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gefielen jnir. Sie legte ihre schmutzigen Karten teuf den miMte And btet mich mit der linken Hand ahznheben. IW schrack sie zusammen.
„Glauben Sie an Prophezetungeit, schone Dante?
Tisch, Plötz-
sragte
sie. »ängstlich. ,, „ _
Ich schwieg betreten. Rasch schob sie die Karten zusammen und wollte gehen. Uber nun hatte ich Mut geleckt.
„Unsinn!" lachte ich. „Natürlich glaub' ich nicht daran! Sag' mir nur ungeniert, was du in den Karten siehst!"
Die Zigeunerin mischte die Kartell nochmals und ließ mich wieder abheben. Und so dreimal hintereinander. Endlich sagte sie zaghaft. Spaß, nicht wahr? Aber hier steht. Sie werden durch Mord enden, schöne Dame!"
Damit entlief sie uns, und ich habe sie niemals tmeder gesehen. Das war vor vier Jahren."
„Und Sie leben noch?" ,.
„Warten Sie ein wenig! Voriges Jahr begleitete ich eure Meiner Freundinnen zu einer renommierten Karteuschlägerin. Sie war sehr pompös eingerichtet. Plötzlich fällt mir meine kleine Zigeunerin ein. Ich fordere die patentierte Pythia nuf, mit „die Zukunft zu entschleiern." Sie ist natürlich gleich bereit
„Ich sehe ein Landgut!" orakelt sie. „Zwei mächtige Baume -am Sube einer Allee — einen .brünetten jungen Mann —
Hier stockt die Ulte iind sieht mich erschreckt am
„Gehen Sie ja nicht durch eine solche Allee!" sagt sie.
„Sonst?"
„Sonst könnten Sie dort ermordet werden'!
Natürlich begriff ich sofort, daß die Karteuschlägerin als gewiß gesehen, was sie höflichertocste als bedingt hinstellte. Nun aber wußte weder meine Freundin, noch die Pythia um die vorhergegangene Warnung der Zigeunerin.
Diesmal war ich schon etwas beunruhigt und beschloß sofort, Mary und ihren Teesatz zu konsultieren.
Mary ist eine komische kleine Person. Sie spielt den Freigeist, lacht über „diese Dummheiten", die sie nur „spaßeshalber" betreibt. Aber ich glaube, sie ist nicht halb so skeptisch, als sie vorgibt. (
„Liebe Laura!" spöttelte .sie und breitete die zusamntcn- gerollten Blättchen aus. „Du wirst staunen! Da ist ein Landgut — dein ISigenhiin — eipe große Allee — zwei mächtige Bäume — du gehst mit einem Manne spazieren — großer Gott! Er ermordet dich!"
Mary sah mich erbleichen jihö setzte geschwind hinzu:
„Du wirst doch „diese Dummheiten" nicht ernst iiehiuen! Nebrigens kannst du .dem Unglück ganz seicht begegnen. Der Teesatz spricht ausdrücklich von deinem eigenen Landgut! Du darfst also niemals ein solches 'kaufen und mußt dich im Sommer darauf beschränken, zur Miete zu wohnen!"
Sehen Sie, das haben mir Mary, die Kartenschlägerin und die Zigeunerin, unabhängig voneinander, gewcissagt!"
*
Fran Moussac schwieg. Die Dunkelheit war hereingebrochen, kaum konnte ich mehr die Silhouette der jungen Frau erkennen.
„Nun?" fragte sie erwartungsvoll.
' Ich weiß nicht, toter es die Nacht, das merkwürdige Zusammentreffen dreier gleichlautender Prophezeiungen, oder der ehrliche Glaube des „Opfers" — ich fühlte meine Skepsis schwinden Md sagte tröstend:
„Da Sie ein eigenes Landgut gar nicht haben, gnädige Frau!"
„Das ist es ja gerade! Ich habe mich bestimmen lassen, dieses hier zu kaufen! Gerade dieses Landgut! Mit einer großen iMlee und zwei mächtigen Kastanienbäumen an bereit Ende!"
Ich schwieg betroffen. Die Frösche quakten melancholisch im nahen Weiher. Schon sah ich !Frau Moussac am Ende der Allee, tot, ermfcrbet, blutbefleckt liegen. Schon das Kainszeichen des Schicksals auf ihrer Stirne. Ich fröstelte, ein Schauer überlief meinen Rücken.
-/Ist Ihnen kalt?"
„Ein wenig, ja!"
„Wollen wir uns etwtes Bewegung Mächen?"
„Mit Vergnügen!"
Ich bot Frau Moussac den Arm. Unwillkürlich bermied ich die Allee und nahm den Weg um die Blumenrabatten herum, 3um Springbrunnen, der melancholisch plätscherte. >
'Aber Frau Moussac zog mich wieder zu der Allee hin. Nun widerstand ich nicht länger.
Ein fürchterlicher Gedanke, eine Art Suggestion, hatte sich Meiner bemächtigt. Es war, als ob mein eigener Wille den Körper verlassen und ein anderer, Mächtigerer, in ihn eingezogen! wäre.
Es luter Nacht, . finstere Nacht.
Weshalb auch spielte die Fran Mit den dunklen Mächten, weshalb folgte sie Schritt vor Schritt der schrecklichen Prophezeiung?
Oder wurde sic nur wieder ihren Willen, von einer stärkeren Hand dem Untergang entgegengetrieben?
„Zwei mächtige Mumie tont Ende der MleÄ — ein ei geltet Landgut — ein brünetter junger Mann —"
Das alles stimmte. Ich bin brünett, bin D an Haar, Bark/ lAugen und Teint so sehr, daß ich häusig für einen jungen Spanier gehalten werde. Ich toter allein mit der jungen Frau, allein in der Allee, die ihr verhängnisvoll werden sollte: ich, der brünette Mann, der ihr dreimal als ihr Mörder bezeichnet worden war!
Der Park lag im Dunkel. Bon weit her durch die nächtliche Stille drang ein müdes Stöhnen wie das Ausatmen eines Sterbenden. Jetzt waren wir auch bei den zwei mächtigen Bäumen ttngetaugt.
. Frau Moussac wendete sich' mir lebhaft zii. Ich sah ihren weißen Hals durch die Dunkelheit' schimmern und bohrte meine Augen in. feine Helle. Meine Hände zogen sich krampfhaft zu- sammeii, meine Muskeln spannten sich zum Sprunge.
Plötzlich lachte die Frau hell- auf.
„Ganz exakt toter meine Geschichte nun nicht!" sagte sie spöttisch. „Sie wissen ja, Wahrheit und Dichtung! So z>um Beispiel gehört Mir das Landgut nicht zU eigen, es ist nur gemietet. Wer Sie scheinen zU frösteln. Wir gehen wohl besser ins Haus hinein!"
* Zwei Jahre lang frische Fische. Ein russischer Forscher, .Professor Danilewsky, führt soeben, wie englische Blätter Melden, in Hüll Versuche mit einem Verfahren der Fischkonservierung aus, die äußerst günstige Ergebnisse gezeitigt haben. Er behauptet, daß seine Methode die Erhaltung des Fisches teuf wenigstens zwei Jahre ermögliche, und dies zU einem Fünftel der Kosten, die das bisherige Verfahren mit Salz und Eis erforderte. Er hat 25 Fische, darunter Schollen, Weißfisch, Dorsch und Hering, mit einer Flüssigkeit behandelt, die eine Mischung ans Salz, Essigessenz und Alkohol barstellt. NacHM die Fische 16 Tage lang in einem Gefäß aufbewahrt waren, wurde ihr vorzüglicher Erhaltungszustand festgestellt, und sie wurden bei einem Frühstück in London serviert, lan dem Vertreter des Fischerei- temtes teilnahmen. Professor Danilewsky ist der Ueberzeugung, daß sein neues Verfahren das Verderben von Fischen im großen Umfange verhindern wird. Gegenwärtig wird der Fisch in schlechterer Verfassung auf den Markt gcbrarljt als das Fleisch, da er schneller verdirbt, wenn er iu warmem Wetter oder in feuchtem Klima der Luft ausgesetzt ist. Dagegen waren Fische, die in seinem Laboratorium in St. Petersburg nach seiner Methode konserviert waren, nach zwei Jahren durchaus noch für beit Genuß geeignet. Die Kosten des Verfahrens betragen für 200 Pfund Fisch für 28 Tage 6 bis 8 Mk. Bei der Verwendung der Flüssigkeit, mit der bet Fisch von ihm behandelt wird, ist er nach dem Ablauf von 12 docr 15 Tagen für den Konsum fertig.
* K 0 stspielige Wohltätigkeit. Wie umständlich die private Wohltätigkeit bisweilen arbeitet, zeigte ein Fall, der jüngst in Chicago genauer festgestellt wurde. Eine Mrs. Maggie Ustich hatte das Unglück, daß ihr zwei Kinder erstickten, während sie zu einem Vortrag über Kinderpflege gegangen war. Der Fall erregte Aufsehen und setzte viele Wohltätige in Bewegung. In 18 Monaten haben 82 Personen, die 17 Wohltätigkeitsinsti- tnttonen vertraten, die schwer getroffene Mutter besucht und Fest- stellitng über ihre Lage gemacht. 11 Merzte und 3 Pflegerinnen wurden ihr zur Verfügung gestellt, um die aus den Todwarnieder- liegenbcn Kinder zu pflegen, und 105 Besuche und Konferenzen wurden abgchalten, um über die Sage der Mrs. Ustich und ihrer drei überlebenden Kinder zu beraten. Dabei wurden der Fran in verschiedenen Beträgen im ganzen 916 Mark Unterstützungs'- gelder zugewiesen. Die Ausgaben aber, die die Aufbringung der Summe erforderte, beliefen sich auf 20 000 Mark!
* Das S p- i tz l> u b e n - E h e p a a t. Sie (nach der Trauung, zärtlich): „Nicht wahr, Ede, jetzt werden wir uns niemals mehr trennen?" — Er: „Nee . ^ . es sei denn, daß eins von uns beiden eingesperrt wird!"
GIeich!lang-KciW.
Willst du einmal die schöne Welt durchreisen,
Sei's aul der Eisenbahn, zu Fuß, mit Toppeirad, So sind bereit wir, dir bett Weg zu weisen, Zu sagen, ob er viel Beschwerben hat.
Hast du zurückgelegt des Tages Ziel,
So werben uus're Namensschwestern dir vielleicht
Nicht unwillkommen sein, salls du ein Freund vom Spiel. Doch gib wobt acht, dein Beutel wirb sonst leicht.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummerk - ' Besser ist es, mit seinem Glücke Abzuhängen von Wettertücke, Von Sturm und Hagel und Nebeldunst, Als von schwankender Meitschenguust.
Frida Schanz.
Redakii.,,!» K. Nearath. — Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts-Buch- und Steittdruckerei, R. Lauge, Gieszem


