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die befreiende Tat einer itnschuldvokken Seele cntsündigt die Pforten der Ewigkeit überschreiten zu dürfen.
Mag die -Gegenwart mit ihrer geistigen Neberhebnng sich über jene Zeit des grossen Aberglanbens und der Ge^ jpensterfurcht erhaben dünken (obwohl in. E. auch der Freieste noch nicht ganz- frei. davon ist), wieviel kindKche Naivität, welch feines Empfinden für Recht und Unrecht und zugleich Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der göttlichen Gerechtigkeit liegt doch in vielen dieser Erzählungen verborgen! Ist mit jenem rohen Aberglauben, den wir gerne vermissen, nicht auch manches Fünkchen dieses Emp- findeus geschwunden? — Doch zurück von solchen Betrachtungen, die der Leser für sich weiter spinnen mag, z,u unserer Brücke und dem Beherrscher derselben, dem „schwarzen Hunde".
In dem schwarzen Tiere wohnte eine ebenso schwarze Seele, die nach den Erzählungen aus dem Dorfe O. oder N. jedesmal einem anderen Bösewicht angehört haben mußte, der durch irgend ein Verbrechen des Betrugs, oes Meineids oder gar des Mordes Geld- oder Gut anderer an sich gebracht it.tb dadurch die Strafe des ewigen Wanderns auf sich herabbeschworen hatte, wenn ihm nicht obenerwähnte Erlösung kam. — Jener Hund war nun nicht lebensgefährlich ; denn er hatte noch niemand gebissen — nur unheimlich war er, wenn er sich dem späten Wanderer lautlos an die Fersen heftete, bis dieser die Grenzen seines Bereiches überschritten hatte.
Mehrfach hatte ich nun auch schon, um während der Schulferien in dem erwähnten Städtchen B. im Freundeskreise einige fröhliche Stunden zu verbringen, in mitternächtiger Stunde heimwärts strebend, vielleicht auch in der Erinnerung an die zahlreichen Erzählungen unbewußt meine Schritte beschleunigend, jene Brücke überschritten, der schwarze Hund aber ließ sich- nicht blicken. War ihm meine Seele nicht unschuldvoll genug oder fürchtete er meinem Ziegenhainer, den nach damaliger Sitte oben ein Bleiknopf zierte? Doch nein! Der letzte Grund konnte es nicht gewesen sein; beim unser Hund wußte doch gewiß, daß ihm tote überhaupt seiner Rasse mit einem Stock nicht beizukommen war.
So vergingen Jahre und Tage, ich kam im Laufe der Zeit in Amt und Würden, behielt aber meine alte Gewohnheit bei, näiülich die Zeit des Urlaubs zu Hause zu verbringen, und so kam es auch, daß ich in solchen Tagen! wieder jenen Freundeskreis aufsuchte, um ab und zu wieder wie ehedem in später Nachtstunde mutterseelenallein den Hei'mweg auzutreteu.
Da in einer ivolkenschwarzen Herbstmitternachtstunde, als ich eben glaubte, die „schwarze Hundebrücke" wieder unbehelligt verlassen zu haben — was geschah?
Ein leises Tippen von vier eilenden Hundefußen, ein Schnuppern an meinen Fersen, das plötzliche Ueberzieh-en! meines ganzen Körpers mit -einer Gänsehaut, die ich wohl nicht sehen, aber Um so deutlicher spüren konnte, einen verzweifelten Hieb mit meinem Tröster, natürlich in die Luft — das alles vollzog sich so blitzartig rasch, daß ich es nicht so schnell zu denken, geschweige denn mit Worten anzudeuten imftonbe bin. Wäre nun das schreckliche Tier verschwunden, so hätte das nicht nur meine Nerven wieder! ins Gleichgewicht gebracht, der Beweis für das Vorhandenfein des schwarzen Köters wäre dann -auch sehr einfach gewesen. Ich hätte als Kronzeuge um so gewisser gelten müssen, als meine geistige und seelische Verfassung -eben erst von ihm, dem Hunde selbst, als über jeden Zweifel erhaben anerkannt worden wär. So -erschien d-as dumme Kundevieh aber zum zweitenmal und beschnupperte mich immer wieder, ohne auf meine Abneigung zu achten nnd- uterftc auch nicht, daß ich mein ganzes Denken aus den; einen Punkt konzentrierte, wie ich ihm doch- noch eins! versetzen könnte, und — daß wir so schon über die Grenzen feines Reiches hinausgekoiumen waren. Unterdessen hatte ich meinen Stock fest in der Faust dicht an meine rechte Seite gedrückt und — wie Blitz und Schlag — saß ein kräftiger Jagdhieb dem Zudringlichen in den Rippen. Im Bogen an mir vorüber Reißaus nehmend, quittierte er in ganz gewöhnlichen Hundeklagetönen, wenn auch nicht gerade dankend, den Empfang. Diese Quittung enthielt aber für mich noch die Aufforderung, dein Davoneilenden zu folgen, wenn es auch übet Stock und Stein, über Eisenbahndamm und Gräben sein sollte. Die Behausung des Schwarzen mußte ich erfahren, könnte ich doch dabei gar in den Besitz großer Reichtümer gelangen, die er vielleicht zu hüten hatte.
Zu meiner nachträglichen Genugtuung aber schlug er solche immerhin halsbrecherischen Wege .nicht ein, sondern bog wieder zur Straße zurück und über den stillen Bahnübergang ging es weiter im eiligen Lause, ich nur wenige Meter- hinter ihm drein. Obwohl ich es im Reißausnehmen glaubte mit einem Hunde aufnehmen zu können uno wohl dem bekannten „Holländer" noch über war, verlor ich ihn zuletzt in der Dunkelheit doch aus den Augen, als ich nach kurzem Dauerlauf aus dem Dunkel der Stacht drei fchwarze Männer auftauchen sah, die sich, wie ich näherkommend hören konnte, über eine Hundeangelegenheit lebhaft unterhielten. — War ihnen auch der „Schwarze" begegnet? Ja wirklich, da war er ja; aber nicht auf der Brücke, sondern eben im Augen-; blick sprang er freudig bellend an dem Sprecher in die, Höhe, als der zu seinen Genossen gewendet meinte, Hektor müsse wohl im Hause seines früheren Herrn in N. gewesen! und fortgejagt worden fein, oder das Tor verschlossen gesunden und sich so verspätet haben.
Unterdessen hatte ich mich den drei mir wohlbekannten Landsleuten angeschlossen, wurde aber von unserem Geisterhunde keines Blickes gewürdigt. Hat er mich nicht wieder erkannt, wollte er edelmütig auf Rache verzichten, oder sollte sein Herr die erlittene Schmach nicht erfahren. Hätte! der „Schwarze", der übrigens, wie ich nachher erfuhr, nur in der Dunkelheit schwarz, sonst aber rotbraun war und! nur zwei schwarze Flecken über den Augen hatte, gewußt,^ daß ich bereits die ganze Geschichte, freilich in der ihm unverständlichen Menschensprache den Dreien . kundgetan hatte, wer weiß, ob er nicht noch nachträglich meine Niedertracht bestraft und mich seine Zähne hätte fühlen lassen.
Seit Jahrzehnten ist von dem Erlengebüsch an der! Brücke und von dem schwarzen Hunde nichts mehr zu sehen und zu hören, ja man spricht in unserer poesie-armen Zeit nicht einmal mehr von ihm. —
Hat ihn eine unschuldige Menschenseele erlöst? — oder hat ihn die „Eisenbahn" mit ihrem feurigen Lindwurm-- rachen verschlungen?
VSNMlls^tL».
kf. Das Volk der Einbeinigen. In dem deutsche» Volksbuche vorn verzog Ernst wird erzählt, wie der Herzog von seinen wunderbaren Reisen allerlei Wundernwnschen mitbringt, darunter auch einen von dem Balte der Einbeinigen. Etwas Wahres scheint nun an dieser Wundermär zu sein; der englische Missionar Lea Wilson, der soeben aus dem Gebiete des weißen Nils heimgekehrt iu, erzählt nämlich von einem seltsamen Neger- volle, den I i e >> a in der Gegend des Bahr e l Ghazal. Diese Leute haben freilich zivei Beine, aber die selisame Angewohnheit, sich nach Gtorchenweise aus einem Beine stehend aus- zuruhen. Tie Ficngs werben übrigens als lauter Riesen von kohl- schivarzer Farbe beschrieben. Sie sollen körperlich sehr schön sein und aui ein schönes Aenßere sehr viel Wert legen; sie frisieren sich sorgsältig, pudern sich und tragen Straußenfedern; sie haben die merkwürdiae Angewohnheit, sich sechs Zähne des llnterkicfers aus- zuziehen, ein Brauch, der übrigens bei anderen Naturvölkern Ceitensiücle bat. Die Swen der Jiengs stellt Wilson als sehr sanft dar; so hat er z. B. nie gesehen, daß die Jiengs gegen Frauen oder Kinder grausam sind. Tie Jiengs kennen ein höchstes Wesen, dem sie durch Zauberer oder ihre Häuptlinge Op-er barbringen. Sie sind außerordentlich geschickie Jäger, und Wilson hat miterlebt,, wie die Einwohner eines kleinen Dor es in drei Tagen 15 Flußpferde erbeuteten. Cie erlegen die geivalligen Tiere von gebrechlichen Kanoes aus durch Spcerwürü.
* I il der Schule. Lehrer: „Es gibt also Augen von blauer, schwarzer, brauner und grauer Farbe. Wer von Euch hat schon einmal darauf geachtet? Z. B. Müller, was.hat dein Vater für Augen?" Der kleine Müller: „Für gewöhnlich sind sie grau, wenn er sich aber mit Muttern gezankt hat, ist eines blau!"
* Unverfroren. Schneider (einen Schuldner bei einem feinen Tiner in einer Restauration treffend): „Wenn Sje allerdings immer so leben, dann sehe ich ein, daß Sie unmöglich Geld für den Schuster und Schneider übrig haben können!" Herr: „Gott sei Tank, daß Sie wenigstens so vernünftig sind und das endlich cimuat einsehen!"
* Das kleinere Hebet Briggs : „Sie müssen doch eine Menge Sorgen damit haben, Ihre Frau so auf der Höhe der Mode zu erhalten?" — Criggs: „Oh, ja, aber nichts gegen die Sorgen, die ich hätte, wenn ich es nicht täte."
* Kitt Gcmütsmeus ch. Richter: „Ja, sagen Sie mal, Angeklagter, warum haben Sie denn das gefundene Portemon- nuic um oen öo3 Mark nicht auf der Polizei abgegeben?" Angeklagter : „Ach, Herr Amtsrichter, ich bin .so bescheiden. Tas hätte ja ausgesehen, als ob ich mit meiner Ehrlichkeit prahlen oder Fin- derlolm haben wollte ''


