Ausgabe 
22.3.1913
 
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Bernward. Frau Piper läßt um Entschuldigung bitten, weil das 'Kuvert, das beigefügt werden sollte, leider verloren gegangen ist. Ich war schon bei dem Herrn Amtsrichter, um ein anderes zu holen. Mer der Herr Amtsrichter war nicht zu, Hause."

Nun erschien auch Fräulein Gerda, der, um! zwei _@tun.ben ältere von den beiden Zwillingen, auf der Bildfläche.' Sie chatte den Sendboten voM Fenster aus erspäht, und eine innere Stimme Mochte ihr gesagt haben, daß das Geheimnis unter der Seiden- päpierhülle in irgendeiner Beziehung stände zst ihrer eigenen Person.

Bon Herrn Amtsrichter Hildebrandt?" wiederholte sie.Tann ists schon -gut, und Sie brauchen sich wegen des verloren gegangenen Kuverts nicht weiter zu bemühen. Hier, mein Bester, machen

Frühlingsgarten.

Himmlisch!" rief Gerda.Einfach entzückend ! Auf eine so 'geschmackvolle Aufmerksamkeit konnte auch wirklich stur der Amts­richter verfallen. Mama hat ganz recht, wenn sie sagt, daß er ein reizender Mensch ist. Findest du das nicht auch-, Martha?" ,

Ich kenne den Herrn Amtsrichter wohl nicht so genau wie du und die Tante. Aber dies Blumengebinde ist in der Tat wunder­hübsch." ' '

Sie hatte es sehr ruhig und freundlich gesagt, nur daß ihr Gesicht jetzt wieder seinen Alltagsernst angenommen hatte, statt der sonnigen Festtagsfröhlichkeit von vorhin.

Wunderhübsch ist viel zu wenig gesagt," schwärmte Fräulein Gerda.So was Schönes hast du sicherlich nie in deinem Leben geschenkt bekommen. AH, Elli, du bist auch da! Sieh nur, was mir der Amtsrichter Hildebrandt als Osteraugebinde geschickt hat. Feudal geradezu großartig wie?"

Fräulein Elli legte den Kopf ein wenig auf die Seite Und versank für die Tauer einiger Sekunden in schweigende Betrachtung des Ostereis. Merkwürdigerweise verschwand dabei auch aus ihren Zügen bis auf den letzten Rest all die übermütige Munterkeit, Mit der sie heute den jungen Tag begrüßt hatte.

Niedlich!" sagte sie endlich.Hat er dir auch was dazst geschrieben?"

Natürlich ! Aber der Brief ist in der Blumenhandlung

UM weniger als drei, zwei blonde, die den Zwillingen Gerda I Der Streit der Plötzlich entzweiten Zwillinge drohte in hellen und Elli, und einen braunen, der ihrer verwaisten, aber seit I Flammen aufzulodern. Ta fuhr Fräulein Marthas warnender Jahren als gleichberechtigtes Haustöchterchen angenommenen Kusine I Zuruf rn die gekreuzten Klingen.

Martha Bernward gehörte. Tie Zwillinge hatten erst vor kurzem IUm Gottes willen der Herr Amtsrichter! Eben kommt ihren achtzehnten -Geburtstag gefeiert, und iM stolzen Bewußtsein I er durch den Garten? ,

ihrer Jugend pflegten sie darum! unter vier Augen des öfteren Erschrocken blickten die beiden Mbenbuhlermiwn auf.

Mit dem Ausdruck teilnehmenden Bedauerns sestzustellen, daßHimmel!", ries Gerda.Und Mama ist noch gar nicht von Martha mit ihren zweiundzwanzig schon bedenklich nahe daran ihrem Morgenspaziergang zurück. So echauffiert, wie ich setzt iei eine alte Jungfer zu werden I aus,ehe, kann ich ihn doch unmöglich empfangen."

Ob Fiäulein Martha selbst diese Ansicht teilte, blieb ungewiß,Ich auch nicht," erklärte . Elli mit Bestimmtheit.Und Nach der etwas herben Zurückhaltung in ihrem! Benehmen gegen außerdem müssen Mr erst wissen, wem er das T-ing da geschM die jüngeren männlichen Besucher des Hauses und nach dem Erlist I hat. , Du mußt ihn danach fragen, Martha . Und wenn ich Meder in ihrem ganzen Wesen hätte man cs beinahe vermuten können. I heremkomme, mußt du nur eut Zeichen geben, ob es für Mich be- Mn diesem sonnigen Ostermorgeu aber schien auch sie ganz von I stimmt war." ,

festlicher Heiterkeit erfüllt uni) ohne alle Kümmernis wegen desGrößenwahn!" bemerkte Fraulein Gerda mit einem liebens- Wer ihrem Haupte schwebenden Altnuigfernschicksals. Der Zufall würdigen Auflachen., Und dann, ohne ihrer Schwester einen Blich wollte es, daß sie eben in die Haustür getreten war, als ein junger zu gönnen, fugte ne hinzu:Wenn Hildebrandt frageil sollte,

Mensch mit einem umfänglichen, sorgsam in Seidenpapier ein- ob Mir die Blumen Freude gemacht haben, so sage nur Riesig!

gehülltenGegeiistand durch den Garten daherkant. Er machte Hub obgleich keine Karte dabei gewesen wäre, hatte ich gleich seinen Kratzfuß und entledigte sich Mit dem edlen Anstand eines I erraten, wem fie gegolten." ..«s,.. . . ..

trinkgeldfreudigen Laufburschen seiner Mission als Abgesandter!UrwerschäMtst zischle Fräulein Elli. Und dann waren sw

der ÄliiMeubandlUna Rom Piper. I zu verschiedenen Türen hinaus. Maria Bernward, aber nahm

Es ist von dem Herrn Amtsrichter Hildebrandt für Fräulein I mit glühenden Mtngen die Meldung des Menstmarchem cnt-

- " ' ~» 1 gegen, und ihre Stimme hatte einen gat beklommenen Klang,

als sie dem Herrn Amtsrichter statt der abwesenden Hausfrau sagen ließ,, daß er willkommen sei. Aber wie er dann eintrat, hübsch, stattlich und Mit einem liebenswürdigen Lächeln auf den Lippen, hatte sie sich schon wieder ist der Gewalt.

Guten Morgen, Herr Amtsrichter! Meine Tante wird ver­mutlich sogleich zurückkehren. Bitte, nehmen Sie Platz!",

Schönsten guten Morgen, mein verehrtes Fräulein! Und vor allem : ein gesegnetes Osterfest! Ich weiß nicht, wie es zugeht; aber mir ist, als wäre noch nie ein schöneres heraufgestiegeu wie das heutige. So herrlich hat der Tag begonnen, und obwohl ich sonst nicht viel von Ahnungen halte, diesmal habe ich die sichere Sie sich davon einen "vergnügten Feiertag." . I Empfindung, daß er noch viel herrlicherio"aär

Der Jüngling verschwand, und Fräulein Gerda trug das ®te ^rub^nbr .Se^afttgtett feiner ^egru^ung, bt f g

Geheimnis behutsam in den Salon. Die Hüllen fielen, und zum nichts Konventionelles hatte,^ setzte ^mun doch wieder in Bei Vorschein kam ein wunderschönes Blnmen-Arrangement in Form I legenheit. Unwillkürlich senkte lie vor 1 einem glanzende einesOstereis, farbenbunt und düftehauchend wie ein ganzer | die Wetter.heute," brachte,sie mit

einiger Mühe heraus.Und über das Fest wird es wohl, auhaltem" Nun, Wenns auch umschlüge," lachte er übermütig.A$n meinem Herzen bliebe doch Osterfounenscheiu., Borausgesttzt, daß nicht etwa ein tödlicher Reis auf meine Frühlingshossirungen fallt, was der HiMmel in Gnaden verhüten wolle. Dars ich fragen, liebes Fräulein Martha, ob Meine bescheidene Huldigung eut. freundliche Aufnahme gefunden hat?" , .

, Ties schöne- Blumen-Arrangement, menten Sie? O ja Herr Amtsrichter, es es hat sogar die lebhafteste Freude hervor-

9UU',O wie gern ich das höre! Und ich fürchtete schon, als zu­dringlich angesehen zu werden. Und die Frage, die ich in meinem Begleitbrief zu stellen wagte ?,"

Ach, der Begleitbrief ist leider verloren gegangen oder in der Blumenhandlmig verlegt worden. Sie werden also schon ge­nötigt fein, die Frage mündlich zu.wiederholen.'

Was von Herzen gern geschieht. So frage ich also Verzeihung, Herr Amtsrichter: Gerda wird sogleich toinmeii. tObcr oder wäre es vielleicht Elli gewesen, tue durch >zhr Ge­schenk erfreut kverden sollte?" , .

Gerda? Elli? Ja, ünt des Himmels Witten, Fräulein Martha die Blumen und der Brief nut feiner schicksalsschweren Frage für wen hätten sie denn bestimmt sein können, wenn

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!Zweifelst du vielleicht daran, wenn ich fragen darf?" I tfF Ernst, « wv KW's benrt

Ja, wenn kein Brief oder feine Karte dabei war, ist es , ,,U»d ob es Wern Ernst ist! Potz Mitz. haben Sie,s dE

hteniger b Ächem Beweggründe immer Sie wollen - nur sagen Sie: liebevoll gewesen als der, Mit dem sie ihre Schwester fixierte. IJa, ich will dir gehören. Stimmest

Weil es ich dabei nicht uM eine bloße Aufmerksamkeit handelt, ,Aber, ich - H kann - mein Gott ich»orege

wenn du es denn durchaus wissen willst. Herr Hildebrandt wird Meiner: Tante ^Nner Kus mm Sie werden

uns ja ohne Zweifel heute vonnittag seinen Besuch machen, undIhn so nötiger ist eine rasche Antwort. Schnett IW Stau mh'Öu'Ä "*** Kit«, *1* N* W El« e»d W» im s«.

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iund da hast du dich darauf verlegt, ihn mir abspenstig zu machen. I dann rtef die KanMerrann «Uz wt.

Pah! Ist Herzensangelegenheiten ist feder sich selbst derWas fur prachtvM e Mnmen. uiw rm y° » ^Mtetn stachste. Und schlieUich kann ich doch nichts dafür, wenn er mich |

netter finden sollte als dich." sollte denn damit oeglückt werden r