594
Und. .....
Freund Hier, Ihnen
I m dlugcn leuchteten auf und ungestüm hielt er dem Großen die Hand hin:
I „Bitte, ach bitte, helfen Sie mir, daß ich hier nicht zu Grunde gehe."
Der Große nahm die Hand und schüttelte sie kräftig. I Darauf fuhr der Kleinere fort:
„Mein Freund bleibt stumm, weil er nur wenige Brocken dcunch spricht. Aber er versteht uns. Mister Sherman ist Placeur, er hat immer einige Stellen in feine Häuser zu vergeben. Bei seinem guten Herzen bevorzugt er möglichst solche junge Leute, die in Not sind und nur noch wenig Mittel haben Soeben erzählte er mir, daß er für ein sehr feines I Boardinghouse einen tüchtigen, jungen deutschen Kellner zu I besorgen habe. Wollen Sie die Stellung? Haben Sie Ihre I Papiere bei sich?"
I . . Erich ^wurde bald blaß, bald rot. Fieberhaft wühlte er I feinen laschen und brachte endlich mit zitternden Hän- I den seine Papiere hervor:
„ "Ah, wenn Sie mir die Stellung geben wollten, ich Ware Ihnen ja so dankbar —"
m ^c'Ttc Stimme brach und Trauen traten ihm in die Augen.
, besprach sich der Kleine mit seinem Freund,
der dli^ Papiere durchsah und daun mit dem Kopfe nickte.
"Aszollen die stelle für achtzehn Shilling haben. Myter Sherman gibt sie Ihnen zu Liebe so billig ab,-ob- gleich jeder aridere mindestens zwei Pfund beanspruchen wurde. Aber er unterstützt gern arme Teufel. Also, wollen Lie die achtzehn Shillinge zahlen?"
„Gern, wenn ich die Stellung bestimmt bekomme."
„Die haben sie, sobald Sie das Geld zahlen. Mein Freund hat den festen Auftrag, eineu jungen Manu zu schicken. Wen er schickt, der ist engagiert, denn die Kunden meines Freundes haben ein unbegrenztes Vertrauen zu ihm." ~ . Der Größere nahm inzwischen einen Notizblock aus der Tasche, schrieb etwas darauf, riß den Zettel ab und hielt ihn Erich hm:
„Hier ist die Adresse des Boardinghouses uud die Mit- tcilung meines Freundes au Miß Humbler, feine Kundin, baß Sie der bestellte junge Kellner sind. Mehr ist nicht notig."
Freudig bewegt dankte Erich dem jovialen Herrn, zog dann sein Portemonnaie und reichte dein Großen fein letztes Geld. Dieser betrachtete es von allen Seiten uud steckte es dann mit einem leisen Murmeln ein.
Der Kleine erklärte Erich darauf noch den Weg, den er eiuzuschlageu habe, um zum Lt. Johns Road, an dem sein neuer Wirkungskreis liegen sollte, zu gelangen, uud danu entfernten sich die beibcit Männer. Erich blickte beit hastig Ausschreuendeu noch mit dankbaren Blicken nach, dann kehrte Os .um und suchte die angezeigte Straße. Es kostete ihn einige Muhe, sie zu finden, doch da fein guter Stern ihm wiederholt Deutsche in den Weg führte, die er befragen tonnte, fo langte er nach einigen Irrfahrten endlich am St. Johns Road in East Ham an.
(Fortsetzung folgt.)
Leben. In den stilleren Seiteustraß«? dieses Hotelviertels haben die vielen deutfchen Hotelaugestellten, die der Sprache und des vornehmeren englischen Services wegen die Metropole Great Britains aufsuchen, ihre Klubs. Dort wohnen die Stelleuvermittler, ohne welche die Hotelleiter nicht existieren zu können scheinen, denn seit Alters her ist es überall Brauch, das Personal fast nur durch derartige Vermittler zu engagieren. Die jungen stellenlosen Leute müssen tüchtig bezahlen, wenn sie eine Stellung suchen.
Eben trat aus dem Bureau eines solchen, übelbeleuuiun- deten Vermittlers ein junger Mann. Sein offenes, freundliches Gesicht mit den braunen, blitzenden Augen, die wie blank geputzt aussahen, war blaß, um den hübschen roten Mund schwebte ein trauriges Lächeln. Es war wieder nichts. Gestern hatte ihm der Vermittler ganz bestimmt eine Stellung versprochen, heute gab er sie einem Neuzugereisten, der noch frisch bei Kasse war und zwanzig Mark mehr als Erich Sanner bezahlen konnte.
Erich Sanner war mit dem letzten Rest seiner Ersparnisse nach London gereift, als er die französische Sprache genügend beherrschte. Er hoffte bald Stellung zu finden, doch leider sollte er sich bitter täuschen. Der Andrang von jungen Leuten — „Vaterländer" werden die frisch Dom Kontinent kommenden Kellner von ihren erfahreneren Kollegen genannt — war in dieser Jahreszeit^ immer sehr groß, die Stellen daher rar und teuer. Erich Sanner wurde von seinen glücklicheren Konkurrenten meistens überboten. Seit ziemiich'vier- zehn Tagen bummelte er schon, antichambrierte bei den Stel- lenvermittlern, und hockte in den deutschen Klubs, die viel- wch englischer in ihren Sitten und Gebräuchen sind, wie die Klubs der Engländer. Erich sand hier die Bestätigung des oft gehörten Spottes, daß der Deutsche, wenn er ins Ausland kommt, nichts so leicht und schnell sich aneignet wie j fremde Gewohnheiten. Am meisten wunderte sich Erich über j die engliich gewordenen Vornamen seiner Kollegen, denen | man doch den Deutschen schon ans zehn Schritte anfah.
Doch allmählich hinderten die immer näher herauschlei- chenden L-orgen den jungen Erich, solchen Betrachtungen nachzuhaugen. Lein ganzes Denken konzentrierte sich nur uoch darauf, bald Stellung zu finden, um auf der fremden Erde nicht zu verhungern.
Als Erich mit sichtbaren Zeichen einer beginuenden Ver- I zweisliing aus dem Hause des hartherzigen Stellenver- I Mittlers trat, den man in intimen Kreisen den „Seelenver- I faitfer" nannte, standen an der nahen Straßenecke zwei Männer tm eifrigen Gespräch.
Der eine war groß und hager, sein Gesicht war bleich, e£ hatte die schmutzige Farbe derer, die ausschweifend die Nacht zum Tage machen, ober die viele Zeit ihres Lebens hinter geschloffenen Mauern — Kerkermauern ----- verbrachen. Der Zweite war mittelgroß, ziemlich stark, fein nut- pes, freundliches Gesicht hatte einen jovialen Zug und mir m den halbverschleierten, hinter den Lidern fast verborgenen Augen lauerte ein falscher, böser Blick.
.. die beiden Erich Sanner erblickten, verstummten sie plötzlich und sahen sich an. Der Kleinere schnitt eine Gri- Ulasse, worauf der Große, lebhaft nickte. In diesem Moment IwltL Ln Gedanken versunken vorüber. Da fühlte er rn"blich eine Hand auf seiner Schulter, der kleinere der bei- I beit Manner redete ihn freundlich lächelnd au — in deutschen I Muten, die Erich wie ein Gruß aus der fernen Heimat aus
MN. Seme englischen Kenntnisse waren noch so mau- I gelbaft, daß er sich mit Engländern nicht verständigen konnte.
„Warum so traurig, lieber Landsmann?" fragte der Fremde. I
Ein verlegenes Lächeln huschte über das Gesicht des schlanken Jünglings, dann erwiderte er leise:
"Meine Mittel sind zu Ende und ich finde keine Stelle." I Ihrer Kunst?"mir ®ic ^on Sanz am Ende j
Der lateinische Körster.
Humoreske von Fritz S k o w r o n n e k.
~ J^n Beinamen hatte ihm der joviale Oberforstmeister von Dewall gegeben, der, selbst ein Original, die Eigenart anderer Menschen zu ichatzen wutzte, selbst wenn sie sich so drastisch äutzerte wie bei dem alten Graubart, dem Förster Grumbach, der nun Mon langer als cm Menschenalter ans der abgelegensten Försterei der Tuchler Heide säst.
Sein nächster Vorgesetzter, der Forstmeister Braun, hatte es manchmal schwer, mit ihm auszukömmen, denn Grumbach war nicht nur knorrig und zäh wie eine Eiche, sondern er stand auch ebenw unbeugsam seinen Vorgesetzten gegenüber, wenn er seine Anstchten, die er für die richtigen hielt, gegen sie verfocht. So hatte Grumbach sich geweigert, die neuen Pflanzeisen, die als Awas ganz Vorzügliches eingeführt waren, in Gebrauch zu nehmen
Es hatte erst einen „protokollierten Rüffel", dann eine Ordnungsstrafe gegeben, jedoch ohne Erfolg; der Graubart blieb seiner alten Methode treu, nut der er die besten Bestände der ganzen Heide erzogen hatte. 3
«U -^^Oberforstmeister der selbst die neuen Pflanzeisen kon- ^LbrzLatte, nahm die Sache nicht tragisch. Er fand auch die beste Lvfmig des Konflikts, indem er einen Forstaufseher nach d^Mbrn'h forderte, ber bte Kulturen nach der neuen Method« ausführen sollte.
„Ich habe nur noch achtzehn Shillinge."
"§0' w-Sw find Kellner, nicht wahr, junger Freund?" bor vierzehn Tagen aus der Schweiz ge- fannTe üi^L ffe?s0aix’ Ich hoffte Wohl einige Be- I^"Ahwr m finden, die tnt „Trocadero" und im „Royal" gearbeitet^ 646en, leider waren sje aber kurz vor tsteiner Amk Deutschland Mrückgekehrt."
!®r Eepl, ' erwiderte der kleiux Behäbige bebau- enn Sie tpollsn, kann ich, öder richtiger mein


