M3 Nr. 79

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Zwei Welten.

Roman von E m m a Merk.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ohrt März«, an einem Helsen Frühlingstag, an Sein die Sionne fass ein wenig zu indiskret in die Zimmer im Garten­haus schien, die sich in der Dämmerung vorteilhafter aus­nahmen, saß Marianne mit dem kleinen Hans auf dem Schoß am Fenster, während Hildegard an der Maschine nahte.

, Man halte das Klopfen nicht gehört und so trat Grön- verg ganz überraschend für die beiden Damen ein.

Einen Moment hing sein Mick wie gebannt an dein hübschen Bild.

ÄÜe schlanke Frau in dem nrattvioletten Gewand, mit dem Weichen federgeschmückten Hut auf dem dunklen Haupt, S umflossen von Sonne, den zärtlichen Blick aus das nde Kind gerichtet!

Sein Malerauge hatte in raschem Entzücken in denr Wunderbaren Beleuchtungseffekt geschwelgt.

Gleich daraus verbeugte er sich sehr ernst und ge­messen :

Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Ich hätte nicht gewagt W stören, wenn ich gewußt hätte, daß Sie Besuch haben, Frau Reichmann."

Aber Herr Grönberg, Sie kennen doch meine Tante," rief Hildegard unbefangen.

Sie war mit dem Maler, der seit der Begegnung mit.Reichmann zu ihren Freunden gehörte, ganz vertraut geworden und wunderte sich über dessen merkwürdig förm­liches steifes Wesen an diesem Tage.

»Emanuel ist nicht zu Haus, aber ich will es gleich Meinem Baler sagen, daß Sie hier sind! Er freut sich so, der Arme, wenn ihn jemand besucht," fügte sie aitfc springend hinzu.

£), ich will Herrn Holst in seinem Zimmer aufsuchen," bemerkte Grönberg mit einer raschen Bewegung nach der Tür.

Hildegard war ihm zuvorgekommen.

»Nein, da sieht's immer schrecklich aus. Die reinste Räuberhöhle! Aufräumen darf man ja nicht/"

Sie war an ihm vorübergeglitten und' Grönberg stand Mit Marianne allein in dem sonnigen Gemach.

Ich bitte nochmals um Verzeihung, Frau Baronin," sagte er bitter.Ich hatte nicht die Absicht, mich in Ihre Nähe zu 'drängen und Ihnen durch mein 'Erscheinen lästig zu

Sie war dunkelrot geworden,

Sehe ich so bärbeißig und kratzbürstig aus, weil Sie meinen, ich sei über einen Besuch gar so erschrocken?" fragte sie etwas verlegen.

Gewiß nicht, gnädige Fran. Aber ich hatte eimnäl rm Leben die Empfindung, daß ich Ihnen wie -ein Zu- dringlicher -erschienen war, und diese peinliche Erinne­rung vergißt sich nicht. Ich möchte nicht, daß Sie ein zweites Mal vor mir die Flucht ergreifen müßten, Wie da­mals am Gardasee."

Hat es Sie so tief verletzt, daß ich rasch wieder abreiste und eine Begegnung mit Ihnen vermied? Wenn Sie sich' rn Meine damalige Stimmung hätten hineindenken können, würden Sie begriffen haben, daß ich niemand sehen wollte/ der mich bannte, der mich an all das Durchlittene erinnerte, daß ich ein Verlangen hatte, mich vollständig von der Ver­gangenheit loszulösen, wund und weh, wie's mir zu Mute war!"

Gestehen Sie es nur ein, gnädige Frau," unterbrach er sie leidenschaftlich,, von ihrer weichen Stimme, von ihrem veränderten offenen Wesen wider seinen Willen fortgerissen. Sie fürchteten, daß ich Ihnen mit kühnen Hoffnungen und heißen Wünschen gegenübertreten würde. Darum Ihre Flucht! Darum auch meine tiefe, bittere Enttäuschung.! Ich hätte es getan! Sie hatten ja ganz recht! Es' war eine stumme Abwehr, für die ich Ihnen eigentlich zu danken hätte."

Sie hatte die Augen bisher auf das Bübchen gerichtet gehabt, das mit ihrer Kette spielte.

Nun sah sie ihn voll an mit ihrem schönen, warmen! Blick, der viel freier, glanzvoller geworden:

Können Sie es verstehen, daß eine Frau, die Grau­sames durch die Liebe erduldet hat, die in ihrer Ehe tief' unglücklich geworden, allmählich ein wahres Grauen erfaßt vor allem, was Liebe heißt? Daß es für sie kein anderes! Glück gibt, als sich selbst wieder angehören zu dürfen, als völlige Herzensruhe, unerschütterliche, köstliche, als end­liche Seelenfreiheit!"

»Ich weiß nicht, ob ich's verstehen kann, jedenfalls -ist es sehr zu beklagen," erwiderte er noch immer in einem gereizten finsteren Ton.

Sie aber hob mit sichtlichem Bestreben, dem Gespräch eine heitere Wendung zu geben, das Bübchen empor und küßte es und rief:Dieser kleine- Kerl ist nun meine Liebe, gelt Hansel? Ich bin nur noch- Großtante, Großmama!"

Dabei sah sie so anmutig, so blühend- -und vergnügt aus,- daß Grönberg dachte: Wie sie sich verändert hat! Sie ist nun fast ein wenig kokett geworden!

Und unwillkürlich fühlte er eine eifersüchtige Regung: hat nicht doch die Liebe diese Wandlung vollzogen, trotz allem, was sie dagegen behauptet? Sicher, ganz sicher spielt ein Mann eine Rolle in ihrem Leben.

Holst trat nun ein und- streckt e^ihm mit -einem herzlichen Dank für den Besuch- seine Linke entgegen:

.Hildegard hat mir erst in meinen anderen Rock helfen Müssen. Sie hat immer noch ein bißchen Eitelkeit für den. alten Krüppel von Vater!" . ...