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Firnenrsulch.

Roman von Paul Grabern.

Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Wieder schnürte ihr eine geheime Angst das Herz ein und das vorwurfsvolle Gefühl, daß sie ihn dazu angetrieben v. wenn auch ohne jedes Bewußtsein. Mein Gott, tote tonnte er denn auch nur ihren Wunsch Keich so auffassen!

Abermals verfiel Goittiebe in ein Sinnen.So mancher Bursch, der seinem Mädel einen Buschen hat pflücken wol­len" tönten ihr plötzlich die Worte seiner Mutter irn Ohr. Ein Gedanke durchzuckte sie: Wäre es denn denkbar? Sollte der Toni wirklich? Der Gedecke quälte sie einige Augenblicke ernstlich!.

Solche Narrheit! Was bildete sich dieser Bursch denn ein? Unwillkürlich warf Gottliebe scharf den feinen Nacken zurück, und um ihre Lippen trat ein hochmütig abwehrender Zug. Wie konnte er ihre Freundlichkeit so falsch verstehen?

Dann aber lachte es plötzlich hell in ihr auf. Es wav ja Unsinn, sicherlich heller Unsinn! Daß sie überhaupt erst auf solchen albernen Gedanken kommen konnte! Gewiß, möglicherweise wahrscheinlich sogar! tont der Tom Edelweiß für sie pflücken. Aber mußte er denn darum absolut in sie verliebt sein? Sie war doch eme rechte Phantastin! Es war eben eilte ritterliche Huldigung von ihm, er wollte sich dankbar erweisen für ihre Freundliche keck, darum wollte er ihr diese Freude macyeii. Gewiß, so war es! Der gute Junge er war wirklich ein prächtiger, lieber Mensch.

Und in der wiedergewonnenen Sicherheit ihres Wesens konnte Gottliebe nun auch wieder ganz harmlos und freund­lich an den Toni denken. Sie sah nach den Bergen drüben hin die in wenigen hundert Metern Höhe im feuchten, dichten Nebelvorhang verschwanden. Hoffentlich war er nun schon wieder längst unten auf gebahnten, ungefährlichen Wegen und damit alle Sorge überflüssig!

Wieder ganz ruhig geworden, besann sich Gottliebe darauf, daß sie ja, einmal hier unten, gleich noch einen kleinen Einkauf im Dorf machen konnte. Sie bog also nach links zur Hauptstraße ab und ging nach dem kleinen Kram­laden hinüber. Sie hielt sich einige Zeit hier auf, um ein Nachlassen des Regens abzuwarten. So mochte wohl eine gute halbe Stunde vergangen sein, als sie dann auf ihrem Heimweg sich wieder dem Trafoi-Hotel näherte. -

Gottliebe wollte eben der Biegung der Straße folgen, wo durch die letzten Stämme des Waldzipfels schon die hellen Mauern des Hotels hindnrchschimmerten, da be­merkte sie plötzlich einen Mann nm Wege unter einem Baum stehen, der dort offenbar wartete. Nun drehte er das Gesicht zu ihr herum Toni!

Unwillkürleich war ihr das Wort in ihrem Erstaunen entfahren.. Ja, er war es wirklich, und langsam kam ex nun auf sie zu.

Mein Gott, wie kommen Sie denn hierher?" rkß sie ihm entgegen, schnell auf ihn Angehend.Ich denke N Ihre Mutter meinte, Sie wären hinauf zur Edelweißhutte.

Da bin ich auch schon g'west." Der Toni lüftete seinen Hut und streckte ihr die Rechte entgegen.Grüß Gott, Fräula und was heimg'bracht hab' ich Ihn a von den Bergen. Da, bitt' schön." Und nun sah sie einen Strauß schönster Edelweiß in seiner Hand.

Also doch!" Sie nahm den Strauß entgegen.O wie wundervoll! Tausend Dank!" Sie schüttelte ihstr kräftig die Hand.Aber wie kamen Sie bloß darauf, Sie leicht« sinniger Mensch, Sie? Eigentlich müßte ich Sie tüchtig ausschelten! Hören Sie? Wenn Ihnen was passtert wäre bei dem Wetter gerade!"

Der Toni sah sie froh lächelnd an.

O, mir passiert schon nix so leicht. Und ich hab schon anfpaßt, daß mir nix geschieht." .

Diese herrlichen Blumen! Die will ich mir aber auf­heben eine schöne Erinnerung an meine erste HvchtouV. Und wirklich droben von dem gefährlichen Hang, Toni?

Ja, ja, es ist schon nist gang leicht, sie zu krieg n, bestätigte er vergnügt.Aber sie hab'n halt doch hergepMßt.

Sie sind dock, ein Tollkopf, Toni!" schalt Gottliebe, aber doch geschmeichelt, daß er ihretwegen das Wenteuer bestanden hatte.Nochmals herzlichen Dank!" Und abermals drückte sie ihm warm seine Rechte.Daß Sie überhaupt noch an neulich gedacht haben! Ich hatte ja das gar nicht

tat' ich schon nimmer vergessen!" Es leuchtete so hell in Tonis Blick auf, 'wie er ihr jetzt voll ins Gesicht sah, daß sie einen Moment verlegen werden wollte. Me dummen Gedanken von vorhin tauchten mit einem Male

Mein Gott, wie naß Sie sind!" lenkte sie das Ge­spräch schnell ab und sah an seinem feuchtglanzendeii Anzug hinunter.Sie haben ja wohl keinen trockenen Faden am Leib! Und da stehen Sie noch hier und warten! Sie wollen sich wohl mit Gewalt erkälten? Nun aber schleunigst nach Haus, Toni!"

Erkälten?" lachte Toni.Das kenn ich halt nimmer. So ä bissel Regen verschlagt mi nix."

Nein, nein, nach Haus!" drängte Gottliebe^ aber nun energischIhre Mutter wartet schon auf Sie. Also, leben Sie wohl, Toni, und grüßen Sie mir Ihre Mutter schon. Und wegen unserer Partie kommen Sie nachher einmal herauf, hören Sie? Also auf Wiedersehen!" Und schnell wandte sie sich ab, nach dem Hotel zu.

Auch der 'Spängter ging nach seiner Seite; aber nach ein paar Schritten drehte er sich noch einmal um, und seine Blicke folgten ihrer schlanken, auf zierlichen Fußen eilig