Ausgabe 
24.5.1913
 
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sagen werde. Aber der war glücklicherweise nach Jauer ins Hauptquartier des Kaisers Alexander berufen und hatte die Ober­leitung den: unternehmungslustigeren Marschall Vorwärts über­lassen müssen.

In der Frühe des 26. Mai nach einem letzten Ritt über den Schauplatz des kommenden Ereignisses hält Blücher unter einem lvilden Birnbaum in der Nähe des südlich der Heerstraße gelegenen Dörfchens Pohlsdorf. Dort diktiert er den Beschlsempfängern der zu der geplanten Ueberraschung ausersehenen Truppenverbände die Letzten Anordnungen. Das in Betracht kommende Gelände begünstigte den kühnen.Anschlag außerordentlich. Südwärts der von Hainau über Michelsdors, Doberschau uitb Steudnitz nach Liegnitz führenden Straße, etwa 1 Kilometer südlich Michelsdors zieht sich von Ueberschaar nach Baudmannsdorf und weiter bis fast an die Heeresstraße heran ein Höhenzug entlang. Dessen nach Südosten abfallende Hänge erhalten ihren Abschluß durch ein Bachtal, in dessen Grunde die Dörfer Schellcndorf, Pohlsdorf und Steudnitz liegen.

Die Leitung des Ueberfalles wird dem General von Zielen anvertraut. Dieser soll seine Brigade bei Pohlsdorf aufstellen, selbst aber nut zwei Schwadronen der schlesischen Husaren und der 9. reitenden Batterie hinter der Windmühle auf der Baud- Ntannsdorfer Höhe bereitstehen. Die Kerntruppe der preußischen Reiterei, die aus 22 Eskadrons, der 4. und 10. reitenden Batterie bestehende Reserve-Kavallerie unter dem tapferen Obersten von Dolffs stand in dem erwähnten Bachtal bei Schellendorf iit Regimentskolonnen. Oberst von Mutius soll nun mit seiner aus 3 Bataillonen, den 1. westpreußischen und 2. schlesischen Ulanen sowie der 7. und 8. reitenden Batterie zusammengesetzten Nachhut die Borhut des Gegners, die Division Maison vom 5. Korps' Lauriston, über Hainau und die Schnelle Deichsel in das offene Gelände hinein nach sich ziehen. War dann der größere Teil der gegnerischen Division weit genug über Michelsdors hinaus, sollte General von Zielen die Reserve-Kavallerie bis zur Baud- wannsdorfer Höhe vortraben lassen. Die nut Stroh und Reisig Ungefüllte Windmühle sollte dann rechtzeitig in Flammen auf- gchen, Unt den beiden Kavallerie-Regimentern des Oberst von Mutius das Zeichen Mm gemeinschaftlichen Losstürzen auf den Gegner zu geben.

Trotz der Bedenken des zur Vorsicht .Mahnenden Generals Maison gibt Marschall Ney am Frühnachmittag des 26. Mai bei Heinau der Vorhut den Befehl, unverzüglich die Schnelle Deichsel zu Wersch,reiten und sich auf den Höhen östlich Michels- dorf bereitzustellen, ohne den Uferwechsel des weiter südlich vor- ntarfchierenden 7. Korps Rechner abzuwarten. Die zur Borhut­division gehörende Kavallerie-Division geht schon auf deut linken Ufer unter dem Schutze eines Bataillons ins Biwak. Erst nach einigem Aufenthalt setzt Maison den Vormarsch fort, wobei ein weiteres /Bataillon westlich Michelsdors beim Park zurückbleibt. So marschiert er mit innerem Widerstreben mit den ihm noch Verbleibenden 2 Bataillonen und 2 Batterien von Michelsdors Nus nach den östlich des Dorfes gelegenen Höhen, um sich hinter diesen gegen die bis Doberschau Kurückgewichene Nachhut des Oberst von Mutius zu entfalten. Gerade hat Maison seine 16 Geschütze vorgezvgen und das Feuer gegen die auf den Höhen südlich Dober­schau entwickelte Abteilung Mutius eröffnet, da erhalt er die Mel­dung, daß in der rechten Flanke preußische Kavallerie im An- Ntarsch 6eguffeit sei. Kaum hat sich eine Aufklärungsabteilung seiner nur etwa 50 Kavalleristen dorthin in Galopp gesetzt, da sieht Maison auch schon eine mächtige Staubwolke von Süden her yeranwirbelu. Als dann kürz nachher aus der Baudmanns- dorfer Windmühle lohende Flammen emporstcigen und gleich­zeitig in ihrer Nahe eine Batterie in Stellung geht, erkennt er die ihm zugedachte Ueberraschung. Aber seinen Befehl, Vierecke M formieren, kann nur noch das rechte Flügelbataillon zür Aus- sührung bringen, von den andern ist ein Teil noch im Aüf- marsch, ein anderer schon in wilder Flucht nach dem rückwärts gelegenen Michelsdors begriffen, als der Angriff der preußischen Kavallerie erfolgt.

Wie ein Wettersturm brausen die Gardehusaren und Kürassier- Schwadronen des ersten Treffens der Reserve-Kavallerie Dolffs gegen die rechten, die der westpreußischen und schlesischen Ulanen der Abteilung von Mutius fast gleichzeitig gegen die linken Flügel­bataillone der Division Maison heran. Weder die auf etwa 100 Schritt vor dem Einbruch abgegebene Salve des fertig auf- marschicrten rechten Flügelbataillons noch die Kartätschladungen einiger ungeschickt aufgestellter französischer Geschütze vermögen die Wucht be§_ Anpralls aufzuhalten. Allen voran fliegt der furchtlose Oberst von Dolfss. Wie ein Tiger fetzt sein Rappe rn gewaltigem Sprunge über die bajonettstarrende Mauer in das vorderste Karree hinein, und mit scharfer Klinge teilt der kampf- grimMige Reiter blutige Hiebe aus. Gleich hinterher brechen 2 Schwadronen der Gardehusaren in die geschlossene Masse cm. Die dichten Klumpen der Stehengebliebenen werden teils nieder- gcrittcn, tcil zusammengehauen, teils auseinandergejagt. In die beiden nächsten noch! iist AufmarschVesindlichen Bataillone fahren 4 ©cfiwabnnteit der schlesischen Kürassiere hinein. Bald sind auch deren dichte Hausen überritten und zersprengt. Von der Ar­tillerie gelingt es nur einigen wenigen Fahrern, teils mit, teils ohne ihre Kanonen nach dein schützenden Dorfe zurückzugaloppieren.

Nur einzelne Knäuel schließen sich, nach dem' Durchbruch um ihre Kommandeure zusammen. Doch nur für wenige Augenblicke. Denn nun sausen einige im sumpfigen Gelände südlich Michelsdors zurückgebliebene Schwadronen Gardehusaren und Kürassiere heran. Beim Einbruch will das Pferd des Leutnants Pförtner von der Hölle von den schlesischen Kürassieren nicht einspringeu. Da zischt ein scharfer Hieb des Reiters auf das ungehorsame Tier durch die Luft. Ein 'Aufbäumen, ein fürchterlicher Satz und Roß und Reiter find mitten im Hausen drin, wo der kühne Springer einen Regimentskommandeur niedersticht.

Gleichz,eitig mit bent ersten Treffen hatten auch die vier Schwadronen der westpreußischen und schlesischen Ulanen die beiden linken, schon flüchtigen Flügelbataillone sowie die Bedienung meh­rerer Geschütze über den Hausen geritten. Während nun diese gesamten Reitermassen die fliehenden Trümmer der 6 französischen Bataillone teils nördlich! Michelsdors vorbei, teils in verlustreichem Durchstoßen durch den Ort selbst verfolgen, ist Major von Grvl- mann mit bent zweiten Treffen Dolffs, den ostpreußischen Kü­rassieren, nach links um bas sumpfige Gelände südlich, des Dorfes hernmgeritten, um das Mr Bewachung des Parks westlich, Michels- dors in Karreeformation stehende Bataillon anzugreifen. Nach einigen wohlgezielten Schüssen der schnell vorgeholten 10. reiten­den Batterie des, _ Leutnants _ Schäffer wird auch dieses Viereck von den ostpreußischen Kürassieren und der Jägerschwadron der Gardehusaren auseinandergejagt. Dies alles hatte sich so schnell abgespielt, daß das dritte Treffen Dolffs, die Garde du Corps und brandenburgischen Kürassiere, sowie die schlesischen Husaren Zietens und die brandenburgischen und ueumärkischen Dragoner der ^Abteilung Mutius zu'm Eingreisen zu spät kamen und nur noch einige Trupps Nachzügler gefangen neunten konnten.

Als nun von Hainau aus ein französisches Regiment und mehrere Batterien zur Ausnahme der Trümmer der Division über die Schnelle Deichsel heranrückten, ließ General Zielen gegen 7 Uhr für die bis dorthin vorgepreschten und bei der Verfolgung durcheinander gekommenen Schwadronen Appell blasen. Die preu­ßische Kavallerie hatte in dew kurzen Gefecht 19 Offiziere und 217 Mann eingebüßt, der weitaus größere Teil, darunter auch der treffliche Oberst von Dolffs, hatte in den engen Straßen von Michelsdors den Heldentod gefunden. Der Verlust der Division Maison hingegen betrug 18 Offiziere, 1345 Mann (davon etwa 500 Gefangene) und 5 Geschütze.

Zu seinem größten Bedauern war Blücher erst gegen Schluß dieser glänzenden Waffentat aus dem eigentlichen Gefechtsfelde eiugetroffen. Aus Freund wie Nus Feind hatte das kühn angelegte Unternehmen einen nachhaltigen Eindruck gewacht. Bei der preußischen Armee, insbesondere der Reiterei, nahm das Selbst­vertrauen und die Zuversicht einen kräftigen Aufschwung, und üeim Gegner waren von nun ab' die vorderen Heeresteile weniger zu- dringlich und Marschierten aus Respekt vor der preußischen Kaval­lerie in größerer Gefechtsbereitschaft. Nur Barclay de Tolly, der Oberkommandierende der verbündeten Armee, war mit der herzerfrischenden Ruhmestat nicht einverstanden. Er sprach sich wohl über die Tapferkeit der preußischen Truppen anerkennend Nus, fügte aber hinzu, daß Man sich in Zukunft derartiger Unter- nehmungen enthalten möchte, da sie die Kräfte unnütz schwächten/ deren Zusammenhalten aber zur Erreichung wichtiger Zwecke not­wendig wäre.

Zwei Bäume.

Skizze von Louis Roubaud.

Einzig berechtigte Uebcrtragung von G. Katz (Prag).

Sie glauben natürlich nicht daran?" fragte Frau Moussac.

Tie Unterhaltung hatte sich bis jetzt langsam hingcschleppt. Ich schaukelte im Rockingchair und kaute an meiner Mcnthol- ztgarette.

Mein Gott!" sagte sch achselzuckend.Ich verdamme des­halb niemand, der"

Sie sind aufgeblasen, wie alle Männer!" erklärte die Haus­frau bestimmt.

Sie Sache an sich ließ mich völlig kalt; nur um einen Gesprächsstoff zu haben, spottete sch:

Die Wahrsagerin ist also ein Dogma?"

Ja und der Teesatz auch! Meine Freundin Mary hat die Gabe darin zu lesen."

Und 'alles, was sie vorhersagt, trifft pünküich ein!"

Lachen Sie nur, lachen Sie nur! Ich habe Dinge er­fahren"

Darf man die vielleicht wissen?"

Daraus hatte Frau Moussac nur gewartet. Sie warf mir leinen Blick zu, der weiland Kassandra Ehre gemacht hätte.

Es ist bis jetzt freilich nur ein merkwürdiges Zusammen­treffen gleichlautender PhrophezeiuNgen. Aber wenn Sie spot­ten, fang ich erst nicht an. Die erste Warnung erhielt ich, in Dijon. Wir, wein Mann und ich, hatten den Zug versäumt und warteten den nächsten aus der Terrasse des Gasthauses ab. Ein zerlumptes Mädchen"

Die klassische Zigeunerin!"

Sehr richtig! iStnc Zigeunerin also bettelte mich an und erbot sich,, mir wührznsagen. Ihr Rassegesicht, ihre wilden Augen