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Zwei Welten.
Roman von Emma Mer I.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Der kleine Zwischenfall dünkte Hildegard doch recht sonderbar und weckte ihr ein dumpfes Mißtrauen gegen den Leutnant, der dann mit verdoppelter Höflichkeit auf sie einredete, während sie ihre Handschuhe zukiiöpfte, als gebe ■er sich Mühe, den kurzen peinlichen Eindruck zu verwischen.
Er hatte wohl der hübschen Auguste einmal den Hof gemacht und verleugnete nun sein Interesse an ihr, behandelte sie mit beleidigender Kühle, weil eine junge'Dame in der Rahe war.
Mit -ziemlich hochmütiger Miene schritt Hildegard an ihm vorüber, in das Empfangszimmer, in dem Marianne ihr, wunderbar schön und vornehm, in einem dunklen 'Sammetkleid entgegenkam und sie herzlich begrüßte, wäh- rend sie -dem Leutnant nur mit eisiger Zurückhaltung die Fingerspitzen reichte.
Der Baron empfing seinen jungen Freund von der Redoute mit um so lebhafterer Wärme; er war an diesem -Abend auch gegen Hildegard von besonderer Zuvorkommenheit.
Es iöiirbeit nur wenige Gäste erwartet, die Direktoren von der Aktiengesellschaft, bei der Baron von Flas- san teilte Stelle als Aufsichtsrat innehatte, deren Frauen, und ein älterer pensionierter Oberst, der gern gut trank und der dafür bekannt war, daß er den Herren im Ranch- zimMer die neuesten, saftigsten Anekdoten zuzuflüstern wußte.
Man merkte dem Menü an, daß ein Kenner und Feinschmecker es zusammengestellt hatte, und die Gäste waren denn auch so beschäftigt mit den raffinierten Tafelgenüssen, daß ihnen Au einer besonders lebhaften und geistreichen -Unterhaltung wenig Zeit übrig blieb.
Leutnant Schmidt bemühte sich allerdings, zwischen den -Austern, den Hummerpastetchen, dem aetrüffelten Fasan und den Riesenspargeln seiner Tischnachbarin einiges Verbindliches zu sagen.
Aber Hildegard mußte immer wieder die hübsche blonde Auguste anblicken, die mit auffallend blassem Gesicht servierte, und ein paarmal durch eine Ungeschicklichkeit und Zerstreutheit einen zornigen Blick des Hausherrn hervor- rief. _ _ I
Einmal, als sie dem Leutnant die Bratenplatte reichte, zitterte sie so, daß ein paar Tropfen Sauce auf das Kleid der nebenan sitzenden jungen Dame fielen.
as Mädchen tat ihr so leid, das sie mit ängstlichem Gesicht um Verzeihung bat, so demütig vor ihr kniete, Um die Flecke aus dem Seidenkleid Herauszurechen.
Sobald die Tafel .aufgehoben wurde, die Herren sich ihre Zigarren cnizündeieu, flüsterte Hildegard der Tante zu:
^/Schläft denn Paulchen schon? Ich möchte ihn gern besuchen und ihm gute Nacht sagen."
hBor kurzem.war er noch wach. Er wollte von der süßen, Speise haben," sagte Marianne, deren Gesicht sich förmlich verklärte, wenn von ihrem Jungen die Rede wär. „Geh nur, er freut sich riesig. Er ist ja dein jüngster Verehrer."
Paul lag schon zu Bett, als Hildegard in das Kinder- zimmer schlüpfte. Aber er war noch sehr munter und begrüßte das junge Mädchen mit einem Jubelschrei.
Er war ein bildhübscher kleiner Kerl von acht Jahren, mit den feinen Zügen und den wunderbaren Augen der Mutter.
„Du, wenn ich einmal groß bin, dann führe ich immer dich zu Tisch und schenk' dir Wein ein und du müßt dann sagen:, „Danke, lieber Vetter", und ich sag' dann: „Bitt« sehr, liebes Väschen". Ja, Du bist mein Bäschen, Papa hat's gesagt."
Er plauderte so drollig und machte so komische Verbeugungen in seinem Bett, daß Hildegard zum ersten Male an diesem Tag herzhaft lachen konnte.
i,;Das wird eine sehr amüsante Unterhaltung werden, Paris. Und ich bin bis dahin ein etwas altes Büschen," rief sie lustig. Es tat ihr ganz leid, sich den Kinderhänden, die sie so gern noch festhalten wollte, wieder zu entreißen.
p.Du sollst schlafen, du Wildfang, gute Nacht!"
J'm Spielzimmer Pauls, durch das sie sich in den Speisesaal zurückbegeben wollte, hörte sie ein leises Schluchzen.
Es war dunkel hier, — nur die Straßenlaterne warf einen hellen Streifen auf den Teppich und auf die Festung, die Paulchen auf dem Boden aufgebaut hatte.
Als sie sich umsah, entdeckte sie aber in dem Lichtschimmer auch -eins weiße Schürze und ein weißes Häubchen.
Auguste saß in einem niederen Stuhl neben dem Fenster, hatte das Gesicht in die Hände gedrückt und weinte heftig.
Mitleidig trat Hildegard auf das Mädchen zu.
„Was haben Sie, Auguste? Was ist Ihnen geschehen? Sind Sie krank?"
„Nein, — nein!" schluchzte die Weinende, mehr in einem zornigen, als in einem schmerzlichen Ton. „Ich laß mir das nicht mehr gefallen! Ich weiß schon, — morgen krieg' ich wieder einen Brief von meiner Mutter, daß ich hier nicht bleiben darf. In einem Haus, wo er verkehrt! Ich soll fort auS München. Und ich geh' nicht! Immer soll ich nur Opfer bringen und Rücksichten nehmen, und er tut dann, als hält' er mich nie gesehen, als wär' es eine Schande für ihn, wenn -er mich grüßen muß! Ich laß mich nicht Mehr so behandeln.'"
„Wer hat Sie denn so beleidigt, Auguste? Der Leutnant Schmidt? Sie waren ja so erschrocken, als Sie ihn eintreten sahen/' i
Das Mädchen, das, ohne aufzn'blicken, in einem förtn-


