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Montag, den 24. Februar -
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Von Frühling zu Frühling.
Roman von Erich Eben st ein, (Nachdruck verboten.) (Schluß.)
„Nein. Prinz Reinsperg war bei mir, vor acht Tagen, ehe er seine Reise nach dem Tibet antrat ,. ." Münster blickte tief bewegt vor sich hin. Dann sah er Meta an und führ fort: „Es gibt kaum etwas Größeres auf Erden als eine edle Mannesseele, die ihre Niederlage im Kampfe um das Glück zum Steg über sich selbst gestaltet. Es gab eine Zeit, wo ich gering über Reinsperg dachte, heute beuge ich mich gerne vor seiner Größe und sage: er ist einer der Besten, mit denen mich das Leben zusammengeführt hat. Er hat die Mission, die ihm am meisten am Herzen lag, in meine Hande gelegt, obwohl er wußte . .
Er brach ab und blies "ein Stäubchen von seiner Manschette. „Doch nicht .davon wollte ich reden. Ich habe ihm gelobt. Ihnen die Freiheit wieder zu geben, um jeden.Preis, und dieses Wort werde ich ganz ohne Hintergedanken einlösen. Wollen Sie mir nun mitteilen, was Sie inzwischen veranlaßte, die Wohnung Ihres Gatten zu verlassen und wohin Sie sich vorläufig begäben?"
Meta erzählte alles. Den Besuch Maiers, ihr Zusam- Ulentreffen mit Berta Weber, ihre Pläne und zuletzt das Resultat ihrer Versuche, eine Stelle zu finden.
Schweigend hörte er zu. Mitleid, Rührung und Empörung wechselten auf 'seinem Gesicht, zuletzt atmete er tief auf.
„Gottlob, dies alles ist nun vorüber und die Wechsel- geschichte gibt mir das beste Mittel an die Hand, Montellis Einwilligung in die Scheidung zu erzwingen. Er hat Nur die Wahl — Amerika oder das Gefängnis. Ich denke, da wird er nicht 'lange überlegen. Was die anderen Schulden betrifft, so hat nrir Reinsperg. eine bedeutende Summe zur Verfügung gestellt. . /'
Meta erhob abwehrend die Hände.
„O nein — bitte — ich möchte nicht i
„fiel) dachte es. Und da Sie in den Besitz von Fran Petermanns Vermögen treten, sowie Sie frei sind, ist es auch gar nicht nötig. Ich werde das Geld also einstweilen Montelli aübieteu, damit er sich drüben irgend eine Existenz damit gründen kann. Später können Sie es dem Prinzen zurückerstatten. Die Gläubiger werden gern ivarten. Es ist besser zu ivarten, als nichts zu bekommen. Nur bezüglich des Wechsels möchte ich für alle Fälle sicher gehen "und ihn gleich einlösen. Ich kann die Summe von meinen Ersparnissen sofort begleichen. Bleibt nun nur noch Ihr Aufenthalt bei Fran Weber. Die Durchführung der Scheidung wird immer einige Monate dauern und ich glaube, es würde Jhiien peinlich sein, dabei persönlich zu erscheinen." 1 „Ach ja — sehr!"
„Ich hoffe, es wird sich auch so machen lassen. Mit schriftlichen Erklärungen und einem Krankheitszeugnis. Ihre Nerven müssen ja sehr angegriffen sein — Sie bedürfen unbedingt völliger Ruhe — würde es Ihnen passen, vorläufig zu meiner Mutter nach Fried an üb erzusiedeln?"
Sie blickte beinahe erschrocken auf.
„Passen? O Gott — mir! Aber Ihre Mütter kennt mich ja gar nicht — wie dürfte ich als Fremde —"
„Sie sind ihr keine Fremde," sagte er weich, „ich habe meiner Mutter alles geschrieben und Sie bereits halb: und! halb angekündigt. Man wird Sie mit offenen Armer^ empfangen . . . und, Meta, man hat Sie sehr lieb dort in dem kleinen Häuschen . . ."
Wieder tauchte sein Blick tief in den ihren, wiedeh umfing sie beide der Märchenzauber mit leuchtender Gewalt.
Eine halb Stunde später begleitete er sie in die Luisen-, straße. Sie gingen Arm in Arm, als könne es gar nicht anders sein. Kein Wort der Liebe wurde gewechselt, sw sprachen nur von Friedau, Münsters Mutter, Hedwig und Konradchen, aber sie fühlten es beide wie eine Offenbarung! tief in innerster Seele: .An diesem .Tage war ihnen das wahre Leben erstanden.
XX.
Winterstille lag über dem Friedauer Tal. Die Berge, hatten dicke weiße Mäntel um, und die kleinen Häuser guckten verträumt unter mächtigen Schneehauben hervor.
Die Friedau rauschte nicht. Trübselig hielten die alten Weiden an ihren vereisten Ufern Wache und reckten die dürren braunen Arme gegen den grauen Dezemberhimmel.
Zuweilen stampfte ein gestiefelter Bauer durch den Schnee, irgendeine Haustür öffnete sich, einen Schwall warmer, nach Bratäpfeln duftender Stubenluft in die Kälte hinauslassend, oder ein Schlitten klingelte, von der Station kommend, über den gefrorenen Schnee der Landstraße.
Sonst war es ganz! still.
Der Obstgarten, der von der Friedau. hinauf bis au das Häuschen der Majorin Münster reichte, sah mit seinen reifgeschmückten Bäumen und der samtweißen Fläche dar- nnier wie ein Zaubergarten aus.
Jetzt wurden drin iini Hanse die Lichter angezündet, denn es dämmerte bereits. Rötliche Lichtkegel fielen aus den drei Fenstern des Wohnzimmers hinaus in die grau- violette Dämmerung.
Wohl ivaren Spitzenstores vorgezogen, aber man sah trotzdem deutlich das trauliche Bild innen: den runden Tisch mit der Hängelampe darüber, an dem Meta und Hedwig plaudernd saßen, jede mit einer Handarbeit beschäftigt. Rechts im Hintergrund einen mächtigen Kachelofen mit dem behaglichen Großvaterstuhl der Majorin, der so groß war, daß Konradchen bequem neben ihr Platz darin fand. Die beiden hatten ein rundes Tischchen vor sich, aus dem eine Zither stand, in deren Geheimnisse Frau Von Münster das Mud soeben ehiteeüjte,


