Ausgabe 
24.11.1913
 
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zur recht häufigen praktischen Anwendung dieses letzteren klugen Vorbehalts zu finden, wird wohl den altruistischen Herren vom Rat nicht allzu schwer gewesen sein!

Die vorgeschilderten Zustände mögen eben auch die Ur­sache sein, daß das von Luther begonnene Werk der Refor­mation bei der niederen Mldungs- und Sittlichkeitsstufe fast aller Bevölkerungsklassen des Mittelalters, denen das rich­tige Verständnis für die Odeen und Lehren des großen Reformators fehlte, nur langsame Fortschritte machen konnte. O. Juvenrs.

Die Grundlagen der MefothormmMrkung und der Ersatz des Mchchlrmmr durch Radium.

Die aktuelle Frage der Wirkung der Mesolhorinmstrablung und anderer radioaktiver Substanzen bat in der lebten Zeit, so fuhrt Tr. Christoph Müller, Inuuenstadt, in einer vorläufigen MUicillmg in der neuesten Nummer derMünchcner Medizinischen Ä^ochen- schriit' ans, die Wissenschaft und die Ailgeineinheit nt grobe ter- regung gebracht. Aus der einen Seite noch nie dageivesene Erfolge, publiziert von Autoritäten, deren kritisches Urteil nicht anznzwcneln ist, aus der anderen Seite Skeptiker, die die trüben Enttäuschungen, die s. Zt. die Tuberkulinbegeisterttng wachries, als warnendes Bei- spiel der großen Hoffnrnigsfreudigkeit gegenübersetzte». Wer^htn- gegen die Röntgentherapie, so führt der Verfasser aus, nrit Lach- verständnis und Ausdauer durchge'ührt hat inib viele Jahre hin­durch an einer grossen Anzahl von Fällen die Wirkung der Rontgen- strahlen kennen gelernt hat, beit werden die mit Mesothorium er­zielten Erfolge nicht weiter in Erstaunen sehen.

Nach den Darlegungen Tr. Müllers sind nickt die Gamma­strahlen, sondern die beim Turchtreten durch die Metalikapsel er­zeugten Sekundärstrahlen (Betastrahlen) das Wirksame bet der Mesothorimnstrahlung. Diese Sekundärstrahluna entsteht aber auch, wenn harte Röntgenstrahlen ein Metalls lier von hohem Atomgewicht passieren. Läßt man also harte, stark abstlirierte Röntgenstrahlen auf ein derartiges, nm Crle der gewollten Wirkung angebrachtes Metallsitter mitten, so wird dort dieselbe Sekundar- strahlnng wie bei Anbringung einer Aiesothoriumkapsel entstehen. Damit ist der Weg klipp tn> klar vorgezeichnet, so führt der Ver­fasser nach seinen umfangreichen wissenschaftlichen Feststellungen hierüber aus, der beschritten werden muss, mit die Strahlenwirkung der radioaktiven Substanzen b.'5 Mesothoriums durch die billigere, genau dosierbare und in all ihren Eigenschaften besser erkannte Strahlung der Röntgenröhre zu ersetzen. Cs handele sich lediglich darum, mit der heute schon zur Verfügung stehenden Rontgcn- apparatur, die sicher in dem Sinne noch verbesserungsfähig ist, eine möglichst harte, stark abfiltrierte Strahlung zu erzeugen. An die Stelle der gewollten Wirkung ivird als Ersatz der Mesothoriunt- filterkapsel ein Metallfilter mit genau bestimmbarem Atomgewicht und genau bestimmbarer Dicke angebracht. Ans diese Art und Weise liegt in unserem therapeutischen Können, ivirksame sekundäre Beta-Strahlung im Erkrankungsgebiete zur Absorption zu bringen. Tie damit erzielten Effekte würden bestätigen, wie ihm auch heute schon eine Anzahl von Erfolgen zur Verfügung stehe, die er mit Ausnützung der sekundären Beta-Strahlen in diesem Sinne erreicht hat und die den bekannt getvordenen Erfolgen mit Mesothorinm- behandlung in keiner Weise nachständen Wir werden tucitcre Untersuchungen in dieser ohne Ziveifel bedeutungsvollen Frage ab­warten müssen. Vermutet hat man diese Feststellungen in der medizinischen Fachpresse schon lange, und darum hat bet Magistrat der Stadt München beschlossen, die für den Ankauf der radioaktiven Heilmittel bewilligten 75 000 Mark nicht zur allgemeinen "21 u- wendung in den städtischen Krankenhäusern zu bringen, sondern sie zunächst Professor Rieder zur weiteren Prüsung ihrer Wirk­samkeit zu übergeben. Wie erinnerlich, haben auch wir wieder­holt vor einer zu großen Begeisterung gewarnt und zur Vorsicht gemahnt. _________

Vermißtes.

' Ein Trost für die älteren Herren. Vor kurzem behauptete ein amerikanischer Gelehrter, daß die Arbeitskraft des Mannes mit dem 40. Lebensjahr ihren Höhepunkt erreicht hätte, ja er ging noch weiter und meinte, daß die Welt von einem Manne, der mehr als 40 Jahre zählt, nichts Großes und Wert­volles mehr erhoffen dürfe, so daß es am klügsten für alle Herren wäre, sich mit 40 Jahren zur Ruhe zu setzen. Zum Trosts für die älteren Herren, über die der Amerikaner so summarisch den Stab brechen möchte, veröffentlicht eine sranzöstsche Zeitung das Ergeb­nis einer originellen Statistik, die festzustellen versucht, in welchem Lebensalter der Mann im Besitze seiner höchsten geistigen L e i st u n g s k r a f t ist. Die Betracktung der Geschichte und der großen Männer der Vergangenheit führt, so behauptet jenes Blatt, zu dem Ergebnis, daß die meisten Menschen ihre größten Taten und Leistungen in der Zeit zwischen ihrem 40. und ihrem 5 6. Lebensjahre vollbringen. Tie Chemiker und Physiker haben ihre schönsten Entdeckungen durchschnittlich im Alter von

40 Jahren gemacht, die Dichter bringen ihr größtes Meisterwerk mit 44 Jahren hervor, dock gilt dies nur für die Lyriker und Dramatiker, der Romandichter braucht 2 Jahre mehr, um völlig auszureifen und schreibt sein bestes Werk im Alter von 46 Jahren. Wenn man ein großer Feldherr werden will, muß man zunächst 47 Jahre gelebt haben, der Musiker schreibt seine besten Ton- dicht migen im Alter von 48 Jahren, und vor Vollendung des 4s. Lebensjahres erreicht gewöhnlich kein Schauspieler die höchste Reiie seiner Kunst. Hat man sich das Ziel gesetzt, als Philosoph oder Moralist die Mitwelt zu bceinflussen, so muß man 51 Jahre an! dieser Erde leben, ehe man seine größte Tat vollbringt Ja, der < r i teile Statistiker will sogar fengestellt haben, daß ein Arzt erst int Alter von 52 Jahren zum Meister seiner Kunst wird. 9)iait hüte sich ferner, seine Stimme für einen Politiker abzugeben, dec noch nicht seine 53 Lenze zählt, und was die großen Humoristen anbelangt, so behau, tet die Statistik, daß ihr Humor erst nach Vollendung des 50. Lebensjahres im reinsten Glanze erstrahlt, woraus sich ergibt, daß man die Kunst, feine Mitmenschen zu unterhalten, am spätesten erlernt.

Viichertisch.

Arndts Werke. Auswahl in zwölf Teilen, in 4 Bän­den herausgegeben, mit Einleitungen und Anmerkungen ver­sehen !von August Äesfson und Wilhelm Steffens. Deutsches Verlagshaus Kong & Ev. Der ManU, den wir Ijeitte als einen der deutschesten verehren und feiern, ist als schwedisches Untertan zur Welt gekommen und hat lange Zeit mit seiner! Umgebung eine deutschfeindliche Gesinnung gehegt. Erst ganz allmählich, nach mancherlei Erfahrungen, wandte sich seine Hoff­nung und sein Vertrauen auf Deutschland, als auf den Retter aus der Rot der Zeit. Und noch länger währte es, ehe er sich innerlich und bann auch äußerlich Preußen auschloß. Und noch Hine zweite Seltfamkeit birgt dieses Lebensschicksal: Der pa­triotischste (unter den Patrioten Mrde bald nach den Freiheits­kriegen revolutionärer Umtriebe verdächtigt und seiner Tätig­keit als Lehrer der akademischen Jugend entsetzt. Wer er er­lebte auch '.roch feine glänzende Rechtfertigung und Wiederciir- setzung. t~~ Die vortreffliche Ausgabe der Goldenen Klassiker- Bibliothek bsttet nun in vier Bänden die Früchte seines ge­segneten Lebens vereinigt: feine Gedichte, und zwar neben den allbekannten patriotischen wieDer .Gott, der Eisen wachsen liest" Mch solche persönlichen und idyllischen Inhalts; die po­litischen ßchriften, allen voran das köstliche DokumentGeist der Zeit"; dazu die Märchen und Kindergeschichten und die wundervollen Darstellungen aus dem eigenen Leben. All dies ist von den Hevausgeberu durch Einleitungen und Anmerkungen aufschlußreich kommentiert worden, währetrd das Leben selbst im Zusammenhang lvon Wilhelm Steffens fesselrrd imb belehrend dargestellt wird. Beilagen in Kunstdruck und Tertbilder ergänzen den Inhalt in willkommener Weise; die bekannten Vorzüge der Goldenen Klassiker-Bibliothek: großer Druck, holzfreies Papier, geschmackvolle Einbände sind auch hier wieder zu loben.

Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung. Un­ter den schönen billigen Ausgaben alter und neuer Schriftstellerz die auch für den bescheidensten Geldbeutel erschwinglich sind, ver­dienen besonders die Veröffentlichungen der Deutschen Dichter- Gedächtnis-Stiftung .Erwähnung. In diesem Jahre sind wieder einige Werke bedeutender lebender Schriftsteller in derHaus- bücherei" erschienen:Bauernland" von Mfred Euggen- b e r g e r, dem Schweizer Dichterbauern, eine Sammlung der schönsten Novellen mit Zeichnungen von Rudolf Münger (1 Mk.) Ferner ein Band von .Müller-GuttenbrunnDeutscher Kampf" (300 Seiten für 2 Mk. in Leder 4 Mk.), der die Röte und Kämpfe deutscher Stammesbrüder in Ungarn schildert. End­lich der 7. Band derDeutschen Hnmoristen", der fröhlich« Erzählungen von bekannten leb nden Dichtern wie Enking, Thoma,- Grcinz enthält und mit lustigen Zeichnungen von Bexwald ge­schmückt ist (1 Mk.). Von älteren Werken erschien eine illu­strierte Volksausgabe von HebbelsNibelungen" (2 Mk.), und ein Volksbuch Vaterländischer Dichtung (50 Pfg.). - Empfohlen sei -auch in diesem Jahre das beliebteDeuts cha Weihnachtsbuch" (2 Mark, bisherige Auflage 30000 Exemplare. ______

Magischer Vuadrat.

In die Felder nebenstehenben Quadrat? sind die Buchstaben AAEEEEGGGGLNS8 8 8 derart einzutragen, daß die ivagerechteu u. senkrecht.Reiben gleichlautend folgendes bedeuten:

1. Landwirtschaftliches Gerät.

2. Ein Gefäß.

3. Schwimmvogel.

4. Teil eines Hanfes.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer r

E1 i f e, Liszt.

Redaktion: K. N e u r a t ü. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätr-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gieße»