Ausgabe 
23.10.1913
 
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ben härtesten Kops

müssen. Während Eures Brautstandes ist aber die natur- notwendige, allmähliche Abkühlung und Entfremdung ein-

nichts; wenn ich aber ehrlich meine Mei­nung sagen soll, mir scheint, daß du Sabine überhaupt! nicht liebst. Na, na, steh' mich nur nicht gleich so verwnn-i

:n, aber Wolf schüttelte den tief schmerzlichen Blick zum e Wölbung der Toreinfahrt,

dem eigenen Bruder ins Gehege zu kommen, aber wulst, du ? Tie wahre Liebe ist wie ein heimlich fressender Brand, der sich nicht ersticken läßt; immer wieder schlugen mir bte Flammen zu Häupten, und heute, in dieser Stunde, muß ich mir Luft machen: wenn ich mich mit Sabine auch noch niemals ausgesprochen habe, aus tausend Anzeichen, die nicht trügen, weiß ich, daß sie nnch liebt und daß m) sie wieder liebe. Bruder, sei hochherzig! Handle nicht unedel aii uns! Wir werden es dir danken unser Leben lang, wenn du freiwillig zurücktrittst; Sabine wird dir eine Freundin bleiben, wie du eine zweite nimmer gewinnen wirst. Bist du böse? Zürnst du mir, weil ich aus meinem Herzen leine Mördergrube mache?"

Peter streckte ihm, wie bittend, die Hand hin, und der andere, dem bei dem flehenden Klang der brüderliches Stimme das säh erkaltete Herz schon wieder zu schmelzen begann, legte versöhnlich seine zitternde Rechte hinein. Aber noch fand er kein Wort, noch war er zu bestürzt; wie eist Blitz aus heiterem Himmel hatte ihu dieser Schlag getroffen; kein Blutstropfen war in seinen Wangen; mit starren, verglasten Augen sah er auf die goldenen Buchstaben seines Firmenschildes, vor dem beide jetzt standen.

Peter streichelte die Hand des, wie er zu bemerken alaubte, schon halb Ueberwundenen und hob mit erheuchelter Rührung aufs neue an:Adolf, laß diese Stunde keinen, Riß in unsere Freundschaft machen. Frage sie selbst, wenn du mir nicht traust. Gib ihr aus' freien Stücken ihr Wort wieder, und der Erfolg wird dir beweisen, wer von uns Leiden sich getäuscht hat. Aber mache ihr lernen Vortvurf. Sie ist unschuldig an der ganzen Geschichte; das Schicksal allein ist es, das hier seine mächtige Stimme erhebt, und wer kann dem Schicksal widerstehen?"

Adolf würgte ein paarmal, um den Krampf zu beseitigen^ der seine Stimmwerkzeuge gefesselt hielt. Dann stieß er rauh und heiser hervor:Ich werde mit ihr sprechen. Tu sollst morgen von mir hören."

Aber nicht im Zorne," bat Peter;ordne die Sache ! in deiner gewohnten Freundlichkeit und Herzensgüte." .

Kann ich denn anders? Ich liebe sie ja mehr als mein

Leben!"

Peter wollte etwas erwidere Kopf, warf dem Bruder einen t Gruße zn und verschwand in die

einschiehen."

Hast du die Fünftausend hegen?", .

Nun," meinte Adolf,ne Kleinigkeit hat man sich ;a erspart, und wenn's nicht reichen sollte, unser Pflegevater ist ja auch noch da; er würde den Rest wohl vorschießen

Hm!" brummte Peter,allzuviel ist es gerade nicht, was er verlangt; hoffentlich will er dich nicht anschmieren.

Ter Haßlach? Dann kennst du ihn nicht! Auf diesen Mann kann man Berge bauen. Und weißt du? Er braucht hiich; ich soll ihm die Abteilung für HolzblasinstrumentL jn Schwung bringen, die Leute, die ihm darin arbeiten, haben weder Schick noch Gehör; er hat nicht einmal einen, der ihm eine Klarinette richtig anzublafen versteht ich denke, ich bin ihm ein Kapital wert."

Nach einer längeren Pause fragte Peter diplomatisch pfiffig:Dann wirst du wohl bald nach deiner Hochzeit fein Kompagnon werden?" , . .. ,

Mo denkst du hin? Erst muß das Geschäftliche erledigt sein, erst muß ich fest stehen und mich frei bewegen können^ dann erst kann ich mein Weib heimführen vor dem Herbste kann von meiner Hochzeit nicht die Rede sein."

Sabine klagte mir heute ihr Leid; Lsß du sie gar zu lange warten ließest,"

Was verstehen die Weiher von Geschäften?'"

Mieder sine kleine Pause.

Dann Peter:Wenn mau ein Weib richtig lieb hat, danü sollte man auch einmal nachgeben."

Das rätst du Mir, du? Der du de von der Welt hast?" . . . ... .

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diesen noch schlicht-biirgerlichen Kreisen enBeit I dürfen einander nichts weiß machen. Sabine ist ein hüb-

sümmensein eines Brautpaares oh edie Mi L,*L I t^.e§ Mädchen, sie hat dir gefallen, du hast dieses Wohh

einer verheirateten Ehrendame durchaus nichts Bedenklich I H([en gehalten, hast um sie geworben und

gesunden. f ser still- I das junge, unerfahrene Ding hat geglaubt, ja sagen zu

Wenn ich euch nicht störe sagte Peter in oer siiii r »ßäf)Eenb Eures Brautstandes ist aber die natur- schweigendeu Voraussetzung, daß ihn sein Bruder Uicht f notwendige, allmähliche Abkühlung und Entfremdung em-

W Mr M» b«6 wir ei.mnbe, entfremd

lich; er hatte den Arm seiner Braut genommen. rnb?" 8 B

Alle drei wandten sich in der Friedrichstraße nordwärts, I * raflt cg. sch sehe es selbst, ein Blinder würde

um zuerst Sabiue, die in der Masser-Straße wohnte, nach ^hen. Tu gibst es nur nicht zu, weil du, nls chrlicheu Hause zu bringen. Sie sprachen nicht Mel; ^atte ^erl, dich an dein Wort gebunden wähnst; aber das ist bum- müde gesungen und schonte semeu KehWp^ Sabine schmollte Zeug, ein ehrlicher Kerl darf vor allen Dingen ein ein wenig, daß ihr Bräutigam m den Pausenl des^Kouzert s, Qrmeg Mädchen nicht unglücklich machen.

fast nur mit Haßlach geplaudert hatte, und Peter über! gt toar <u Mute, als wäre ihm ein Kübel Eiswasser

seinen Kriegsplan. irt bie über den Kopf geschüttet worden. Er sollte Sabine nicht

^or^abinens Hpustur klatschte Adols dreimal moe -ollteuur noch an ihr hängen, weil er zu ehrens

Hände. Oben im dritten Stocke öffnete sich em nu-ei E gegebenes Wort zn brechen? Wer das war M

uni) eine weibliche Stimme rief fragend hinunter.Sa- ^^ware,^em gegeomes ^o ^ruber vielleicht nur btte',M sie ist es!" rief Adolf hinauf.Guten Abends l°pp^ nür ltm be§ Himmels willen," hob er bestürzt an,

-U -nftieben * kammstbn solcher M**l'6"

W» *«*» »6 * Ech ben()e ts 11JC ähnlich, sich Su

v,ir haben ihn " beklagen! Sie trägt ihr Schicksal mit einer wahrhaft rühren-

Er scblost die Haustür auf Und bot der Braut mit I beit Selbstverleugnung; auch nicht mit einer Stlbe wur^ Ptnem heSen Mohl bekomm's!" die Hand. sie aiizudeuteu wagen, wie es in ihrem Herzen eigentlich

mstg? einmal' einen Kuß!" dachte Sabine ; sie wußte I aussieht. Aber ich biete dir eine Wette: sage ihr selber, daß bnl 4ßm ber Kovf schwirrte von all den Vorschlä- j du sie frei gibst, daß sie nicht mehr an dtch gebunden sertj Sinb Mugiuigen unb .Ggäfmrag«^, mit bene« feil,' baff He .frei ttnb ungctonlt »«b en baif unb f.° w-S

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»ein Hans." («gte Sfjeter, I Ti, mehr, Biete « wie ein heimlich frefienber Brack, ber ber seinen Arm unter den seines Bruders schob;die Nacht jst wundervoll, und morgen ist Sonntag, da kann man aus- schlafen." . ,,,, nv- .

Mich hat der Haßlach ganz wirr gemacht," stöhnte Adolf,er läßt mir keine Ruhe mehr, und wenn ich nnr's überlege, werde ich wohl zugreifen müssen; die suche laßt sich äußerst vorteilhaft für mich an." .

Was bietet er dir denn, wenn du sem Sozius totqt ?

Den halben Reingewinn; ich soll nur meinen ganzen Kram ins Geschäft mitbringen und fünftausend Mark bar