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gibt es noch eine ganze Reihe, und die Freundschaft mit Insekten findet sich bei Pflanzen, die durchaus nicht miteinander verwandt sind. Zu einer ganz anderen Pflanzengruppe gehört beispielsweise der Muskatbauni. Eine in diese Gattung gehörige Art, myristica myrmeeophila, beherbergt eine ganze Reihe Insekten, z. B. Verbesinas clerondendron, die nach den Untersuchungen Beccaris, des Leiters des Museuins in Florenz, als schutzwache dienen. Auch wenn man viel tiefer ins Tierreich hinabsteigt, findet man noch Lebe- rvesen, die mit Pflanzen Freundschaften unterhalten. Man braucht nur die Wurzeln von gewissen Schmetterlingsblütlern auszugraben, um an ihnen kleine Knoten zu finden, die nichts weiter sind als Haufen von Bakterien, die in Symbiose mit den Pflanzen leben und für die Pflanze von größtem Nutzen sind. Auch oberhalb der Erde findet sich das Zusammenleben von Pflanzen mit Bakterien. Ein ostasiatischer Busch, Ardisia crispa, hat am Rande seiner lanzettlichen Blätter Reihen von Knoten. Auch hier handelt es sich um Ansiedelungen von Bakterien, und diese Bakterien leben ebenso lange wie das Blatt. Sie arbeiten so ähnlich mit den Blättern zusammen wie die grünen Algen, die in unseren Süßwasserpolypen leben; nur ist bei dieser zuletzt erwähnten Freundschaft zwischen Tier und Pflanze nicht die Pflanze der Wirt, sondern das Tier.
Vermischtes.
, * Kampf mit einem Bären. Aus Rozsahegyer Jäger- kreisen wird der „Neuen Fr. Presse" von einer Bärenjagd berichtet. .Graf Seefried weilt derzeit in den Liptauer Wäldern (in Ungarn), und am Nachmittag des 8. August kam ihm auf den Rehruf statt des erwarteten Rehbockes ganz nahe ein großer Bär angesprungen. Als Graf Seefried anlegte, tourde der Bär flüchtig, worauf der Schütze ihm eine Kugel nachschickte, die der Bär, im Dickicht ver- schlvindend, mit Gebrüll beantwortete. Er begab sich nun mit dem Revierjäger Ugrosdy auf den Anschuß, und der vorgefundene viele Schweiß bestimmte die Beiden, dem . Bären nachzngehen, in der Erwartung, ihn nach wenigen Schritten verendet vorzufinden. Kurze Zeit waren sie der Schweißspur gefolgt, da brach, hinter Baumstämmen verdeckt, plötzlich ber Bär hervor, und warf den neben Graf Seefried gehenden Jäger Ugrosdy nieder. Ugrosdy schrie aus Leibeskräften und wehrte sich. Doch hatte er nur den Kopf und einen Arm fr et Als Graf Seefried an den Bären herantrat, um ihm den Fangschuß zu geben, sprang der Bär, so blitzschnell wie er gekommen war, in das dichte Buschwerk. Nun wurde Ugrosdy Untersucht, der Bär hatte ihm Riffe mit seinen Pranken durch die feste Lederhose am Gesäß beigebracht, aber der Hieb auf die Schulter war durch Ugrosdys Ausweichen vorbeigesaust, nicht die mächtigen Krallen, nur die Prankenknochen hatten, allerdings sehr unzart, die Schulter gestreift. Die Verletzungen wurdest mit Weißwein ausgewaschen, mit Taschentüchern verbunden, und bald war Ugrosdy wieder frisch und munter, so daß er allein talwärts gehen konnte. Graf Seefried aber folgte, da ein Gewitter am Himmel stand und der Regen die Spur zu verregnen drohte, denr Bären allein, bis er ihn auf einem kleinen Raume ganz ein- gekreist hatte. In diesem blieb der Bär bis zum Abend. Da des Bären Wunde zu schweißen aufgehört hatte, schien er nicht tödlich geschossen, und so machten sich am andern Tage der Rozsahegyer Nreisgerichtspräsident v. Chudovszky, ein passionierter Jäger, der Osjadaer Forstingenieur Glock, Graf Seefried und Forstwart Richter an die weitere Verfolgung des Bären. Die beiden erstgenannten Herren wurde,: angestellt, Graf Seefried und Richter gingen mit zwei Hunden auf der Spur des Bären, wo sie tags- vorher verlassen wurde. Nach etwa zweihundert Schritt fanden sie im dichten, oft mannshohen Gestrüpp den Bären verendet. Es war ein alter Hauptbär. Die Kugel war ihm in die linke Keule eingedrungcn, hatte den 1,80 Meter langen Körper diirch- fluert und war in der rechten vorderen Schulter stecken geblieben.
* Enthüllungen aus amerikanischen Hotel- küchen. Schauderhafte Geschichten weiß das Journal der amerikanischen medizinischen Bereinigung aus den Küchen einiger großer Hotels in New Bork und anderen Städten der Bereinigten Staaten zu berichten. Es ist schon an sich ein Uebelstand, der auch außerhalb Amerikas häufig zu finden ist, daß die Küchen meist im Erdgeschoß oder noch tiefer liegen und infolgedessen eine sehr schlechte Luft enthalten. Der Aufenthalt für die Köche und ihre Hilfskräfte wird infolgedessen bei einer Hitze von 35—55 Grad nahezu unerträglich. Daraus müssen sich auch für die hergestellten Speisen unerfreuliche Folgen ergeben, da in einer solchen Höhle niemand so besonnen und sauber arbeiten wird wie in einem kühlen und gut gelüfteten Raum. Auch der Gesundheitszustand der Beschäftigten läßt begreiflicherweise viel zu wünschen. Die Tuberkulose ist nach der Versicherung hygienischer Erhebungen geradezu eine Berufskrankheit der Küchenarbeiter. Dazu kommen Häufige Verbrennungen und Hautleidem Die einzelnen Schilderungen wiederzugeben, sträubt sich die Feder. Jeder Koch erhält in den amerikanischen Küchen täglich zwei Handtücher, um sich damit die Stirn und die Hände abzuwischen. Dasselbe aber gebraucht er auch zuweilen zum Anfassen der Schüsseln und in bedenklicher Berührung mit den Speisen selbst. Der Geruch, der in den Küchen herrscht, wird mit dem eines türkischen Schwitz
bades' öder einer Menagerie verglichen. In manchen Hotels wech, seln auch die Köche ihre Kleidung in der Küche selbst. Gesetzliche Verordnungen über Hotelküchen scheint es in Amerika überhaupt mcyt zu geben, und es klingt wie Ironie, wenn allen Ernstes behauptet wird, daß die Gesundheitsbehörde mit den Dingen, die unterhalb des Straßenpflasters vor sich gehen, nichts zu tun habe.
Erfüllte Sehnsucht. „Kann ich meinen Augen trauen?" tief Mr. Timkins, als er den Einbrecher erwischte. Er hatte, in der Macht ein Geräusch gehört, wie wenn jemand Srlber einpackt, und war in das Eßzimmer geeilt. Der Einbrecher faßte nach seinem Revolver, aber Mrs Timkins ergriff sinne Hand. „Nicht doch," sagte er, und drückte diese Hand herz- bch. „Sie, glauben nicht, wie ich mich freue, daß Sie da sind., Warten Sie nur einen Augenblick, W rufe gleich meine Frau. Seit zwanzig Jähren hat sie jede Nacht gehört, daß Sie da find, und endlich kann sie Sie nun sehen."
* Schonungsvolle Freund s ch a ft. Ein geistvoller Mann besuchte einmal einen Selfmademan, der Millionär geworden war, und ihn voll Stolz in feine Bibliothek führte. „Hier," sagte der Millionär,,und wies dabei auf einen mit Büchern bedeckten Tisch, „das find meine besten Freunde." — Der Besucher blätterte in einigen. „So," sagte er bann, „ich freue mich, daß Sie fie nicht schneiden."
Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachverein;.
h * Occasion. Occasion! Welch .herrliches" Wort im utschen Sprachschatz I In weit sichtbaren Buchstaben ist es viel- wch an den Schaufenstern großer Geschalte zu lesen. Der ®e- schaltsinann will dadurch die Raufer auf die Gelegenheit aufmerksam machen, in diesen Tagen bei ihm besonders billig und vorteilhaft einzukaufen, also einen „Gelegenheitskans" zn machen. Ob er aber bei der Mehrzahl der Borbeigehenden Verständnis für dieses Fremdwort findet? Oder sollen bloß Käufer mit fremdsprachlicher Bildung zum Eintritt eingeladen werden? Beides ist nicht anzunehmen. Auch die Kanimannschaft konnte an ihrem Teil bei der allgemeinen Pflege der deutschen Sprache mitwirken, wenn sie einmal in ihren FachauZdrücken „Inventur" machte und veraltete »Ladenhüter" ausmerzte. Dillmann.
Büchertisch.
— N r. 7 d e r i l l u st ri e rt e n Z e i t s ch ri f t f ü r H e i m a t- kund e und Verkehrsinteressen „Deuts chlan d" führt in die Thüringer Lande. Trinius, der ewigjunge deutsche Wandersmann, führt den Leser nach Kobnrg, zeigt ihm die Schönheiten dieser alten Stadt und schildert, wie hier dank der freudigen Förderung durch den jungen Herzog Karl Eduard die schönen Künste verständnisvoll und tatkräftig geschützt und gepflegt werden. Johannes Schlaf, der Führer jener realistischen Literaturbewegung, die uns in den beiden letzten Jahrzehnten eine so gesunde Erneuerung des dichterischen Schaffens in Deutschland gebracht hat, schildert das „neue Weimar". Wie Staat und Wissenschaft die Thüringer Kurorte fordern, beweist ein Artikel von Dr. Walter Schwarz. Karl Sonnekalb führt an die klassischen Stätten in und um Ilmenau, Friedrich Lienhard in einer stimmungsvollen Wanderskizze auf den Kickelhahn und Wilhelni von Scholz in drei Gedichten über den Rennstieg. Eine geschichtliche Erzählung des bekannten thüringischen Novellisten Wilhelm Arininius „Die glückliche Gefangennahme" beschließt das außerdem noch durch eine Reihe anderer Aufsätze und aktueller wirtschaftlicher und kultureller Erörterung fesselnde Heft-
Arithmogriph.
123456789 10 ein Hausgerät.
2 9 8 3 5 3 4 germanischer Volksstamin.
3 10 10 3 9 8 6 7 ein Komponist.
4 3 9 1 römischer Kaiser.
5 3 8 4 3 Fluß in Frankreich.
6 8 6 3 9 1 römischer Staatsmann.
7 19 4 ein Musikinstrument.
8 9 3 4 3 weiblicher Vorname.
9 15 3 eine Blume.
10 1 1 9 niederländischer Maler. Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr — Treff, p — Pique, c — Coeur, car — Garreau trB ----- Tress-Bube, pA = Pique-Aß, cD — Coeur-Dame usw.
Mittelhand erhielt: trB. carB, carT; Hinterhand die übrigen.
H. cA = (- 21)
M. car7 ---- (+ 11)
H. cB = (- 4)
M. car8 = (4- 14)
5. V. c9 M. trB H. pB — (- 4) Die übrigen Stiche macht Vorhand; mithin sind die Gegner im Schneider geblieben.
Im Skat liegen tr7 und p8. cZ, trZ, trK, tr8, pK, carD, car8, Spielgang:
1. V. c7 M. cZ
2. H. carK V. carA
3. V. c8 M. carB
4. H. carZ V. cK
Redaktion: I. V.: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen»


