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tv Wollte das nicht'. Er Wollte doch keine großen Geschichten Wachen um den faulen Lukendeckel. Das ganze Jahr hatüe er nun schon versucht, ihn Wieder dicht ;u kriegen, aber es War, als ob der Teufel in den Lukendeckel gefahren Ware, er .Wollte nicht dicht halten; nun, dann mockK er ess Hols der Teufel, bleiben lassen; er War nicht der Mann, der sich von einer faulen Luke, die nicht Wasser halten konnte, verulken und an der Nase herumziehen Heß; die konnte sich da amüsieren, bist es ihr über Wurde.
"A Uhr ließ der Regen nach, und nur ein Sturmi bueb übrig. Die Regentropfen in der Luke würben seltener und- horten schließlich ganz auf. Schiffer Kristensen fuhr in die Holzpantinen, nahm seine Jacke, zog sich seine BWtze über die Ohren und verließ die Kajüte, ohne sich auch nur nach der Pfütze oder Luke umzusehen. Einen Augenblick später kam sein Kopf über Deck zum Vorschein und schielte nach der „Anna" hinüber; die sah Womöglich npch toter aus als die andern, und das ärgerte ihn außerordentlich. Er kroch auf Deck, schloß hinter sich ab und enterte nach der „Anna" hinüber. Drüben machte er mit seinen Holzpantinen so viel Spektakel, wie er fertig kriegen konnte, schlug mrt Gepolter den Deckel der Luke zurück und polterte die Stufen herunter, mitten in die Kajüte hinein. Wo in der Koje Schiffer ^ensens rotes Gesicht mitten zwischen den blauen Bettbezügen lag. Schiffer Kristensen stand eine Zeitlang und betrachtete den Schlafenden, dann stierte er unwillkürlich hinauf nach dem Lukendeckel und hinunter nach dem Fußbodeir und brummte ein paar tiefe Töne vor sich hm. Nein, natürlich, selbstverständlich War nur er es, ber mit solchen Geschichten schikaniert Wurde. Eilte Zeitlang über- tegte er, ob er Pensen schlafen lassen sollte, aber schließlich MgiNth er, daß es ihn am meisten befriedigen Würde, wenn er den anderen Weckte.
„Was ist denn los, Marie?" sagte Schiffer Jensen.-.
, "Du haft es Wohl gut hier, Was?" sagte Kristensen und und beeilte sich, ihn gleich tüchtig Wachzurütteln. Jensen schlug die Augen auf ’unb sah nicht Weiter vergnügt mW, als er Kristensen sah- /'^shi Deufel", sagte Fischer Kristensen, „liegst du Nicht hier nnd ichläfst mitten ant Tage und noch dazu bei so einem- Wetter." „Aaa" — gähnte Jensen, „Was zum Teufel soll man denn sonst bei so einem Wetter inachen?" Schiffer Jensen gähnte no$ ein paarmal und streckte sich- Wie eine Raupe, und als er am längsten war, blieb er so liegen und sah nach Kristensen herüber. „Warum schläfst du denn nicht?" „Nee," sagte Schiffer Kristensen, „Wenn man das fertig kriegt; aber, Gott sei Dank, ist man m'n Seemann."
Wer nach einer Weile bekam Schiffer Kristensen den Jensen doch aus der Koie Und als sie an den Hafen herauskamen, legte eben em großer Dampfer am Quai an. „Der ist schön abgewascheii", sagte Schiffer Kristensen, und maß das Schiff mit den Äugen, das bis mitten auf den Schornstein mit Seetang angeschmiert War. „Jawoll," sagte Schiffer Jensen. „Das ist ein tüchtiger Kerl," sagte Schiffer-Kristensen. „Klein ist er nicht," sagte Jensen. Sie blieben stehen und sahen auf das Schiff, das an den Quai heran- manovrierte. Es war ein mächtig großes Schiff, das vorn Wie hinteii Laternen brannte uiid die grüne Laterne an der Seite griente von ihrer Höhe höhnisch auf die beiden Prahmschiffer nieder. Auf dem Schiffe waren viele Leute an der Arbeit und oben auf der Kommandobrücke stand der Kapitän. Das Licht blitzte in den drei goldenen Tressen auf seiner Mütze, so oft er sich umdrehte. Hm und Wieder drückte er auf den Maschinentelegraphen; dann tönten ein paar Glockenschläge find die Schute ging vorwärts oder rückwärts oder sie stoppte.
„Der geht mit ’ner Maschine, der da," sagte Schiffer Kristen- sen andächtig; „da brauchst bu bloß auf ’n Knopf zu drücken, so kollert das Ganze herum. Das ist Was anderes, als daliegen und vvwarten, bis es unserm Herrgott gefällt, Einen weiterzupusten." >,J0Woll," sagte Jensen. „Sieh mal den," sagte Schiffer Kristensen. yyjaWoTl,' sagte Schiffer Jensen. 'Keiner sah den anderen an und Schiffer Kristensen zeigte auch nicht hin oder deutete an. Wen er eigentlich meinte, aber doch gab es keinen Zweifel, daß es der Kapitän mit der goldenen Tresse War, an den sie dachten.
..„Wer WaS-, zum Teufel das ist ja Hansen," sagte Schiffer Kristensen und Wurde unruhig." „Was denn sür'n Hansens" sagte Jensen. „Hansen, unser alter Freund Hansen, weißt du denn Nicht mehr, der die „Narzisse" führte, der immer sagte eins, zwei, drm, „für" wenn er zählte." „Sooo," sagte Schiffer Jensen, „ist er das?" „Zum Teufel, ist er's," sagte Kristensen, „ich habe es mir gleich gedacht, er hatte immer Mucken im Kopf. Und nun hat er einen Dampfer zu führen, sieh mal an, das ist ja ulfig1," Mr Schiffer Kristensen fort Imd trippelte herum wie ein eilegendes Huhn. „Weißt du noch? damals . . .?" „JaWoll," sagte Schiffer Pensen, und Maß seinen Abstand bis zur Brücke hinauf — „da-
.7 "Ich W/'. sagte Kristensen nachdenklich und stand still auf den Beinen. „Aber das mUß doch großartig feilt," sagte PT bald darauf, „Wenn Man auf so einem Kerl Schiffer sein sein kann " „Jawoll, "sagte Jensen, „das sind große Leute, die da." j.ie betben Prahmschiffer standen schweigsam und sahen zu, Wie das Schiff aM Quai anlegte und Wie ein Brett vom Schiff zum Land herübergelegt Würbe. Schiffer Kristensen trat von einem Bein aufs andere. „Wir M-üssen Wohl an Bord gehen und ihm Guten Tag fagen," Jagte er. „Das Müssen Wir Wohl tun," sagte Schiffer Jensen. „Also los," sagte Kristensen. „JaWoll," sagte Jensen — »Jos!" 7,Eigentlich muß er Ms wohl vergessen haben," meinte
Kristensen. „Ja, das müß er Wohl," sagte Jensen. Tie Heiden Schiffer g'ngen langsam über das Landungsbrett, Kristensen voran. „Ist Kapitän Hansen an Bord," fragte Jensen feierlich einen Matrosen, der auf dem Schiffe stand. „Der Kapitän ist auf der Kommandobrücke," sagte der Matrose.
„Hörst du Wohl," flüsterte Kristensen zu Jensen, als sie an die erste Treppe kamen, „er ist es." Jensen sagte gar nichts. „Das ist ja gerade, als wenn Man auf dem Lande auf einen Haus-- bioben klettern sollte," sagte Kristensen, als die dritte Treppe anfing. „JaWoll," sagte Jensen. So kamen sie auf die Brücke.
„Guten Wend," sagte höflich der Kapitän, der vor ihnen stand, vornehm, mit gestutztem Bart, die Hand am Geländer.
„N'Abenb, Hansen," sagte Kristensen, weil er fühlte, baß es ebenso gut Wäre, gleich Mit der Tür ins Haus zu fallen. „Wir smd Kristensen von „Marie" und Jensen von „Anna", fügte er etwas unsicher hinzu. „Was, zum Teufel," sagte Kapitän Hansen und seine Stimme klang plötzlich ganz anders als vorher, „was Ihr seid das, das ist ja samlos!" „Jaa, nicht Wahr," sagte Schiffer Kristensen erleichtert. „Jawoll," sagte Schiffer Jensen.-„Na, so Was ist mir noch nicht vorgekommen," sagte Kapitän Hansen und ftretfte. die Hand und Schiffer Jensen sagte später, wenn er auch einen Kopf Wie ein Dampfschiffer bekommen hätte, die Hand Wäre die von einem Prahmschiffer geblieben. — „Willkommen also an Bord, und Dank, das Ihr Euch hinauf bemüht habt, um mich' zu begrüßen. — Herr Gott, seid Ihr es denn wirklich?" „Ja, zum Teufel," sagte Schiffer Kristensen, „Wir sind's." „Ganz gewiß." sagte Schisser Jensen. „Willkommen >an Bord" sagte Kapitän Hansen und schüttelte ihnen Koch einmal die Hand. „Wollen Wir ein bißchen in die Kajüte runter gehen und eilten Kleinen! nehmen?" Auf dem Weg zur Kajüte stierten sie auf den Steuermann, einen schmucken, jungen Mann mit Wohlgepflegtem Schnurrbart. Er hätte ja allerdings nur zwei Goldtressen an der Mütze, aber er trug Manschetten bis an die Fingerspitzen und leuchtete über und über wie ein Glänzbild. Kristensen und Jensen konnten gar nicht an ihm vorbei kommen und zogen unwillkürlich die Mützen ab, als der Kapitän die Tür zur Kajüte öffnete. „Ja," sagte der Kapitän, „hier Wohne ich." Ustd er wohnte schön. Da War ein Mahagonitisch und Mahagonistühle und ein Plüschsofa. Die Wände Waren mit prächtigem Ahorn getäfelt und große Spiegel in vergoldeten Rahmen hingen ringsum iu der Kajüte. Schiffer Kristensen und Schiffer Jensen drückten sich auf eine Ecke ihres Stuhles; es War deutlich tzu sehens, daß sie sich in dieser Situation etwas gedrückt fühlten. „Na, Was wollen wir trinken?" „Jaa," sagte Kristensen, „wenn es durchaus was sein soll, bann: vielleicht einen steifen Grog." Jensen sagte gar nichts. Der Kapitän ging hinaus. Er blieb lange fort Und als er wieder herein kam, sah er nicht so froh ans wie vorher. Neben Kapitän Hansen lag auf dem Tisch die Goldbetreßte Und hatte ein korrektes und ernstes Aussehen. Kristensen saß und grinste: „Hik, Hik, Hik." — «Huk, Huk, Huk," gluckste Jensen; plötzlich verstummte alles auf einen Ruck: herein kam der Steward mit dem Grog. Der Steward schritt voran wie ein Bischof im Dom, blieb ant Tisch stehen und setzte das Tablett ab, daß es mit einem Bums' auf den Tisch schlug. Kristensen und Jensen sagten beide Guten Abend und erhoben sich ein Wenig vom Stuhle. Aber der Steward sagte gar nichts; er sah von oben herab auf die beiden Prahmschiffer und! schritt aus der Tür, wie er gekommen war.
Schiffer Kristensen seufzte unwillkürlich kies auf, als die Tür sich hinter jenem geschlossen. Kapitän Hansen trommelte mit den Fingern auf den Tisch. „Das ist ein mürrischer Gesell, der da," sagte Schisser Kristensen und zeigte vorsichtig mit dem Daumen! gegen die Tür. Der Kapitän lächelte, aber das Lächeln wollte nicht recht glücken, darum gab er es wieder auf. „Man hat seinen Aerger mit solchen Leuten; bitte mischt euch euren Grog. "„Jawoll," sagte Fensen. Schiffer Kristensen nahm sich- Zucker und goß Wasser darauf. Das Wasser war kaum lauwarm. „Ich hoffe, das Wasser ist warm genug," sagte der Kapitän, „sonst wtlj ich. . ." „I Gott bewahre," sagte Schiffer Kristensen mit gedämpfter Stimme und tat, als -ob er sich verbrannte. „Das Wasser ist ja Warm, gerade so recht, nicht wahr, Jensen?" — „Jawoll," sagte Jensen.
Tie Zigarren Wurden in Brand gesetzt, Und die Schiffer fühlteN,- daß das Schlimmste überstanden Wär. Das Gespräch kam in Gang. „Weißt du noch damals in .Hamburg? und das einemal in Rotterdam?" — „Ja, ja, das Wären lustige Zeiten damals. Man ist W-vhl rechts Und links angerannt mit dem -Bug>, aber immer hat man die Ohren steif behalten — Was?"
Mit dem Tabaksrauch breitete sich eine gewisse Behaglichkeit über der Kajüte aus. Schiffer Kristensen vergaß Plüsch und Mahagoni und schlug auf den Tisch Die ersten zweimal nahm er sich rasch. Wieder zusammen, aber das drittemal vergaß er die Wandtäfelung Und.Goldspiegel und ließ die Faust auf dem Tisch liegen. Der Kapitän lag in den Stuhl zurückgelehnt -mit geschlossenen Augen und lächelte. Schiffer Jensen saß vorgebeugt und war die ganze Zeit von innerem Lachen erfüllt, das in ihm hochstieg wie Luftblasen im Wasser.
Plötzlich verstummte alles: jemand hätte an die Tür geklopft.
klopft," sagte Kapitän Hansen, und richtete sich aus. Schiffer Kristensen und Schiffer Jensen sahen sich an und sagten nichts. „Herein," sagte der Kapitän, und der Steuermann mit den zwei Goldtressen trat ein. Er blieb gleich in der THr stehen, als ob. er


