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freudigen Schreckens empfunden hatte. Dieses bartlose Gesicht kannte er doch? Das war ja derselbe Schaft, hey einst den Karl Dechner, alias William Tell, drüben in Amerika in betrügerischem Spiele aufs unbarmherzigste ausgeplündert hatte! £), wie sehnsüchtig hatte Inst auf den Moment gewartet, wo er dem Schurken Ivieder begegnen und ihn zur Verantwortung ziehen würde für feine Schandtaten! Nun war der Augenblick gekommen: sollte er ihm eine Kugel durch den Kopf jagen? Den Revolver trug! er seit seinen amerikanischen Reisen immer bei sich. Er griff nach seiner Brusttasche, aber er stutzte und zog die Hand langsam zurück. Pfui! Du wirst doch keinen Meuchel-» mord verüben? Und selbst, wenn du, um den Triumph der! Rache zu genießen, dich selber schuldig machen wolltest/ darfst du vom Schauplatz «6treten und dich hinter Schloß und Riegel setzen lassen, jetzt, wo der Sohn jenes William Teil der Hilfe bedarf, wo du ihm die führende Hand zu bieten hast, danrit er sich selbst nicht vom Pfade der Pflicht verirre? Just durfte sich zu keinen übereilten Schrrthqn hinreißen lassen, er wollte aber andererseits auch den so glücklich Wiedergesundenen nicht mehr aus den Augen verlieren. Er folgte ihm und betrachtete unausgesetzt die Gestalt, die da vor ihm im Scheine der Gaslater^en wandelte. Wo waren die Zeiten hin, als er noch im fernen Westen mit dem Prestidigitateur und Kunstschützen Tell abenteuernd umhergezogen war und jubelnden Beifall und goldene Ernten eingeheimst hatte? Aber — wie war ihm doch? Wenn der Mann da vor ihm jener Brasilier wach der einst den Vater des Staatsanwalts ruiniert hatte, so mußte er ja noch die Spuren von Dells Revolverkugel Ian der rechten Hand tragen, denn er hatte bei jenem Streite in der Spielhölle zwei Finger seiner Rechten eingebüßh. Just beschloß, dem Falschspieler nicht mehr von der Ferse zu iveichen, bis es ihm gelungen sein würde, auch dessen rechte Hand zu sehen.
Die Gelegenheit Lot sich schneller, als Just zu hoffen gewagt hatte. Als Carvalho auf den Wagen der Pferdebahn gestiegen tvar, stieg Just hinter ihm her und stellte sich scheinbar unbefangen 'neben ihn. Er konnte bemerken, wie der Brasilianer mit der Linken seine Geldtasche zog und auch mit der Linken das Fahrgeld heraussuchte; an der Rechten, die das geöffnete Geldtäschchen hielt, fehlten, wie Just im Scheine der Wagenlaterne erkennen konnte, der Zeige- und der Mittelfinger. Das kleine Männchen hätte vor Genugtuung beinahe laut aufgeschrien: Kein Zweifel mehr, der grimmig Gehaßte und so lange vergeblich Gesuchte war gefunden!
Und eine andere unsichere Vermutung wurde für Just plötzlich ebenfalls zur Gewißheit: jener Schwindler, der einst den Goldschmied Lampert hatte prellen wollen, und dessen schlau, angelegten Betrug er, Just, noch glücklich hatte vereiteln können, war derselbe Mann hier neben ihm! Er hatte ihn dainals nur nicht gleich wiedererkanüt wegen des dunklen Schnurr- und Knebelbartes, den der Hoch-
_ ßaurrnblut.
»wman von Gerhart v. Amyntor (Dagobert v. Gerhardt).
(Nachdruck verboten.) •
(Fortsetzung.)
Aber schon in Charlottenburg stieg der Marquis wieder au.', händigte seinem sitzenbleibenden Diener schnell noch fernen Gep-ackschein eiir, flüsterte ihm heimlich noch etwas zu und verließ dann möglichst^unauffällig den Bahnhof, Um sich dem neuen StraßenzMe zuzuwenden, der sich längs des Bahndammes bis in die Gegend des Zoologischen Gartens hinzieht. Fritz fuhr inzwischen weiter nach Loudon.
, In der Hardenbergstraße trat Carvalho iir eine neu mngerichtete Barbierftube und ließ dort den Schnurr- und Knebelbart abnehmen -- er mußte, wie er dem Bartkünstler komisch seufzend mitteilte, dies Opfer bringen „ivegen einer Theatervorstellung", in der er mitzuwirken hätte. Gänzlich veränderten Aussehens begab er sich nach der Berliner Straße, sprang dort auf einen Pferdebahnwagen, ließ sich bis zum Brandenburger Tore mitfahren, wechselte dort den Wagen und fuhr nach dem Potsdamer Bahnhofe. Er trug noch die Reisemütze, die er in der Eisenbahn auf- gesetzt hatte, und sein Paletotkragen ivar gegen die kühle Luft des inzwischen ioeit vorgerückten Abends hoch aufgeschlagen.
Auf dem Potsdamer Bahnhof ließ er sich vom Pförtner ein dort für ihn lagerndes Köfferchen geben, ging mit demselben nach dem Bahnsteig, und als eben ein Fernzug augekommen >var, mischte er sich unter die demselben entstiegenen Reisenden. So verließ er den Bahnhof wieder, nahm eine Gepäckdroschke und fuhr nach einem Gasthofe ziveiten Ranges in der Nähe der „Linden".
Den Portier des Gasthauses fragte er sofort, ob Briefe für ihn angekommen wären, und nannte dabei seine volle Adresse Karl Ritter aus New Pork. Der Portier versprach, nachsehen zu wollen, meldete aber nach weniger Augenblicken schon, daß nichts für den „Herrn Ritter aus New Pork^ eingegangen märe. Nun erst begab sich Karl Ritter, der in seiner schlichten Reisekleidung, mit seinem bescheidenen Köfferchen und seinem bartlosen, etwas schüchternen Gesichte den Eindruck eines echten Philisters machte, nach dem ihm hoch inr dritten Stockwerke angewiesenen Zimmer.
Carvalho ahnte nicht, daß er beobachtet und sein Absteigequartier von jemand ermittelt worden war, an dessen Anwesenheit er in Berlin auch im Traum nicht gedacht hatte.
Friedrich Just nämlich, der auf der vergeblichen Suche nach Peter Dechner (den er durchaus heimlich .sprechen wollte und an dessen Abreise nach Hamburg er keineswegs glaubte) einer falschen Spur bis nach Charlottenburg gefolgt ivar, hatte zufällig aus dem Laden eines Barbiers' »inen Mann treten sehen, bei dessen Anblick er eine Art


