Ausgabe 
23.10.1913
 
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oft genug sagten, weil sie ihre Wochenschläge verdienen wollten. Das verstand ich nicht, Lis ich sie einmal am Samstagabend- heim- begleiten durfte. Da erlebte ich denn mtt, tote die Mutter bte tirofiett Kerle (sie tonten immerhin zehn und elf Jahre alt!) erst abseifte und abtousch. Dann nahm sie em krafttges Kohrchm und wichste aus die Buben tm Adamskostüm los, soweit die Kraft reichte. Und die Schläge begleitete sie taktmaßtg mtt den Worten. Das ist für die Woch'! Das ist für die Woch

Also ja nicht summarisch.

Nun ist mit den angeführten Erziehungsmitteln die Moglicks- keit der Cinwirkttng auf sein Wesen natürlich keineswegs erschöpft Aber sie läßt sich auch nicht erschöpfen. Zumal dre Mutter tft )o erfinderisch, daß es rhr immer wieder gelingt, etwas Neues zu finden was das Kind fesselt und beeinflußt. Da wäre erst einmal etwas von den Spielen zu erzählen, der Puppe und dem Bau­kasten, vom Bilderbuch und dem lustigen Emmalem- Ich wollte, jeder Vater und jede Mutter kümmerten sich ein -.HM* Spiele ihrer Kinder. Je mehr |te dem Tattgkettstrteb des Kindes entgegenkommen, desto besser sind sie; w mehr das .Kind mit ihnen anfanaen kann, desto mehr regen sie an. Tausendmal erlebt man eS, daß das Töchterchen eine Lappenpuppe der äugen,läp­pernden Modedame vorzieht, bis es großer wird, und die Eitelkeit ihre Rolle zu , vielen anfangt. Die Mütterlichkeit ist im kleinen Mädchen so ausgebildet, daß man sein Spiel mit seinem Kind", der Puppe, sehr.wohl Lenuben kann. um ihm die Begriffe Sauberkeit, Ordnung, w vielleicht auch Gehör,am^und Aehnliches beizubringen. Viele unserer^Madchen werden es machen wie das, das seine Puppe ganz ernsthaft verprügelte, weil sie nicht gehorcht hatte". Die Mutter wirft die Zeit Nicht weg, die sie mit ihrem Kleinen der Puppe widmet. Und man dar, dem Kind darin ganz ruhig iveiten Spielraum lasten. Warum sott man das kleine Mädchen nicht gehen lasten, das erklärt. ,,^ch bringe jetzt meine Kinder zu Bett", oder das ihnen biblische Geschichten erzählt? Beim Knaben ist das Spielzeug mannig- faltiger. Aber auch ihn wird man durchs Spielzeug beeinflußen können. Er muß es aufräumen, so lernt er Ordnung, er mutz es schonen, so kommt ihm der Begriff der Rücksicht, Melker mit andern, so hält man darauf, daß sie sich vertragen nss. Die kunstvollen Dinge, die unsere moderne Industrie erzeugt, tollte man nur größeren Kindern in die Zand geben, die ihren Wert schon einigermaßen verstehen, für kleine sind sie incht nur nichts wert, sondern sie schaden eher.

(Fortsetzung folgt.)

Neues von Carrels GeMbLMchtrmg in Nährlösungen.

Carrel, der amerikanische Wundermann, ist drauf und dran, das Geheimnis der Unsterblichkeit zu entdecken. So behaupten wenigstens die amerikanischen Blätter, die über seine neuesten Ergebnisse berichten. Aber wenn man auch nicht vomElixier der Unsterblichkeit" reden will, die Fortschritte der Carrel, chen Gewebezüchtung in Nährlösungen sind immer noch wunderbar genug. Tatsächlich ist eS Carrel jetzt gelungen, tierische Gewebe über 16 Monate in Nährlösungen lebend und wach,end zu er­halten, und Carrel selbst zweifelt nicht int geringsten daran, daß, diese feine lebenden Präparate dauernd am Leben bleiben wer­den Die letzten Versuche sind an Geweben aus einem Hühner­embryo ausgeführt worden, die im Juni des vergangenen Jahres in Nährlösungen gebracht worden sind. Die Nährlö,ungen be­standen dabei aus einer Mischung von Plasma von einem Mücken, das schon ausgekrochen war, und von einem Kücken- embrho am 8. Lebenslage. Nach je zAÄ oder drei Tagen wurde das freilebende Gewebestück aus seiner Nährlösung herausgeiwm- men, in Ringerscher Lösung 30 bis 60 Sekunden lang gewaschen, in Teile zerlegt, falls es bedeutend gewachsen war, und darauf in eine neue Nährlösung gebracht, um in dieser bei 39 Grad Celsius aufbewahrt zu werden. Jedes Gewebestück umgab sich bald mit neuen Zellen, und Carrel maß mit dem Mikrometer die Ge­schwindigkeit des Wachstums. Dabei hat sich ergeben, daß, die Ge­schwindigkeit des Wachstums von der Art der Nährlösung abhängt, und diese Abhängigkeit hat Carrel zahlenmäßig festgelegt.. Be­sonders hervorzuheben ist dabei, daß Carrel die Geschwindigkeit des Wachstums willkürlich regeln kann. Bei einem Präparat, das 16 Monate alt war, war die Wachstumsgeschwindigkeit größer, als am Anfänge des Versuchs.

Während des 16. Monats des Lebens im Glase," so berichtet Carrel,nahmen die Zellen sehr schnell an Zahl zu und erzeugten in kurzer Zeit eine Menge neuen Gewebes. Diese Tatsache beweist endgültig, daß nicht mir Gewebe am Leben erhalten wurden, wie schon durch frühere Versuche bewiesen war, sondern daß sie sich im Zustande wirklichen Lebens befanden, da die Zellen, aus denen sie aufgebaut sind, sich in einem Kulturmedium genau wie Mikroorganismen beliebig weiter vermehren lassen." Daß das Wachstum in der Nährflüssigkeit schneller erfolgt, als das im lebendigen Körper und daß die Gewebe nicht absterben, sucht Carrel durch dieTheorie der katabolischen Stoffe" z!u erklären.

Im lebenden Körper werden Gifte erzeugt, die durch ihre AuhäH* fmtg einzelne Zellen schließlich töten. Bei deck Geweben in lösnngen entstehen diese Gifte auch, allein sie können nicht tötend wirken, wenn sie rechtzeitig durch Waschungen entfernt werdeu.- Ob allerdings die Art der Giftentfernung durch Waschung, bte Carrel bei Geweben in Nährlösungen anwenden kann, sich auch auf den lebenden Körper wird antoenden lassen, ivie. die amerika­nischen Zeitungen hoffen, das ist eine Frage, die in Europa vorläufig nicht aufgeworfen zu werden braucht.

DermifcW®.

Die Röntgendiagnose eines Mordes. MaA schreibt uns: Auch in der Hand des Gerichtsarztes und %rtmina«' listen werden die Röntgensträhten mehr und mehr zu einem un­ersetzlichen Hilfsmittel. Dies lehrt ein Kriminalfall, der unter dem Namen der Dabendorfer Mordaffäre unlängst durch alle Zeitungen gegangen ist. Wie erinnerlich sein dürfte, war der Assistent am Kaiserlichen Statistischen Amt B. verschwunden, und man be­schuldigte den Liebhaber der Frau B., ihn ermordet zu haben. erste Anklage führte zu einer Freisprache, da die Leiche des B. überhaupt nicht gefunden war. Einige Zeit später es waren unterdessen drei Jähre verflossen seit dem Verschwinden des B. wurde sie endlich in einem Lehmloche in völlig verwestem Zustaniw aufgedeckt. Dies sowohl wie die Prahlereien des Liebhabers, der durch das freisprechende Urteil sicher geworden, sich seiner Tat noch rühmte, führten zur Wiederaufnahme des Verfahrens und zur Ver­urteilung des Angeklagten wegen Totschlages. Zur Führung des Beweises war es für die Anklagebehörde von Belang, den Nachweis zu führen, daß B. erschossen worden sei. Es lag also in der Auf­gabe der obduzierenden Aerzte, Verletzungen, Schußkanäle und Ge­schosse in der Leiche anszufinden. Dies war aber wegen des Zu­standes, in dem die Leiche sich infolge des langen Liegens befand/ unmöglich. Statt einzelner und unterschiedbarer Organe stießen die Obduzenten auf eine einheitliche Masse von Leichenwachs, an der weder Schußkanäle noch Geschosse nachweisbar gewesen wären. Man beschloß daher, wie einem Bericht ,des beteiligten Gerichtsarztes Dr. H. Marx in Groß' Archiv für Kriminalistik zu entnehmen ist, eine Röntgenaufnahme von der Leiche zu machen. Zunächst wurde der Brustkorb durchleuchtet, und sofort erschienen auf dem Schirme schwarze Schatten, die beim Eingehen an den betreffenden Stellen sich als Schrotkörner erwiesen. Auch im Halse wurden Schrot­körner gefunden, die teils in den Weichteilen, teils in den Hals­wirbeln saßen, ebenso im Schädel an dessen Basis. Letzterer Befund war deswegen umso wichtiger, als durch ihn auf den Verlauf des Schusses geschlossen werden Konnte. Die Gerichtsärzte gaben ihr Gutachten dahin ab, das; B. durch mehrere Schüsse, die von rechts kamen, getroffen worden sei. Als Todesursache machten sie das Durchschlagen der großen Halsgefäße wahrscheinlich. Diese genaue Aufklärung des Tatbestandes, die übrigens nachher der Verurteilte selbst zugab, auf .andere Weise zu erbringen, wäre bei der hoch­gradig zerfallenen blutleeren Leiche vielleicht überhaupt nicht, und wenn, nicht mit solcher Sicherheit zu führen gewesen. Dr. S. T.

* Ans dem Herbstmanöver. Der Soldat:Bier Tage Mittel" habe ich bekommen, weil ich mich erwischen ließ."Vom Feinde?"Nein, vom Sergeanten, alö ich gerade einem Huhn den Hals umdrehte." .

* Saisonschluß. Die abreisenden Badegäste geben noch einmal dem armen lahmen Bettler eine milde Gabe.Sie Uermster, was wollen Sie hier nun anfangen, wenn der Winter kommt und alle Fremden fort sind?"Oh, ich reise wie Sie nach Pans zurück, hoffentlich setzen wir uns dort wieder."

* DerNaturgennß des Antornobilisten. Sie, zum zum Herrn Gemahl am Steuer:Halte an, ich möchte aus- steigen und die herrliche Landschaft genießen." Er, entrüstet: Schon wieder? Wenn du dir alle schönen Aussichten anfchen willst, schaffen wir es in acht Tagen nicht, und die ganze schone Autotour ist verdorben."

versteckrätse;.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" inWanderer".

Kalmücken Mäßigkeit Ganges Journalist Halskette MNllerbursche Weinglas Butterbeminchen Spanferkel Finkenfang.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer» Weitz. Schivarz.

1. T d 2 d 3 K c 4 u. d 3 oder n. d5

2. Sf 7 e5 ober D g 2 a2 f und Matt.

A.

1....... e 4 n. d 3 oder e 4 e 3.

2. Dg 2 a2 ober 8k7 e5 f und Matt.

SReboftiou: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lange; Gießen.