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heitskeime unschädlich zu machen, zum Wohle und Seile der leidenden Menschheit. Die in der Neuzeit immer weiter ausgebildeten Anlagen für Kanalisation und Desinfektion, für Beschaffung reichlichen, gesunden Trinkwassers, gut ventilierter, trockener Wohnungen, die Schutzmaßregeln gegen Einschleppung und Verbreitung von Epidemien haben mit segensreichem Erfolge dazu beigetragen, Lust, Wasser, Erdboden und Behausung von Ansteckungskeimen rein zu halten, und unsere Gesundheit und unser Leben gegen die unsichtbaren Feinde in der Luft siegreich zu verteidigen. Gr.
vermachtes.
* Feindinnen unter den B l u m e n. Es ist nur wenig bekannt, daß es auch unter den Kindern Floras Blumen gibt, die mit andern in ausgesprochener Feindschaft leben- Wer sich also durch einige Blumen in seine Räume die Illusion des Sommers hineintragen will, der muh, wenn er lange von den Blumen Freude haben will, nur diejenigen zusammenstellen, die in Freundschaft miteinander leben. Aus einem Kongreß der Botaniker ist festgestellt worden, daß die Rose nicht so friedlich ist, wie mau von ihr gewöhnlich annimmt. Kommt sie mit der Reseda in ein und dasselbe Glas, dann wird man beobachten können, daß sie bestrebt ist, der Reseda da§ Lebenslicht auszublasen. Nach einer halben Stunde bereits ist der Kamps im vollen Gange. Wie Ringkämpfer halten sich die beiden Blumen umschlossen und bald welken und sterben sie beide, wenn man sie nicht noch rechtzeitig voneinander erlöst. Die Maiglöckchen dulden fast keine andere Blume neben sich. Die Gärtner haben zumeist aus dem Schönheitsgefühl heraus den Wunsch, Maiglöckchen mit Veilchen, auch mit Rosen zusammenzubinden. Schon nach kurzer Zeit findet man, daß die Blumen zu weiten beginnen, und man ist geneigt, die Schuld dem Gärtner zu geben. Aber auch hier trägt lediglich die Blumenfeiudschast das Verschulden. Die Maiglöckchen zeigen das Bestreben, alle anderen Blumen, die sich in dem gleichen" Glase mit ihnen befinden, zu töten, und darum sollte man sie stets allein in einem Glase halten. Sonnenblumen und Nelken zeigen hingegen große Freundschaft; sie stützen sich sozusagen gegenseitig, und sie bleiben zusammen länger frisch, als einzeln. Auch die Vergißmeinnicht zeigen Freundschaften mit anderen Blumen, besonders mit dem Veilchen.
' Das rote Haar wird Mode. Ter Bolksmund ist zwar aus die Rothaarigen nicht gut zu sprechen und dichtet ihnen allerhand schlimme Eigenschaften an, aber die Mode ist über derartige Vorurteile erhaben, und als eine gerechte Verteilerin der Güter reicht sie dem roten Haar in der neuen Saison den Preis der Schönheit. Von den rötlichen Fuchspelzen, die diesen Herbst so modern werden, ist die Vorliebe ausgegangen, und da man nun heute einmal besonders gern Harmonien schafft, so soll das Haar mit dem Pelz einen Gleichklang bilden, und die Dame, bereit Coiffüre im schönsten Henna-Ton prangt, genügt damit den neuesten Forderungen des mondänen Schönheitskoder. Folgendermaßen stellt sich bas Bild der Modedame nach den Angaben eines Londoner Kenners dar: „Sie trägt weiße Kleider mit einer Stola und einem Muff von rotem Fuchs." Ihr Haar muß die Farbe des tiefen Rotbraun haben und ihr Teint leuchtet in einem lebhaften Lachs rot. Eine Kette von Bernstemverlm vervollständigt diese warme Farbenskala und krönt den Effekt der gelben und roten Töne." Auch die Londoner Coiffeure sind der Ansicht, daß in der kommenden Saison Rot Trumps ist. „Rotes Haar wirb das ganze Land überfluten", sagte einer der ersten Haarkünstler der britischen Hauptstadt. „Es gibt ja kein anderes Mittel als das Färben mit Henna, wenn man zu dem Pelz die nötige Harnwnie Herstellen will. Freilich ist dabei der feinste Takt in der Wahl der Nüancen des Rot notwendig, es muß zum Teint sorgfältig abgeftimmt werden, und vielfach wird es nicht anders gehen, als daß auch die Hautfarbe durch geeignete Behandlung in diese „rote Sinfonie" hineingezogen wird. Die Coiffüren werden übrigens in diesem Winter wieder höher und immer höher getragen werben.
Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachverein;.
Vom Z nnb vom K. Zivil — so schreibt man nach unserer amtlichen Rechtschreibung, itnb ebenso Zentrum, Zölibat, Zirkus, Zylinder, Konzession, Rezept, Kruzifix, Mebizin, Partizip, Provinz usw. usw. Ueberall z, und so soll es mit allen geläufigen Fremdwörtern gehalten werden, in denen „c mit dem Z-Laut" vorkommt. So stehts in § 2ö des amtlichen Regelbuchs. Für uns 91eUere wird das leicht. Aber mit den größten Schwierigkeiten kämpit da oft unsere Jugend, der das Latein jetzt vielfach in einer ganz anderen Aussprache beigebracht wirb, als der, auf Grund bereit jene Fremd- und Lehnwörter bei uns üblich geworben sind. An mancher höheren Schule nämlich — alle sind es nicht, denn auch hier herrscht deutsche Uneinigf'eit — müssen sie neuer- dings das lateinische e auch vor e und i und y wie k aussprechen, nicht mehr wie z; sie müssen also kirknm sprechen trotz deutschem Zirkus, kivilis trotz Zivil, konkessio trotz Konzession, kruki affixus trotz Kruzifix, partikeps trotz Partizipium, Sikilia trotz Sizilien, provinkia trotz Provinz usw. usw. Bei allgemein bekannten Wörtern ist das weiter nicht schlimm und es "wird wobl keinem Jungen einfallen, Kivil, Krukifix, Partikip, Medikin u. ä.
tm Deutschen zu schreiben. Die Schwierigkeit beginnt aber bei den Eigennamen, besonders wenn der Lehrer etwa bei diesen die Aussprache mit k auch fürs Deutsche verlangt, so daß die Schüler auch im Deutschen von Kikero und Käsar, von Klaudius Kivilis, von Lakedämoniern und Phönikiern sprechen müssen, obgleich jene Personennamen längst allgemein, diese Völkernamen aber wenigstens von der großen Mehrheit der Deutschen mit dem Z-Laut gesprochen werden. Auch im Englischen, Französischen, Italienischen, Spanischen, wo diese verschiedene Aussprache des lateinischen e seit alters üblich ist, wandelt man die geschichtlich gewordene Aussprache der Wörter nicht um; warum sollen wirs beim tun? Mag die neuerdings gelehrte Aussprache des Lateinischen noch so berechtigt sein, sie bars uns trotzdem nicht veranlassen, bie altüberlieferte Aussprache deutscher Fremd- und Lehnwörter zu ändern. Die Lazedämonier brauchen ebensowenig in Lakedämonier verwandelt zu werben, wie man etwa Tekimeter und Dekennium sagt statt Dezimeter und Dezennium, unb ebensowenig, wie man jetzt etwa Tertia mit t statt mit z ausspricht, weil auch biese veränderte Aussprache im Lateinischen neuerdings verlangt wird. Nichts soll dagegen gesagt werden, daß man den Schülern erklärt: „Die alten Römer haben überall k gesprochen". Aber es ist nicht gut, sie selbst überall k sprechen zu lassen, ja es ist vom Nebel, sie zu deutschem Kikero und Käsar zu zwingen. Man sollte im Lateinischen und erst recht _ im Deutschen bei der guten, alten, allen anderen Sprachen gleichfalls eigenen Trennung zwischen c (z) und k bleiben und nicht unnötig die Erlernung unserer Rechtschreibung erschweren. Die armen Sextaner sehen vor sich civilis, müssen es auch so schreiben, aber kivilis sprechen; im Deutschen aber müssen sie Zivil schreiben, weder Kivil noch Civil.
humoristisches.
*Noch nicht nötig. Hausherrin zur schwarzen Dienerin: „Jane, haben Sie denn den Fischen letzthin frisches Wasser gegeben?" — Jane: „Nein, Madam, sie haben ja das Wasser noch nicht ausgetrnnken, das ich ihnen im vorigen Monat gegeben habe."
* H o r ch au f d en K l a n g d es . . . T ö f f - T ö f f. „Nun, wie ging's, ist sie gleich erschienen, als Sie ihr mit Ihrer Mandoline eine Serenade brachten?" — „Nein, aber da kam ein anderer und tutete ihr was mit seiner Autohupe, und da war sie gleich draußen ..."
* M ethodisch. Mrs. Newrocks: „Um Gottes willen/ morgen müssen wir Paris verlassen, und wir sind im Führer erst aus Seite 19!" — Mir. Newrocks: „Streich bie Stelle an; nächstes Jahr gehen wir auf Seite 20 weiter!"
* Voraussicht. Der Vortragsmeister hat dem ehrgeizigen aber nicht sonderlich begabten Schüler eine längere Prosarezitation emstudiert und lauscht nun der letzten Probe. „Wenn Sie mit dem Vortrag fertig sind," belehrt er den Schüler, „verbeugen Sie sich und gehen auf den Zehenspitzen vom Podium." — „Auf den Zehenspitzen?" — „Ja, und ganz leise, um die Zuhörer nicht" aufzuwecken."
Schach-Aufgabe.
Von E. 2!. Schmitt. Schwarz.
abcdefgh
abcdeigh
8
8
6
6
3
3
2
Weiß.
Weiß seht mit dem zweiten Zuge Malt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Mberharck — Ibria — Kifib — Felbmaus — LLabv — Irtifch — Salmiae;
Gin frisches B a b.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag ber Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steinbruckerei, R, Lauge, Gießen,


