Ausgabe 
23.1.1913
 
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Donnerstag, den 23. Januar

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Von Frühling ;u ffrühlmg.

Roman von Erich Eben st ein.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Das Gut des Grafen Pientak fiel ihr ein und alles, was Montelli damals über Münsters Verkehr dort gesagt hatte.

Wenn es wahr wäre!

Nein, es konnte konnte nicht sein.

Aber warum schrieb er nicht wenigstens? Er hatte ihr dainals im Winter -ein paar kurze Worte des Beileids -ge­schrieben wie hundert andere. Seitdem keine Zeile.

Sie begriff ja, daß er das Trauerjahr abwarten wollte. Über -ein warmes Wort hätte er doch schreiben können ...

Hastig erhob sie sich. Es litt sie nicht mehr auf den -einsamen Klippenfelsen. Der Anblick des Meeres tvurde ihr plötzlich unerträglich. Auch ging die Sonne schon unter. Wie -eine rote Flammenkugel lag sie in goldenen Nebeln. Zhre Strahlen hatte das Meer getrunken.

Meta rief Fräulein Ländeke.

Es ist Zeit, liebe Olga, daß wir heimgehen."

Schon?"

Ja, ich ... glaube... Sie wissen, wenn wir nicht zur rechten Zeit im Hotel sind, bekommen wir nichts Rechtes mehr."

Meta -errötete über die Lüge.

Es war ihr doch nicht um das Essen zu tun, sondern Um die Post, welche um sechs Uhr von Fasana herüber kam.

Vielleicht? Jeden Tag die gleiche, törichte Hoffnung f .. -ab er sie konnte sie nicht los iverben.

Rasch schritt sie durch das Zypressenwäldchen an un­durchdringlicher Macchia vorüber und die Pinienallee ent­lang, welche zum Hotel führte.

Immer eiliger wurde ihr Schritt. Fräulein Olga konnte mit dem Kinderwägelchen kaum folgen.

Das Hotel lag -an der Ostküste der Insel. Bis -dicht tot den Strand heran standen die weißen Tische. Kellner deckten eben für die Abendmahlzeit, von den Gästen waren erst wenige anwesend.

Meta warf von weitem schon einen spähenden Blick nach ihrenr Tisch. Richtig, da lagen, durch das Salzfaß be­schwert, Briefe.

Mit klopfendem Herzen nahm sie einen nach dem andern in die Hand und legte dann -alle enttäuscht wieder zurück.

Aus -Galizien war keiner dabei. Die anderen konnten jetzt toarten.

Run wurde erst Konradchen versorgt, dann das Abend­essen bestellt. Erst als Fräulein Olga hinaufging, um das Kind zu Bett zu bringest, dachte Meta wieder an ihre Briefe und schnitt einen nach dem anderen auf.

Es waren meist Briefe von Bekannten, die ihr ziemlich

fern standen. Einer darunter von Herta Raff. Ihr Mann hatte wieder -eine Stelle in einem Spital. Die Kinder hatten Masern gehabt. Von Isa aus Japan kamen glück-, selige Briefe. Ellermann verdiente heidenmäßig Geld, ihre Ehe war unverändert ruhig und glücklich.

Dann ein Brief von' Professor Burger. Mama Peter» mann wurde immer teilnahmloser. Ein förmlicher Men- schenhaß nahm von ihr Besitz. Sie wollte niemand sehen und verließ ihre -Billa nur, um die beiden Gräber zu besuchen.

Auch das Sttiftsfräulein Ada Minori hatte geschrieben. Lauter kleine Klatschgeschichten aus der G.er Gesellschaft.

Seufzend faltete Meta die Briefe zusammen. Wie fern und fremd sie das alles berührte hier auf der stillen Insel, die deut Getriebe der Welt so völlig entrückt schien.

Ah, da war noch ein Brief! Von Montelli. Ja, das war doch ein treuer Freund. Niemand schrieb so oft und warm als -er. Dabei kein Wort von Gefühlen, die verletzen könnten. Immer gleich ruhig und herzlich,, Anteil nehmend an allem, was sie betraf.

Sein heiterer, unbefangener Ton, das warme Interesse, das er an Konradchens Entwickelung nahm, taten ihr auch heute wohl.

Später freilich, als sie wie jeden Abend einsam am Strande saß, nichts -als das dunkle Meer vor sich, in denk sich ferne die Lichter des Festlandes spiegelten, wurde sie wieder mutlos und traurig.

Sollte das immer so bleiben? Tag für Tag, Abend für Abend, Jahr für Jahr? Diese grenzenlose Einsamkeit innen und außen. Diese Zwecklosigkeit in ihrem Leben?

Ihr schauderw. Sie wünschte alt zu sein. Sie beneidete Niki... ' . ! I i

Langsam schlichen die Monate hin. Aus dem Sommer wuchs der Herbst. Die Bora kam, das Meer wurde wild und unruhig, die Früchte des Erdbeerbaumes färbten sich- glän­zend rot nnd die Wiesen nahmen einen fahlen Farbenton an.

Der Winter war da.

M-eta konnte sich nicht entschließen, fortzugehen. Hier oder -anderswo das war ja gleichgültig. Das Postboot kam jetzt spät am Abend. Manchmal, wenn es draußen stürmisch war, gar nicht.

Aber es lag ihr nichts mehr daran. Sie hatte das. Warten aufgegeben.

So kam Weihnachten heran.

Im Hotel war Meta mit Olga Ländeke und Kvnradchen der einzige Gast, Alle anderen waren längst abgereist, es. war dietote Saison".

M-eta war -es recht. Sie schloß sich an den Hotelver- Walter und dessen hübsche junge Frau, die auch ein Kind­chen hatten, das in Konrads Alter stand, Würmer an.

Frau Remus war musikalisch und las gern. In bett zwei bis drei stillen Wintermonaten, da Brioni -ohne Gäste war, pflegte sie diese Liebhabereien. Sie war in Wiener Leihbibliotheken abonniert und es war immer ein kleines