Ausgabe 
23.4.1913
 
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Zwei Welten.

Roman von Emma MerL

(Nackdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Er Hatte bei seiner Mutter zu starke Vortvürfe über dasverzogene Ding" schlucken müssen, sein Aerger über Leu peinlichsten Auftritt am Namenstag erwachte wieder mit erneuter Heftigkeit. Aufs äußerste gereizt durch Hilde­gards trotzigen Ton, schrie er sie mit Heiserer Stimme und dunkelrotem Gesicht an:

Weißt, auf Ä*n Kopf laß ich mir von dir auch nicht herumtanzen! Nichts als Zorn und Schänd' hüt man von dir. Ich hab' ja gemeint, ich müßt' in den Boden sinken vor Verlegenheit, wie du dich bei meiner Mutter benommen hast. Vor meinen Geschwistern vor der ganzen Verwandt­schaft. So was ist noch nicht dag'wesen bei uns. Je älter du.wirft, desto mehr merkt man den Widerspruchsgeist! Biel zu gut sind wir g'wesen gegen dich. Wir Hätten ganz andere Saiten ausziehen sollen, damit du g'merkt Hätt'ft, was du so einer Familie, wie die unsere ist, schuldig bist! Meine Mutter hat schon recht: dir steckt's rm Mut!"

Adolf!" unterbrach ihn Mali mit einem erschrockenen Aufschrei Und hob mit flehender Gebärde die Hände empor.

Aber gerade der angstvolle Ausruf der Mutter gab den Worten, 'die Hildegard nun zum zweitenmal hörte, eine um so eindrucksvollere, "liefere Wirkung.

Das junge Mädchen war aufgesprungen.

Mit erregten Zügen, in banger Spannung stand sie beit Eltern gegenüber.

,-Was meinst du damit, Papa? Was meinte deine Mutter?" stieß sie mit bebenden Lippen hervor.Bin ich . . bin ich denn nicht euer Kind?"

Ein Dieses Schweigen folgte.

Adolf senkte, nach einem verlegenen Blick auf seine Frau, die zu weinen anfing', den Kopf.

-Ach was! Weil 'sie einen doch auch immer so aus­einander bringen muß, daß nmn gar nicht weiß, was man sagt!" brummte er. Aber heiß und fragend blieben die jungen Augen auf ihn gerichtet.

Er mußte sprechen. Es war zu spät zum Rückzug,

,,Wir haben dich an Kindesstatt angenommen. Also bist du unser Kind!" tvarf er mißmutig hin, die traurige Miene seiner Frau ging ihm zu Herzen, und er bereute nun, daß ihm im Zorn das langgehütete Geheimnis ent­schlüpft war.

Aber wer wer waren meine Eltern?" stammelte Hildegard totenblaß.

Fetzt hilft's alles nichts mehr, Adolf. Jetzt mußt' es ihr halt erzählen," warf Mali nach einem Seufzer ein.Wenn es nach mir 'gangen wär', dann hätt'st du's erst an deinem Hochzeitstag 'hören sollen, Hildegard!

Schau, ich hab' dich immer so gern g'habt, als wenn, du mein eigenes Kind ivärst!"

Das junge Mädchen faßte in tiefer Bewegung Frau Malis warme, weiche Hand und behielt sie in der ihren, während Adolf nach einigem Zögern zu reden anfing:

No also, weißt's, b'vor ich unser jetziges Haus 'kauft hab, haben wir in der Schwanthalerstraß' g'wvhnt. Und im Rückgebäud', da waren mehrere Malerateliers. Und da ist eines Tages ein junges Ehepaar eingezogen mit einem kleinen Btädel. Vier Jahr bist du damals alt g'wesen. No, wir haben halt keine Kinder g'habt und die Mali war so ein Kindernarr, sie hat immer ganz ver­liebt hinüberg'schaut in den Hof, wenn du rumg'fprungsn bist, und mit dem kleinen weißen Hund vom Hausherrn g'spielt hast. Manchmal hat die Mali dir nachher was Gut's hinunterg'worfen, einen Schokolad' oder ein Zel­te rl und später hat sie dich auch mit hinaufg'nommen in die Wohnung, und du hast mit einem schönen Puppen- zimmer spielen dürfen, das sie noch aus ihrer eigenen Kinderzeit aufg'hoben g'habt halt'. Wie nachher Deine Mutter krank 'worden ist, bist du den ganzen Tag bei uns g'wesen. Ich hab' ja auch die Kinder gern und es hat uns g'freut, daß es dir so gut geschmeckt hat bei uns, und wir haben soviel lachen müssen über deine drolligen Reden. Oft hast mich im stillen derbarmt, weil man halt doch im Haus erzählt hat, daß es deinem Vater schlecht geht, daß er nichts verdienen kann, besonders in der letz­ten Zeit, die Frau ist so fchwerkr-ank dag'legen, der Dok­tor, die Apotheken haben soviel Geld g'kost und er hat sich so g'sorgt und abg härmt um sie und die ganze Nacht ist er an ihrem Bett g'sefsen. Wo soll denn so ein armer Mensch, der von der Hand in den Mund leben muß, die Schneid zum Arbeiten "hernehmen, wenn so etwas daher kommt. No, und dann ist die arme Frau g'ftorben. Da ist er ganz zusammeng'brochen. Die Leut' im Rückg'bäud haben alle g'sagt, so einen Jammer hätten's noch gar nie g'sehn. Er hat auch nicht viel nach seinem Kind g'fragt. Du bist Tag und Nacht bei uns g'wesen. Du hast dich g'fürcht in der traurigen Wohnung und vor dem finsteren G'ficht von deinem Vater. Meine Mali hast so derbarmt, sie hat dich nimmer herlassen wollen. So hat's ja nicht weitergehen können bei dem Mann. Er hat ja was ver­dienen' müssen. Da ist ein guter Freund zu ihm kommen und hat ihm eine Stell' an'tragen, als Zeichner bei einer großen englischen Zeitung, die einen eigenen Künstler dahin schickt, wo'gräd was passiert. Die Engländer haben damals Krieg g'führt mit Aegypten, da hat er hin müssen, ganz weit fort, dlber der Freund hat g'meint, das wär' das einzige, daß er halt h'rauskäm' aus der Not und aus der Trübsal. Mir ist die Geschichte zu Ohren 'kommen, ich und dis Mali haben gleich g'sagt: ja, was sangt er denn nachher mit dem (Kind an? Das kann er ja doch nicht mitnehmen. Und dis Mali hat's Heulen ang'sangen vor lauter Angst, daß sie dich hergeben müßt', Da bin