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pkelfach verzweigte Stengel entsprossen, deren rote Blumen einen stark aromatischen Dnst besaßen, dec an den Duft der indischen 'Gewürznelken erinnerte. Dieses nelkenartigen Duftes wegen nannte man die Pflanze kurzwegN e l k e". Die Sage berichtet zwar, der aus der Nelke hergeflclltc Trank hätte vielen Heilung ge­bracht, aber der Tod wütete weiter, das ersehnte Heilmittel gegen die mörderische Seuche war damals ebenso wenig gefun­den wie heute. Ludwig IX. teilte das Los von vielen Tausenden seiner Getreuen, er starb noch im Lause desselben Jahres an der Cholera. Der Rest'seines ursprünglich 60000 Mann zählenden Heeres wurde geschlagen, nur ein kleiner Teil der Kreuzfahrer sah das heimatliche Gestade wieder. Mit ihnen zog die Nelke in Südfrankreich ein. Der auf königlichen Befehl gesammelte Nelkensamen kam in die Klöster und fand hier als Blume des Heiligen Ludwig (Ludwig IX. wurde 27 Jahre nach feinem Tode heilig gesprochen) eine Pslegestcitte, aus welcher die Nelke als Zierpflanze hervorging, die sich im Laufe der Jahrhunderte me Welt erobert hat.

In welcher Weise die Nelke sich in den nächsten drer Jahr­hunderten entwickelt hat, lehrt ein Blick in das 1613 erschienene Prachtwerk des Hortus Eystethensis, als dessen anonymer Ver­fasser der erste Gießener Professor der Botanik, Jungermann, ver­mutet wird. In diesem Abbildungswerke findet man auifs 8 Küpser­tafeln im .Format von 52:42 Zentimeter 16 verschiedenege­doppelte Negelein oder Graßblumen" in überraschender Natur- treue und in natürlicher Größe wiedergegeben. Da gibt esvolle Negelein so halb« leibfnrb halb weiß sindt und mit rochen strimen linb düppele unterzogen", solchederen blumen sind an der färb wie pfirsichblüt", anderemit zerkerbt und gedoppelten blumen, gesprengte, gescheckte, braunrote, purpurfarbene", kurz, die Nelke tritt uns hier schon als die in ihrer Mannigfaltigkeit vollendete Blume entgegen. Was am meisten auffällt, ist dre Größe der einzelnen Blüten, und wenn man nicht annimmt, der Zeichner habe gemogelt, so haben wir in diesen altehrwürdigen Bildern "Nelken vor uns, die so groß sind wie die wegen ihrer Größe bewunderten neuen amerikanischen Sorten, von 7 Zentl Meter Durchmesser. Jnr lveiteren Verlauf der Zeit bitebt> die Nelkenzuckt hauptsächlich auf England und Holland beschrankt, das übrige Mitteleuropa war durch Kriege und Seuchen verarmt und entvölkert, die Klöster verbrannt oder ausgeraubt, ihre ehe- maligen Gärten voll Gestrüpp und Unkraut.

Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts, nach Beendigung des Tulpenschwindels, ward die Nelke Modeblume. Muter Nelkensamen wurde damals wie heute mit Gold aufgewogen, es entstand eine umfangreiche Literatur, die sich nur mit der Melke, ihrer Zucht und Pflege befaßte, ess wurden Nelkensamm­lungen iil Form von Herbarien angelegt, in denen dre Blumen­blätter auf steifes Papier aufgeklebt, numeriert und mit Namen versehen wurden, die sich hier und da bis zur Gegenwart er­halten haben. Endlich, als es nicht mehr möglich war, die zahl­losen Spielarten zu benennen, erfand man zuerst in Holland unb Belgien, später auch in Frankreich und Deutschland, Nelkenchsteme, in welche die Nelken nach Blütenbau und Farbe in Klaffen, Ordnungen, Gattungen und Unterordnungen eingereiht wurden. Eines der bekanntesten ist das des Erfurter Arztes Werßmantel, der in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine der größten Nelken­saminlungen seiner Zeit besaß In Frankreich war es besonders die hochrote Nelke, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreute und die während der Schreckensherrschaft der Revolution eine Rolle spielte. Berühmt waren die Flamländer Nelken. Es waren dies Nelken, die auf weißem Grunde regelmäßige, scharf abgefetzte, band­artige Streifungen zeigten. Sie wurden hauptsächlich von den Arbeitern der Kohlengruben bei Lüttich und von denen der Tuch­fabriken bei Verviers, sowie in der Umgebung von Spaa ge­züchtet und besaßen Weltruf. Von dort stammen auch die ersten Zwergnelken, die lange Zeit beliebt waren, weil ihre kurzen, sich kaum über Me Blätter erhebenden Stengel die Blüten, trugen, iunb ein Ausländen überflüssig machten. Später traten die etwas höher werdenden, ungemein reich blühenden Wiener Zwprgnelken an ihre Stelle. .

Eine andere Form der Gärtennelke ist die Baumnelie, die zwar nicht zum Bäume wird, aber einen verholzten kleinen Strauch bildet und deshalb häufig an Spalieren gezogen ward. Je, älter fein solcher Stock war, desto reicher blühte er. Bei uns , ist sie ganz aus der Mode gekommen, dafür sieht man sie bisweilen ,rn südlichen Ländern, tvo die Nelkenstöcke über Winter im Freren bleiben können, als entzückenden Schmuck btr Balkone.

Einen neuen Ansporn erhielt die Nelkeiiliebhaberer burch die Zucht der imMerblühcnben oder Remontantnelkeit, welche um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von Belgien, aus Berbiertung fanden. Sie wachsen höher und blühen nicht, wie die Landnelken, mit einer Fülle von Blumen, um sich in kurzer Zeit zu erschöpfen, sondern immer nur an einzelnen Stengeln. Die Eigenschaft, auch im Winter zu blühen, machte sie alsbald zu einer begehrten Zimmerpflanze, und da man in jener Zeit die Einfuhr frsicher Blumen aus den Mittelmeerländern noch nicht kannte, fchren xs fast, als ob die Nelke abermals Mvdeblume werben würde. Die Kultur war aber nicht lohnend genug, die Einführung anderer Pflanzen beschäftigte die Gärtner vollauf, so daß sie auf ein­zelne Spezialisten und Liebhaber beschränkt blieb. Da tauchte gegen Ende der 80er Jahre eine Remontantuelke aus, welcher

man nachrühmke, sie blühe schon drei Monate nach der Aussaat und von da an bis zum Eintritt der Fröste. Sie kam von Italien. Man hatte sie in den Bauerngärten Siziliens gefunden. Die dortigen Landleute hatten nie eine andere Nelke gekannt und sie vielleicht schon seit Jahrhunderten besessen, ohne daß sie wußten, daß an ihrer Nelke etwas besonderes sei. Es war die Margareten nelke (zu Ehren der damaligen Königin Margherita von Italien benannt) um deren Verbreitungsrecht unter zwei deutschen, in Italien ansässigen Gärtnerfirmen ein langer Streit ausbrach. Durch die Einführung der Mavgareten- nelke war die Nelke nun in die Reihe der leicht zu ziehenden Sommerblumen gerückt, man konnte fich an ihren duftenden Blumen von Mitte des Sommers bis zum Eintritt der Fröste erfreuen. Die alte Remontantnelke aber hat sie nicht verdrängt, sie Mpd weiter vervollkommnet, die Amerikaner nahmen sich ihrer an und von dort kam sie in neuer und verbesserter Gestalt zu uns zurück. Ihre Stiele sind straffer und, wie es die Mode verlangt, länger geworden. Ihre Blumen aber sind fast doppelt so groß wie die der alten Remontantnelken und in einem Farbenspiel, wie inan es nie gekannt hat.

Diese herrlichen Nelken werden bei uns fast ausschließlich unter Glas gezogen. Man pflanzt die Nelkenstöcke, die nie älter als 18 Monate werden sollen, auf erhöhte Stellagen in Hellen, luftigen Gewächshäusern aus, sucht sie im Laufe des Sommers durch gute Pflege nach Möglichkeit zu kräftigen, und damit sie sich nicht vor­zeitig erschöpfen, nimmt man ihnen die erscheinenden Blütenstengel fort. Sie blühen dann den ganzen Winter bei einer Temperatur von 810 Grad. Die meisten Nelken und zwar die schönsten, die es gibt, kommen int Winter aus der Riviera. Die ganze Nivierä zwischen San Rerno bis Nizza ist ein einziges Nelkenfeld. Da, wo die Italiener noch vor fünf Jahren ihren Kohl oder Tomaten bauten oder wo die wilde Myrte und Pistazie blühten,, sind Nelken- felder entstanden, in denen man den Sommer über jung und alt mit der Pflege der Nelken beschäftigt findet. Mit verbundenen Augen läuft der Schöpfesel im Kreise um den Brunnen und pumpt das Wasser zur Berieselung der Nelken in die schmalen Gräben, von wo es durch ein System kleiner Kanäle und Furchen zu den Pflanzen geleitet wird, denn in der Riviera, dem Garten Europas, regnet es im Sommer oft drei Monate lang keinen Tropfen, und was in dieser Zeit nicht künstlich bewässert wird, verdorrt. Auch' Gewächshäuser, ein früher nicht gekannter Luxus, sind in den letzten Jahren an der Riviera in Mengen entstanden, die aus­schließlich der Nelkcnkultur dienen; sie blüht zwar auch int Freien, aber die Gewächshausnelken sind größer, sie sind in der Farve reiner und werden auf dem Markte von den Händlern höher be­zahlt. Außerdem ist man int Hause gegen Unwetter und Fröste gesichert, weshalb sich ihre Anlage bezahlt machen soll. $aglid) wird aus dem freien Platz vor dem Bahnhofsgebäude in Venti­miglia Nelkenmarkt abgehalten. Zu einer bestimmten Stunde kommen bann die Händler aus Nizza und weiter her, aber auch die aus der Nähe, denn der Blumenhaudel wird an der Rivtera kaufmännisch betrieben, und selten ist der Züchter auch Händler zugleich. Der ganze Platz bietet dann ein farbenprächtiges Bild der duftreichen Blume, und man kann daselbst zu einem Franken bisweilen einen Strauß Nelken mit Hunderten der herrlichsten Blumen kaufen. Bisweilen aber sind sie, und das ist besonders kurz vor bestimmten Festen und nach Unwetter bet Fall, in Vetttv- miglia teurer als in Berlin. Die Hänbler legen bann, um ihre Kunbschaft nicht int Stich zu lassen, unglaubliche Preise an, bei denen sie oftmals selbst Geld zulegen müssen. Jeder Züchter hat seine bestimmten Sorten, für die er seine festen Abnehmer hat. Damit diese nicht der Konkurrenz ausgeliefert werden können, werd jeder Trieb, welcher sich etwa zu einem Steckling eignen tonnte1, sorgfältig entfernt, ehe die Ware auf den Markt kommt. Oft sind diese Sorten eigene Züchtungen, und mit Argusaugen wacht der Besitzer darüber, daß auch nicht ein Sproß seinen Garten verlaßt. Das ist selbstverständlich, wenn man weiß, daß sich an der Rivtera jeder, der nur über ein Stückchen Land verfügt, auf die Kultur der Nelken gelegt hat, daß der Bauer lieber fein Gemüse und sonstige Erzeugnisse auf dem Markt ersteht, um dafür den lohnen­deren Anbau der Modeblume zu betreiben. Täglich geht von Vetiti- mialia ab ein Blumenzug, der die duftende Ware Schmtt- blumen aller Art, hauptsächlich aber Nelken, in unglaublichen Mengen nach dem Norden befördert.

Eine gute Nelke muß folgende Eigenschaften besitzen: Sie muß gut gefüllt sein, darf aber nicht platzen, d. h. an der Sette darf der Kelch nicht aufgesprungen sein, ihre Farbe muß rein unb wenn sie mehrfarbig ist, bütfen die Striche oder Zeichnungen nicht ineinanber verwaschen sein. Eine weitere Forbernug der Neuzeit ist, baß die Stengel ivenigstens 40 Zentimeter laug unb so stark sein müssen, daß sie das Gewicht der Blumen zu tragen imstande sind.

Die Anzucht geschieht bei den Lanbuelken nur aus Samen, der int zeitigen Frühjahr in Schalen oder Kistchen gesät wird. Später werden die jungen Nelkeitsetzlinge auf Beete gebracht, auf denen sie stehen bleiben. Die gefüllten werden von den Gärtnern bei dem Aussetzen gleich ausgeschieben, und es gibt Gärtner, bereit Blick durch Hebung so geschärft ist, daß sie sich "ichtum fünf Prozent irren. Man erkennt sie an den etwas dickerenBlät. tern. Bessere Sorten vermehrt man, wenn man nicht die Absicht hat, neue Sorten zu züchten, durch Absenker und Stecklinge. Tie