Ausgabe 
23.7.1913
 
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Vüchrrtisch.

Peter Rosegger. Sein Leben und seine Werke, von !A. Bulliod. Deutsche Ausgabe von Dr. Moritz N«ker. Mit

beim 1. Bataillon Leibgarde. Bei ersterem betrug er 58, bei letzterem 65 Köpfe.

Bis zum Abend hatte Napoleon auf dem rechten -Flügel ber Connewitz und Probstheida die Angriffe seiner Gegner Abgeschlagen. Tie Dörfer Zuckelhausen, Holzhausen, Stünz, Schönefeld waren ihm verloren gegangen. Im Norden stand die Blüchersche Armee vor den Toren der Stadt Leipzig. Im Westen gelang es Bertrand, die Oesterreicher zurückzudrängen und so die Rückzugslinie Napo­leons frei zu machen. Der Abzug erfolgte in der Nacht auf der Straße nach Lützen. Er gestaltete sich schwierig, da die Truppen in der Nacht die Brücken über die Pleiße und Elster am Rau­städter Tor und bei Lindenau passieren mußten.

Mit Anbruch des Tages waren 3 Korps: von Viktor, Auge- reau und die Garden in Sicherheit; die anderen Korps zogen sich in die Borstädte von Leipzig zurück. Bis diese in Sicher­heit gebracht waren, sollte das 11. Korps unter Macdonald die Verteidigung der Stadt und die Deckung des Rückzuges über­nehmen.

Das 2. Bataillon der Gardefüsiliere, das den kaiserlichen Schatz und die Equipagen des Hauptquartiers. zu bewachen hatte, nahm an der Schlacht nicht teil. Ohne Nachricht von dem Ausgang der Schlacht, deren Kanonendonner sie schon seit 2 Tagen hörten, erschien plötzlich eine Kavallerie-Abteilung, die sie bei Eilenburg umstellte. Ein Kosakenoffizier forderte sie zur Uebergabe auf. Die französischen Generale Dürrer und Dutaillis erklärten dem Parlamentär, daß sie für sich nicht handeln könnten und von dem Kouimandanten von Torgau ab­hingen. Der Offizier kannte die Entfernung von Torgau nicht und ritt dahin ab. Der kaiserliche Wagenzug benutzte die Un- gewißheit der Offiziere und rückte in der Nacht nach Torgau ab.

Auf Stiern zum Dammerschoppen.

Erlebtes von Mitte Juli 1913.

Wenn ich einer der bekanntenältesten Leute" wäre, so würde ich sagen, -auf so etwas kann ich mich nicht! entsinnen. -Daß ich am 18. Juli wegen einer Schneekatastrophe nach unserer Alpen­besitzung gerufen wurde, erweckte in mir das unheimliche Gefühl, die Leute seien dort irrsinnig geworden. Daß die Kühe von den jAlmen heruntergetrieben worden waren, wußte ich bereits. Aber schließlich liegen unsere Almen zwischen .1600 Metern und 2100 Metern, so daß ein einigermaßen nachdrücklicher Wettersturz die Maßnahme des Abtriebes erklärlich machen konnte. Daß aber im Tal selber, aus 1100 Metern, der Schnee länger liegen blieb, wollte mir nicht recht einleuchten. Einmal hatte ich das erlebt, aber am 28. August, und nur einen Tag lang. Aber am 16. Juli, und gleich mehrere Tage? Ich wollte es nicht glauben!

Und doch war -es so. Unser Buchenwald war vom Schnee verbrämt, und viele der schönen Zweige brachen unter der un-, gewohnten Last ab. Tas Tal >0ar weiß, und aus den Nebeln imrbelten hin und wieder einzelne Flocken. Es war mir ganz feierlich zu Mut, wenn ich von der Veranda -auf diese nordischs Nebellandschaft blickte. Und als ich gefragt wurde, ob man .nur die Schier herunterbringen sollte, drehte ich mich höchst verwundert, mit Psychiaterbedenken um. Aber unser Faktotum hatte recht: es toar ein Wetter zum Schneeschuhlaufen.

So begab ich mich denn am 19. Juli 1913 in einer Meeres- Höhe von 1100 Metern auf Schiern zum Dümmerschoppen. -Im niedern Bauernstübel bei Beck war vielpures Personal", (ein Montafoner Ausdruck für Einheimische), versammelt: Finanzer (osterreichische Grenzjäger) und Schmuggler, Forstaufseher und Wilderer, Bergführer und Bauern. Und unter ihnen thronte der alte Hannibal Gaßner, der noch mit 90 Jahren Gepäck zum Lünersee hinaufgetragen hatte und Heuer seinen 107. Sommer erblickte. Er erzählte uns andächtigen Zuhörern, daß er solches Wetter schon einmal erlebt habe, und zwar 1827. Viel wurde gesprochen von den Henaussichten, dem Zustand des Viehs, und ob sich das Weiter ändern -würde. Auch das große Hochwasser (15./16. Juni 1910) kam noch zur Sprache, und manche Maß­nahmen zur Verhütung weiteren Unglücks wurden festgesetzt. Daß fern aus dem Balkan an die Völker aufeinanderschlagen, daß in den Parlamenten der Mächte einschneidende Heeres- Und Finanz- vesormen beschlossen werden: mit keinem Worte erwähnten es' die Söhne der Berge. Für sie gibt es ihr Tal und ihre- Natur, Und ihr Geschichtsbuch ist die mündliche Ueberlieserung. Was der alte .Hannibal Gaßner seinen Söhnen und Enkeln und den anderen Zuhörern erzählte, das werden diese ihren Nachkommen weitergeben. Und wenn unser aller Name längst vergessen ist, wird der letzte Ueberlebende den neuen Geschlechtern erzählen: >,Jni Jahre 1827 ist der Schnee im Juli tagelang im Tal ge­legen, und ich selber habe es 1913 erlebt!"

Emanuel K r e m n i tz.

einem Bildnis des Dichters. Brosch. 6 M'k. Verlag von 8. Staackmann in Leipzig. Gerade recht zum siebzigsten Geburtstag Peter Roseggers, des volkstümlichen deutschen Erzählers, erscheint seine Biographie von einem Franzosen . . . Verwundert fragt man sich: Wie? Bedurfte es erst eines französischen Prosessors,- um den heimatlichsten aller deutschen Heimatdichter zu würdigen? Bnlliod hat einen tieferen Einblick in die eigentümliche Schönheit der Roseggerschen Poesie gewonnen, als so mancher kritische Vorgänger, und bietet uns ein so geschlossenes, organisch aus der ursprünglichen Veranlagung und bäuerlichen Herkunft des Dichters herauswachsendes Bild, wie wir bisher noch keines besaßen. Rosegger als sozialen Dichter und Denker zu schildern und ihm in der Weltliteratur den Platz neben Tolstoi uni) Ruskin anzu­weisen, blieb dem Franzosen Bulli-od Vorbehalten, und zwar vielleicht eben gerade darum, weil er Franzose ist und als solcher völlig vorurteilsfrei, ganz voraussetzungslos an den Dichter heran­trat und ihn ans ihm selbst heraus zu verstehen suchte, indes ihn der deutsche Landsmann wenn auch zumeist unbewußt! - schon von irgend welchem Parteistandpunkte ans betrachtete. Nun hat ihn Bnlliod, ein außenstehender, in der psychologischen Litera­turwissenschaft Frankreichs ausgewachsener Philologe, studiert, mit -einer Liebe, mit einer Hingabe, mst einer Innigkeit des Nach- empsindens, die an sich Bewunderung verdienen. Keine.Seite von den vielen Schriften Roseggers ließ er ungelesen, keinen Brief, kein Tagebuchblatt desHeimgärtners"; ein vierjähriges Stu­dium ging der Abfassung seines Buches voraus; er verzeichnet feine Tatsache, keine Neusterung von -oder über Rosegger, ohiva genau und zuverlässig die Quelle auzUgebeu, der er sie entnommen hat, Und schildert uns in dieser Weise, die unser Vertrauen völlig gewinnt, zuerst das Leben des Dichters, daun seine Kunst und Weltanschauung. Und da er soviel als möglich sich der eigenen Worte Roseggers bedient, so erhalten wir gewissermaßen einen Rosegger in nuce, einen Rosegger yls Erzieher, Den feinsten Dust feiner reichen Persönlichkeit. Wie das französische Werk von Bulliod schlechthin eine Meisterleistung darstellt, so muß auch der Ueberiragung von Dr. Moritz Necker höchstes Lob gezollt werden. Sie liest sich mühelos, leich-t und angenehm, die psycho­logischen Höhepunkte des Originals sind überall ins hellste Licht gerückt, und Hand in Hand geht damit eine direkt bewunderns­werte Feinheit int sprachlichen und gedanklichen Ausdruck, ber die Meinung erweckt, man habe gar keine Mb-ertragnug, sondern ein Original vor sich. Fürwahr das beste Und schönste Lob,' was man einer Uebersetzung nachrühmen kann. Tas vorliegende flott und unterhaltsam geschriebene Werk über Peter Rosegger ist für die Freunde des Dichters wie für Bibliotheken und für den Lit-e- ratursorscher unentbehrlich, da -es zum erstenmal die geistige Ge- samtbedeutuug Peter Roseggers in die rechte Beleuchtung rückt. Wir können es nur wärmstens empfehlen.

Velhagen u. Klasings Volksbücher. Preis jedes Bandes 60 Psg. In Belhageit n. Klasings Volksbüchern (Verlag von Velhagen u. Klasing, Bielefeld und Leipzig; jedes; der reich, auch farbig illustrierten Bändchen kostet 60 Pfg.) ist, gerade recht zu Roseggers 70. Geburtstag, eine feinsinnige Cha­rakteristik des steirischen Poeten ans der Feder von Dr. Ernst D-eesey erschienen. Tas Buch ragt nicht nur in der Kunst der Schilderung über den Durchschnitt empor, sondern enthält eine Menge bisher unbekannten Materials, Briefe und Bilder, die für die Kenntnis von Roseggers Persönlichkeit wichtig sind. Gleich­zeitig mit dieser Dichterbioaraphie erscheint eine lebendige Schil­derung des Wesens und der Werke Händels von Gustav Tbor- mälius. Die Abteilung Erdkunde bereichern in erfreulicher Weise die Städtebilder Leipzig von Dr. Johannes Kleinpaul und Mim- chen von Maximilian Krauß.

Diamantratsei.

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In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaaabbcce eggghhiiioorrsnu derart einzntragen, dost die wagerechtcn Reihen lolgendes bedeuten:

1. Einen Buchstaben.

2. Einen Raubvogel.

3. Seemännische Bezeichnung.

4. Stadt in Amerika.

5. Nordische Gottheit.

6. Türkischen Ehrentitel.

7. Einen Buchstaben.

Die senkrechte und magercehte Mittet* reihe ergeben das Gleiche.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer r Wenn Gnade Mörder schont, verübt sie Mord.

Nedaklion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchen Universitäts-Buch* und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,