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Am stillen Herd.
Von Richard Wagne r.
Am stillen Herd zur Winterszeit, wenn Burg und Hof mir eingeschneit, wie einst der Lenz so lieblich lacht', und wie ec bald wohl neu erwacht', ein altes Buch, vom Ahn' vermacht, gab das mir oft zu lesen:
Herr Walter von der Vogelweid', der ist mein Meister gewesen.
Wann dann die Flur vom Frost befreit und iviederkehrt die Sommerszeit, was einst in langer Winteruacht das alte Buch mir kund gemacht, das schallte laut in Waldespracht, das hört' ich hell erklingen:
im Wald dort auf der Vogelweid', da lernt' ich auch das Singen.
Zwei Welten.
Roman von Emma Merl.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Reichmanns junge Kollegen fanden sich gern ein zu einem Glas Bier, und manch einer, der .gerade Ebbe in der Kasse hatte, war froh, wenn er einen Teller Suppe von Mittag bekam und das bescheidene Abendessen teilen durfte. 1 >
Bei feierlichen Gelegenheiten braute Papa Holst einen Punsch oder Reichmann gab, nach einer besonderen guten Einnahme, ein paar Flaschen Wein zum besteu.
Dann freuten sich die jungen Leute wie die Kinder uub hatten die närrischsten Einfälle, kostümierten sich, saugen Schnadahüpfeln oder „Moritaten" und ulkten bis lange nach Mitternacht.
ES war leicht, Feste zu feiern, wenn die Gäste soviel Humor mitbrachten.
Oft, wenn die Stimmung so recht auf ihrem Höhepunkt war unb Hildegard mit glänzenden Augen und heißen Wangen lachte und plauderte,, dann machte sich ihr Mann) den besonderen -Spaß Und rief:
„Hast du. nicht Sehnsucht nach den Familieneinladungen bei Bernhoblers, mein Herz?"
Das Entsetzen, das 'sie hei der Erinnerung packte, gefiel ihm immer wieder.
„Nein, war das ad'! Wjar daß langweilig! ' Dieses reichen Leute sind doch eigentlich arme Menschen! Warum)
versperrten sie ihr Heim aber aüch so ängstlich vor jedein fremden Element? Wenn sie nur ein bißchen gast- freundschaftlicher wären! Wieviel GM könnten sie schaffen, wenn sie nur eine Ahnung hätten von allem', tvas nm sie her lebt und strebt und nm Hen Tag ringt. Mer sie schließen die Augen und die Ohren und verspevveir ihre Türen und gähnen vor ihren vollen Schränken und an ihren reichbesetzten Tischen!" ; . .
Es wurde nicht bloß: gelacht und gescherzt an diesen lebhaft bewegten Abenden in dem jungen Heim. Es gab oft die erregtesten Debatten über moderne Fragen über Kun'st und Literatur, über Politik und Frauenbewegung.
Wie ein mächtiger brausender Stroin flutete vor Hilden gards Augen das Leben.
Es klang aber auch viel Trauriges an ihr Ohr.
Sv manches Künstlergeschick bewegte ihr Herz, sie bekam so ernsten Einblick in Malerelend und Bildhaudrnvt, daß es ihr wie unermeßliche Seligkeit erschienet: wäre, helfen zu können, durch einen Mlderankauf, durch eine Bestellung eilten sinkenden Mut aufzurichten, durch ein bescheidenes Darlehn manchmal einen Schaffenden über Wasser halten zu dürfen, bis der Erfolg zu ihm! kam.
Aber ihr waren ja die Hände gebunden.
Ihnen selbst ging's während der ersten zwei Jahre leidlich,. i
Holst hatte es allerdings nicht so leicht gefunden, eine fixe Anstellung als Zeichner zu bekommen, trotz der verschiedenen Anfragen, die an ihn gerichtet worden, so lange er sich nicht binden wollte.
Nun, da er selbst als Suchender kam, boten die kleinen) Verleger und Unternehmer schlechte Bedingung, zeigten sich die großen von kühler Zugeknöpftheit.
Schließlich war es ihm aber doch gelungen, sich wenigstens für Fahre eine bestimmte Entnahme zu sichern, da er mit einer Kuiistanstalt in Verbindung trat, die einen Zyklus von Postkarten jnit Ansichten von München und aus dem Gebirge herausgab, und deren Bedarf ja in stetem Steigen begriffen war.
Er mußte allerdings malen, wie es dem Publikum gefiel, mit feiner Eigenart war's vorbei, und es blieb, ihm auch feine Zeit zum Feiern, denn die nötigen Studien und Reisen nahmen so manche Woche in Anspruch. Aber er konnte dem jungen Haushalt doch allmonatlich sein Sümm- chen beisteuern nnd sich sagen, daß er jetzt seine Vaterpflicht nach besten Kräften erfüllte, i
Auch Reichmaim hatte als Zeichner ganz hübsch verdient, wenn er auch bei jeder neuen Arbeit vor der neuen bangen Frage stand: Wird sie auch einschlagen? Mrd! sie auch angenommen werden?
Seit das Kind auf der Welt war ■ und so Manche nötig gewordene Ausgabe das Budget belastete, Mußte Hildegard ängstlich sparen und rechnen, um durchzukommen.
Es lag auch Piel Arbeit auf ihren Schultern, und sie hätte doch so gern viel Zeit gefunden, zu lesen, zu


