. Die Offiziere hatten es sich an einem Eck- tisch bequem gemacht und machten Herrn Remus mit ihren Wünschen bekannt.
„Sapristi," murmelte Hauptmamt Dunker. „Welche Schönheit! Run begreife ich freilich, darum Montelli durchaus mit nach Brioni wollte, nachdem -er uns den Gedanken, Weihnacht hier zu feiern, förmlich suggeriert hatte!"
„Ich hoffe nur, -er macht lins mit der Dame bekannt!" setzte Oberleutnant Salzer hinzu, „und behält sie nicht für sich -allein!"
_ Mit einem wahren Sturm von Fragen wurde Montelli bestürmt, als -er eine halbe Stunde später den. Saal allein wieder betrat.
Er hüllte sich in geheimnisvolle Andeutungen, nannte bloß Metas Namen und ließ durchblicken, daß sein Besuch bei ihr einen bestimmten Zweck habe, über den zu sprechen vorläufig verfrüht wäre.
Die Herren verstanden und fragten nicht weiter.
Seit langer Zeit machte Meta wieder einmal sorgfältig Toilette zum Diner. Sie tat es halb unbewußt, ohne sich weiter Rechenschaft darüber zu geben.
Olga Ländeke, die sich ebenfalls herausvußte, berichtete -ganz aufgeregt, wie unten alles drunter und drüber ginge, tote fröhlich die Offiziere seien und tote hübsch der heilige Slbeud durch ihr Kommen nun verkaufen werde. „Es wav doch über die Maßen trübselig in der letzten Zeit hier!" setzte sie hinzu.
Meta erwiderte nichts. Anfangs war ein flüchtiges Bedauern in ihr aufgestiegen, daß die friedliche Idylle nun unerwartet ein Ende gefunden habe. Aber allmählich schlug ihre Stimmung ins Gegenteil um.
Ihr -ganzes Leben in der letzten Zeit kam ihr plötzlich unnatürlich vor. War sie nicht jung? Hatte sie nicht Rechte an das Leben und dieses an sie? Olga hatte wirklich recht — trübselig war es gewesen .' . . einschläfernd, dieses völlig abgeschiedene Leben .hier. . . .
Beim Diner machte Montelli die beiden Damen mit den Offizieren bekannt. Eine lebhafte Unterhaltung entspann sich. Die Herren waren entzückt über den Geist der schönen Frau, welche trotz der langen Abgeschiedenheit in Brioni ein Hauch der -großeit Welt" umwehte.
Sie, die Tag für Tag die Klcinstädterei Polas vor Augen hatten, empfanden es tote eine köstliche Erfrischung, hier so unerwartet eine selbständige Individualität mit eigenen Ideen zu fittden.
Dazu eine Frau von bezaubernder Schönheit, eine Frau, die durch und -durch Dame war, deren Wesen pon jener Sicherheit beherrscht wurde, wie nur langjähriger Umgang in den besten Kreisen sie verleiht.
Dasselbe Gefühl, nur in verstärktem Maße, beherrschte Meta. Monatelang hatte ft-e entweder schweigend für sich gelebt in einer Art Tranmzustand oder sich mit alltäglichen Unterhaltungen begnügt.
Nun wurde auf einmal von Dingen gesprochen, tut die sie lauge nicht gedacht hatte. Kunst, Politik, moderne Probleme, Reisen, Schilderungen fremder Länder . . .


