Ausgabe 
21.4.1913
 
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den Bi hing?'

d u Page, dann bist du wohl doch auch, aus hohem mein Vater ist auch ein König," sprach das Reh Blitz, du bist ein Königskind und läufst zum Ber-

Was, Hause?"

O ja gelassen.

Potz,

" " O wie die schönste int Märchenland die ist aber jetzt "verzaubert in eine Wcksserose und mph aus einem kalten, tiefen See schlafen. Puhtzwre gEich'. Ich krieche als mal an da» Ufer und schau nach ihr. Ach könnte ich doch Kvnrg werden. Der Zwerg schluchzte und hielt sich die Fäustchen vor bte Augen. Da erschien das Reh und es hatte eine große Anzahl goldene Kelten im Maul uud legte sie vor dem Zwerg nieder.

So binde den Mann mal au, er will König hier werden und

Der ASnigtthron.

Ein Märchen von L. Geist.

Es war einntal ein Schneider und der hieß Pipp. Dieser Meister von der Nadel hätte ein sehr glücklicher Mensch sein können, denn er verstand sehr Wohl sein Handwerk, hatte eine sehr jjraue, gute Frau zur Lebensgefährtin, doch Herr Pipp war toeit davon, glücklich zu fein.

Er war unzufrieden, haderte mit Gott und der Welt, daß er nicht mehr war wie ein Schneider und nicht ein hoher Herr, Yin liebsten wäre er König gewesen, denn Pipp behauptete, er sei zu etwas Höherem geboren.

Eines Tages sprach Frau Pipp zu dem Verdrossenen:Et so laufe doch hin und suche dir einen Königsthron! Du tust ia doch hen ganzen Tag nichts weiter, als so hinträumen nach dem Königsschloß, statt die Madel izu rühren. Meterhoch wachsen ja die Stoffe an die Wand hinauf und die Kunden jammern, daß das träumende Schneiderlein ihnen dafür Röcke und Hofen liefert. Wenn du ja meinst, du imrft viel zu sein zum arbeiten".

Ei freilich," wirft Pipp erregt hin.Ich rühr' keine Nadel mehr an. Ich geh' und such' mir"

Na ja, ein Königsthron" ruft zornig Frau Pipp.Geh' lauf in die Welt und such' dir einen"

Ei, das tu ich auch und heut noch!, und auf der Stell. Mdieu Fran Pipp, wenn ich König bin, ruf' ich dich"

Bor der Tür ist schon der närrische Schneider. Ein paar Meter geht er dahin und weiß selbst nicht, welchen Weg er ein- schlagen soll, um zu dem Thron zu gelangen. Aber zurück das

als ein König" , .

Ei gewiß Pipp, der ist Herr in seinem Hauie. Aber wenn du König werden willst, so fei ließ gegen bte Kleinen, denn Liede zu denen haben, dazu diese fsttobe .

Pipp brummte etwas in den Bart, das mit Liebe nicht in Verwandtschaft stand, aber er hütete sich, seinen Grimm »U zeigen. Die Kerlchen ließen ihn nun auch los und tollten aanz lustig über den Glasboden. Nur ein i8itoerg blieb an ihm hängen und blinzelte ihn mit seinen Keinen togletn an

Gelt, du willst unser König werden?" fragt ADa mußt du aber fein aufpassen daß du (die Proben bestehst. Komm, setzen wir uns mal und plaudern, ich weiß alles, was und tote es zu gebt int Märchenreich" , , , , ,

®i, was!" rief Pipp und schielte nach dem Reh, das eben durch eine Tür verschwand.

Na, Kleiner, erzähl' wir mal recht viel" -- munterte Pipp Zwerg an.Zunächst sage mir, ist die Königin schön und

gnügen als Waldtier umher, na so was! Hör' mal, du bist ein Esel, mit Verlaub! So eine Erniedrigung! Aber hör mal, warum wählte man dich nicht zum König?" frng Pipp mißtrauisch. Ich sage dir doch, daß nur ein ganz Würdiger .

Pipp lacht schallend.Ein jeder muß sich selbst als den Würdigsten erkennen," meint er.

Du bist ein sehr eingebildeter Mensch und Bescheidenheit scheint dir fremd".

Lasse die weisen Reden, lieb Reh, und unterrichte mich nur über die Proben."

So komme mit in den Palast wie heißt du."

Herr Pipp"

Gut, Herr Pipp. Aber vorerst beuge schön deine Knie und sieh ja zu Boden, denn die Märchengestalten nahen, das Gefolge unserer armen Königin. Siehe, sie tragen alle die langen, schwarzen Schleier, die verhüllen ihre luftigen, funkelnden Ge­wänder"

Tie schwarzen Fahnen werde ich schnell heruntertriegen" Murmelt Pipp, während er die Knie beugte und mit einem Auge zur Erde sieht, mit dem zweiten betrachtet er kühn den Hofstaat der Königin.

Tie Schleier waren so dicht nicht, um diese holden Blumeu- antlitze 'zu schauen, die allesamt um die lilienweißem Stirnen goldene Reife trugen.

Mach Weine," rief er dos Reh an, als der Zug vorbei gewallt, Führe mich rasch in den Königs Palast"

Hier ist er ja schon. Bist du ungestüm'. Herr Pipp! Ich glaube nicht, daß du König werden kannst, doch wohlan, ich' will dich führen uud dir das Tor öffnen"

Was?" schrie Pipp,das Glashaus hier, soll der Palast fein? Der hat ja keine Mauern. Da kann ja ein jeder herein­gucken. Nicht übel. Sobald ich König, fliegt er in Scherben; ich will mich doch nicht tagtäglich begucken lassen"

Tas muß sich ein König schon gefallen lassen, Herr Pipp. Trete nur ruhig auf und mache keine Scherben"

Man war nun in deut Glaspalaste eingetreten und Pipp schaute sich neugierig um.

Ei, was ist denn das für ein Getiers, das so massenhaft an den Glaswänden klebt, sind das Fliegen, haben die aber große Augen und Ohren"

Tas sind die Untertanen im Märchenretch, die gucken sich satt, was da alles -im! Paläste vorgeht" erklärt das Reh.

Putsch!" ruft Pipp und schleudert seine Faust aus doch o wehe, Pipp schreit jämmerlich

Haben die Untertanen aber Rüssel ichau Reh, was sie gemacht er hielt die schmerzende Hand hin.

Warum reizest du sie?"

Sie sollen nicht so neugierig sein."

Tu willst König werden und hast keine Geduld! Das erst«, was Man von einem König verlangt, das gehört zu den Proben, Selbstbeherrschung."

Pipp konnte nicht antworten, beim wahrend man die Glas- treppe anstieg, fühlte er einen Gegenstand auf seinem Rücken, einen zweiten auf seiner Schulter, ein dritter schwang sich eben in seinen Arm!. ~

Ei, was find denn das für Keine Kerle" schrie der Ueber- bürdete ganz entsetzt. ,. .

Tos sind die Kleinen des Reiches; die Zwerge" spricht das Reh.Gib schön acht, daß du .keinen fallen läßt, die Meinen wollen fein getragen sein",

Sie petzen mich ja" wütete Pipp. , .

$ä, das Müßt du dir auch gefallen lassen, em König muß Tragen können und SelbsWerwindung haben."

Pipp seufzt schwer und keucht die Glassttifen an und denkt, das sind aber schwere Proben, um einen Königsposten zu be­kleiden. Wer er denkt auch, lasst mich nur erst König fein, y wehe euch Kleinen! , , ~ , r .. .

Laut spricht er:Ta ist ja ein Schueiderlein besser daran,

Meter geht schlagen soll, .... ..... ...... ...

wollte er doch auch nicht. Tie Sonne sank, als der Thron- kucher todmüde an einem Waldessäume hinsank, um gleich darauf in einen festen Schlaf zu fallen.

Ms Pipp erwachte, sah er sich höchst erstaunt um'. Träumte er? Er rieb sich die Augen. Potz, was war das? Der Boden, auf dein er lag, war ja eitel Gold, die hohen, schlanken Tannen, Has Häslein, das vor seinen Füßen huschte, alles, alles Gold.

Er sprang auf und betastete alles, nein so was!

Ei, wo bin ich denn?" schrie er laut. Er blickte sich scheu um. Alles stumm. Nur em Reh kam langsam aus ihn lugegangen und sah Pipp mit feinen goldenen Augen freund­lich an.

Du bist im' Märchenreich!. Wer sage, wie kommst du denn hier herein?" frag das Reh und wiegte den schlanken Mops.

Ach, seltsam" redete Pipp.Ich weiß nicht, ich bin nämlich auf ber Suche nach einem Thron, ich möchte doch gar gilt gerne ein König werden."

Das Reh sah ihn sinnend an.

Ja," sagte es nach einem Weilchen,ein Königsposten wäre too» da, ob du aber die Fähigkeiten, dazu Hast, das wäre eine Frage"

Pipp stand hocherregt da.

Was, hier ein Königsposten!" schrie er förmlich,gleich führe mich hin"

Ja, das geht so nicht, da sind erst Proben zu bestehen" spricht das Reh ruhig.Unser König, ber König Vvn dem Märchen­land ist gestorben.

Na, ist auch eine Königin da?" forscht Pipp aufgeregt.

Ja das, unsere arme Königin!" Denke doch, sie hatte so Piel um ihren Gemahl geweint und da hat sie ber Böse in eine Wasserrose verwandelt und auf einen tiefen, dunkeln Ort getragen. Sie wird erst aus dem oben Dasein erlöst, wenn wieder ein neuer König den Thron besteigt. O, wäre doch die Stunde und die Befreiung der armen Rose nahe. Das Reh redete mit wehbe- fangener Stimme.

Führe mich zu ihr, ich will die Königin erlösen" Pipp ist toll vor Lust.

Tas Reh wiegte den'lKops.Was weiß man den von dir und vb du auch würdig bist, ein König im Märchenland zu fein. Und nur ber, ber alles erfüllen kann, was so ein hoher Posten fordert, darf der Königin nahen und' sie erlösen"

.Ei, du kannst ja gar gelehrt reden, und bist doch, nichts wie ein Waldtier, wo hast du denn das reden gelernt?" Pipp war erregt, weil ihm das Reh so viele Schwierigkeiten entgegen stellte.

Ich bin nur zuweilen ein Reh" erwiderte es.Ich ge­falle mir darin, so als Waldtier und weiter nichts umher zu laufen. Je weniger man ist, um so schöner ist das Leben. Sieh, da kann ich den ganzen Tag herümtummeln im Walde, Jat man es nicht so herrlich! Wenn unsere holde, junge Königin wieder ihren Gemahl hat und am Hose waltet, bann bin ich wieder ihr P a g e.

darum" Pipp schaute sich erschrocken um, da stand ein gw beiter Stuhl neben ihm. Und schon int nächsten Moment Mir er mit goldenen Banden an Hand und Fuß grfneMt.