Ausgabe 
23.8.1913
 
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Vermisstes.

B emalte Mäntel. Bem,alte Mäntel, bemalte Schirme, bemalte Gürtel! Tiefen Nentgleiten der Herbst- und Wintermode hät sich soeben eine vierte beigesellt: bemalte Mäntel. Dadurch soll die Individualität eines Kleidungsstückes besonders betont werden. Ter Stoff der Mäntel besteht aus einem feinen Gaze­gewebe und ist mit einem breiten, mit Elfenbein- oder mit Perlmutterplättchen besetzten Saum versehen. An diesen Saum schließen sich die Malereien, Blumenkränze, florentinische Gir­landen, Tier- und Puttenornamente an. Sie werden. nur auf schwarzem vd« weißen: Untergrund ausgefiihrt. Sehr fein wirken schwarze Mäntel mit einheitlich weißem, grauem oder goldenem Ornament, und Weiße mit schwarzem, goldenem oder nachtblauem. In Paris hat sich namentlich .ßeon Bakst, der bekannte Maler, dieser Doilettenmalerei angenommen und bereits einige überraschend originelle Entwürfe, deren Zeichnung allerdings stark ins Gebiet des Phantastischen streift, entworfen. Jedenfalls geht diese Neue­rung in der kommenden Wintermode einer großen Entwicklung entgegen.

* Ein Denkmal für einen Affen. Einen neuen Rekord auf bem Gebiete der Denkmalsmanie hat Amerika zu verzeichnen: in der Nähe von New Bork Hat nun ein Affe, ein Schimpanse, ein großes ehernes Denkmal «halten. Der Affe, dessen Andenken der Nachwelt gerettet werden soll, hieß James und 'War der Lieblingsschimpänse der Mrs. Packy aus Brooklyn. Als die mit vielen Millionen gesegnete Dame vor einiger Zeit ihren Gatten verlor, erkor sie den Affen James zu ihrem besten Freunde und zum Gegenstand ihrer mütterlichen Sorge. Aber James wär ein Affe wie andere auch, stellte viel Unheil an, machte sich die Dienerschaft der Frau Packy zu Feinden, und schließlich Wuchs ihm ein Streich gespielt, der mit dem Ableben des Lieblingsafsen der Frau Packy endete. Es gab natürlich ein imposantes Begräbnis. Aber nicht genug damit, die trauernde Hinterbliebene beauftragte den bekannten Nein Dorker Bildhauer mit der Herstellung eines großen Bronzestandbildes des dahin­gegangenen Vierfiißlers, unzählige Photographien wurden den: Künstler Mr Verfügung gestellt, die Arbeit gedieh, und nun ist, nach einem Berichte des Ganlois, mit großer Feierlichkeit das Affendenkmal enthüllt worden. erhebt sich inmitten des großen parkartigen Gartens der Fran Packy, viele Gäste waren zur Ein­weihung geladen, ein Musikkorps blies Fanfaren, es gab Reden Und ein Ehrenbankett, und beim Dessert verlas der Notar der Fran Packy eine Klausel aus dein Testamente der Denkmals­stifterin, in d« sie ihren Erben die Pflicht auferlegt, dereinst nach ihrem Tode das Denkmalihres besten Freundes in Ehren zu halten".

bk. Die Polar katze als Haustier. In Pittsburg ist soeben ein neues Haustier entdeckt morden. Diese Stadt enthält eine große Anzahl mächtiger Eiskeller, in denen Fleisch, Geflügel und Fische für den Export konserviert werden. Trotz der großen Kälte, die darin herrscht, haben sich Natten in Unmenge dort ein­gefunden und haben sich so stark vermehrt, daß man ihrer nicht mehr Herr werden konnte. Die gewöhnlichen Hauskatzen ivaren im Kampf gegen die Ratten nicht zu gebrauchen, da sie in der Kälte nach kurzer Zeit umkamen; Fallen leisteten nur geringe Dienste und so kamen denn einige findige Kopie nui ven Gedanken, eilte neue Katzen art, die vor kurzem in der Polarzone endeckt worden ist, einzusühren und zu züchten. Tie Polarkatze ist etwas größer wie die gewöhnliche Hauskatze; sie hat ein dichtes, schnee­weißes Eisbärenfell und verfügt über eine beträchtliche Kraft. Ein stattlicher Schnurrbart verleiht ihr ein rauhes, beinahe bös­artiges Aussehen. Die Versuche mit diesen Tieren sind so zufrieden­stellend ausgefallen, daß wie derGaulois" berichtet, die Polarkatze bereits an vielen Orten Amerikas zum Haustier erhobeu worden ist.

Die Flaschenpost als Heiratsvermittler. Die Heirat ist ein Glücksspiel", so dachte Fräulein Harriet King, eine reiche, etwas romantische junge Amerikanerin, und fo wollte sie das Schicksal selbst veranlassen, ihr einen Gatten zu- züfnhren: bei einer Angelfahrt schrieb sie ihren Namm, ihre Heiratswünsche, Adresse und was sonst nötig ist, auf ein Blatt Papier, verschloß L*feg' in eine Flasche und überließ die Flasche dann dem Spiel der Wellen, wobei sie zu ihren Gefährtinnen sagte, fie sei sicher, auf diese Weise den richtigen Mann zu bekommen. Wie erging es ihr nun? Tatsächlich wurde die Flasche von einem Manne aufgefischt, der glückliche Finder las den Zettel'und setzte sich, ganz wie es Fräulein King gewünscht hatte, mit der Ab­senderin in Verbindung. Es handelt sich, wie die amerikanischen Blätter Mitteilen, um einen siebzigjährigen Neger, der nicht nur verheiratet, sondern Vater von zehn Töchtern ist, und, wie er Anzufügte, einstweilen noch nicht genug Geld hätte, um Fräulein King selbst aufzusuchen. So beschränkte er sich darauf, der heirats­lustigen Amerikanerin einstweilen sein Porträt zu senden. Ob sie ihm Wohl das Reisegeld geschickt hat, damit er zu ihr kommen könne?

* V j m luftigen J o h n B u l l. S i ch e r st e r B e w e i s. Der Ehemann:Du mußt noch etwas vergessen haben, meine Teure." Sie:Ja, ich glaube wirklich, über sag' mal, woher

Weißt du denn das'?" Er:Ach, ich habe noch einen Schilling der Tasche." Keine Gefahr. Er:Würdest du schreien. Mary, wenn ich Dich jetzt küßte?" Sie:Aber natürlich würde ich!" Pause. Sie:George!" Er:Jia, was gibk's?" Sie (zögernd):Bat« ist taub." Verfehlte Wirkung. Ein reich« Gutsbesitzer, dessen höchster Stolz d« japanische Garten ist, Den « sich hat änlegen lässen, lädt dm japanischen Gesandte» zu Besuch, und nachdem er ihm alle Schönheiten seines Besitzes vorgestihrt, zeigt er ihm als letzte Ueberraschnng die englfschct Nachahmung der heimischen Gartenkunst. Entzückt steht d« Sohu Nippons und seinem Munde entringen sich ;nur die Worte; O, das ist wundervoll'! Wir haben in Japan nichts Aehn- liches." Die Taxe. Mr. Tightsist:Also Sie sind her wackre Bursche, der meine Frau mit eigen« Lebensgefahr vom Tode errettet hat? Nehmen Sie diesen Schilling, edler Mann> als Zeichen meines nie erlöschenden Dankes." Mr. Rags:Schon gut, Sie müssen ja hm besten wissen, was Ihre Frau wert ift/< ---- . i

Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

* Schabernack. Schabernack ein seltsames Wort, das noch nicht genügend erklärt ist. Und doch wie hat es den Schelm im Nacken! Ja, ähnlich deuten es manche: im Mittelhochdeut­schen hatte das Wort meist die Bedeutungrauhhaarige, etwa den Nacken schabende, reibende Mütze, Pelzmütze"; daneben bezeichnete es allerdings auch einen starken Wein. Sicher ist es nicht, ob bet zweite Bestandteil des Wortes nun den Nacken meine, oder ob er etwa mitnecken" zusammenhänge. Kurz, des schelmischen Wortes Ursprung ist nicht recht ergründbär, auch darin hat es den Schelm im Nacken.

vüchertisch.

Lehrer M athiessen. Roman von Hans Hy an. (Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin.) Die Geschichte eines Lehrers, der an einer Gemeindeschule in der .Kleinstadt! unterrichtet, wird hier erzählt; eines Mannes, der in seine Um­gebung nicht hineinpaßt, der an ihr fast zu Grunde geht, weil er den Menschen nach seinem Ideal formen will. Dem Buche, das von der ersten bis zur letztet: Seite Spannung aufweist und in schwierige Mißstände hineinleuchtet, wird sich«lich ein großer Erfolg beschieden sein.

Nadelkunst Nr. 3. Zeitschrift für Handarbeiten älterer und neuer« Zeit. Monatlich ein Heft. Abomtementspreis pro Jahr 2 Mark. (Berlag der Nadelknnst, Berlin W. 30, Heilbronner Straße 13.) Die vorliegende Nummer zeichnet sich durch reichen Jnhält aus. Besonders interessant ist ein Lehrgang alt­deutscher und altenglischer Zierstiche, d« in diesem Heft seinen Anfang nimmt. Techniken aller Art finit in dieser Zeitschrift enthalten, deutliche Erklärungen und klare Illustrationen sorget: dafür, daß die originellen Stick-, Strick-, Häkel- und Knüpfmuster nachgcarbcit-et werdet: können. Auch an die Kinder Händchen ist gedacht, und es wird unfern Damen nicht schwer fallen, luntet der Fülle das ausznsuchet:, was ihnen gefällt.

Rösselsprung.

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Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Ofenschirm, Friesen, Emmerich, Nero, Seine, Cicero, Horn, Irene, Nose, Moor.

Redaktion: I. V.: August Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießet».