Ausgabe 
23.7.1913
 
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zu stehen. Holzhansen wird von anderen Teilen des MacdonaldscheN KorPS verteidigt.

Gegen 8 Uhr vertrieben die Sonnenstrahlen die Nebel und zeigen den Bataillonen in einer Entfernung von 1/4 Stunde eine fast parallel mit ihrer '"Ausstellung laufende Anhöhe, die mit Batterien besetzt ist, von der Jnfanteriemassen heranrücken. Wieder Nebel und Wolken. Den Schützen des 1. Bataillons Leibgarde gelingt es, sich in einem Graben heranzuschleichen, um svdanN ein Feuer auf den Gegner zu eröffnen. Ter Feind stutzt, und' beginnt die Kanonade auf das Dorf Z n cke l hau sen. Tie vor dem Orte ausgefahrene hessische Artillerie erwidert lebhaft kürze Zeit das Feuer, zieht sich aber daraus nach dem Steinberg zurück. Die Bataillone hinter der Lehmmauer hüben keine Verluste. Die Schützen behaupten ihre Stellung vor dem Dorf in den Gräben. Bald darauf wird H 0 lzhausen von den Oesterreichcrn unter Klcnau genommen. Bon hier aus rücken sie aus Zuckelhausen vor, unterstützt von Abteilungen der preußischen Brigade Ziethen. Da sich nun die hessischen Bataillone in Zuckelhausen rechts und links bedroht sahen, erhalten sie den Besehl zum Rückzug. Die Schützen und das 1. Bataillon der Gardefüsiliere verlassen zuletzt das Dorf. Der Rückzug der Bataillone erfolgt nach dem Steinberg und vollzieht sich in größter Ruhe, wenn er auch durch das lebhafte Feuer des Gegners gestört wurde. Bei dem Steinberg vereinigt sich die ganze hessische Brigade, und formiert sich zum Rückzug nach Stötteritz.

Ter Rückzug der. Hessen vom Steinberg nach Stötteritz' ge­schieht in wahrhaft musterhafter Weise. Prinz Emil befindet sich an der Spitze der Bataillone und lenktmit weiser Ueberlegung" ihren Marsch. Er versteht es, durch seine persönliche Haltung das Vertrauen der Soldaten zu ihrem Führer zu erhöhen.Weder die fortwährend verheerende Wirkung der feindlichen Batterien und das aus der Flanke kommende Kleingewehrfeuer, noch die Bedrohung durch Kavallerieangriffe können die Ordnung der Hess. Truppen wankend machen." Diese Ruhe imponiert dem Feind so sehr, daß er keinen Kavallerieangriff zu machen wagt . und sich begnügt, ein lebhaftes Feuer zu unterhalten.Nach! jeden in verzögertem Feldschritt zurückgelegten etwaigen 100 Schritten wurde von den Bataillonen Halt gemacht und dem Feinde die Stirne geboten." Marschall Berthisre kommt an Prinz Emil herangesprengt und ruft:Mais, man Treu, prince, allez- vous donc?" Worauf das Kommando:Bataillon, halt!" Tie Verluste waren bedeutend. Durch jede einschlagende Geschlltzkugel wurden meist mehrere Soldaten uiedergerissen. Ein französisches Infanterieregiment, Reste der Division Charpentier, streifte ein hessisches Bataillon so nahe, daß man befürchtete, die Mannschaft könnte mit fortgerissen werden. Das hessische Bataillon stand. Die Strecke von Zuckelhausen nach Stötteritz, die sonst in einer, halben Stunde zurückzulegen ist, wurde in 2 Stunden znrückgelegt.

Das 1. Bataillon Leibgarde hatte bei diesem Rückzug keine Verluste. Seine Schützen, die den Rückmarsch der beiden Bataillone zu decken hätten, wären nicht so glücklich. Die ihnen folgenden österreichischen Jäger lichten ihre Reihen. Tie Schützen liefen Gefahr, auf dem linken Flügel abgeschnitten zu werden, als ihnen die Leibkonrpagnie des G a r d e r e g i m e n t § Unter Anführung des Prinzen Witgenstein zu Hilfe kommt und sie auf­nimmt. Gegen 3 Uhr kommen die Schützen bei ihren Bataillonen, an. Tie Bataillone marschieren bei Stötteritz rechts und links der Straße in Schlachtordnung auf und werden von dem Tiviiions- general Marchand wegen ihres kaltblütigen Rückzuges belobt. 24 Geschütze fahren auf dem linken Flügel auf und eröffnen eine lebhafte Kanonade.

Von Stötteritz aus gehen .die hessischen Bataillone unter einem Hagel von Geschossen nach Holz hausen vor. Hier wurde das G a r d e f ü s i l i e r b a t a i l l v n besonders mitgenom­men. Jetzt erscheint der Kaiser mit seiner alten Garde und drängt mit einer Kürässierdivision unter Anführung des Königs von Neapel die feindlichen Massen rechts von Stötteritz zurück. Da die Artillerie der Division Marchand auf dem linken Flügel von den Russen bedrängt wurde, wird gegen 4 Uhr dem 1. Garde- süsilierbataillon befohlen, im Verein mit dem 8. franzö­sischen Husarenregimcnt den Gegner zurückzuwerfen. Ties gelingt auch; das Bataillon muß sich aber infolge des kräftigen Artiller,e- seuers zurückziehen. Die Bataillone nehmen eine geschütztere Stel­lung in den Vertiefungen der Sandgräben ein.

Ueberdessen tobte der Geschützkämpf fort. Tie hessischen Ar­tillerie gab an diesem Tage 855 Schüsse ah. Da sie aber keine Munition mehr besaß und die französischen größeren Geschosse nicht gebrauchen kviinte, wurden 4 Geschütze demontiert uiid zuruck- gesandt Dadurch entging diese Artillerieabteilung der Gefangen­schaft am folgenden Tage. Erst gegen Abend nahm das Ar­tilleriefeuer ab. r , ,,

Bei Beginn der Dämmerung schlagt ein Hagel von Granaten in die Stellung der Bataillone in den Sandgräben ein. Tas 1 Füsilierbataillon erlitt dabei große Verluste. Prinz Emil hielt rechts bei seiner Brigade. Ein Geschoß traf tödlich seinen Adjutanten und einen Hauptmann der 1. Kompagnie der Füsiliere. Tie Nacht brach ein. Jetzt würde die Verlustliste ausgezeichnet Sie ergab bei 1600 Köpfen einen Verlust von 216 Toten und Verwundeten, darunter 14 Offiziere; 163 Mann wurden ver­mißt. Der Gesamtverlust betrug 14 Offiziere, 36a Mann. Am stärksten war der .Verlust beim 1. Füsilierbatarllvn und

hei Gülden - G 0 ssa und wurde von dem russischen General Gorlschakov befehligt. Hieran schloß sich ein iveitercs Korps, meist Russen, unter dein Befehl des Prinzen Eugen von Württem­berg; es sollte in der Richtung Wachau operieren. Eine vierte Kolonne stand unter dem preußischen General v. Kleist; sic hatte sich nach Mark-Kleeberg zu bewegen. Mit 35 000 Oesterreichern schob sich Schwarzenberg zwischen Elster und Pleiße ein, um den rechten französischen Flügel bei Dölitz zu umfassen. Im Westen von Leipzig stand der österreichische General Gyulay, um gegen den französischen General Bertrand bei Linden au vorzugehcn.

Ter 16. Oktober lvar ein kalter, trüber Tag. Tie Sonne konnte nicht hinter den Wolken hervorbrechen. Die Division Marchand erhielt mit Tngesgraucn Befehl, von Taucha aus, östlich von Leipzig gelegen, nach Süden auf H 0 l z h a u s e n zu "marschieren. Um 9 Uhr nimmt das preußische Korps Kleist Mark-Kleeberg nnd hält den Ort besetzt. Vergeblich bemühen sich die russischen Korps, Wachau und Lieber t wol krvitz zu nehmen. Tas österreichische Korps Klenau dringt bis zum Kolm­berg vor, besetzt ihn und wirft weitere Abteilungen nach Siebert» wolkwitz. Vom Kolmberg aus eröffnen die östeorreichischen Batterien ein lebhaftes Feuer nach Holzhansen hin, auf welchen Ort gerade die Division Marchand nnd die hessische Brigade marschieren.

Tie Tivision Charpentier vom 11. französischen Korps nimmt dem Feind die Stellung beim Kolmberg ab nnd drängt den Gegner noch weiter darüber hinaus zurück. Tie hessische Brigade rückt der Division Charpentier nach und besetzt den Kolmberg, lieber all war der Boden von Toten und Verwundeten bedeckt und zeugte von der Hartnäckigkeit des hier bestandenen Kampfes. Die hessische Infanterie wird hinter einer von französischen Sa- pcürs hergestellten Brustwehr aufgestellt; die Artillerie protzte nm Abhang nach L i e b e r t w 0 l kwi tz ab. Die österreichische Kolonne Klenau muß gegen Abend den Versuch, sich bei Liebcrt- wolkwitz sestzusetzen, aufgeben und zieht sich nach Groß-Pößnan zurück, wobei sie von der hessischen nnd französischen Artillerie lütter lebhaftes Feuer genommen wurde. Tas Kanonenfeuer, das der Gegner erwiderte, war ohne Erfolg; die Kugeln rollten an der Brustwehr herunter.

Am 16. Oktober hatte Napoleon im Süden alle Angriffe seiner Gegner abgeschlagen, so daß er sich mit Recht an diesem Tage den Sieg zuschreiben konnte. Dagegen hatte sein Marschall Marmont im Norden von Leipzig bei Möckern durch Horck eine vollständige Niederlage erlitten, wodurch die Rückzugslinie der ganzen französischen Armee bedroht wurde.

Die Nacht vom 16./17. Oktober biwakierte die hessische Brigade auf dem Kolmberg. Dieses Biwak war das schlimmste während des ganzen Feldzuges. Tie Truppen befanden sich auf dem kahlen Sandhügel ohne Lebensmittel, außer dem, was der Mann noch im Tornister hatte, ohne Holz und ohne Wässer. Tie Witterung war rauh und nebelig. Es blieb nichts übrig, als Räderspeichen, Gewehrschäfte, Sättel auf dem Schlachtfeld zu sam­meln Und zur Feuerung zst benutzen, sowie das in den Pfützen befindliche Wasser zum Trinken und Kochen zu verwenden. Am 17. besserte sich die Lage der Brigade. Die Truppen erhalten Lebensmittel, Wasser und Holz.

Der 1 7. Oktv 6 er war ein Sonntag; die gegenseitigen feind- lichen Bewegungen ruhten. Sollte und konnte Napoleon Noch einmal am 18. sein Schlachtenglück versuchen? Wie ost hatte es ihn in ebenso schwierigen Lagen nicht verlassen! In seinem stolzen Selbstbewußtsein verschmähte er es, jetzt den Rückzug nach dem Rhein anzutreten, der ihm an diesem Tage noch gesichert war. Als er in der Frühe des 17. über das Schlachtfeld des vorhergehenden Tages 'ritt, konnten ihm Bedenken aufsteigen, 'ob sich seine Sage am 18. bessern würde. ' Er erfuhr, bafji ein böhmisches Heer zur weiteren Verstärkung heranrücke, auch Bennig­sen eingetroffen sei, und Bernadotte, der alte Zauderer, sich an» schicke, sich mit seinen Schweden im Norden von Leipzig bei Breitenfeld deut Korps Blücher ztt nähern. Jetzt versuchte Napo­leon, seinen Schwiegervater, den Kaiser Franz für sich zu ge- wittnen. Er sandte zu diesem Zweck den gefangenen General Meerveldt in das Hauptquartier des Kaisers ab, erhielt abtzr auf seine Vorschläge keine Antwort.

Da Napoleon am 18. Oktober eine Umzingelung seiner ganzer: Armee drohte, zieht er feine Kräfte näher an Leipzig heran und nimmt seine Ausstellung in der Linie Connewitz, Probst­heida, Holzhausen, Stünz bis Schönefeld. Das Korps Macdonald sollte seine. Stellung bei Zuckelhausen, Holzhausen bis zum Stein­berg nehmen, die hessische Brigade sich bei Zuckelhausen versammeln.

Gegen 4 Uhr morgens wird der Kolmberg verlassen, und die Division marschiert in die ihr zugewiesene Stellung. Der Marsch wirb in aller Stille angetreten, aber in der Dunkelheit sehr langsam vollzogen. Prinz Emil ordnet selbst die 'Auf­stellung des 1. Bataillons Leibgarde und des 1. Bataillons jGardefüsiliere in Zuckelhaüsen hinter einet Lehm- Mäuer an, die um das Dorf führte und in Brusthöhe abgetragen Wurde. Der Tag fängt an zu grauen, als Zuckelhausen besetzt Würbe. Ein dichter Nebel verbirgt die Stellung und Bewegungen 'des Feindes, der mit der Arrisreaarde vor Holzhausen bereits engagiert war. DaÄ 2. Bätmltzm Leibgarde und das Leib- tegtment kommen auf dem St e1116erg in einer Lehmgrube