Ausgabe 
23.4.1913
 
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Miariuesoldaten jeder Gattung zu Bataillonen zusankmeu, die den aus Spanien herbeigeholten an Zahl und TienstLrauchbarkeit in keiner Weise nachstauden. Gleichzeitig drückte er die Genehmigung dazu durch, daß die nicht außerhalb der Landesgreuze zu ver­wendenden sog.Kohorten" vom! ersten Aufgebot der Rational­garde in einer Gesamtstärke von etwa 80 000 Mann dem aktiven Heere zur Verfügung gestellt wurden. Diese schon seit April 1812 unter den Waffen befindlichen Truppen ließ Napoleon zu 22 neuen Linien-Regimeuteru zusanimenstellen. Ein Teil dieser genannten Stam'mtrrippen wurde laut Januar-Seuatsbeschluß, durch! den be­reits cinberufeuen Jahrgang 1813 in der Stärke von etwa 140 000 Rekruten ergänzt, wozu int Februar noch weitere 100000 der bei den Aushebungen von 1809 bis 1812 nicht eingestellten hinzu­traten. Weitere Einstellungen erfolgten durch den Senatsbeschluß vom 3. April und zwar die schon im Januar genehmigten 150 000 Ausgehobenen voin Jahre 1814, weitere 90Ö00 desselben Jahr­ganges, sowie 80 000 Mann des ersten Aufgebots der National­garde. Außerdem wurden .durch einen sanften Druck des Kaisers nach Art der preußischen freiwilligen Jäger mehrere leichte Regi­menter berittenerEhrengarde" in der Stärke von etwa 10 000 Mann gebildet. Diese Truppe trug eine besonders prächtige HusareuuniforiN und wurde mit besonderen Vorrechten ausgestattet.

, Naturgemäß mußte Napoleon bei dieser etwas gewaltsamen Zusammentreibung seiner Streitkräfte mit einem erheblichen Aus- sall rechnen. Von den Neuausgehobenen war ein großer Teil überhaupt ganz unbrauchbar und auch durch sonstige Abgänge blieb dre Sollstärke nut etwa ein Fünftel hinter den Erwartungen zuruck, so daß die große Armee von 1813 etwa 600 000 Mann ganzen stark gewesen sein mag. Die Kosten für den neuen Feldzug bürdete Napoleon den Gemeinden, insofern auf, als er deren Ländereien einfach einzog und sie dafür nur durch fünf- prozentige Eintragungen in das Staatsschuldbuch entschädigen ließ. Gleichzeitig schaffte er durch diese air Raub grenzende Finanz- «o«ra0.1,1. ^en leit zwei Jahren augesanfmclten Fehlbetrag von 232 Millionen Franks aus der Welt.

, .blwa Mitte April hatte Napoleon an der Riescnausgabe der Bereitstellung dieser neuen Huudcrttausende in Paris ununter­brochen ferne ganze Arbeitskraft eingesetzt. Nun handelte es üch..darum, die endlosen Kolonnen dieser nreist noch unfertigen wcasfen vom Rhein aus in Verbindung mit den Hilfstruppen dss Rheinbundes durch Thüringen gegen die an der mittleren Elbe stehenden Verbündeten zu dirigieren. Von Mainz aus gedachte der Kaiser die letzte Hand an die beschleunigte Vorwarts- bclcegung der gewaltigen Heeressäulen zu legen.

. Im Morgengrauen des 17. April trifft der Unermüdliche rn der Rhein- mrd Mainstadt ein. Schon wochenlang vorher hatten dm Luyeranteii und Handwerker von Mainz, Frankfurt und Hanau alle Häirde voll zu tun, um das an der Ausrüstung der Truppeil Fehlende noch rechtzeitig zu beschaffen und fertig­zustellen. Denn bei der fieberhaften Tätigkeit in Frankreich war manches Hals über Kopf gegangen.

Während nun der Bizekönig Eugen mit der Elb-Armee nach deut Nasenstüber bei Möckern eine Bereitstellung hinter der Saale einnahm, versammelte Napolcoii die Hauptbestandteile der neuen Armee und die Rheinbiindtruppen unter der Bezeichnung Marine-Armee" in der Maingegend. Um Würzburg zog Mar­schall Ney, der Fürst von der Moskwa, das timt dem geschäf­tigen General Kellermann in Mainz trefflich vorgebildete 3. Armec- korps zusammen, um gegen Mitte April nach Meiningen zu marschieren. Diesem Korps wurde auch, die aus 11 Bataillonen Badenern, Hessen und Frankfurtern bestehende Division Mar­chand sowie ein 1812 ans Spanien zurückgezogenes badisches Kavallerie-Regiment nebst 16 badischen und hessischen Geschützen zugeteilt. Ihre Infanterie bestaiid aus dem 2. und 3. badischen ^nsanterie-Regiment, dem Frankfurter Infanterie-Regiment, beut 2. chMischen Infanterie-Regiment, den hessischen Gardefüsiliereil und der hessischen Leibgarde. Auch das 12. Armeekorps des Mar­schalls Oudinot, zu dein' die bayrische Division Raglovich. ge- horte, sammelte sich bet Würzburg. Etwa auf gleicher Höhe schob Marschall Marmont, der tut Juli 1812 in Spanien gegen Wellington die Schlacht bei Salamanca verlor, fein v6. Armee­korps zu derselben Zeit nach Eisenach vor, während eine seiner Divisionen zum Schutze des Königreichs Westsalcit und des Grvß- herzogtnms Berg bei Gießen Aufstellung nahm. Tie westfälische Ttvisioii selbst sammelte sich inzwischen unter dem General von Uammerstein bei Kassel, um erst sAnfaug Mai dem Korps des Mar­schalls Marmont eiitverleibt zu werden. Ebenfalls Mitte April erreichte von Verona her Marschall Bertraud mit dem aus ita­lienischen Truppen zusammengesetzten 4. Armeekorps die Gegend von Bamberg; erst nach der Schlacht bei Großgörschen trat die württembergische Division Franguemout unter die Befehle dieses Generals.

Am weitesten rückwärts stand bei Mainz die einzige, wirklich vorzügliche Truppe, die 15 000 Münn starke Kaisergarde. Ihre Infanterie war dem Marschall Mortier unterstellt, währeitd Mar­schall Bessitzres, der Herzog von Istrien, die Kavallerie befehligte. Die Jnfaillerie bestand aus 2 Bataillonen alter itnb 14 Batail­lonen junger Garde; die Kavallerie, ivorunter auch eine augen­blicklich abkommandierts SOvadroit bergischer Lanziers, aus 16 EZkadroils. M Artillerie verfügte die Garde über 6 Batte-

ru'ii mit 42 Geschützien. Tie 6 Bataillone zahlende, nodii bei der Elb-Armee befindliche Garde-Division Rognet sollte beim Vormarsch nach Sachsen zur Main-Armee stoßen, während noch 12 weitere Gardebataillone mit 8 Schwadronen und 9 Batterien ßu) noch aus dem Innern Frankreichs int Altmarsch befanden.

so tonnte der Kaiser zwar in Mainz an geschlossenen Ver­banden nur diese Elitetruppe persönlich besichtigen. Doch musterte er eoenfälls mit prüfendem Blick die sonstigen uachmarschkerenden Truppenabteiliiiigen. Und Mit weitschaueiidem Auge übersah er mtch alle die bereits aM oberen Main dem Brennpunkt der Stellung der Verbündeten zustrebenden Heeresteile. Endgültig ordnete der geniale Kriegsmeister von hier ans dte Zusammen- setzung setner dte gefaulten deutschen Lande überschwemmendM Korps und suchte mit sicherem Blick für die höheren wie auch die niederen Kommando stell en die geeigneten Führer aus.

. Uber nicht ohne Bangen sah der gewaltige Imperator bei setner NM 2o. April erfolgendett Weiterreise trotz, seiner Sieges- zuverdicht dem kommenden Feldzüge entgegen. War es doch keinem' Kennerauge nicht entgangen, daß weder der äußere noch der innere Wert des aufgebotenen Materials dem! seiner früheren Kriegszüge in keiner Weise gleichkam. Bei der In­fanterie fchlte dem' größeren Teile der Mannschaften die Einzel- und die Schießausbildung fast vollständig und auch das Trupp- WWeren sowie der Felddienst ioareit auf das notdürftigste be- schranft gewesen. Infolgedessen müßten sogar die Marschtage nach dem' KrieElchauplatze zur Ergänzung der Ausbildung benutzt werden. Tie Kavallerie war im Vergleich zu der der Verbün- deten äußerst schwach, das Pserdematerial jämmerlich und die Reitferltgkeit derNeuausgehobenen Mehr wie ungenügend. Tie Artillerie hatte dieselben Mängel, außerdem waren die 'Geschütze veraltet und meist nur mit vier Pferden bespannt. Auch die Mimitionsausrüstung, die Leistungsfähigkeit der Feldverwaltungs­behörden, des)Generalstabes und des Sanitätswesens ließen aller­hand zu wünschen übrig. Was aber den inneren Wert der nur zu zwei Dritteln ans Franzosen bestehenden Armee betrifft, so war die Kriegsbegeisterung im Hinblick auf diejenige der Ver­bündeten eine wenig nachhaltige. Auch die Manneszucht konnte nicht die beste sein, da doch ein sehr großer Teil der Ausge-'' I)obenen_ nur sehr widerwillig diente.

..., Daß Lei dieser arg begrenzten Leistungsfähigkeit der franzö- NMwii Armee ein bleibender Erfolg nur allein durch! überlegene 'Ojjm'ung wieder wettznmachen war, diese lleberzenguitg hatte itch auch dem genialen Korsen in nicht miWutierstehender Deutlich­keit aufgedrängt. Gab' er doch selbst dieser Notwendigkeit Aus­druck, indem er sagte:Ich werde diesen Feldzug als General Bonaparte und nicht als Kaiser Machen!"

Gibt es traumlosen Schlaf?

Fester, traumloser Schlaf" das ist eine Redewendung, die jedem geläufig ist, und wenn sie den Tatsachen entspräche, wäre der Schlaf wirklich derBruder des Todes". Gibt es wirk­lich traumlosen Schlaf? Die Ansichten der Gelehrten gehen dar­über auseinander; Cartesius, Leibniz und Kant bestreiten es, andere Forscher, darunter recht angesehene Psychologen, z. B, Strümpell, Hammond und Weygandt, behaupten es. Auch die moderne Psychoanalyse leugnet den traumlosen Schlaf, und neuer­dings hak diese Anschauung in dem Breslauer Nervenarzt Dr. Richard Traugott einen Verfechter gefunden.

In seinem soeben bei Curt Kabitzsch in Würzburg erscheinenden BucheDer Traum, psychologisch und kulturgeschichtlich betrachtet", greift er das Problem von einer neuen Seite an. Die Theorien über den Schlaf, die Blutleere oder Blutüberfüllung des Gehirns aunehmen, führen nach seiner durchaus berechtigten Annahme zu' keiner Beantwortung der Frage, da ja, wie schon Kronthal dargetan hak, Schlaserscheiniingen bei Tieren vorkommen, die gar kein entwickeltes Gehirn haben und selbst Pflanzen schlafen. Befragt man andere Meiisehen, ob sie traumlos schlafen, so kann man aus der Antwort keine Schlüffe ziehen, da wegen des bekannten raschen Vergessens der Träume niemand ein Kriterium dafür hat, ob seine Angaben richtig sind ober nicht, und ans dem gleichen Grunde versagt die Selbstbeobachtung. Dr. Traugott wirst nun die Frage auf, worin Wesen und Zweck des Schlafes bestehen:' der Schlaf dient dazu, das Gleichgewicht im Körper zwischen Aufbau und Verbrauch wieder herzustellen. So ist der Schlaf von Shakespeare auf das treffendste charakterisiert worden, der ihn den zweiten Gang int Gastmahl der Natur, das nährendste Gericht beim Fest des Lebens" genannt hat. Abbau und Wieder­aufbau (Dissimilation und Assimilation), gehen nun beim Wachen wie int Schlaf gleichzeitig nebeneinander her, nur ist es im höchsten Grade wahrscheinlich, daß im Wachen der Abbau, beim Schlaf der Ausbau überwiegt. Die Körperorgane arbeiten während des Schlafes weiter, wenn auch die Arbeit ermäßigt ist. Der Analogieschluß führt nun dazu, daß ebenso wie in anderen Or­ganen auch in der Rinde des Großhirns Ausbau und Abbau tut Schlafe gleichzeitig bestehen, mit anderen Worten, daß auch im Schlaf die besondere Tätigkeit der Großhirnrinde, die Bewußt­seinstätigkeit, nie aufhört. Nun ist aber der Traum doch nichts anderes, als die dem Schlafe eigentümliche, durch ihn modifizierte Bewußtseiustätigkeit. Zusammeugefaßt heißt dies in den Worten