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„Es ist nicht der Tender, sondern ein Torpedoboot."
„Aber es hält auf den Hafen zu!"
„Ja. Es wird landen und die Offiziere werden zu uns kommen, uni unsere letzten Reste zu verzehren."
„Vielleicht bringt es Proviant mit?"
„Nein. Das ist den Torpedos streng verboten."
In den schönen Jahreszeiten kam es sehr oft vor, daß Torpedos in Brioni anlegten und die Offiziere ihr Mittagsmahl im Hotel einnahmen.
Vielleicht wollten diese mm, da sie schon einmal Dienst hatten, den Weihnachtsabend lieber im Hotel verbringen als draußen auf stürmischem Meer.
Der längliche schwarze Punkt, der aussah wie eine Riesenzigarre, kam rasch näher. Bald hatten ihn auch die andern bemerkt. Sämtliche Bewohner des Hotels versammelten sich an den Fenstern des Speisesaales.
Dann sah man aus einem Nebengebäude den Finanz- beamten, in seinen Unisormmantel gehüllt, sich durch den Sturm gegen den Molo hinkämpfen. Ihm folgten ein paar Fischer. Auch Architekt Kleinhaus wurde sichtbar.
Jetzt holte Herr Remus seinen Havelock, um hinaus zu gehen. Das Torpedoboot hatte den Molo glücklich erreicht.
Meta zählte die Aussteigenden. Es waren sechs Offiziere und ein Zivilist. Sieben Personen — o weh, womit würde man die bewirten?
Sie dachte noch darüber nach, als sich hinter ihr die Tür öffnete und Menschen geräuschvoll eintraten.
„Ah...! O, da ist's behaglich! Famos! Brillante Idee, hier den Abend zu verbringen!" schwirrte es durchleinander.
Und dann sagte plötzlich eine Stimme voll unterdrückter Leidenschast dicht neben Meta:
„Fröhliche Weihnachten, gnädige Frau — und Grüße aus der Heimat!"
. (Fortsetzung folgt.)
Abenteuer öcs Brigadier Gerard.
Von C. Doyle.
Wie der Brigadier vom Teufel versucht wurde.- (Fortsetzung.)
Auf der Innenseite meines Wasfenrockes befindet sich eine kleine, geheime Tasche, in welcher ich dies und das ausbewahrte, was meinem Herzen teuer ist, und hier barg ich auch meinen kostbaren Fund. Dann schwang ich mich auf Violetta und jagte eilig dahin, um nach Tremeau jit sehen, als ich in der Ferne einen Mann querfeldein reiten sah. Zu gleicher Zeit aber hörte ich vor mir das Getrappel von Pferdehnfen und erblickte den Kaiser, der aus seinem weißen Schlachtrosse, imi grauen Ueberrock und kleinen Hütchen, wie ich ihn so ost schon auf dem Schlachtfelde gesehen, auf mich Mkam.
„Nun, wo sind die Papiere?" ries er in dem scharfen, kurzen Don eines Feldwebels, der ju einem Rekruten spricht.
Ich sprengte vorwärts und überreichte sie ihm ohne ein Wort. Er öffnete die Rolle und unterzog den Inhalt einer flüchtigen Prüfung. Und dann geschah etwas Wunderbares: der Kaiser schlang seinen linken Arm um mich, und seine Hand ruhte auf meiner Schulter. Ja, meine Freunde, Sie sehen heute in mir nur einen einfachen Mann in bescheidenen Verhältnissen, aber doch einen Mann, welchen sein hoher Herr selbst einst umarmt hat!
„Gerard," rief er aus, „Sie sind ein Teufelskerl!"
Gs lag nicht in meiner Absicht, ihm darin zu widersprechen/ und es erfüllte mich mit großer Genugtuung, daß er mir nun endlich Gerechtigkeit widerfahren ließ.
„Wo ist der Dieb, Gerard?" fragte er.
„Tot, Sire!"
„Haben Sie ihn getötet?"
„Er verwundete mein Pferd, Sire, und würde entkommest sein, wenn ich ihn nicht erschossen hätte."
„Haben Sie ihn erkannt?"
„De Montlue, Sire, Oberst bei den Jägern."
„Pah, damit ist nicht viel gewonnen; die Hand, welche die -Fäden lenkt, hat intimer noch freies Spiel." Sein Kinn war tief auf die Brust herabgesunken, und so saß er eine Weile schweigend da. „Oh, Tallehrand, Talleyrand," hörte ich ihn murmeln, „warum habe ich dich nicht wie eine Viper zertreten, als es noch in meiner Macht lag! Fünf Jahre lang hab ich dich durchschaut, und du hast Mich ungehindert stechen dürfen!"
Plötzlich wendete er sich mir mit den Worten zu: „Sie sind ein wackerer Mann, Gerard; wenn der Tag der Abrechnung kommt, sollen Sie ebensowenig vergessen {ein, wie meine Feinde."
Ich hatte indes Zeit gehabt, mir die ganze Geschichte auch zu überlegen und sprach nun zu dem Kaiser:
Fest für sie und die paar Beamten, wenn der Marinetender, der den Verkehr mit Pola aufrecht erhielt, eine neue Notenoder Büchersendung für Fran Remus brachte.
Dieses Jahr war die kleine Gemeinde noch um Meta Petermami vergrößert. Für den Heiligen Abend war das Programm bereits gemacht. Doktor Hartloich, der junge Kurarzt der noch zu Dreivierteln im Werden begriffenen Kolonie, besaß eine schöne Stimme und sollte einige neue Lieder vortragen.
Frau Remus erwartete noch Klavierstücke, welche sie Sm besten geben wollte, und der junge, lustige Architekt einhaus, der den neuen Kurhausbau leitete, versprach, eigene Dichtungen vorzutragen. ,
Meta, Fräulein Olga, Herr Remus und em paar Be- Idmte bildeten samt dem jungen Postfräulein das Publikum, (^tne richtige deutsche Weihnachtstanne sollte der Tender noch bringen.
Aber am zwanzigsten trat ein Unwetter von seltener Heftigkeit ein. Sturmgepeitsch, in hohen Wellen donnerte das Meer brandend an die Ufer. Düstere, schneeschwere Wolken jagten am Himmel, die Küste Istriens war kaum zu erkennen. , .
Postboot und Tender blieben aus. Nachmittags fluchteten italienische Fischer, die am Meere von dem Sturm Überrascht worden waren, in den Hafen.
Sie erzählten, daß der Tender, welcher täglich von Pola aus die Runde über alle Forts der Brionischen Inseln machte, um den Mannschaftsverkehr aufrecht zu erhalten Und Proviant zu bringen, morgens vergebens versucht hatte, sich dem Hafen zu nähern. Dann habe er sich gegen Fort Peneda an der Südspitze gewendet, habe aber auch dort nicht landen können, und fei, anscheinend havariert, nach Pola zurückgekehrt.
Daß das Postboot von Fasana unter diesen Umstanden äusblieb, war selbstverständlich.
Und der Sturm wuchs. Donnernd brauste er unaufhörlich über die Fusel. Die Zypressen 6egen sich tote Gerten zur Erde, die Gebäude erzitterten in ihren Grundfesten, es war unmöglich, auch nur die paar Schritte bis zum Molo zu machen, ohne zu Boden geschleudert zu werden.
Auch am nächsten Tage kam kein Tender.
Von den beiden Forts Peneda und Tegetthof schickte man um Lebensmittel in das .Hotel, das die ausgesandte Mannschaft nur mit Mühe erreichte.
Hatte Frau Remus am ersten Tage nur über die aus- gebliebenen Noten und den Weihnachtsbaum geklagt, so ging Herr Remus am Tag vor dem Heiligen Abend mit sorgenvollem Gesicht umher.
Seine durch die unerwartete Kundschaft der Festungs- manuschaft in Anspruch genommenen Vorräte schmolzen rasch zusammen.
Besonders an Bier und frischem Fleisch- trat Mangel «in. Und keine Aussicht auf Besserung des Wetters!
„Wenn es so weiter geht, wird es ein netter Weihnachtsabend werden morgen!" Nagte er zu Meta. „Nicht mal «tuen Festbraten kann ich garantieren."
Meta lächelte. «
„Haben wir nicht Milche aus den Stallungen und Wein laus den Kellereien? Man muß sich eben behelfen, so gut es geht."
Ihr machte die Situation Spaß. Das war doch- einmal ein Ereignis! Und in den wild tobenden Naturgewalten, deren Großartigkeit jeder Beschreibung spottete, lag etwas Aufreizendes, Reinig-endes.
Am Morgen des 24. Dezember stand sie am Fenster Md blickte hinaus auf das Meer.
.Hei, wie der Sturm die Wasser aufpeitschte und- an den Klippen brüllte! Sie hätte ihm beide Arme öffnen und zurufen mögen: „Nimm mich- mit, du Gewaltiger, vor dem alles Irdische in ein Nichts zusammensch-rump ft! Trage mich fort in die Unendlichkeit, vernichte mich...!"
Plötzlich machte sie eine Bewegung und kam zu sich. sFhr Auge hatte weit draußen in den kämpfenden Wogen lernen dunklen Punkt -erkannt, der gegen die Insel hielt.
„Der Tender! Der Tender! Herr Remus, sehen Sie, dort arbeitet -er sich vorwärts!"
Herr Remus, der int Speisesaal saß und über einem Verzeichnis seiner Vorräte brütete, stand aus und trat rasch ans Fenster.
Wer sein Gesicht klärte sich nicht, wie Meta gehofft Ütttte Im Gegenteil wurde es noch sorgenvoller.


