Mittwoch, den 22. Oktober
W
TKÜ @15
W ttJE
tzM MA
DM-A i s MW x^WMK K!7ßM^ IMF ■
SH aii
K7M: WgsMi
„ Lsuernblut.
Vtoman von Gerhart v. Amyntor (Dagobert v. Gerhardt).
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Peter hatte das Kassengeschäft einem jüngeren Mitgliede des Festausschusses übergeben, kam an beit Tisch seiner Pflegeeltern uitd setzte sich neben Sabine auf den Stuhl, den sich Adolf für die Pausen zwischen Gesangsvorträgen gesichert hatte.
„Seid ihr noch verknurrt?" fragte er leise seine Nachbarin.
Diese sah ihit erstaunt an; was wußte Peter denn voll dem Meinungsstreite, den sie seit einigen Tagen mit ihrem Bräutigam hatte?
„Nanu," fuhr Peter fort, „verstelle dich nur nicht! Er hat mit’S doch erzählt, wie du ihm zugesetzt hast, und ist ganz stolz, daß er so männlich fest geblieben ist."
Ein jäher Unwille trieb dein Mädchen das Blut in die Stirn. Daß ihr Bräutigam liicht einmal in solchen Dingen dem Bruder gegenüber reinen Mund halten konnte! Was brauchte denn Peter zu wissen, daß sie des Brautstandes überdrüssig war, daß sie sich nach der Hochzeit sehnte? Aber Adolf toar in Peter wohl ebeitso verliebt, >vie in sie selbst.
Vielleicht hatte Adolf sein Herz ausschütten müssen, vielleicht bereute er seinen Eigensinn, vielleicht ließ ihm sein böses Gewissen keine Ruhe! Er hatte wohl alle Ursache, sich Borwürfe zu machen, daß er gegen das Drängen seiner Braut so taub und unempfindlich blieb. Was waren das doch für hinfällige Gründe seiner Weigerung? Er wollte erst abwarten, was aus den Verhandlungen mit Haßlach herauskommen würde! Was ging sie Herr Haßlach an? Wenn der einen Geschäftsteilhaber suchte, dann mochte er nehmen, wen er wollte! Deshalb brauchte ihre Hochzeit auch nicht einen einzigen Tag aufgeschoben zu werden! Alle diese Gedanken schossen ihr blitzschnell durch das hübsche Köpfchen und ärgerlich versetzte sie: „Was geht's dich an, wenn ich mit Adolf einmal verschiedener Ansicht bin?"
„Es tut mir weh. Ich möchte dir gern alles, was dich verdrießt, aus dem Wege räumen." Er rückte noch näher mt sie heran, so daß sein heißer Odem ihren Nacken traf, und hauchte leidenschaftlich: „Wenn ich dein Bräutigam wäre und du bätest mich, ich solle recht bald dein Mann werden, wahrhaftig, Sabine, in diesem Augenblick stände ich auf, um dich heimzuführen! Nichts könnte ich deinen schönen.Augen abschlagen."
Langsam hob sie nun ihr Antlitz und drehte es dann, halb unwillig, halb geschmeichelt, dein Nachbar zu. Nachdem sie ihn eine Sekunde lang wie sragend angeblickt hatte, ließ sie ihre Augen langsam nach der anderen Seite schweifen und musterte Adolf, der eben einen Walzer anstimmte, den die Genonen mit Brunnnstiinmen zu begleiten hatten. Nach
kurzer Pause sagte sie nachdenklich: „'s ist merkwürdig! Ihr Brüder seht euch so ähnlich und seid doch so grundverschieden! Wie geht das nur zu?"
„Wir sehen uns ähnlich, weil wir Zwillinge sind; Adolf aber ist ein Philister, und, Gott sei Dank, der bin ich nicht!"
Die letzten Worte hatte Peter unwillkürlich lauter gesprochen, so daß sie von Herrn Lampert vernommen worden waren.
„Ein Tropfen Philisterblut würde dir gar nichts schaden," bemerkte dieser trocken, „dann wärest bu nicht so durchgängerisch."
„Pflegevater, Sie haben recht! Heul' aber ivollen mir einmal durchgehen!" rief Peter ausgelassen. „He, Kellner! Kellner! Zum Teufel, so hören Sie doch! Bringen Sie uns eine Flasche Rotwein — von dem gelbgesiegelten, verstanden? und hübsch angewärmt."
„Aber Peter!" mahnte Frau Lampert, „was sind das für Streiche? Wozu bestellst du den teuren Wein?"
„Wird eilt netter Krätzer sein", bemerkte der Goldschmied naserümpfend.
„Der gelbgesiegelte ist gut," erklärte Peter, „'s ist nicht die erste Pulle, die ich davon trinke."
„Das glaube ich," brummte Herr Lampert; „dich jucken wohl wieder die paar verdienten Groschen?"
„Nun, es sind fünfundsiebzig Mark, die ich diese Woche zusammengeschunden habe!" protzte der Maurerparlier, „was bleibt nnsereinem denn übrig, als sein Geld verjubeln? Hätte ich ein Weibchen zu Haus — dann — zum Teufel! Dann könnte ich auch mit ihr eine Flasche Rotspon trinken; für zwei würde mein Verdienst auch noch reichen."
„Warum heiratest du denn nicht?" fragte der Goldschmied Peter Dechner.
„Aber Wilhelm!" fuhr Fran Lampert auf, indem sie ihr feistes Patschchen auf den Arm des Gatten legte, „rede dem Peter doch keine Dummheiten ein! Erst muß er wohlbestallter Meister sein, ehe er daran denken darf, das eigene Nest zu bauen."
„Das könnte er längst sein," versetzte der Gatte, „der liebe Gott hat ihm in seiner überschwänglichen Gnade die besten Anlagen verliehen; aber er'wird niemals den Meisterbrief gewinnen."
„Warum denn nicht?" fragte scharf und protzig der Getadelte.
„Weil du dich dem Teufel verschrieben hast!" erwiderte sehr ruhig der Pflegevater, „weil du diesen politischen Gimpelfängern an die Leimrute geflogen bist, die dir die Federn ausrupfen."
Peter zuckte geringschätzig mit den Schultern.
Der Goldschmied fuhr unbeirrt fort: „Ist es zu begreifen? Neber dreihundert Mark Einnahme den Monat, wie du selber zugibst, und du gehst unter die Unzufriedenen, unter die Gesellschaftsfeinde?"
„Wir Politiker kümmern uns den Henker um Geld und Gut, das überlassen wir den Kapitalisten, den Ausbeuten»


