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niT Sebcs Geflüster verstummte. Alles lauschte gespannt, surievrel er wohl abheben würde, der Geizkragen?
Stille oweihundertfünfzig zu!" klang es scharf durch die ,. „r/i3u?" fragte der Beamte. Es war das erste Mal, seit die Kasse am Morgen geöffnet war, daß einer Geld brachte und nicht holte.
„Zu?"
„Wenn ich sage „zu", dann meine ich ,.zu"!" stieß Thadje hervor; dabei legte er seine Scheine in Reihen auf das Zahlbrett.
,. ®sftammen brannten wieder still für sich hin. Aber
, . Gesichter sahen mit einem Male alle ganz anders aus, gleichsam kälter geworden.
Da war einer, der vor Weihnachten Geld brachte! Und das war einer der Reichsten in Wevelstädt. Einer, der in seiner Berwandtschaft manch einen wußte, dem vor Sorgen das Wasser bis an den Hals stand. Der brachte Geld!
Dann kam ein schmächtiges altes Mädchen in einem groben Umschlagtuch au die Reihe.
_ „Metta!" murmelten die Nächststehenden. Es klang nicht bewnders liebevoll. Dennoch war Metta in allen Stücken so ziemlich das Gegenteil von Klaus Thadje. Klein, schüchtern und so arm. Das war es vielleicht: sie war arm; uitib
ging immer die Besorgnis um, sie möchte eines Tages der Gemeinde zur Last fallen. Anlaß zu dieser Befürchtung hatte sie zwar eigentlich nie gegeben; denn bisher hatte sie sich noch immer selbst erhalten mit hunderterlei kleinen schlechtbezahlteil Beschäftigungen; und es gab keinen in Wevelstädt, den sie ;e auch nur um einen Pfennig angegangen wäre. Aber die Armen sind immer des Nochärmerwerdens verdächtig.
schnell schob sie ihr Buch hin, um nur bald wieder los- zukommen und so wenig wie möglich von der Zeit der anderen für sich in Anspruch zu nehmen.
cm "fünfzig Taler zurück," sagte sie hastig und leise. In .tcart zu denken, war ihr bei größeren Summen immer noch beschwerlich.
cm ?ber der Schreiber wiederholte laut: „Huudcrtfünfzig Mark alfo!"
„Metta?!" riefen mehrere Stimmen.
Wie? Metta, die überhaupt nur ein paar Kröten haben konnte. Metta holte fünfzig Taler?
Klaus Thadje, der die Türklinke schon in der Hand gehabt hatte, netz sie wieder fahren und hörte erstaunt zu.
„Za, Metta, was willst du denn mit fünfzig Talern?" fragte er endlich über alle Köpfe hinweg.
„Ich brauche sie," rief das Mädchen heftig. Es war aber die Heftigkeit einer Schüchternen, die plötzlich einen Vorsatz verteidigen muß.
„Wozu?" sragte Thadje unwillig. Es war seine Eigenheit, daß er nicht nur selbst nicht verschwendete, sondern auch für beit -tob nicht fabelt konnte, wenn andere verschwendeten. 'Er suhlte sich! gleichsam als Anwalt aller vorhandenen Kapitalien, sie mochten nun groß oder klein sein. Nie vielleicht hat jenes Gleichnis vom vergrabenen Pfunde, das manchem guten Christen schweres Kopfzerbrechen macht, einen verständnisvolleren Bewunderer gefunden als Klaus Thadje.
„Ich brauche das Geld," wiederholte Metta fast störrisch. Doch zugleich zitterte sie am ganzen Körper. , Wenn es Ihnen einerlei ist und Sie es gerade entbehren können," fügte sie naiv hinzu, indem sie den Kassierer demütig ansah.
„Schnack!" lachte der verächtlich. „Wir und hundertfünfzig Mark nicht entbehren können! Das wäre eine nette Sparkasse!"
„Ich meinte man," entschuldigte sich Metta.
„Ja, aber," fuhr Thadje dazwischen, der sich durchaus nicht beruhigen konnte. „Jetzt ist keine Mietszahlung und nichts. Ich frage: wozu kannst du das Geld brauchen?"
Metta kam gar nicht darauf, daß feilt Mensch ein Recht hatte, sie so zu bevormunden.
„Es ist doch mein Geld," verteidigte sie sich nur.
Natürlich, wenn du es dir gespart hast, ist es dein," bestätigte Thadje. „Aber du mußt doch au deine alten Tage denken, Metta! Also, was willst du mit so viel Geld auf einmal?"
„Ich weiß, was ich weiß!" rief eine kecke junge Stimme aus der Menge.
Alles wandte sich ihr zu.
„Das Geld geht nach Hamburg!" rief es hell. „Fragt Metta selbst."
Die stand da und sah vor sich nieder, als wäre sie eines Verbrechens überführt.
„Wen hat Metta in Hamburg?" klang es imgläubig von mehreren Seiten.
.. Da mit einem Male wurde Metta ganz ruhig, als ob die Entdeckung ihr die Fassung ziirückgegeben hätte.
„Ja, das Geld geht nach Hamburg," sagte sie eritft "^ch bin em altes Mädchen. Mir kann keiner mehr was sagen, wenn ich einem helfe, der wieder hochkommen will. Ja, das Geld geht nach Hamburg."
„Au einen Mann also?" fragte Thadje verblüfft. „Was für einen Mann kannst du dort kennen?"
„O Gott, es ist doch nicht am Ende —" rief einer. „Johann Albers?" rief ein anderer.
„Der Buttfischer?" ein Dritter.
„Ich dachte, der steckte in Amerika, und wir wären ihn endlich los," ein vierter."
Metta lächelte wie jemand, der ein gutesGeheimins weiß.
, iüstte sie, „es ist Johann Albers. Und er wav auch in Amerika. Aber nun ist er wieder hier. Und er haß mir einen Brief geschrieben, er will ein anderer Mensch iverden, wenn ihm dies eine Mal noch einer hilft. Und darum muß ich es tun."
Dabei zählte sie das Geld in eine alte Börse. Ein paar Augenblicke lang war es still. Einige Aeltere standen nachdenklich da. Ja, da war einmal etwas gewesen — zwanzig ^ahre mochte es nun gut und gern her fein — etwas zwischen Metta und dem Buttfischer Johann Albers. Das heißt, damals war er noch nicht Buttfischer. O nein, damals war er ein schmucker junger Fahrensmann gewesen. Und Metta war auch ein hübsches Mädchen gewesen, ein sehr hübsches Mädchen, ja. Man sah ihr das bloß nicht mehr an. Was eigentlich gewesen war und wie es dann alles so anders hattck kommen können, ^als jedermann erwartet hatte, warum Metta keine Schifferfrau geworden war, und warum Johann Albers eines schönen Tages bis auf den letzten Pfennig abgebrannt und gealtert wieder in der Gegend aufgetaucht war und sich aus den Buttfang verlegte, bis ihm das Geschäft zu naßkalt wurde und ihn forttrieb nach Amerika, ja, davon wußten sie in Batavia oder sonstwo da draußen wohl besser Bescheid als in Wevelstädt.
„Woher hat er geschrieben?" fragte Thadje noch zweifelnd.
„Aus Hamburg, aus Sankt Pauli."
„Na, denn kannst du dein Geld ja auch man gleich in den Kanal schmeißen. Dann sparst du das Porto!"
Klaus Thadje hatte es herausgewettert, und daun war er gegangen und hatte die Tür hinter sich zngeballert.
„Metta, willst du es denn wirklich tun?" fragten sie von allen Seiten.
„Ja," sagte sie fest. „Ich muß das tun. Es ist ja doch Weihnachten."
Da hatte keiner mehr den Mut, ihr zu widerstreben.
Es war, als ob ein Bann von ihnen genommen wäre, feit Thadje aus dem Raume war. Und etwas Gutes kam in! den rauhen Herzen hoch.
Nicht, als ob einer zu Johann Albers auch nur das mindeste Vertrauen gehabt hätte! Aber darauf kam es heute gar nicht an. Metta streckte einem die Hand hin, der am Versinken war. Er würde gewiß versinken. Aber das' fühlten alle: das Wichtigste war in diesem Augenblick, daß! Metta ihm die Hand hinstreckte, mochte er sich nun daran hochziehen können oder nicht. Und das war es auch, was mit einem Mal alle Gesichter wieder weihnachtshell machte, die Klaus Thadje verdunkelt hatte.
Und freundlicher als sonst grüßte man Metta, als sie ging. _____________
Das muh nicht alles so fein.
Zu unserem dieser Tage veröffentlichten Aufsatz schreibt unS ein Pfarrer: <
Die Verfasserin des anfprechenden Aufsatzes in Nr. 198 der Familienblätter hat den Finger auf etliche Schulwunden gelegt. Die Lehrer sind gewohnt, daß sie in der Oefsentlichkeit nur gelobt werden. Da kann es dem jungen Herrn und vielleicht manchem seiner Kollegen recht heilsam sein, wenn sie merken, daß selbst fest verschlossene Schultüren doch recht weit offen stehen. Der Lehrer sieht in die Häuser, und die Häuser sehen in die Schule, beides durch die Kinder. So kann durch offene Aussprache manches Nebel zum Heil der Kinder abgeschafft werden.
Aiif ein Nebel möchte ich aber heute einmal so dringend wie möglich Hinweisen, für das der Lehrer nicht verantwortlich ist» und


