Ausgabe 
21.4.1913
 
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......./' murmelt er wieder leise. Höheren« berufen" schreit eine

Was, eilt König soll an goldene Ketten gebunden werden?" schrie er. ^tznig ist mit der goldenen Kette angebunden" versetzt das Reh ruhig.Willst du König werden -

Pipp knirscht mit den Zähnen, aber er filgt sich, e will doch ans den Thron. Kichernd windet sich der Zwerg am Boden Lin und her und holt ein SKesertäfelchen aus dem Täschchen.

Was schreibst du?" ruft W- -Du willst doch König werden und ein König muß sich das gefallen lasse», daß, was er denkt und treibt, notiert und gar gedruckt wird

Tas ist ja enllet-lich!" keucht Pipp und zerrt an den goldenen

^Das muh ich aufschreiben schon hat der Kleine den Stift in den Händchen. . , ,

Tu's nicht" fleht PiPP.Ach, uh will ia doch König werden was all da wird verlangt Selbstbeherrschung, lleber- windung, -Geduld, Liebe, sich auknebeln lassen am goldenen Band, Nicht mucksen, sonst w-irds notiert

PiPP faltet die Hände.

Besser ist ein Schneider daran,"

Wer nein, ich bin zu Höherem verusen- Stimme in ihm und er fragt mit bebendem Ton den Zweig. Glaubst du, daß ich hier König werde?"

Hm," macht der Kleine und gähnt.

Das Reh, das dich hierher gebracht, könnte den Vorrang kriegen, es ist der Page der Königin und ftc hat tfet sehr lieb. Aber der Page ist erzdumm. Er weiß A gar mast mal und hat doch unsere Königin selbst in sein Herz geschloffen und träumt Tag und Nacht von ihr. Ja er ist so kreuzdumm, daß er einen anderen Gemahl für unsere neue Königin suchen geht. Das alberne Waldtier! Ist ja ein Königskind, ach und so schön intb hängt den häßlichen Pelz uw. Nur in einer Abend­stunde geht er im Gewand des Pagen an den See und blast das goldene Horn, das die Königin so liebte. O, tote er da sein Lied erschallen läßt und die Königin dankt ihm flüsternd.

,Lletz!t ist die Zeit, wo er hingeht" flüstert er weiter, beim er toterft das Reh, das in seiner Nähe.Paß auf, du wirst gleich den bildschönen Knaben sehen, der aus dem Rehfell hüpft."

Pipp sprangt auf, daß der goldene Stuhl schier umgeklappt wäre, an dem er angebunden.

Mache mich los," ries er dem Zwerg zu. Er hatte den herrlichen Pagen gesehen, im himmelblauen Samtgewand, auf dessen zanberschöiiem Angesicht goldene Locken wehten.

,Ach muß, ich muß hin," schreit Pipp dumpf und hebt drohend die geknebelten Fäuste.Laß mich los, laß mich los, wenn ich König bin, mache ich dich zu den Ersten im Reich." Der Zwerg ließ sich überreden.

Pfeilschnell schoß, Pipp hinter dem- Knaben her, unbeachtet, daß -er über die kleinen Zwerge den Weg nehmen mußte, die im Garten des Palastes sich zur Ruhe gebettet hatten.

Au, au, mein Leibchen, au, au, er hat mir eilt Aeuglein ausgetretenwimmerten die Zwerge hinter ihm her. Wer Pipp hörte und sah nichts, wie den schönen Knaben, der mit dein goldenen Horn nach dem- See lief, auf dem die öerjmibcrte Königin ruhte.

Er wirb König," schrie es in ihm,und ich kann wieder in die Schneiderstube waikdern. Nimmer! Ich will König werden un« jeden Preis."

Da hält der Rasende. Wunderbar süß schwebt der Klang des Liedes über den See. WoU steht der Knabe mit bem Horn bedeckt von dein blitzenden hohen Schilfgras, aber Pipp knirscht mit den Zähnen. Diese Bescheidenheit, diese Demut, diese Selbst­losigkeit, sollte die nicht siegen?

Ein zaubervoll-es Licht "bi&m'mert über das stille Wasser und Pipp stehl deutlich, wie sich das Blum-enhaupt, eine prächtige Rose, erhebt. Mes wirbelt uni den Pipp.

Wie 'hat sie ihn so holdselig angesehen," stößt er aus den Zähnen.Der wird König!"

Sinnlos stürzt er nach der Stelle, wo das Schilf den Knaben verdeckt, und drohend steht er vor dem Rivalen. Ter sieht ihn traurig an.

,,Q, du kannst nie König werden," spricht er,wie, nicht eine Probe kannst du bestehen? Nur ein Würdiger darf meine Königin besitzen."

Etwa so einer wie du," schreit Pipp wütend.

Ich wage Mein Auge nicht zu meiner Königin zu erheben," wie 'klagend ist feie Stimme, das Auge des Pagen wird naß,

Tu liebst sie," schreit Pipp.

Der Knabe senkt heiß errötend das goldige Köpfchen.

Weg mit dir," schreit Pipp und im nächsten Moment nimmt der gurgenlde See ihn auf.

Pipp steht hoch erregt. Was war das? Der See schäumt und brüllt, und tote Feuer flammt er.

Pipp springt wie toll am Ufer hin und her. Was? Der Knabe stand ja hoch aufgerichtet aus den zischenden Wogen, das goldene Horn an beut' blühenden roten Mund. Immer näher, -näher naht er der Rose, der Königin. Halten die sich nicht umischlUugen, ja, es ist so, und das Munrentzaupt verwandelt

sich und eine liebliche Frauengestalt steigt an des Siegers H««8 aus der brausenden Tiefe an -das goldene Land.

Pipp schäumt vor Wüt. Er selbst in seiner böshäften Tücke hatte da? Erlöfnngswerk geschaffen. Er spricht es ja eben selbst zu -seiner Königin:Ich hätte es nie gewagt, ohne diese ge­waltige Hand des Bösen."

Und die Königin spricht:Tie Bösen liefern uns oft, ohne zu wollen, die Stufen zur Glückseligkeit aus"

Da wirb es Pipp dunkel vor den Augen und er merkt, daß -er in -einem! stockfinsteren Walde sitzt.

Heim in meine Schneiderstube und zur Frau Meisterin" spricht er. Und er sucht den Weg und findet, ihn. Fran Pipp empfängt den Thronsucher ganz leutselig und spricht:Na, fein Königsposten gefunden?"

Sei mir still, mit dem Königsposten, da danke ich schön dafür. Ich will lieber ein Schneider fein, da,tarnt ich pfeifen wie ich will und brauche in keinem -Glashaus zu sitzen -" . .

Da hast mal recht, lieber Pipp, eilt König ist gar ost cm armer Mann, und was wird nicht alles von ihm verlangt, der muß alle Tugenden der Welt besitzen und darf nicht ein Fehlerchen -haben"

Muß wie ein Atärchenkönig sein ergänzt Pipp und lacht, aber er sagt nicht, was er da erlebt. Er schneidert fest darauf los und sucht nimmermehr einen Königs posten.

VernUsehts».

* D i e V o r u a in e nir a g e b e i d e u Au s l a n d d e u t s ch en. Wer als Deutscher im Auslände lebt und sich und seinen Nach­kommen den geistigen Zusamuienhang mit dem großen deutschen Kulturvolke bewahren ivifi, der muß auch solchen Dingen erhöhten Wert beilegen, die gemeinhin von den Deutschen als nebensächlich und unbebeuienb behandelt werden. Tenn der VersncUungeu zur Untreue gegen die angestammte Art sind in fremden Landen gar viele, und wer sie siegreich bestehen will, der sehe wohl zu, daß das Waffenkleid, das ihn ichirnll, nicht wenn auch noch so geringfügig verletzt werde. Ist die Rüstung erst an einer Stelle durchlöchert, oder sind die Waffen stumpf geworden, dann versagen sie im Kampfe gar bald ganz, und willenlose llnler- werfung unter fremdes Wesen ist daun ineist das traurige Ende vom Liede. Ein besonders betrübendes Kapitel ist die Namensrage bei den Auslanddeiitscheii. Gewiß gehen nicht alle soweit wie jene Miller",Smith- usio, die sich als elwas Besseres dünken, seit sie ihrem Familiennamen die fremde Form gegeben haben (wie mögen sie sich ihrer plumpen deutschen Vorfahren schämen!); ober die Unsitte, sich und ihren Kindern einen fremden Vornamen beizulegen, ist bei den Auslauddeulschen weit verbreitet, vielleicht gar die Regel. Stichhaltige Gründe sind nicht vorhanden: man folgt lediglich einer Unsitte, die dem Deutschen bei seinem geringen Stammesbewußtsein leicht als vornehm, mindestens aber als nütz­lich erscheint. Hat denn die Ueberlieferimg so gar keinen Wert? Ist es nicht eine schöne Sitte, wenn in adligen und fürstlichen Häusern sich bestimmte Vornamen durch die Jahrhunderte fort« erben, und sollte es nicht noch weit schöner u n d w ich tiger fein, wenn derart auch ein ganzes Volk an seinen Uebeilieserungen fesi- hält, auch in jenen Gliedern, die in die Fremde gezogen sind? Muß mit der äußeren Gemeinschaft auch die innere, wie sie sich im Gebrauch der deutschen Namen und Sprache kundgibt, dahin- schwinden? Wer seinem Volkstum die Treue bewahrt, der bleibt auch sich selber treu, und wer im kleinen getreu ist, der wird auch im großen getreu fein. Fange jeder Auslanddeutsche bei sich selbst und den ©einen an, und gedenke jeder daran, daher gerade auch draußen in der Fremde mit dasiir verantwortlich ist, daß das alte Lied von der deutschen Treue weitertlinge durch die Jahr­hunderte ! R. Palleske (LandeShut i. Schl.)

* Vom Kasernenhofe. Unteroffizier:Einjähriger Krause, machen Sie doch nicht ein Gesicht, Wie 'n Vegetarianer, wenn er bei der Verlosung eine Salamiwurst gewinnt!"

Rätsel.

Wer mich mitT" empfängt, Wird meistens mißvergnügt. MitN" bin ich ein Werkzeug, Das auch bei Frau'n beliebt.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Königsvrornenade in voriger Nummer: Wenn das Glück, die lose Dirne, Launisch dir den Rücken kehrt, Hebe doppelt kühn die Stirne, Gurte doppelt isst das Schwert.

Rasch verivelfl ein Kranz ans Zweigen, Die da spielend dir gewannst;

Zn der No! erst magst du zeigen, Wer du bist und was bu kannst. Emanuel Geibel.

Redaktion: K. Neurath, -- Rotationsdruck und Verlas der Brühl'fchen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»,