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das er auch bei der taktvollsten Behandlung nicht umgehen kann, es sei denn, daß er1 ,die> Geschichte einfach übergeht, ich meine die Geschichte von Isaaks Opferung. Die Verfasserin der Klage ahnt wohl nicht, daß gerade diese Geschichte heiß umstritten ist. Sie meint, wir müßten uns mit der biblischen Geschichte abfinden trotz der manchmal angerichteten Verwirrung und hofft ans Klärung durch das Elternhaus.

Wenn aber dass Urteil von klein Evchen und seine liebe* zeugung, daß Wrahan^ sicht irrte, als er die Stimme Gottes zu hören meinte, richtig ist, dann gehört diese Erzählung nicht in ein Schulbuch für die Kleinen, sondern könnte höchstens in den Ober­klassen der höheren Schulen religionsgeschichtliche Verwendung finden.

Bei der in den letzten Jahren stattgehabten Umarbeitung unserer hessischen Biblischen Geschichte, die im ganzen einen erfreulichen Fortschritt darstellt, ist leider diese anstößige Geschichte stehen ge­blieben. Eine ähnlich schlimme, Jephta und seine Tochter, ist glück­licherweise gestrichen. Isaaks Opferung hat aber merkwürdigerweise sowohl auf der rechten wie ans der liuken Seite der Ausschußmit- glieder und der Landessynode, die in diesem Sommer über die Ein­führung des neuen Lehrbuchs beschloß, so zahlreiche Freunde gehabt, daß sie beibehalten wurde.

Was die Geschichte gehalten hat, ist die Vorliebe, mit der sie als Vorbild auf den Opfertod Jesu auf Golgatha angesehen wird. Das ist so ein altes Herkommen, von dem man sich gegenüber den offenbaren Schäden der Geschichte losmachen sollte, denn nur für die oberflächliche Betrachtung ist ein Vergleich beider Geschichten zulässig.

Abraham steht in Gefahr, zu dem um ihn her üblichen Men­schenopfer zu greifen, und Gott wehrt es ihm:»lege deinte Hand nicht an den Knaben". Das ist das beste Wort in der ganzen Ge­schichte, und Mein Evchen hat Recht: Golt ist nur gut und kann nicht grausam sein.Du sollst nicht töten" lautet sein Gebot.

Wer unserem Gott einigermaßen Folgerichtigkeit zuschätzt, kann ihn nicht den Abraham« 'ntM einer von ihm selbst verabscheuten Handlung auf die Probe stellen wollen lassen. Also ist die erste Aufforderung:nimm deinen Sohn!" nicht von Gott. Scheuen wir uns doch nicht, eine so widerspruchsvolle, religiös und sittlich unhaltbare Erzählung dem Bereich unterer Kinder zu entziehen!

Der Opfertod Christi hat ganz andere Grundlagen und Ziele. Die Juden sehen ihn als Deckung für ihre politischen Missetaten an. Jesus geht ihm nicht aus dem Woge. und Gott läßt ihn geschehen, damit die Sünde der Menschheit offenbar werde. Aber weit ent­fernt, daß GE, wie es dort bei Abraham scheinen muß, Wohlge­fallen an der Tat hätte, steht über ihr das Wort:siehe euer Haus soll euch wüste gelassen werden". Der Himmel verfinstert sich, und die Erde erbebt, und wenig Wochen darnach fragt die Volksmenge, die vorherkreuzige!" gerufen hat, den Petrus, der ihnen diese Sünde vorhält,ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir tun?"

Dort soll der Wert des Opfers bei dem Täter liegen, ein Zeichen vollkommenen Gehorsams fein, hier liegt der Wert des Opfers bei dem, der zur Ueberwindung der aufs höchste gesteigerten Sünde im kindlichen Glauben an den Vater im Himmel den Tod von Sünderhand erleidet. Man muß endlich aufhören, diese beiden Begebenheiten, die innerlich gar nichts miteinander zu tun haben, zusammenzustellen. Immer wieder bäumt sich das kindliche Empfinden gegen Isaaks Opferung auf, und das ist gut, denn es sind leider Gottes auch schon Versuche des Nachmachens in der Oessentlichkeit bekannt geworden.

In einer oberhessischen Pfarrversammlung vor 2 Jahren, in der die neueBiblische Geschichte" zur Verhandlung stand, wurde gerade gegen die Opferungsgeschichte stark protestiert. Bei der Ab­stimmung fand sich aber leider immer noch eine Mehrheit für sie vor.

Das Elternhaus hat ein Recht daraus, da es besser als die Schule die bösen Wirkungen dieser Erzählung auf das kindliche Gemüt beobachten kann, die Ausmerzung derselben zu verlangen. Die Einführung des neuen Lehrbuchs bietet die beste Gelegenheit daziw Wenn auch die er>e Aufl/rge bereits «iS Lind gegangen ist, wird es immer bei der zweiten noch nickt zu spät sein, den Fehler gut zu mache:« Auch- wistd man von keinem Pfarrer und Lehrer, die Anstoß an der Geschichte nehmen, ihre Behandlung verlangen können. F. S., Pfr.

verMsschtes.

* Der K o n g r e ß der B e r ü hmtheite n. Soeben findet in allen Städten Deutschlands ein eigenartiger Kongreß statt, dessen Vorbereitungen von Leipzig aus ohne jedes Aussehen in aller Stille getroffen wurde». Allerhand Umstände machen diesen Kongreß un­gewöhnlich:, von oeir etwa 50 000 Teilnehmern, die dazu geladen wurden, weiß eigentlich niemand so recht, ob er dabei ist oder nicht; gehört er zu den Auserwähllen, fo ist er anwesend, er mag wollen oder nicht, iiitb ohne sich auch nur von der S'üstle z:i bewegen; der Kongreß geht vor sich, ohne daß die Eisenbahnen überfüllt sind, ohne, Aiassenaufainiulungen und ohne Polizeiaufgebote; auch er- wachsen den Teilnehmern aus ihrer Kongreßtätigkeit nicht die ge­ringsten Unkosten, nur den Zuschauern; die Zusammenkünfte spielen Nck ab ohne Parteitagdebatten, ohne Hurra's und Ordnungsrufe, und doch sind die Beschlüsse dieses Kongresses verbi>idlich für alle

Welt, denn sie sind unbedingte Wahrheit. Das Unheimliche an diesem Kongreß aber ist der Umstand, daß sich unter den Teil­nehmern eine ungeheure Anzahl schon Gestorbener befindet, ohne daß die Spiritisten dabei ihre Hand im Spiele haben. Sollte dent Leser dieser Mitteilung dabei etwas schwindlig werden, so ist nichts einfacher, als daß er sich selbst davon überzeuge: Versammlungs­lokale dieses Kongresses der Berühmtheiten, sind alle Bnchläden in deutschen Landen, und der Kongreß selbst ist nichts anderes als Brockhaus' Kleines Konversationslexikon, das soeben in neuer Aus­gabe 1914 erschienen ist.

'Kurioses vom f r a n z ö s i s ch e u Gefängnisleben- Cine Gerichtsverhandlung in Nancy Hot in diesen Sagen die Auf­merksamkeit der französischen Oesfentlichkeit auf gewisse Mißverhäll» nisse im französische» Gefängniswesen geteuft, in dem noch immer in großem Maßstabe die Arbeitskraft der Gefangenen an skrupel­lose Unternehmer meistbietend versteigert wird, wobei der Staat aber nicht etwa eine Einnahme erzielt, sondern bei» Unternehmer, der die Ernährung der befangenen übernimmt, eine Entschädigung bezahlt. Den Zuschlag erhält jeweils jener Unternehmer, der mit der niedrigstenEntschädigung" zufrieden ist; et bekommt für jeden Gefangenen aus der Staatskasse 3035 Centimes für den Tag und übernimmt es dafür, den Sträfling für seine Arbeitsleistung mit durchs cknitstich 50 58 Centimes Tagelolm zu besolden. Eigen­artiger als diese Einrichtung aber ist eine Tatsache, die auf Grund der amtlichen Statistik Jacgnes Thur im Matin enthüllt. Da zeigt sich, daß von den 374 vom Staate unterhaltenen Departe­mentsgefängnissen 83 znsanrmen mit 288 Sträflinge beherbergen und weitere 86 Anstalten nur 510 Sträflinge enthalten. In Oer Tat gibt es 17 Gefängnisse in Frankreich, die je nur 3, 12, die je nur 2, und 7, die überhaupt mir einen einzigen Sträfling zählen. Und da wundert man sich, daß das Budget Löcher hat. . .*

* T ie kleine Dame.Ruth," sagt die Mama,du polterst ja die Treppe herunter, daß ich's bis hinten in der Küche höre. Geh' gleich nochmal hinaus und komm' leise runter." Tie Kleine verschwindet und ist gleich darauf wieder da.Dies­mal bist du leise gewesen," sagt die Mama lobend,und tvie eine kleine Dame herunter gekommen."Ja, ich bin auf dem .Geländer heruntergerutscht."

* Mißtrauisch. Tie junge Ehefrau flüchtet sich aufgeregt zu ihrer Mutter.Oh, Mutter, George hat kein Vertrauen zu mir!"Unsinn, Kind!" antwortet die Mutter und sucht sie zu beruhigen.Wieso hast du dir das in den Kopf gesetzt?"Ja, denke nur, gestern habe ich mein erstes Diner gekocht, unb da hat er einen Freund eingeladen, mit uns zu speisen!"Aber Kind, das ist doch ein großes Kompliment."Jawohl, Mutter, aber dieser Freund war der Arzt!"

* A n ch ein Verein. A.:Haben denn hier etwa die Dienstboten ein Vergnügen? Ich sehe so viel festlich geputzte Dienstmädchen lausen." .:Ach, der Verein ehemaliger Dienst­mädchen der Frau Kanzleirat Schwertfeger hat heute Stiftungsfest."

viichertisch.

Federer, Hei u., Jungfer Therese. Eine Erzäh­lung aus dem Priesterleben. (G. Grotesche Verlagsbuchhandlung, Berlin. Der Dichter leugnet es in diesem neuen Werke kaum, daß es voll autobiographischen Gehaltes ist. Dieser junge Kaplan, der mit heißem, schäumendem Herzen und ungebrochenem, idealistischem. Geiste ohne jede Kenntnis der Wirklichkeit in sein Pfarrdorf Lach­weiler einzieht, der die Klerisei für gar so reformbedürftig hält, steht dem Dichter näher, als eine Gestalt der Phantasie. Köstlich sind die Erfahrungen des jungen theologischen Brausekopfes und Besserwissers, des von Gefühlen und Gedanken glühenden Pläne­machers. Daneben steht die prachtvolle Jungfer Therese, die Pfarr­köchin. Diese streitbare Theologin unb dies treue Kirchenkind, diese alte Jungfer und energische Haushälterin kennt die Welt und die Menschen, sie kennt auch bald ihren jungen Kaplan, von dem sie ihre klaren Gedanken und Ueberzeugungeu nicht umnebeln läßt.

1 Spar-Merkblätter (Guter Rat in teurer Zeit) von Adolf Mang (2. Ausl. 32 S. 20 Pfg., Emil Rohr, Ber- lagsgesellschast, Kaiserslautern). Die Sparblätter wurden von vielen Regierungen empfohlen und von hochherzigen Menschen­freunden bereits an Tausende von Arbeitern, Dienstboten und Schülern verteilt.

Logogriph.

Ein Tier bin ich, doch nimmer kann ich nutzen, Es pflegt mich deshalb auch niemand zu schützen.

Ein and'rer Lovst nun bin ich leblos zumr, Doch dien' ich dir zum Schutze Jahr für Jahr.

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Zccäeiml Osman Ilieuzf - Natal Monb Ararat

Chriftchiirch;

Zorn m a ch t btt » b.

Redaktion: R. 91 e u r a t b. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UinversitätS-Luch- und Steindruckerei, R. Lang«. Gieße»