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Dir Fiammenzrichen rauchen.
Roman Es fcient Jahre 1813
Von Müx Karl Böttcher-Chemnitz.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Das Erbe zu wahren — ja, das tust du, Linthardt, voer hoffst wenigstens, es zu tun. — Mer erbt man bloß, Geld und Gut? — Ist Erbe nicht auch dein Name, der bisher, rein und fleckenlos, zu den besten des Landes gehörte? — Und was hast du aus diesem Namen gemacht? Fühlst du das nicht? Weißt du nicht, daß wir schon jetzt bei Freunden und Nachbarn verachtet sind — ahnst du nicht, daß . . . ."
„Schweig, Schwester! Jedes Wort ist vergebens! Ich habe reiflich überlegt, was ich tat! — Wähne nicht, daß mich Feigheit zurückhält, mitzukämpfen. Glaube, auch mir zuckt die Hand, wenn ich draußen des Kampfes Toben höre, Ech ich möchte mitkämpfen und ringen und fechten, aber es ist mir eine heilige Pflicht geworden, das Unsre zu zu wahren. Und nun Schluß davon, jedes Wort ist unnütz und erzeugt nur Bitternis! — Wie ergeht es dem Pater?"
„Schlecht, Linthardt, sehr schlecht. — Er erwartet täglich Nachricht von dir!"
„Von mir? — Das verstehe ich nicht!"
„Vater weiß! noch nicht, daß du hier im Schlosse bist Und das Vaterland . . . das Vaterland . . ."
„Verrätst — willst du sagen?!" lachte er bitter auf. — „Ha, wohin führt unsinnige Begeisterung! noch die trunkene Menschheit in diesen Tagen! — Wenn Vater noch nicht weiß, daß ich sein verschleudertes Gut hier halte, nun gut, so soll er es erfahren. Ich will es ihm selbst sagen, zur Stunde noch soll er . . ."
„Nein, Linthardt, die Kunde brächte ihln den Tod. Er wähnt dich beim Freikorps. Heute ist er in seligster Sieges-- stimmung, die soll ihm niemand rauben!"
„Laßt euch nicht auslachen. — Ein Sieg?! — Wo kein Kampf ist, ist kein Sieg! — Und das heute war kein Kamps, war nur ein Geplänkel zwischen ein paar hundert Leuten. — Laßt den großen Cäsar erst selbst kommen, dann ist es vorbei mit euerm Siegesrausch, dann werdet ihr eine Zuchtrute fühlen, und' dann kommt zu mir, mein treu gehütetes Schloß soll dann eure Zuflucht sein!"
Gisela sah den' Bruder verständnislos an und schritt dann zur Tür. — „Leb wohl, Linthardt!"
Er reichte ihr die Hand: „Du bist, so groß und so schön du bist, im Herzen und Sinn doch noch ein Kind, ein kleines, dummes Kind, und kannst nicht verstehen, was ich Großes tue. — Ich zürne dir deshalb,nicht. Komm bald wieder zu mir — täglich, hörst du, täglich, bis ihr ganz wieder in das Schloß zieht!"
Gisela schüttelte den Kopf und sagte: „Ich gehöre zum Vater — nicht an diesen Platz," und verließ das. Zimmer.
Im Korridor mußte sie sich dicht an die Wand drücken, denn man trug eine Reihe Toter an ihr vorbei. Sie schauerte zusammen und dachte: „Dieser schreckliche Krieg!" — Sie suchte nun den Schultheiß und verließ mit ihm das Schloß und ging heim.
Der alte Freiherr von Altenlohe saß heute abend in seinem Lehnstuhl. Pfarrer Tempel ging im Zimmer aus und ab und berichtete von den Ereignissen, die heute vor-» gefallen. „Ein Sieg, ein großartiger Sieg, gnädiger "Herr!"
„Habt Ihr etwas von meinem Jungen gehört, Tempel? Sagt es mir ruhig!"
„Nein, bei den Toten und Sterbenden war Werner bestimmt nicht. :Die Sterbenden habe ich gesehen, die Toten Etzinger. Dessen Fridolin hat eine derbe Wunde gekriegt. Das Bein muß runter, denn das Knie ist vollständig zersplittert !" ! j i
„Der Arme. — Wie sein Vater!"
„Ja, jetzt liegt er im Fieber und jammert Um den Kirchturm!"
„Da kann einen auch der Jammer packen. Das schöntz Kirchlein! Ja, wäre ich noch Schloßherr mit meinem entert Reichtum, sollte es mir ein leichtes sein, dem Dorfe ein. neues Gotteshaus zu bauen!"
„Was sollen wir um Steine jammern, gnädiger Herr. Früher oder später werden sie doch wieder aufgebaut, und unserm Herrgott droben wird ein Gottesdienst, im Freien abgehalten, aus brünstigen Herzen kommend, ebenso liest sein, wie int steinernen Bau. — Mer die Menschen! —| Zweihundert Tote reichlich müssen über Nacht beerdigt werden, und gegen dreihundert Schwerverwundete liegen im Schloß und i!m Dorfe, und von diesen wird! sich der Knochenmann auch noch ein gutes Hundert holen!"
Gisela trat ein. Sie ging zttm Vater und küßte ihu.-
„Du armes Mädel, schaust so blaß aus! Hast wohl grausige Bilder gesehen, was?" Gisela nickte, und etNH Träne brach ihr aus den !Augen. „Sahst du BekaUntS unter den Verwundeten?"
©ie schüttelte das Haupt. „Nein, Vater, ich war in allen Sälen, — bloß im Ahnensaal, da sah ich ivenige Kranke!"
„Warum nicht alle?"
„Toinette von Bourgee trat m den Saal, und da ging ich!"
Der Alte sah in die Ferne und sagte matt: „Und da gingst du. Ja, ja, wir Altenlohes sind nicht mehr Herren im Schloß, — wir mußten weichen!" •
„Es geschah für eine große Sache, gnädiger Herr," warf der Pfarrer ein.
„Freilich, und noch nicht einen Augenblick hat es mich gereut. Nur eins macht ich wissen: wo mag jetzt mein


