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lich. Dan» hob er den Stampf seines Säbels hoch — er war drei Zoll über dem föeft abgebrochen. „Konimt und seht, wre ein Marschall von Frankreich starben kann!" schne er. Gern würde ich ihm gefolgt sein, aber ich hatte noch eine andere Pflicht Ml erftillen. Wie Ihnen bekannt sein wird, meine Herren, fand er nicht den Tod, den er suchte, sondern starb ein paar Wochen später mit kaltem Blute von den Händen seiner Widersacher.
Ein altes Sprichwort sagt, daß die Franzosen tnt Angriff mehr sind als Männer, auf der Flucht aber weniger als Weiber. An diesem Tage erfahr ich, daß es tvahr ist. Aber doch sah ich auch Dinge, die ich mit Stolz erzählen kann, lieber die Melder längs der Straße zogen Cambronnes drei Reserve-Bataillone der Garde. Sie marschierten langsam in einem geschlossenen Viereck, über ihren schwarzen Bärenmtitzen wehten ihre Fahnen. Um sie herum wüteten die englische Retteret und die schwarzen Braunschweiger Husaren, eine Wteilung nach der anderen sprengte gegen sie los, prallte donnernd an sie ran und zog sich mit schweren Verlusten zurück. Ws ich mich zum letztenmal nach ihnen umdrehte, warfen die englischen Kanonen Granaten in ihre Reihen, immer aus sechs Rohren zugleich, und die Infanterie hatte sie von drei Seiten umzingelt und überschüttete sie mit Gewehrsalven' aber trotz alledem, gleich einem stolzen Löwen, an dessen Seiten sich wütende Hunde hängen, marschierte dieser glorreiche Rest der Garde weiter; langsam, zuweilen haltend lund die Reihen schließend, verließen sie in Reih und Glied niaie- stätisch das Feld ihrer letzter- Schlacht. Hinter ihnen war die Garde-Artillerie mit ihren Zwölf-Pfündern an dem Abhang des Hügels aufgefahren. Jeder Kanonier war auf fernem Posten, aber kein Schuß war zu hören. „Warum feuern Sie nicht?" fragte ich den Oberst, als ich vorbeiritt. „Wir haben kein Pulver mehr." „Warum ziehen Sie sich dann nicht zurück?" „Unser Anblick soll den Feind noch etwas zurückhalten. Wir müssen dem Kaiser Zeit geben, zu entkommen." ' Das waren noch französische Soldaten!
(Fortsetzung folgt.)
öermifdytes.
* Ein unterirdisches Wunderwerk der Natur. Unter die bedeutendsten und wichtigsten unterirdischen Höhlen Europas wird von nun an die Grotte von Remouchamps in der Nähe von Spa in Belgien zu rechnen sein, denn die Natur hat sich hier in so großartiger Weise als Baumeister betätigt, daß sie alle menschlichen Phantasien weit in den Schatten stellt. iDie Höhle, die erst vor einiger Zeit entdeckt wurde, ist nunmehr sorgfältig erforscht worben und >vird auch der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Einer der Entdecker und Erforscher, E. Rahir, erzählt in der Nature von den- märchenhafter- Palast !und der geheimnisvollen unterirdischen Welt der Abgründe, Gänge pnd Flüsse, die die Natur sich da geschaffen hat. Durch die Anbringung einer Reihe von Leiten- gelang es, in die oberen Galerien der Höhle einzudringen, die sich, gleichsam in einem dritten Stockwerk der Grotte, über 100 Meter weit, ausdehnen. Dann wurden die Settern auf Schiffen über beit unterirdischen Muß geschafft, der dieses Reich der Tiefe durchschneidet; man stieg an den senkrechten fteiten Wänden empor und gelangte durch eine kleine Oeffnung plötzlich in einen Saal von riesenhaften Verhältnissen, hinter dem sich neue Abgründe und neue Säle öffneten. Dieser Hauptraum, den man „die Kathedrale" genannt hat, ein Saal mit senkrechten Wänden und flacher Decke, ist mehr als 100 Meter lang, 40 Meter breit und etwa 60 Meterhoch. Eine sich abzweigende Galerie bildet den „Chor" dieses Domes, während sich an einer Seite ein kleinerer kapellenartiger Raum befindet. Dieser grandiose Prachtraum der Natur ist mit den herrlichsten Kr-ställisationcn verschrvenderisch ausgeschmückt pnd macht im blitzenden Schimmer des Lichts, in dem vielgestaltigen Reichtum der Formen einen überwältigenden Eindruck. Auf einer natürlichen Felsbrücke, der „B r ü ck e der Titanen", gelangt man von dem Fluß ans zu der Kathedrale und dann zu einer Flucht von weiteren Sälen, unter denen zwei besonders hervorragen. Der „weiße Saal" hat an seiner Decke und seinen Wänden einen solchen Ueberfluß von Stalaktiten und Stalagmiten von ganz heller Färbung, daß sie eine schneeige und völlig reine Weiße Hervorrufen, die kaum irgendwo anders ihresgleichen hat. Ebenso eigenartig ist ein anderer Saal ans Schiefer, der Mer und über mit Tropfsteingebilden aus Kalkstein geschmückt ist. Von der Decke hängen schlanke Stalaktiten hernieder, während au den Wänden Stalagmiten in üppigem Gewirr emporwachsen und der Boden mit leuchtenden kleinen Kristallen bedeckt ist. Der Raum ist nicht nur von hohem wissenschaftlichen Interesse, .sondern strahlt in seinem irisierenden und opalisierenden Schimmer auch einen hohen ästhetischen Zauber aus. Die Höhle vor- Remouchamps iöirb mit ihren drei Stockwerken von übereir-ander- liegenden Galerien dem Publikum leicht zugänglich sein; der Besuch nimmt nur zwei Stunden in Anspruch. Man durchschreitet zunächst die oberen Galerien und Säle und besteigt dann, im Innern der Höhle angelangt, ein Boot zu einer stimmungsvollen unterirdischen Wasserfahrt, die an den unteren
Galerien vorbei den ganzen unterirdischen, Rubikon genannten Fluß entlang führt. Diese halbstündige Bootfahrt, die für neun Schiffe und 18 Führer bereit stehen, ist von wirklich märchen-- haftem Reiz. Wenn erst die notwendigen Arbeiten, die einen bequemen Besuch der Höhle ermöglichen, vollendet sein werden, toirb die Grotte von Remouchamps jedenfalls eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges barstellen.
kf. G a m b e t t a s G e d ä ch t rr i s. In dem soeben erschienenen zweiten Bande des „Gesellschaftslebens zur Zeit des zweiten Kaiserreiches" vom Grafen Fleury und L. Sonolet wirb eine hübsche Anekdote von Gambettas erstaunlichem Gedächtnisse erzählt. Dem Kreise von Künstlern und Journalisten tut Cafd Riche, in dem Gambetta zu Verkehren pflegte, war dessen Riesengedächtnis wohl bekannt. Er konnte fast alle Werke von Rabelais und viele Reden Mirabeaus am Schnürchen vortragen und eines Tages hatten seine Freunde Gelegenheit, zu sehen, daß er nicht nur unbedingt sicher behielt, sondern auch unglaublich rasch lernte, selbst toenn der Lernstoff durchaus nicht logisch-einheitlich Ivar. Einer der Journalisten brachte nämlich einen gerade erschienenen Budgetbericht mit. Es wurde eine Wette abgeschlossen, als Gambetta behauptete, es sei ihn-! ein Leichtes, >bie Tabellen des Budgets auswendig zu lernen, und diese Wette gewann Gambetta: er lernte tatsächlich in kurzer Zeit alle Tabellen und sagte ohne Anstoß alle Angaben der Ministerien für die verschiedensten Zwecke ustv. auf!
* ®er e cb t e Rev o lu t i o n s f il in. Einer unternehmenden amerikanischen Filmgesellschaft ist e$ vorbehalten geblieben, die mexikanischen Unruhen aur höchst einfache Art und Weise zu Kriegs- und Revolutionsfilms zu verarbeiten, bereit Realismus durch keine künstlichen Massenarrangements überboten werben kann. Der Leiter der Film-Expedition, ein i)fr. Wildert Mellville, Direktor einer Film-Gesellschai-, befand sich mit seinen Leuten im südlichen Texas, als ihm vlötstich die Idee kam, im benachbarten Mexiko ein paar schöne Revolutionsaufnahmen zu machen. Dian zog nach El Paso an der Grenze und bald beobachtete man am mexikanischen Ufer des Rio Grande eine Revolutionstruppe, die einige hundert Mann zählte. Die Gelegenheit war zu günstig. Melville eilte über den Fluß und verhandelie mit den Führern dieser Re- volutionsarmee wegen der Veranstaltung einer Schlacht. Die mexikanische „Armee" tvar Feuer und Flainme für die Zdee, die Mit- glieder der Film-Gesellschast mattierten eine Regierungspatrouille, und nun begann der Kampf. Aber in ihrer Aufregung und in ihrem wilden Kainpfeseifer begannen die Mexikaner auch scharf zu schießen und die Geschosse surrten über die Kopie bet Zuschauermenge hinweg, die sich an beiden Seiten der Grenze cmgefimDeit hatte, um dem Schauspiel beizuwohnen. Tie Folge wat, daß die Filmlente nach bet Rückkehr auf amerikanisches Gebiet von dem Polizeichef von El Paso soiort verhaftet wurden, während man zugleich einen Boten zu der benachbarten mexikanischen Stadt Juarez sandte, um den Behörden eine Entschuldigung auszusprechen. Tenn auch auf mexikanischer Seite hatte das wilde Knallen große Ausregung hervörgetilsen und in Jliarez lvar man überzeugt geive eit, daß eine der vielen RevolutionSarmeen die Stadt Überfällen wolle. Aber, Ende gut, alles gut. Tie imternehmeitbeit Leute der Film- Gesellschaft wurden, wie eine englische Woclienschri t erzählt, dem Bürge-meister von El Paso vorgeführt. „Ihr Streich halte leicht zu mlernatioualen Komplikationen führen können," erklärte der Beamte tadelnd, als der Filmunternehmer geltend machte, daß er an nichts Böses gedachr habe. Schließlich wurden alle Leilnehmer der Expedition je zu 5 Dollar Strafe verurteilt und außerdem mußte die (Gesellschaft die Kosten übernehmen. Ter findige Film- direllor aber rieb sich die Hände: so billig war selten eine Massenaufnahme zu stehen gekommen. Denn die mexikanischen Revolutionäre waren anscheinend mit den sonst lei solchen Gelegenheiten gezahlten Preisen und Gagen nicht recht vertraut und lieferten ihre Schlacht sozusagen für ein Butterbrot.
* Erst. . .! „Na, Sepp, wie schmeckt denn der Bock?" —7 „Ja, woaßt, Girgel, bas kann i bir net so genau sag'n, j hin erst bei ber fünften Maß
Charade.
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, Im dunkeln Laub die Goldorangen gliibn ? Dort ist die Erste als ein Fluß zu fiitben; Rur iven'ge Zeichen seinen Rainen künden.
Tie Zweit' und Dritte ist ein muntres Tier, Doch macht es dir vermutlich kein Plaisier.
Es dürste dich sogar erheblich stören, Wistst du mit Appetit etwas verzehren.
Wenn Fluß und Tier zum Ganzen sich vereinen, So wird daraus ein Mittel dir erscheinen, Das gern zur Schönheitspflege wird verwendet. Schon mancher hat dafür viel Geld verschwendet.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Beinah' schießt keinen Rebbock.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scken Universitäts-Buch» unb Steindruckerei. R, Lange, Gießet»,


