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litt. In namenlosen: Schmerz mußte er diese Bilder ae- schaffen haben, die dann so lieblos und unverstanden beiseite geschafft worden waren.

Sie kniete nieder und suchte mit neugieriger Spannung nach dem Namenszug.

Mer die Farbe war stark eingeschlagen und nachge­dunkelt.

Eberhard" konnte sie lesen.

Wie sie sich auch mühte, sie fand nur einzelne Bnch- staben heraus, ein: Hlt.

Auch die Bilder hüteten das Geheimnis, das sie so sehnlichst zu enträtseln verlangte.

Sie trat hinaus auf die Treppe und horchte hinunter.

Noch war alles still.

Mit Aufgebot all ihrer Kraft schleppte sie die Land­schaften mit sich fort und trug sie wie einen Raub in ihr Zimmer.

Es wäre ihr wie eine Grausamkeit erschienen, sie länger Unter dem alten Gerümpel zu lassen.

Vorläujlg verbarg sie ihren Schatz in einen: Schrank, aber sie hoffte, daß sie bald den Mut finden würde, den Bildern in ihrem eigenen kleinen Bereich einen Ehrenplatz einzuräumen.

Nach dem Frühstück brachte der Diener von Flassans ein Billett Mariannens, sie würde die Nichte, die diesmal im weiß«: Gewände in das Atelier kommen sollte, in: Wagen abholen, und während sie die Nichte bemutterte, das Nähere über ihr eigenes Bild mit Grönberg verabredeten.

Die Porträtsitzungen hatten eine längere Unter­brechung erfahren.

Für Mali war die große Frühjahrsstöberei eine will­kommene Ausrede, um nicht in das Atelier zu gehen.

Ich habe so lange nichts von mir hören lassen, Kind," sagte Marianne, als sie mit Hildegard durch die Straßen fuhr,wegen einer recht ärgerlichen Abhaltung. Ich mußte ein neues Fräulein suchen."

Deine Auguste geht fort?" fragte Hildegard so lebhaft, daß Marianne sie ganz verwundert anblickte.

O, sie iveinte helle Tränen, als sie kündigte, stieß weinend hervor, die Mutter wollte es. Sie ntiiffe fort. Mit einem mal scheint sie sich dann merkwürdig getröstet zu haben; gestern hat sie mir erzählt: ihr Bräutigam wolle überhaupt nicht mehr, daß sie eine Stelle annehme; er, würde ernen Gasthof pachten und in: Herbst könnten sie heiraten. Sie schien oft so traurig, das arme Ding. Mein Gott, wie wenig,wieiß man doch eigentlich, von den Schmerzen und Sorgen dieser Mädchen, die mit :ms unter einen: Dache wohnen."

Allerdings," sagte Hildegard mit einem bitteren Lächeln.

Ihr war es ja klar, daß Leutnant Schmidt seine Schwester aus dem Hause ihrer Tante fortgehetzt hatte. Um des Bruders willen lag ein so trauriger Zug auf Augustes hübschem Gesicht.

Das junge Mädchen hatte sich ja nie in hochmütigem Staudesbewußtsein emporgehoben über die ärmeren Haus­genossinnen, aber nun, seit sie wußte, daß nur ein gütiger Zufall sie vielleicht vor dem herben Los des Dienenmüsfens bewahrt hatte, fühlte sie srch den abhängigen, um ihr Brot ringenden, jeder Laune und Willkür der Herrschaft preisgegebeuei: Geschöpfen förmlich nahegerückt, mit warmer Teilnahme, fast mit einer gewiff en Beschämung Über ihr eigenes Geschick.

9.

Endlich darf ich die Damen wieder begrüßen," rief Grönberg, der ihnen an der Treppe schon entgegenkam.

Er machte eine ungeduldige Bewegung, als in diesem Augenblick auch sein Ateliernachbar heraustrat und die beiden schlanken Gestalteir mit stummer Verbeugung an s:ch vorübergehen ließ,

Ich begreife beit Menschen gar nicht," brummte Grön- berg, sobald sie in seinem Melier standen.Er ist sonst so semfuhlend, so zurückhaltend, fast von übertriebener Scheu. Und wenn Sie kommen, pflanzt er sich Ihnen jedesmal in den Weg. Es bringt mich ordentlich in Verlegenheit, wie er S:e anstarrt, gnädiges Fräulein! Ich muß ihm wirk­samem" Crn^e ^orte ^er dieses seltsame Benehmen

Ach nein P" bat Hildegard.Verletzen Sie ihn nicht meutetwegen. Er sieht so melancholisch aus. Es fiel mir ja auch auf, wie merkwürdig er mich anblickt. Wer keck

und beleidigend war er nicht. Er ist ja auch ein alter Mann, nicht wahr?"

Grönberg lachte.

Ihrer Jugend mag das wohl so scheinen. Und ich glaube ja auch, daß er sich seiner Zudringlichkeit nicht bewußt : st. Vielleicht will er Ihre Züge festhalten. Er :st ja eigentlich Landschafter, aber zuweilen zeichnet er auch phantastische Bilder mit düsterer Stimmung, aber niit unverkennbarer Genialität."

Wie heißt der Maler, Herr Grönberg?" fragte Hilde­gard, nachdem sie den Kranz auf das Haar gedrückt, den sie auf dem Bilde tragen sollte, und ihre Stellung eingenonm men hatte.

Sie meinten, daß er ein ernstes Geschick hinter sich habe?" ,

Der ernste Männerkopf flößte ihr ein tiefes, unabweis- . bares Interesse ein.

Er heißt Eberhard Holst. So viel ich weiß, war er vor Jahren lange fort, auf Reisen, als Zeichner für eine englische oder amerikanische Zeitung. In seinen: Atelier hängen sehr interessante Studien von fremdartigen Land­schaften. lieber sein persönliches Schicksal spricht er nie. Er lebt wie ein Einsiedler." Was haben Sie, gnädiges Fräulein? Sie sind plötzlich ganz blaß geworden. Bitte, bewegen Sie sich nur, wenn das Stillhalten Sie anstrengt. Oder ist es Ihnen zu kühl im Atelier? Soll ich stärker heizen?"

Nein, nein, danke," wehrte Hildegard ab, der schon wieder rasche Röte in die Wangen stieg.

mMerkwürdig, wie Ihr Ausdruck wechselt, gnädiges Fräulein. Ihr Mund ist fabelhaft schwer zu treffen.

Ich dachte es eben auch," sagte Marianne lächelnd. Hildegard ist von einer Lebendigkeit, als zöge immer wieder eine neue Beleuchtung über ihr Gesicht. ' Wie still wird man mit den Jahren! Ich glaube, ich werde Ihnen ruhig und unbeweglich erscheinen wie eine Caryatide nach diesem jugendlichen Qu e cks i l b e r."

Grönbergs Augen blitzten feurig auf.

Er hatte den Moment herbeigesehnt, wo die schöne Frau ein Wort über das Porträt sagen würde.

(Fortsetzung folgt.)

vom nachlässigen,

vom schludrigen, vom schlampigen Stil/)

Jeder deutsche Schriftsteller sollte mit dem Bewußtsein schreiben, zu 100 Millionen deutschredender Menschen zu sprechen.

Schludrig undSchlampig" sind nach der Ansicht der meisten meiner Vorgänger sehr unedle Wörter; ich habe sie daher erst nach einigem Besinnen gewählt. Es nützt aber nichts, grobe Schäden mit feinen Wörtern zu bezeichnen, und warum sollte nUm mit Schreibern fein umgehen, die mit ihrer und unserer Sprache sehr unfein umgehen? Natürlich werden die in diesem Abschnitt gelegentlich genannten Schriftsteller nicht samt und son­ders !zu den nachlässigen, schludrigen und schlampigen Schreibern geworfen.. Auch sollen die in ihren Schriften gefundenen Beispiele nicht zu allgemeinen Schlüssen mißbraucht werden, es sei denn zu dem einen, daß in Deutschland selbst, die besten Schriftsteller nicht jenes Maß peinlicher Achtsamkeit auf Sprache und Stil wenden, das in Frankreich sich schon bei mittleren, ja bei noch viel tiefer gereihten Männern der Feder von selbst versteht. Ich sehe vor­aus, daß die strengsten meiner Richter, nämlich die selbst makel­losen, mir mehr als einen Beitrag zu meiner Samntlung aus! diesem Buche liefern werden, danke ihnen dafür im voraus und ent­schuldige mich wie alle anderen, die trotz redlichem Bemühen mit tadellose Sprache nicht immer Fehlern entgehen, mit dem Satze- der ebenso sehr Anklage wie Entschuldigung ist: Die deutsche! Schule hat uns nicht streng genug gewöhnt. Auch hier gilt nicht Rang noch Namen: neben den mit Recht hochberühmten Dichtern und Schriftstellern stehen die mehr oder minder berühmten Stüm­per; neben den Zeitungschreibern die Professoren, sogar die der Germanistik; neben uns bescheidenen schreibenden Steuerzahlern unsre hochmögenden Herren Regierer.

Da gab es vor etlichen Iahten z. B>. einen preußischen Minister, einen Mann von Verdiensten sehr verschiedener Art, mit einem gar merkwürdigen Deutsch, nicht just so schlecht wie Wraugels, doch nicht so gut wie eines begabten Sekundaners. Eine seiner stehen-

*) Wir entnehmen diesen Aufsatz mit Erlaubnis des Verfassers und der Verlagsbuchhandlung deut BucheDeutsche Stilkunst" von dem bekannten Literaturhistoriker Eduard Engel. Wir möchten! unsere Leser auf dieses anregende Buch aufmerksam niachen, das wir f. Z. sehr anerkennend besprochen haben. Tas Werk ist im Ver­lage von G. Freytag, G. M, b. H., Leipzig, erschienen.